Mittwoch, 25. Juli 2012

Fertige Hobbits, beendete Urlaube und Ausflüge mit Praktikantin

Jonas Wolf hat vor einigen Wochen Vollzug gemeldet. Er ist fertig mit seinem heiteren Hobbit-Sachbuch, und Christiansen & Plischke haben inzwischen auch ihren Fußnotensenf dazugegeben. Schön war’s, auch wenn wir uns alle drei haltlosen Unterstellungen ausgesetzt sahen: Angeblich hätten wir vor, den Hobbit in den Schmutz zu ziehen.

Da kann ich Entwarnung geben. Allen Ernstes: Ich mag Hobbits, und zwar in allererster Linie deshalb, weil sie der Beweis dafür sind, dass in der Fantasy nicht zwingend der Held mit dem längsten Schwert und der härtesten Rüstung dazu ausersehen ist, die Welt zu retten. Wer jetzt sagt, das wäre aber schrecklich unrealistisch, möge bitte in Zukunft nur noch historische Romane lesen und sich bei deren Lektüre einbilden, er bekäme realistische Realität serviert.

Ansonsten habe ich mit den anderen beiden Mitgliedern der Dreierbande eine Woche Urlaub im Wendland hinter mir. Merke: Dort bei offenen Fenstern sehr laut Rammstein zu hören, löst bei den Einheimischen einiges an besorgter Verblüffung aus. Der Aufenthalt verlief insgesamt sehr entspannt: Nur zwei Anfälle von akutem Lagerkoller in Form divenhafter Ausraster in sieben Tagen ist für ein so durch und durch urbanes Geschöpf wie mich eine beachtliche Leistung. Umso mehr wenn man berücksichtigt, dass das Zusammentreffen mit rund 60 Personen mitten im Nirgendwo vorrangig dem gemeinsamen Brett- und Rollenspielen diente und ich so ungefähr der schlechteste Verlierer der Welt bin. Warum ich dann überhaupt irgendetwas spiele, wo ich doch schon so genau weiß, dass ich das nicht sehr gut verknuse? Nun, weil es zum unvergleichlichen Zauber fester Beziehungen gehört, bisweilen unter Einsatz von sanftem psychologischen Druck zu Dingen gezwungen zu werden, die alles andere als förderlich für die eigene Psychohygiene sind.

Kommen wir zu erfreulicheren Dingen: Nerdistan befindet sich im Umbruch. Will meinen: Wir schauen da gerade noch mal drüber, um die letzten Fehlerchen zu bereinigen.

Dafür haben wir uns tatkräftige Unterstützung geholt. Wir haben seit einigen Tagen eine Praktikantin, die mit Talent und Eifer bei der Sache ist. Schockierend ist jedoch der Alltagssexismus, mit dem ich mich konfrontiert sehe, wenn ich von der Existenz dieser jungen Frau berichte: Viele meiner Geschlechtsgenossen verbinden dank eines gewissen US-Präsidenten das Wort Praktikantin sofort mit anderen Begriffen wie Zigarre oder Cocktailkleid. Schön ist das nun wirklich nicht. Vor allem deshalb, weil wir ein ziemlich umfangreiches Programm ausgearbeitet haben, damit unser Schützling möglichst viel aus der Zeit bei uns mitnehmen kann. Dazu gehört auch – und sei es nur, um das Klischee zu erfüllen – Kaffeekochen, aber hauptsächlich allerlei Tätigkeiten, mit denen man sich als freiberuflicher Autor und Übersetzer so den lieben langen Tag beschäftigt. Ich sag’s mal so: Einen faulen Lenz kann man sich bei uns nicht machen.

