Dienstag, 15. Mai 2012

Nerds, Serienkiller, Hobbits, hohe Kunst und der Fluch der Wikipedia

Neulich fiel mir auf, dass mein Eintrag in der Wikipedia ganz schön veraltet ist. Man könnte anhand des Artikels dort fast den Eindruck gewinnen, ich arbeitete den ganzen Tag nichts und würde mich ausschließlich damit beschäftigen, meine sieben- bis achtstelligen Tantiemen und Vorschüsse in meine Haflingerzuchten, meine Kickerteams und meine Biokoks-Plantagen in Lateinamerika zu versenken. (Wenn mein Leben so aussähe, würde der Rest der Knete übrigens – in Anlehnung an George Best  – einfach nur sinnlos verprasst.)


In Wahrheit komme ich im Augenblick nicht mal dazu, meine Homepage rundzuerneuern, weil Abgabetermine dräuen und Texte nach wie vor leider erst geschrieben werden müssen, ehe man sie irgendwo veröffentlichen kann (von wegen schöne neue Welt und Leben in der Zukunft und so ...). Glücklicherweise bin ich einigermaßen gut vernetzt und wurde vom unvergleichlichen Denny Vrandečić darauf hingewiesen, dass auch eine Meldung hier im Blog dazu genutzt werden kann, meine Wikipediapräsenz etwas zu entstauben. Tausend Dank dafür!


Und weil ich mich schon länger an dieser Stelle nicht mehr zu Wort gemeldet habe, wird da auch gleich ein echtes Monstergefasel draus.

Also: Was haben mein geschätzter Co-Autor und ich so in jüngster Zeit ausbaldowert?


Zum Beispiel das hier:
Nerdistan – Willkommen in der fantastischen Welt der Nerds. Warum haben wir das getan? Zum einen war es uns ein dringendes Bedürfnis, mal unsere persönliche Liebeserklärung an den Nerd zu verfassen (das hat in unserem Fall natürlich auch etwas Masturbatorisches, aber lassen wir das ...). Zum anderen war uns vor einiger Zeit aufgefallen, dass viele Menschen – insbesondere solche, die sich schon das eine oder andere Jährchen länger auf diesem demnächst verbrauchten Planeten tummeln – etwas wunderliche Vorstellungen davon haben, was ein Nerd denn nun überhaupt ist. Insbesondere ein Nerd neuerer Prägung, der mit dem alten „sozial inkompetenter Computerfreak ohne jeglichen Sexualanschluss oder eigene Wohnung“ nur höchst unzureichend beschrieben ist. Thx, liebe Piraten, dass ihr ungewollt in erheblichem Maß dazu beigetragen habt, dass dieses an sich überholte Bild inzwischen wieder in allen Medien – den alten wie den sogenannten neuen – geradezu erdrückend präsent ist. Hoffentlich kann Nerdistan ein klitzekleines bisschen dafür sorgen, dass dieses Bild geradegerückt wird. Wir stellen darin verschiedene Nerdtypen vom generischen Nerd bis zum Tarn-Nerd vor und treten generell eine wilde Achterbahnfahrt durch alle Bereiche des Nerdlebens an, die Spaß machen und schmecken.


Über Autopilot habe ich glaube ich schon mal geredet, wiederhole das aber frech aus den oben erläuterten Gründen. 
Autopilot ist unser Beitrag zur Justifiers-Reihe, und weil wir nicht anders können, haben wir uns die Dinge aus diesem Scifi-Universum herausgepickt, die uns besonders skurril erschienen sind. Dazu zählen unter anderem beinlose Angorakatzen (und die Klärung der Frage, wie diese Viecher ihre Ausscheidungsvorgänge vornehmen), ein Mensch-Nacktmull-Hybridwesen als Sidekick eines abgehalfterten Privatdetektivs, ein Luxusresort voller reicher Schnösel, ungezügelter Drogenkonsum, Prostitution von und mit Tiermenschen und derlei schöne Dinge mehr. Das Ganze ist dann am Ende eine Art Actionkrimi geworden (inklusive Gleiterverfolgungsjagd, Blasrohrattacken und peinlichen Gesprächen in Antigrav-Dampfbädern). Daher steht auf dem Ding auch mein Name drauf.

