Mittwoch, 25. Juli 2012

Fertige Hobbits, beendete Urlaube und Ausflüge mit Praktikantin

Jonas Wolf hat vor einigen Wochen Vollzug gemeldet. Er ist fertig mit seinem heiteren Hobbit-Sachbuch, und Christiansen & Plischke haben inzwischen auch ihren Fußnotensenf dazugegeben. Schön war’s, auch wenn wir uns alle drei haltlosen Unterstellungen ausgesetzt sahen: Angeblich hätten wir vor, den Hobbit in den Schmutz zu ziehen.

Da kann ich Entwarnung geben. Allen Ernstes: Ich mag Hobbits, und zwar in allererster Linie deshalb, weil sie der Beweis dafür sind, dass in der Fantasy nicht zwingend der Held mit dem längsten Schwert und der härtesten Rüstung dazu ausersehen ist, die Welt zu retten. Wer jetzt sagt, das wäre aber schrecklich unrealistisch, möge bitte in Zukunft nur noch historische Romane lesen und sich bei deren Lektüre einbilden, er bekäme realistische Realität serviert.

Ansonsten habe ich mit den anderen beiden Mitgliedern der Dreierbande eine Woche Urlaub im Wendland hinter mir. Merke: Dort bei offenen Fenstern sehr laut Rammstein zu hören, löst bei den Einheimischen einiges an besorgter Verblüffung aus. Der Aufenthalt verlief insgesamt sehr entspannt: Nur zwei Anfälle von akutem Lagerkoller in Form divenhafter Ausraster in sieben Tagen ist für ein so durch und durch urbanes Geschöpf wie mich eine beachtliche Leistung. Umso mehr wenn man berücksichtigt, dass das Zusammentreffen mit rund 60 Personen mitten im Nirgendwo vorrangig dem gemeinsamen Brett- und Rollenspielen diente und ich so ungefähr der schlechteste Verlierer der Welt bin. Warum ich dann überhaupt irgendetwas spiele, wo ich doch schon so genau weiß, dass ich das nicht sehr gut verknuse? Nun, weil es zum unvergleichlichen Zauber fester Beziehungen gehört, bisweilen unter Einsatz von sanftem psychologischen Druck zu Dingen gezwungen zu werden, die alles andere als förderlich für die eigene Psychohygiene sind.

Kommen wir zu erfreulicheren Dingen: Nerdistan befindet sich im Umbruch. Will meinen: Wir schauen da gerade noch mal drüber, um die letzten Fehlerchen zu bereinigen.

Dafür haben wir uns tatkräftige Unterstützung geholt. Wir haben seit einigen Tagen eine Praktikantin, die mit Talent und Eifer bei der Sache ist. Schockierend ist jedoch der Alltagssexismus, mit dem ich mich konfrontiert sehe, wenn ich von der Existenz dieser jungen Frau berichte: Viele meiner Geschlechtsgenossen verbinden dank eines gewissen US-Präsidenten das Wort Praktikantin sofort mit anderen Begriffen wie Zigarre oder Cocktailkleid. Schön ist das nun wirklich nicht. Vor allem deshalb, weil wir ein ziemlich umfangreiches Programm ausgearbeitet haben, damit unser Schützling möglichst viel aus der Zeit bei uns mitnehmen kann. Dazu gehört auch – und sei es nur, um das Klischee zu erfüllen – Kaffeekochen, aber hauptsächlich allerlei Tätigkeiten, mit denen man sich als freiberuflicher Autor und Übersetzer so den lieben langen Tag beschäftigt. Ich sag’s mal so: Einen faulen Lenz kann man sich bei uns nicht machen.

Allerdings haben wir auch einen gemeinsamen Betriebsausflug zwecks Recherche für ein neues Buch geplant. Unser Weg wird uns ins schöne Geesthacht an der Elbe führen, genauer gesagt zum Kernkraftwerk Krümmel. (Anmerkung: Sämtliche Witze zum Thema Verstrahlung wurden in diesem Zusammenhang bereits gemacht.) Falls ich gesund von diesem Abenteuer des Alltags zurückkehre, schreibe ich vielleicht sogar ein paar Zeilen dazu. Sollte ich hingegen von einem radioaktiv verseuchten Schaf gebissen werden und entsprechende Superkräfte erhalten (voll den wolligen Rücken haben, total laut blöken, am laufenden Band Köddel produzieren etc.), bin ich auf absehbare Zeit wahrscheinlich leider mit der Verbrechensbekämpfung beschäftigt.

Apropos Helden: Dieser Tage ist Heldenzorn erschienen, der zweite Band aus unserer epischen Fantasyreihe, die in der Welt des Skaldat angesiedelt ist und für die wir eigens Freundschaft mit Jonas Wolf geschlossen haben. Der nächste Band ist auch schon in trockenen Tüchern, wobei ich an dieser Stelle nur ein einziges Wörtchen zur geplanten Handlung verraten möchte: Kartoffelritter. Okay, zwei Wörtchen. Reithunde. Aber das muss nun wirklich genügen ...