Allerdings haben wir auch einen gemeinsamen Betriebsausflug zwecks Recherche für ein neues Buch geplant. Unser Weg wird uns ins schöne Geesthacht an der Elbe führen, genauer gesagt zum Kernkraftwerk Krümmel. (Anmerkung: Sämtliche Witze zum Thema Verstrahlung wurden in diesem Zusammenhang bereits gemacht.) Falls ich gesund von diesem Abenteuer des Alltags zurückkehre, schreibe ich vielleicht sogar ein paar Zeilen dazu. Sollte ich hingegen von einem radioaktiv verseuchten Schaf gebissen werden und entsprechende Superkräfte erhalten (voll den wolligen Rücken haben, total laut blöken, am laufenden Band Köddel produzieren etc.), bin ich auf absehbare Zeit wahrscheinlich leider mit der Verbrechensbekämpfung beschäftigt.

Apropos Helden: Dieser Tage ist Heldenzorn erschienen, der zweite Band aus unserer epischen Fantasyreihe, die in der Welt des Skaldat angesiedelt ist und für die wir eigens Freundschaft mit Jonas Wolf geschlossen haben. Der nächste Band ist auch schon in trockenen Tüchern, wobei ich an dieser Stelle nur ein einziges Wörtchen zur geplanten Handlung verraten möchte: Kartoffelritter. Okay, zwei Wörtchen. Reithunde. Aber das muss nun wirklich genügen ...

Dienstag, 15. Mai 2012

Nerds, Serienkiller, Hobbits, hohe Kunst und der Fluch der Wikipedia

Neulich fiel mir auf, dass mein Eintrag in der Wikipedia ganz schön veraltet ist. Man könnte anhand des Artikels dort fast den Eindruck gewinnen, ich arbeitete den ganzen Tag nichts und würde mich ausschließlich damit beschäftigen, meine sieben- bis achtstelligen Tantiemen und Vorschüsse in meine Haflingerzuchten, meine Kickerteams und meine Biokoks-Plantagen in Lateinamerika zu versenken. (Wenn mein Leben so aussähe, würde der Rest der Knete übrigens – in Anlehnung an George Best  – einfach nur sinnlos verprasst.)


In Wahrheit komme ich im Augenblick nicht mal dazu, meine Homepage rundzuerneuern, weil Abgabetermine dräuen und Texte nach wie vor leider erst geschrieben werden müssen, ehe man sie irgendwo veröffentlichen kann (von wegen schöne neue Welt und Leben in der Zukunft und so ...). Glücklicherweise bin ich einigermaßen gut vernetzt und wurde vom unvergleichlichen Denny Vrandečić darauf hingewiesen, dass auch eine Meldung hier im Blog dazu genutzt werden kann, meine Wikipediapräsenz etwas zu entstauben. Tausend Dank dafür!


Und weil ich mich schon länger an dieser Stelle nicht mehr zu Wort gemeldet habe, wird da auch gleich ein echtes Monstergefasel draus.

Also: Was haben mein geschätzter Co-Autor und ich so in jüngster Zeit ausbaldowert?


Zum Beispiel das hier:
Nerdistan – Willkommen in der fantastischen Welt der Nerds. Warum haben wir das getan? Zum einen war es uns ein dringendes Bedürfnis, mal unsere persönliche Liebeserklärung an den Nerd zu verfassen (das hat in unserem Fall natürlich auch etwas Masturbatorisches, aber lassen wir das ...). Zum anderen war uns vor einiger Zeit aufgefallen, dass viele Menschen – insbesondere solche, die sich schon das eine oder andere Jährchen länger auf diesem demnächst verbrauchten Planeten tummeln – etwas wunderliche Vorstellungen davon haben, was ein Nerd denn nun überhaupt ist. Insbesondere ein Nerd neuerer Prägung, der mit dem alten „sozial inkompetenter Computerfreak ohne jeglichen Sexualanschluss oder eigene Wohnung“ nur höchst unzureichend beschrieben ist. Thx, liebe Piraten, dass ihr ungewollt in erheblichem Maß dazu beigetragen habt, dass dieses an sich überholte Bild inzwischen wieder in allen Medien – den alten wie den sogenannten neuen – geradezu erdrückend präsent ist. Hoffentlich kann Nerdistan ein klitzekleines bisschen dafür sorgen, dass dieses Bild geradegerückt wird. Wir stellen darin verschiedene Nerdtypen vom generischen Nerd bis zum Tarn-Nerd vor und treten generell eine wilde Achterbahnfahrt durch alle Bereiche des Nerdlebens an, die Spaß machen und schmecken.


