Sonntag, 13. Januar 2013

Ich bin zurück


Ich wurde unlängst durch einen sehr guten Freund auf einen äußerst tragischen Umstand hingewiesen: Mein letzter, nun schon eine ganze Weile zurückliegender Eintrag hier, vermittelt ungewollt den Eindruck, mir sei beim Besuch des Kernkraftwerks in Krümmel etwas Schreckliches zugestoßen.

Ich darf sagen: Dem ist nicht so. Im Gegenteil, denn im Zuge meines Ausflugs konnte ich einiges an interessanten Dingen mitnehmen. Die Rede ist von Eindrücken, die sogleich in einen Roman eingeflossen sind, und (bedauerlicherweise) nicht von Superkräften. Will meinen: Ich musste auch im letzten halben Jahr das Verbrechen auf die altmodische Art bekämpfen. (Und das Angebot des geschätzten Kollegen Jonas Wolf ausschlagen, eine seiner Stationen im Erdorbit als zukünftige Basis für meine Unternehmungen zu nutzen).

Zu meiner Schande habe ich in der Zwischenzeit so manches an Ereignissen im näheren Umfeld und in der großen weiten Welt unkommentiert gelassen, was durchaus kommentierenswert gewesen wäre. Als kleine Entschädigung – auch vor mir selbst und meinem ansonsten ja bekanntermaßen tadellosen preußischen Pflichtgefühl – hier nun ein kleiner und vollkommen ungeordneter Schnelldurchlauf:
   
*  * Disney kauft sich Star Wars. Finde ich dufte. Das ist keine Ironie. Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.

-     * In Berlin wird ein Flughafen nicht fertig, und in Hamburg wartet man noch immer auf die Eröffnung der Elbphilharmonie. Ersteres ist mir wurscht (ich fliege ohnehin in etwa so gern, wie ich mir einen Harnröhrenabstrich machen lasse), Letzteres ist zum von gesundem Fatalismus geprägten Normalzustand geworden.

-       * Die SPD hat einen Kanzlerkandidaten gefunden. Kleiner Tipp: Das nächste Mal bitte jemanden mit Haaren nehmen, der Angela Merkel auch optisch etwas entgegenzusetzen hat. Ach ja, und Finanzpolitiker sind definitiv nie sexy.

-        * Auf einem Harry-Potter-LARP einen holländischen Heiratsschwindler gegeben. Früh verstorben (Drama!), aber unvergessen. Ebenso wenig wie der Augenblick, in dem man als Satyr verkleidet rauchend in einer Waldschule herumsteht (komplett mit imposantem Phallus ... also der Satyr, nicht die Waldschule) und zwei ältere Damen in Übergangsjacken an einem vorbeiradeln und den Blick sehr starr geradeaus gerichtet halten. Liverollenspiel – ein Hobby wie jedes andere auch.

-     * Zehntägiger Aufenthalt in London. Fazit: 14 von 16 Programmpunkten geschafft (inklusive eingeschobenem und erstaunlich abenteuerlichem Sockenkauf). Randnotiz: Das britische Fernsehen ist dem unseren auch im Alltagstest nachweislich überlegen.

-     * Kurze Verwirrtheit angesichts der irgendwo bei einer größeren Tageszeitung aufgeschnappten Schlagzeile „Apple bringt Jobs zurück“. Nachhaltige Erleichterung bei der beruhigenden Erkenntnis, dass da noch nur die Rede von Arbeitsplätzen ist. Glück gehabt.

-      * Erstkontakt mit der Hobbit-Verfilmung (in der bildratenmäßig aufgebrezelten Fassung). Urteil: Kann man definitiv machen, auch wenn der Film sich an manchen Stellen nicht so recht entscheiden will, ob Pathos oder Slapstick auf der Prioritätenliste ganz oben stehen. Ansonsten würde ich gern einmal einen Streifen komplett ohne Spezialeffekte sehen, der die neue Aufnahmetechnik verwendet.

-    * Einige spannende neue Projekte in Angriff genommen. Merke: Manuskripte profitieren von Überarbeitungen (es sei denn, man ist nachgewiesenermaßen ein Genie wie Kollege Wolf).

-     * Hier im Hause bricht die Lego-Sammelwut aus, entfesselt durch einen harmlosen Erreger (eine Gandalf-Figur, die sich die Frau des Herzens zur Konsumorgie namens Weihnachten wünschte). Ich habe festgestellt, dass mir der Rückbau von Modellen mehr Freude bereitet als das vorangegangene Zusammenpfriemeln. Vielleicht auch eine valide Strategie für den eben erwähnten Flughafen und die Philharmonie?

-     * Große Aufregung um Überarbeitung von Kinderbuchklassikern (in Internetkommentaren gern sogleich als himmelschreiende Zensur völlig falsch eingeordnet). Plädiere für kommentierte Fassungen, ungeachtet dessen, ob es nun um Chinesenmädchen oder durchgewichste Kinder geht.

-       * Apropos Klassiker: Knechtschaftspartei in seinem Kerker hat absolut das Zeug dazu. Dieses Werk liefert zudem den Beweis, dass Lektoren und Übersetzer trotz aller Segnungen der modernen Technik noch nicht gänzlich überflüssig geworden sind.

Und im Moment so?

Derzeit unterstütze ich gemeinsam mit Herrn Christiansen den bereits erwähnten Kollegen Wolf bei seiner Arbeit an einem neuen „Alles über ...“-Buch. Diesmal braucht er uns, um seine Auslassungen über Elfen zu kommentieren. Danach setzte ich mich an den dritten Skaldat-Roman, zu dem ich nur so viel sage: Rübenritter.