Dienstag, 30. April 2013

Eine Alternative ist keine Quote

Die wenigsten werden es wissen: Ich habe ein großes Herz für Klein- und Kleinstparteien. Neuerdings zum Beispiel auch für die AfD. Mich spricht da zum Beispiel bereits das Logo außerordentlich an. In erster Linie deshalb, weil ich den Swoosh von Nike so mag (das Ding, das ein bisschen nach einem dickem Filzstift gezeichnetem „Ist schon korrekt so“-Häkchen aussieht). Das erinnert schon stark an das AfD-Logo. Nur, dass der Swoosh einmal quer durch Photoshop geprügelt wurde, bis es zu einem richtig hübsch phallischen Pfeil umgemodelt war. Der Prengel zeigt dann auch wenig überraschend verhältnismäßig steil nach rechts oben.

Verzeihung. Das ist ungerecht. Die AfD – oder lang: Alternative für Deutschland – will natürlich keine rechtspopulistische Partei sein. Sie handelt ja nach eigenem Bekunden auch ausdrücklich aus dem hehren Ansinnen heraus, unseren südlichen Nachbarn auf unserem kleinen Kontinent dringend aus der Patsche helfen zu wollen. Und mit einem Namen wie Alternative für Europa würde man derzeit wohl kaum Wählerherzen gewinnen (von Alternative für Südeuropa – oder vielleicht auch gleich Rettung für Südeuropa – einmal ganz zu schweigen). Nein, nein. Der Name ist schon klug gewählt – so kann man wenigstens darauf hoffen, dass einige verwirrte Alternative ihr Kreuzchen am falschen Platz machen. Oder eben am richtigen. Alles eine Frage der Perspektive. Wie immer.

Etwas befremdlicher waren die Texte, die man auf der Homepage der AfD finden konnte, als man sich vor einigen Wochen daranmachte, einen Bundesvorstand zu wählen (diese Texte sind leider nicht mehr einsehbar, was einen unschätzbaren Verlust für die Geschichte der Realsatire darstellt). Genauer handelte es sich bei diesen vor uns Säue geworfenen Perlen im Grunde um die Bewerbungsschreiben diverser Parteimitglieder auf die begehrten Vorstandssitze in Bund und Ländern. In einem von diesen stieß ich auf ein denkwürdiges Bekenntnis. Die betreffende Bewerberin hatte ihr ganz eigenes Motto geprägt, um ihre Unzufriedenheit mit dem Allgemeinzustand der Staatsfinanzen innerhalb der EU zum Ausdruck zu bringen:

Der Euro ist kein Menschenrecht.

Was für ein perfider, genialer Schachzug! Wirklich beneidenswert. Endlich einmal ein Motto, dem tatsächlich niemand auch nur ansatzweise widersprechen könnte. Selbiges gilt übrigens auch für die folgenden Mottos:

Ein Frosch ist kein Klavier.

Eine Zigarettenschachtel ist keine Einbauküche.

Die D-Mark ist kein Verfassungsschutz.

Apropos Verfassung. Eine Aufgabe der Parteien besteht darin, zur politischen Willensbildung beizutragen. Das ist zwar eine knifflige Sache, aber bei mir ist das der AfD durchaus gelungen. Jetzt weiß ich wenigstens mal wieder, was ich nicht will.

Etwas schwerer dürften es da die Anhänger der Union haben. Nicht die der europäischen, sondern die der christdemokratischsozialen, die momentan die Bundeskanzlerin stellen. Diese ganze Nummer mit der Frauenquote ist doch ziemlich verwirrend.

Kurzer Einschub: Wer jetzt jammert, eine Quote würde die Frauen in die gar grässliche Situation bringen, nicht ihrer Leistung, sondern nur ihres Geschlechts wegen an bestimmte Positionen gelangt zu sein, glaubt allem Anschein nach ernsthaft, Beförderungen und Stellenvergaben in der freien Wirtschaft funktionierten einzig und allein nach einem nüchtern neutralen und durch und durch objektiven Leistungsprinzip (und schreibt in seiner Freizeit an den Nordpol adressierte Wunschlisten).

Kurzer Einschub, die zweite: Wer jetzt darüber klagt, dass durch eine Quote in irgendwelchen Aufsichtsräten nichts für die Frau bei Penny an der Kasse erreicht wäre, dem sei versichert, dass nichts dagegen spricht, eine Männerquote an Discounterkassen einzuführen – gleichwohl die symbolische Wirkung dann ein klitzekleines bisschen geringer ausfallen dürfte.

Zurück zur Union. Jetzt hat man also beschlossen, dass eine Quote prinzipiell nichts ist, was den Fortbestand unseres Universums oder auch nur unserer schönen Republik gefährdet. Und dass man ruhig mal ins nächste Parteiprogramm reinschreiben kann, wann man den so eine Quote einführen möchte. So in sieben Jahren etwa (man achte unbedingt auf die magische Zahl; andere Kandidaten wären die zwölf, die dreizehn, die 42 oder die 144 gewesen). Ungeachtet dessen, dass der Bundestag eigentlich nicht der vorgesehene Ort ist, um parteiinterne Nickeligkeiten zu klären.

Ich hoffe schwer, dass sich diese Taktik im Falle eines Regierungswechsels im Herbst auch bei anderen Parteien durchsetzt. Die Grünen könnten dann den Bundestag dazu missbrauchen, sich auf eine der Forderungen aus ihren Jugendtagen zu besinnen und eine Gesellschaft ohne Polizei und Militär anzukündigen – ab 2157, wohlgemerkt. Und die SPD vereinbart mit dem gleichen Verfahren endlich einen festen Termin für die Aufstellung von Kanzlerkandidaten, die tatsächlich guten Gewissens wählbar sind – wenn die Hölle zufriert.

(P.S. Hier noch ein kleines (englisches) Video bezüglich ausbleibender Weltuntergänge aufgrund politischer Entscheidungen. Warum hält nicht mal ein deutscher konservativer Politiker so eine Rede? Ist vielleicht besser so, dann fällt die Wahlentscheidung nicht so schwer.)

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