Über Autopilot habe ich glaube ich schon mal geredet, wiederhole das aber frech aus den oben erläuterten Gründen. 
Autopilot ist unser Beitrag zur Justifiers-Reihe, und weil wir nicht anders können, haben wir uns die Dinge aus diesem Scifi-Universum herausgepickt, die uns besonders skurril erschienen sind. Dazu zählen unter anderem beinlose Angorakatzen (und die Klärung der Frage, wie diese Viecher ihre Ausscheidungsvorgänge vornehmen), ein Mensch-Nacktmull-Hybridwesen als Sidekick eines abgehalfterten Privatdetektivs, ein Luxusresort voller reicher Schnösel, ungezügelter Drogenkonsum, Prostitution von und mit Tiermenschen und derlei schöne Dinge mehr. Das Ganze ist dann am Ende eine Art Actionkrimi geworden (inklusive Gleiterverfolgungsjagd, Blasrohrattacken und peinlichen Gesprächen in Antigrav-Dampfbädern). Daher steht auf dem Ding auch mein Name drauf.

Wo mein Name nicht draufsteht, sind diese beiden Romane drin: Heldenwinter und Heldenzorn. Warum ist das so? 
Weil Jonas Wolf in unser Leben getreten ist und uns gebeten hat, ihm bei der Umsetzung seiner Ideen in Sachen klassischer Fantasy liebevoll unter die Arme zu greifen. Jonas ist ein eher exzentrischer Gesell mit einer Vorliebe für lila Anzüge und das Streicheln von Geierhälsen in seiner Privatvoliere (weil ihn das angeblich an seine Kindheit erinnert). Über den Weg gelaufen ist er uns in einem heißen Fiebertraum, über dessen genauen Ablauf ich hier aus Gründen des Jugendschutzes keine näheren Angaben machen will. Er behauptet, er habe zwei Väter – nämlich meinen Co-Autor und mich; nimm das, grausame Biologie! –, und weil man den verlorenen Sohn nicht verstößt, wenn er mit ein, zwei Manuskripten heimkehrt, hat er bei uns selbstverständlich freundliche Aufnahme gefunden. Sowohl Heldenwinter als auch Heldenzorn spielen in einer Welt, die Jonas sich ausgedacht hat und in der mehr oder minder edle Recken auf Abenteuer ausziehen: einmal ein Halbling namens Namakan, dem bis auf seinen Ziehvater seine gesamte Familie in einem kleinen Massaker abhandenkommt, und einmal der Schamanenazubi Teriasch, der in die Fänge eines gar bösen Imperiums von Sklavenhaltern gerät. Beide sind vom Schicksal also schwer gebeutelt, aber das gehört so. Wer uns nicht glaubt, glaubt vielleicht Therapy? („Happy people have no stories“) oder Kraftklub („glückliche Menschen sind nicht interessant“).


Was die wenigsten wussten: Jonas ist auch eingefleischter Hobbitkundler, und da Bescheidenheit im Vergleich zur sympathischen Selbstüberschätzung die schlechtere Zier geworden ist, heißt sein Beitrag zum Forschungsfeld denn auch schlicht: Alles über Hobbits
Wir unterstützen ihn darin zwar in Form von besserwisserischen und spöttischen Fußnoten, aber sämtliche Betrachtungen zum Hobbittum, die sich in seinem Bändchen finden, sind allein auf seinem Mist gewachsen. Und er hat sich wirklich Mühe gegeben: Nicht nur erfahren wir beispielsweise endlich den Body-Mass-Index des durchschnittlichen Hobbits, sondern Kollege Wolf deckt unter anderem auch schonungslos auf, warum die Hobbits eben keine Hippies sind, wie sich ein paar Kekse erdreisten können, sich als Hobbits auszugeben, und warum es in einem Vorstellungsgespräch nicht sinnvoll ist, typische Hobbittugenden an den Tag zu legen.


