Freitag, 8. Juli 2011

Warum schaltet nicht mal jemand diesen ganzen Kack einfach ab?

Eigentlich war einer meiner guten Vorsätze für dieses Jahr, mich nicht mehr so doll über alles aufzuregen. Das klappt mal besser, mal schlechter.

Dass Elke Heidenreich von guten Büchern ungefähr so viel Ahnung hat wie ein Hund vom Stricken, sie aber trotzdem noch alle naslang das Maul aufreißt, um über Fantasy/Fantastik zu jammern (hier ein sehr kluger Kommentar dazu) – juckt mich nicht mehr. Wieso?

Ich habe mich damit abgefunden, dass es anscheinend Meinungen gibt, die nicht zu ändern sind. Meinungen, die es am Ende vielleicht auch gar nicht wert sind, auf Zwang geändert zu werden. Soll die Elke lesen, was ihr passt; ich lese das, was mir passt. Aus die Maus, fertig die Wurst.

Und mal im Ernst: Was wäre denn wirklich gewonnen, wenn die Elke plötzlich Fantastik dufte fände? Was, wenn das Feuilleton mehr über Fantastik schriebe? Ich glaube, rein gar nix. Auch die Klage, dass Fantastik von Kulturredaktionen medial generell vernachlässigt wird, rührt mich nicht mehr. Erstens bin ich der Auffassung, dass die existierenden Kultursendungen in Fernsehen und Radio, die die Fantastik ausklammern, letzten Endes genau die Klientel ansprechen, die ihr Feuilleton in der Zeitung ebenfalls gern möglichst fantastikfrei hat. Zweitens gilt dann: Diese Leute interessieren sich nicht für Fantastik (was übrigens ihr gutes Recht ist), und sie werden sich auch wahrscheinlich nie für Fantastik interessieren.

Ehrlich gesagt ist Fantastik jenseits dieser beiden Bereiche geradezu omnipräsent. Man schaue sich nur einige der großen und kleinen Blockbuster dieses Jahres an: der neue Transformers-Teil, Thor, der X-Men-Reboot, Super 8 – es geht der Fantastik beileibe nicht schlecht.

Im Fernsehbereich ist doch auch alles paletti – sofern man ein bisschen warten kann und/oder ein bisschen Geld investiert, kann man sich auch hierzulande, jede Menge Serien mit fantastischem Inhalt gucken, ohne irgendwelche File-Sharing-Dienste zu bemühen (und im September kommt die deutsche Fassung von Game of Thrones bei TNT Serie, wenn mich nicht alles täuscht).

Zugegeben, im Buchbereich sieht es diese Woche bei den Taschenbüchern etwas mau aus, bei den Hardcovern ist dafür alles im Lot.

Ich wage also zu behaupten: Es ging der Fantastik schon mal deutlich schlechter.

Um auf die Überschrift über diesem Palaver zurückzukommen: Was ist denn nun der Kack, den ich abgeschaltet haben möchte?

Schmidt & Schmitt zum Beispiel, eine neue fluffige Vorabendserie bei Sat1. Was da an Klischees verbraten wird, ist derart widerlich, dass mir die Galle nicht hochkocht, sondern als bitterer Dampf aus Mund und Nase wallt. Was für ein unfassbarer Dreck.

Zum Inhalt: Frau Dr. Schmidt ist Anwältin, Herr Schmitt der Detektiv, den sie in schwierigen Fällen anheuert. Selbstredend sind beide das, was man offenbar heutzutage so für attraktiv hält – aus meiner ganz persönlichen Warte sehe ich ihnen nichts anderes als zwei Standardmodelle aus der Menschenfabrik. Natürlich ist dieser ganze Schmonsens nach den beiden altehrwürdigen Prinzipien „Was sich liebt, das neckt sich“ und „Gegensätze ziehen sich an“ angelegt. Ach ja, und nebenbei schlüpfen die Darsteller wie selbstverständlich in die Geschlechterrollen der Fünfziger Jahre (wenn man mal davon absieht, dass Frau Schmidt frech einer bezahlten Arbeit nachgeht). Passend zum Text im rockigen Jingle: „I’ll be your man, and you’ll be fine“. Das “fine” sein bedeutet, dass Frau Schmidt (Schriftzug im Logo: verschnörkelt weich, ergo weiblich) in Herrn Schmitt (Schriftzug im Logo: harte Kanten, ergo männlich) jemanden gefunden hat, der sie ein bisschen dafür auslacht, dass sie ihren BMW nicht in die größte Parklücke bugsiert kriegt, den man am Ort des Geschehens ... pardon, Grauens ... also in München finden könnte.

Dass diese Produktion in Sachen Kamera, Schnitt, Regie, Musik und im Grunde überhaupt allem mit ungefähr so viel Liebe behandelt wurde, wie sie gemeinhin einem räudigen Hund zuteilwird, bräuchte ich wahrscheinlich nicht zu erwähnen, tue es aber trotzdem gern. Wenn dann noch bezüglich Homosexualität allen Ernstes die Floskel „Das kommt in den besten Familien vor“ verwendet wird, schämt man sich, überhaupt noch ein Fernsehgerät zu besitzen.
Und komm mir keiner mit dem Argument, das wäre eben Privatfernsehen und hätte mich nichts gekostet (außer Teilen meiner geistigen Gesundheit). Wer schon mal ein öffentlich-rechtliches Melodram mit Christine Neubauer in der Hauptrolle gesehen hat (und mir widerfuhr dieses schlimme Schicksal), dem erscheinen derlei Argumente ein wenig fadenscheinig.

So, genug von solch eklen Dingen. Zurück ans Sachbuch, das fertig werden will ...