Donnerstag, 4. April 2013

Ich werde jetzt Scheich

Nun, fast. Aber in Zeiten des Internets ist jeder billige Trick zur Erzeugung von Aufmerksamkeit zulässig. Eigentlich hat sich Folgendes zugetragen: Meine Holde kehrte von einem Turnier zurück und stellte fest, dass ihr Team das einzige war, das keinen Sponsor vorzuweisen hatte. Es herrschte also große Trauer, und ich rief meinen guten Kumpel Jonas Wolf an, ob er bereit wäre, mir aus der Patsche zu helfen. War er. Und darum sind die Trikots, die die Trauer auslösten, nun nicht mehr blank. Stattdessen sehen sie jetzt so aus: 

Jonas Wolf erwartet natürlich fortan triumphale Siege. Drunter macht er’s nämlich nicht.

Apropos Herr Wolf: Der gute Mann sitzt noch an seinen Betrachtungen zu Elfen und an seinem nächsten Band aus der Welt des Skaldats, weswegen Christiansen und meine Wenigkeit ihn anlässlich einer Lesung in der Stadtbibliothek Rostock (hoffentlich) würdig vertreten haben. Für mich zumindest war es eine ganz zauberhafte Jungfernreise in die Hansestadt, die mich einiges lehrte. Unter anderem, dass ein Raucherzimmer ohne Aschenbecher immer noch ein Raucherzimmer ist und dass Kinder das aufmerksamste und kritischste Publikum sind, das man sich vorstellen kann. Vor allem dann, sobald über Hobbits diskutiert wird.

Kurz zuvor verschlug es mich auf ein Konzert der Killers (und den Kraftklubhörern kann ich versichern: ja, sie waren es wirklich, und die Platte ist nicht gesprungen). Zweimal durfte ich Zeuge werden, wie die „typische“ US-amerikanische auf die „ebenso typische“ bundesrepublikanische prallte. Frontmann Brandon Flowers verkündete irgendwann stolz, das neue Album sei ja nach dem Motto auf der Flagge des Bundesstaats Nevada benannt: Battle Born. Nicht minder stolz ließ er die versammelten Menschen wissen, dass ihm das Motto am Hamburger Rathaus ebenfalls sehr gut gefallen habe. Ich liefere mal die deutsche Übersetzung aus der Wikipedia, weil Latein nun bekanntermaßen eine untote Sprache ist (nein, der Vatikan zählt nicht!): Die Freiheit, die die Älteren erwarben, bemühe sich die Nachkommenschaft würdig zu hüten. Reaktion des Hamburger Publikums: Verwirrte Blicke und die allseits gemurmelte Frage „Seit wann haben wir denn so ein Motto?“

Kurze Zeit später fragte Flowers beim Publikum nach, ob es denn die Tanzschuhe eingepackt habe. Natürlich hatte es das. Ob es denn auch Lust hätte, so richtig abzutanzen. Selbstverfreilich. Mir schwante Übles und so kam es denn auch: From Here On Out ist, wenn man es wohlmeinend formulieren will, eine passable Uptempo-Countryrocknummer, mit der sich in den USA stimmungsmäßig sicher punkten lässt. Hierzulande hielt sich die Begeisterung sehr in Grenzen und ich habe nirgendwo einen Tanzschuh glühen sehen. Merke: Offenbar ist die Schnittmenge der Fans der Killers mit denen von Boss Hoss nicht sonderlich groß. Und Americanakram funktioniert in Amerika einfach besser.

Ich hatte bei den Killers übrigens einen Sitzplatz. Ich bin alt, und die Hüfte knarzt. Wenig später schaffte es meine Frau dennoch, mich und unsere zauberhafte Begleitung dazu zu bewegen, bei einem anderen Konzert in der ersten Reihe durchzuhalten. Wer mich kennt, weiß wahrscheinlich, wie gern ich mich in größeren Menschenmengen aufhalte – nämlich ungefähr so gern wie in lebenden Gewässern oder Pumakäfigen. Ein Unbekannter hat meine Tapferkeit dankenswerterweise in Ton und Bild festgehalten. Wer mich allein am Schattenriss meines Quadratschädels erkennt, wird seine helle Freude an dieser Aufnahme haben.

Und wo wir gerade beim Thema größere Menschenansammlungen sind: Mich hat es zum ersten Mal seit Ablauf des letzten Jahrtausends unlängst wieder einmal in ein Fußballstadion verschlagen. Interessante Beobachtungen: Damals gab es noch keine fest integrierten Verkaufsstände, an denen man Lattes to go hätte erwerben können. Im Fußball gilt der alte Spruch „Früher war mehr Lametta“ definitiv nicht. Was es früher jedoch auch schon gab, war das eine obligatorische rundliche Kind, das mit den Profis vor dem Anpfiff auflaufen durfte. Man hat aber insofern dazugelernt, dieses Kind nun so in der Aufstellung zu positionieren, dass sein Rückweg ein Stück kürzer ausfällt und es ihm erspart bleibt, als Letzter wieder vom Platz runter zu sein. Ich halte also fest: Unsere Gesellschaft ändert sich, wenn auch nur in kleinen Schritten. Ansonsten glänzte das Spiel durch einen frühen Rückstand der Heimmannschaft, die auch noch zwei gelbrote und eine zurückgenommene (!) rote Karte in der etwas hektischen Schlussphase einstecken musste. Ich bedanke mich jedenfalls bei einem rundum knuddeligen Kollegen und seinen Freunden in aller gebotenen Herzlichkeit für dieses Abenteuer.

Aber auf den Dom kriegt mich trotzdem so schnell keiner ...

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