Wir haben Jonas mittlerweile eine Frage gestellt, die des Öfteren auch schon an uns gerichtet wurde: „Wann schreibst du denn eigentlich mal ein richtiges Buch? So eins ohne Fantasyschnickschnack und ohne so unrealistisches Zeug?“ 
Wir dürfen das fragen, weil wir unlängst genauso ein Buch geschrieben haben: Der Wind bringt den Tod. (Wer jetzt Flatulenzwitze macht, zahlt 5 Euro in die Wortspielkasse!). Weil der Name meines Co-Autors besser zum Thema passte – dieser Thriller spielt schließlich in Nordfriesland –, wurde sein Name knallhart skandinavisiert und aufs Cover gedruckt. Kurz zur Handlung: Eine junge Frau, die seit einem tragischen Vorfall vor einigen Jahren nicht mehr ganz so gerne Auto fährt, wird von Berufs wegen gezwungen, sich ihrer Angst zu stellen. Das arme Geschöpf soll ein Windparkprojekt im schönen Odisworth in die Wege leiten und dass dort ein Mörder umgeht, der es anscheinend auf große blonde Damen abgesehen hat, macht ihr diese Aufgabe nicht leichter (insbesondere weil sie eine große blonde Dame ist ...). Manche Dorfbewohner sind auch nicht gerade die vertrauenerweckendsten Gestalten. Ich sage nur: Bürgermeister mit einäugigem Hund und alter kettenrauchender Schweinebauer, der seinen Gästen das nikotinvergilbte Brautkleid seiner verschwundenen Gattin bei sich im Wohnzimmer auf einer Schaufensterpuppe präsentiert ...


So, und nach all dem Schund noch mal was durch und durch Faszinierendes: Wer immer dachte, moderne Kunst sei langweilig und könnte einen echten Nerd niemals ansprechen, der schaue bitte dringend einmal hier vorbei

Montag, 26. März 2012

Wider unnützes Geheimwissen

Nicht ohne Stolz darf ich verkünden, dass zwei geschätzte Kollegen – namentlich Thomas Finn und Markus Heitz – und meine Wenigkeit gemeinsam mit den nicht minder geschätzten Triebfedern hinter dem Kreativhof Ideenreich eine folgenschwere Entscheidung getroffen haben: Wir wollen unser Wissen über das Bücherschreiben und das Verlagsgeschäft in einen großen Topf werfen, einmal kräftig umrühren, fein abschmecken und es dann allen Interessierten in mundgerechten Häppchen bei einem Wochenend-Workshop zu kosten geben.

Ein kleiner Auszug aus dem Menü:
-
Gut abgehangene Drei-Akt-Struktur
-
Auf den Punkt gegarte Figuren
-
Schmackhafte Exposés

Man merkt schon: Wir servieren ein umfangreiches Programm, wie aus einer guten Idee am Ende auch eine gute Geschichte wird, mit der man sich ruhigen Gewissens auf Verlagssuche begeben kann.

Der eine oder andere hat vielleicht schon mal an einem unserer Workshops in kleinerer Besetzung und engerem zeitlichen Rahmen teilgenommen, und wir versprechen hoch und heilig: Das Ding jetzt wird noch informativer, noch intensiver und noch unterhaltsamer!

Wer mehr erfahren will, findet HIER alle Details bezüglich des gebotenen Programms, der Kosten und dem Veranstaltungsort. Wir freuen uns drauf!

Mittwoch, 21. März 2012

Fear and Loathing in Las Leipzig

Diese Woche sind Buchmesseberichte in, und als alte Trendhure tauche ich da gerne aus der Versenkung auf.

Mein Anreisetag war der Mittwoch, sodass ich Gelegenheit hatte, die netten Leute von WerkZeugs bereits beim Standaufbau zu belästigen. Mein prächtiger Bart wurde bestaunt, meine Ankündigung, am Freitag unter falschem Namen und im lila Anzug zu lesen, mit Begeisterung aufgenommen (oder war es Schrecken? Ich bin leider nicht so der Gefühlsmensch, weder bei mir noch bei anderen, weshalb ich mir da in der Rückschau nicht ganz sicher bin.)