Wo mein Name nicht draufsteht, sind diese beiden Romane drin: Heldenwinter und Heldenzorn. Warum ist das so? 
Weil Jonas Wolf in unser Leben getreten ist und uns gebeten hat, ihm bei der Umsetzung seiner Ideen in Sachen klassischer Fantasy liebevoll unter die Arme zu greifen. Jonas ist ein eher exzentrischer Gesell mit einer Vorliebe für lila Anzüge und das Streicheln von Geierhälsen in seiner Privatvoliere (weil ihn das angeblich an seine Kindheit erinnert). Über den Weg gelaufen ist er uns in einem heißen Fiebertraum, über dessen genauen Ablauf ich hier aus Gründen des Jugendschutzes keine näheren Angaben machen will. Er behauptet, er habe zwei Väter – nämlich meinen Co-Autor und mich; nimm das, grausame Biologie! –, und weil man den verlorenen Sohn nicht verstößt, wenn er mit ein, zwei Manuskripten heimkehrt, hat er bei uns selbstverständlich freundliche Aufnahme gefunden. Sowohl Heldenwinter als auch Heldenzorn spielen in einer Welt, die Jonas sich ausgedacht hat und in der mehr oder minder edle Recken auf Abenteuer ausziehen: einmal ein Halbling namens Namakan, dem bis auf seinen Ziehvater seine gesamte Familie in einem kleinen Massaker abhandenkommt, und einmal der Schamanenazubi Teriasch, der in die Fänge eines gar bösen Imperiums von Sklavenhaltern gerät. Beide sind vom Schicksal also schwer gebeutelt, aber das gehört so. Wer uns nicht glaubt, glaubt vielleicht Therapy? („Happy people have no stories“) oder Kraftklub („glückliche Menschen sind nicht interessant“).


Was die wenigsten wussten: Jonas ist auch eingefleischter Hobbitkundler, und da Bescheidenheit im Vergleich zur sympathischen Selbstüberschätzung die schlechtere Zier geworden ist, heißt sein Beitrag zum Forschungsfeld denn auch schlicht: Alles über Hobbits
Wir unterstützen ihn darin zwar in Form von besserwisserischen und spöttischen Fußnoten, aber sämtliche Betrachtungen zum Hobbittum, die sich in seinem Bändchen finden, sind allein auf seinem Mist gewachsen. Und er hat sich wirklich Mühe gegeben: Nicht nur erfahren wir beispielsweise endlich den Body-Mass-Index des durchschnittlichen Hobbits, sondern Kollege Wolf deckt unter anderem auch schonungslos auf, warum die Hobbits eben keine Hippies sind, wie sich ein paar Kekse erdreisten können, sich als Hobbits auszugeben, und warum es in einem Vorstellungsgespräch nicht sinnvoll ist, typische Hobbittugenden an den Tag zu legen.


Wir haben Jonas mittlerweile eine Frage gestellt, die des Öfteren auch schon an uns gerichtet wurde: „Wann schreibst du denn eigentlich mal ein richtiges Buch? So eins ohne Fantasyschnickschnack und ohne so unrealistisches Zeug?“ 
Wir dürfen das fragen, weil wir unlängst genauso ein Buch geschrieben haben: Der Wind bringt den Tod. (Wer jetzt Flatulenzwitze macht, zahlt 5 Euro in die Wortspielkasse!). Weil der Name meines Co-Autors besser zum Thema passte – dieser Thriller spielt schließlich in Nordfriesland –, wurde sein Name knallhart skandinavisiert und aufs Cover gedruckt. Kurz zur Handlung: Eine junge Frau, die seit einem tragischen Vorfall vor einigen Jahren nicht mehr ganz so gerne Auto fährt, wird von Berufs wegen gezwungen, sich ihrer Angst zu stellen. Das arme Geschöpf soll ein Windparkprojekt im schönen Odisworth in die Wege leiten und dass dort ein Mörder umgeht, der es anscheinend auf große blonde Damen abgesehen hat, macht ihr diese Aufgabe nicht leichter (insbesondere weil sie eine große blonde Dame ist ...). Manche Dorfbewohner sind auch nicht gerade die vertrauenerweckendsten Gestalten. Ich sage nur: Bürgermeister mit einäugigem Hund und alter kettenrauchender Schweinebauer, der seinen Gästen das nikotinvergilbte Brautkleid seiner verschwundenen Gattin bei sich im Wohnzimmer auf einer Schaufensterpuppe präsentiert ...


So, und nach all dem Schund noch mal was durch und durch Faszinierendes: Wer immer dachte, moderne Kunst sei langweilig und könnte einen echten Nerd niemals ansprechen, der schaue bitte dringend einmal hier vorbei

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