Versüßt wurde mir die Anreise übrigens durch Thilo Corzilius, der sich todesmutig durch mich von Hannover nach Leipzig kutschieren ließ und sich am Donnerstag dann als der Seraph-Gewinner der Herzen herausstellen sollte. Mein ursprünglicher Plan, mit heller Stimme
„Dieser Preis ist eine Farce“ zu rufen und die Störung des Rituals anschließend einer unbeteiligten Lektorin in die Schuhe zu schieben, falls Thilo leer ausgehen sollte, scheiterte leider daran, dass mir besagte Lektorin zu sehr am Herzen liegt, als dass ich sie auf ewig vergrätzen wollte. Außerdem hat sie mir einen neuen Verlagskollegen vorgestellt, mit dem ich unmittelbar nach der Preisverleihung noch ein wenig plaudern durfte – unter anderem über Das Phantastische Quartett. Immer gut zu wissen, dass man nicht in den luftleeren Raum hineinsalbadert, sondern sich tatsächlich interessante Menschen ihre Gedanken zu meiner Verbaldiarrhöe machen.

Apropos Verlagskollegen: Thomas Elbel ist mindestens so dufte, wie er lang ist, und könnte generell auf Model umsatteln, wenn er mal keinen Bock mehr hat, Bücher zu schreiben, die umgehend für Preise nominiert werden.

Wo wir eben schon bei Sprechdurchfall waren: Gemeinsam mit Stephan Bellem und Nicole Schuhmacher habe ich donnerstags noch nebenbei ein neues Subgenre aus der Taufe gehoben –
Nudepunk. Ursprünglich war es noch Nukepunk (über so Gesellschaften, in denen vom Tampon bis zum Jumbojet wirklich restlos alles mit Atomkraft betrieben wird und wo Mutationen und unheilbare Erkrankungen als schrecklich schick gelten). Einen Verhörer später war es – wie gesagt – Nudepunk (über so Gesellschaften, wo alle total nackig sind und das Tragen von Kleidung verboten ist, aber selbstverständlich gibt es da so krasse Revoluzzer, die sich heimlich treffen, um ihre Leiber zu verhüllen und von der Hautpolizei unterdrückt werden).

Christian von Aster zeigte sich unverständlichermaßen allerdings mehr von angedachten Geschichten über bisexuelle Einhörner begeistert und schickte uns mit einem geheimen Sonderauftrag los, einen Griechen zu testen. Hört sich schmutzig bis sexy an, war es auch, ging allerdings primär um Nahrungsaufnahme. Also hier noch mal offiziell: Der Grieche ist gut. Punkt. Und dass Eva von der Phantastik-Couch anschließend zu einer völlig irren Lesung begleitet hat, von der wir leider nur noch den Schluss genießen durften, war sogar noch besser.
Was habe ich über Boris Koch gelernt? Er ist der perfekte Laudator für jede Gelegenheit, da er die hohe Kunst der gepflegten freundschaftlichen Beleidigung aus dem Effeff beherrscht. Von ihm lässt man sich doch gerne anranzen!

Eine andere wichtige Erkenntnis: Mein Bart und der von Christoph Hardebusch ergeben zusammen einen ganzen Bart! Crazy! Und irgendwie kommunistisch!

Zudem fand ich doch wirklich mal die Gelegenheit, mich länger mit Oliver Plaschka zu unterhalten, und kann nur sagen: Ich bereue nichts! Wovon ich allerdings demnächst dringend mehr hören muss, sind seine Erlebnisse als Nachtportier. Ich sehe da großes Potenzial für viele erschütternde Einblicke in die wahre Natur der menschlichen Existenz ... Von der lieben Ursula hingegen durfte ich erfahren, dass wir etwas Entscheidendes gemeinsam haben: den Rabenvogel auf dem Cover. Aber mit so einer bezaubernden Kollegin hat man das doch gern gemein.

Ju Honisch bin ich ihrerseits sehr dankbar für die skurrile Information, dass Frankfurt am Main demnächst eine neue Altstadt erhalten soll. Bislang war’s nur Vorurteil, jetzt ist es Fakt: Die Hessen haben doch irgendwie ein Rad ab ...

An Anke Brandt vom Geisterspiegel kommt man hingegen offenbar nicht vorbei, ohne sofort in ein spannendes Kurzgeschichtenprojekt eingebunden zu werden – so machen Raucherpausen richtig Spaß!

Kurzer Einschub: Was immer wieder Freude machte (insbesondere dann, wenn Thorsten und Mike dabei waren), war, durch den WerkZeugs-Stand zu schlendern und unvermittelt den arroganten Genreverächter raushängen zu lassen. „Haben die auch richtige Bücher hier oder verkaufen die nur so Schund?“ „Nee, Mann, also das geht gar nicht, allein die Cover.“ Man heimst jede Menge finsterer Blicke ein, aber ich liebe nun einmal die Gefahr ...

Freitags stand ansonsten noch die oben bereits erwähnte Lesung an. Ich trat als Jonas Wolf auf - unmittelbar vor einem aufstrebenden deutschen Jungautor, der nach wie vor eine echt coole Socke ist (in Schwarz) und bei dem ich es – übrigens ähnlich wie bei der WerkZeugs-Crew und allen anderen in diesem Post namentlich Genannten – unfassbar bedaure, dass sie alle so weit wegwohnen müssen. Achtung: Es wird polemisch.
Ich scheiße auf Apple. Also so von wegen: “Ey, wir leben jetzt alle in der Zukunft, Mann. iPhone. iPad.“ Ich wüsste, dass ich wirklich in der Zukunft lebe, wenn der Teleporter schon erfunden wäre und ich einfach mal so bei jedem vorbeischauen könnte, den ich gerade sehen will. So.). Die Lesung war jedenfalls sehr schön, mein Anzug wurde gelobt – trotz dem, was meine bezaubernde Gattin so charmant „die Rückenmumu“ nannte. Für alle, die jetzt endgültig verwirrt sind: Die Tage haue ich noch einen Post raus, in dem ich diese ganze Jonas-Wolf-Sache noch mal umfassend erkläre (das hier soll schließlich ein Messebericht sein – haha, netter Versuch ...).

Freitagabend hatte dann etwas Apokalyptisches. Man weiß, dass man in der richtigen Branche ist, wenn einen die Betreiber des Etablissements, in dem man gerade versackt, zur Tür hinauskehren müssen, weil man uns ansonsten nie loswird. Ich bin stolz auf sämtliche meiner betreuenden Lektoren, die sich als standhaft, trinkfest und schillerndste Gesprächspartner erwiesen haben – und ich habe ein minimal schlechtes Gewissen, weil ich eine Person doch tatsächlich zum Konsum von Rauchwerk verleitet habe.
Bin ich am Ende der Teufel? Füße gecheckt, keinen Huf entdeckt, ansatzweise beruhigt (aber auch ein wenig enttäuscht). Weitere Erkenntnis: Alte Fehden unter Verlagen sind in etwa so unnötig wie alle alten Fehden, zu deren Aufrechterhaltung uns die greisen Altvorderen zwingen, weil sie sich vor circa 36 Millionen Jahren mal in die Haare gekriegt haben. Will meinen: Meine Messe wäre ohne Gespräche mit einem krachendsympathischen Mann, der mich und die meinen einsam und verirrt in der Moritzbastei aufgelesen hat, um einiges ärmer gewesen.

Opfer gab es an diesem Abend tatsächlich zu beklagen: Mir ist ungelogen ein Knopf von der Weste gesprungen, weil ich beim Geschichtenaustausch über Haustierunfälle mit Bernhard Hennen und Michael Peinkofer zu sehr ins Lachen geriet. Moment. Das habe ich genau gehört! Ich bin nicht fett!

Fette Party gab’s auch Samstagabend, inklusive Absturz in einer Jazzkneipe (und das mir ... also nicht der Absturz, der Jazz ist gemeint). Mit im imaginären Flieger saßen diverse Kollegen aus dem Montsegur-Forum und Last-Minute-Reisende, darunter ganz in der ersten Reihe Claudia Toman, Kerstin Pflieger, Philipp Bobrowski, Wolfgang Schroeder und Victoria Schlederer (und schon wieder Thilo Corzilius – o nein, ich habe ihn verdorben!). Immerhin konnten wir uns anscheinend als Romantikengel verdient machen, aber wer mit wem hier verbandelt wurde, wird hier nicht verraten (whatever happens in Leipzig, stays in Leipzig). Zu fortgeschrittener Stunde wurden noch Pakte geschlossen, diverse Romanprojekte gemeinsam in Angriff zu nehmen (ich schaue Sie dabei an, Frau Schlederer!).

In Angriff genommen habe ich auch gleich zwei Interviews mit Elisabeth & Co. vom Jugendradio Leipzig, der ich zugleich nachhaltig versichern konnte, dass man keine Angst vor Kai Meyer haben muss (und wider Erwarten hat er sie dann auch nicht gefressen). Mehr oder minder zeitgleich versuchte ich Christian und Bine glaubhaft zu versichern, dass ich wirklich nicht an einer Romantasy- ähm... Romanze in sechzehn Bänden arbeite. Dafür bin ich leider noch nicht altersgeil genug.

Jetzt noch ein kurzer Hinweis speziell für die Fantasyrezensenten-Sphäre: Wer Myriel von der Bücherzeit und Joanna vom Roten Dorn unterstellt, sie hätten keine Ahnung von Fantasy, hat wahrscheinlich keine Ahnung von Fantasy.

Gute Vorsätze fürs nächste Mal: Mit der Steenbergen-Orgel-Gesellschaft beim Bellem zum nächtlichen Hinterhofgrillen aufschlagen – erst lackiertes Holz gibt Fleisch schließlich die richtige Würze.

Dienstag, 14. Februar 2012

Valentinstag + Zombies = Herzzerreißende Liebe

Zunächst ein bisschen Werbung: Der Nerdpol-Verlag verteilt pünktlich zum Valentinstag ein bisschen Liebe in der Welt. Und zwar in Form eines Sonderangebots für alle Freunde der phantastischen Literatur (und die, die es vielleicht noch werden wollen): Heute und morgen gibt es die Ebook-Anthologie „Die Untoten“ für schlappe 99 Cent bei Amazon. Preiswerter als eine Schachtel Pralinen und leckerer noch dazu! Neben mir sind darin noch eine ganze Reihe weiterer netter Kollegen mit Geschichten zum Träumen, Gruseln und Hackfleischkneten vertreten – es lohnt sich also ...

Nun zum aktuellen Stand der Dinge in meinem kleinen Universum.

Ich war eine Weile enttäuscht, immer noch keinen Anruf von der Kanzlerin erhalten zu haben, ob ich nicht Lust hätte, nach Berlin überzusiedeln, weil da eventuell demnächst ein repräsentatives Schloss für mich frei wird. Dann ist mir aufgefallen, dass ich leider noch nicht alt genug bin, um mich als Bundespräsident zu betätigen, und bin der Kanzlerin gegenüber seitdem etwas gnädiger gesonnen. Ich kann schließlich nicht erwarten, dass man geltendes Recht für mich beugt.

Ansonsten freue ich mich auf die Leipziger Buchmesse, auf die ich diesen Herrn begleiten werde, um ihn einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Bis dahin bin ich weitestgehend am Schreibtisch festgekettet, um ein Monumentalprojekt abzuschließen, das mich derzeit so manch schlaflose Nacht kostet.

Wer sehen will, was für ein überaus entspanntes Gesicht ich noch bei -10 Grad hinkriege, schaue bitte hier nach. Ich hoffe nur, die Temperaturen sind etwas angenehmer, wenn wir Ende des Jahres im Ideenreich zusammen mit Markus Heitz die Laserpointer schwingen ...

So, jetzt muss ich zurück in die Arena von Kalvakorum und einen armen Schamanen mit ein paar cthuloiden Träumen quälen ...