Freitag, 11. Februar 2011

Merkels Modewelt

Angela Merkel (früher FDJ/SED, heute CDU) hat es geschafft: Sie hat einen Modetrend gesetzt.

Die Rede ist von ihren Jacketts und/oder Hosenanzügen, mit denen sie sich bereits seit Jahren präsentiert. Diese zeichnen sich durch ungewöhnliche Stoffe (ich mag die, die so samtig aussehen, persönlich am liebsten, weil sie den Knuddelfaktor massiv erhören) und eine doch zugegebenermaßen auffällige Knopfleiste aus: Meist sind es drei Knöpfe von nicht unerheblichem Durchmesser. Insgesamt rufen sie Assoziationen zu Harlekinkostümen und Zirkusdirektoruniformen hervor (passend zur verbliebenen Restwürde des von Frau Merkel bekleideten Amtes).

In jüngerer Zeit nun sind es vorrangig Fernsehmoderatorinnen, Nachrichtensprecherinnen und Artverwandte, die offenbar von verwirrten Senderstylisten überredet bzw. gezwungen werden, ähnliche Jacketts/Hosenanzüge zu tragen (wenn sie nicht gar förmlich in die Dinger hineingeprügelt werden).

Das wiederum verheißt nichts Gutes für die Zukunft: Falls der derzeit beliebteste Blaublütige der Republik (Äquatortaufen, geöffnete Feldpost und russisches Roulette im Feldlager hin oder her) jemals Merkels Nachfolge antreten sollte, droht die Rückkehr der Gelfrisur. Wer will, stelle sich bitte Herrn Jauch, Herrn Kerner und Herrn Beckmann unter dieser Prämisse vor. Obwohl: Eigentlich wäre es nur fair, wenn Menschen von eher schleimigem Naturell wieder dazu übergingen, ihre Mitmenschen auch über ihre äußere Erscheinung erste Warnsignale zur Abstandswahrung zukommen zu lassen. Herr Nonnenmacher geht da mit gutem Beispiel voran ...

Mittwoch, 9. Februar 2011

Mensch, Niki, mach dich locker ...

Der österreichische Ex-Rennfahrer Niki Lauda zählt zu den unbesungenen Helden meiner Jugend. Umso trauriger stimmt es mich nun, wie sich Lauda über einen beispiellosen Verfall der Sitten in seinem Heimatland echauffieren konnte. In der örtlichen Variante der großen, selbstverständlich als Konkurrenzkampf angelegten Tanzveranstaltung für Prominenz, für deren Bekanntheits- und Relevanzgrad das Alphabet in aller Regel eigentlich nicht genügend Buchstaben vorzuweisen hat, macht ein Paar mit, das – und nun bitte innerlich sammeln – aus 2 (in Worten: zwei) Männern besteht.

Das findet der Niki gar nicht gut. Selbstverständlich hat er nichts gegen Homosexuelle (und wahrscheinlich genauso wenig gegen Neger, Kanaken, Zigeuner, langhaarige Bombenleger, Grünenwähler, berufstätige Frauen sowie ähnliches Geschwärtels), aber das hinderte ihn in ähnlicher Selbstverständlichkeit nicht, die Forderung zu erheben, zwei tanzende Männlein nicht im Fernsehen zu zeigen. Wes Grundes? Nun, der Kinder wegen, denen ein solcher Anblick erspart bleiben muss, um sie zu schützen. Was man ihnen aus viel berechtigteren Gründen ersparen sollte, um ihre bekanntermaßen formbaren Geister vor schwersten psychischen Spätfolgen zu bewahren, wären solche Sendungen ganz generell, doch das nur am Rande.

Mensch, Niki. Ich bin enttäuscht. Zunächst mal zwingt dich doch niemand – nicht einmal Angehörige eines SEKs mit vorgehaltener Waffe –, dir diesen Schmonsens überhaupt anzusehen (das, meine lieben Damen und Herren, wäre mal waschechter Staatsterrorismus). Weiterhin drängt sich mir der Verdacht auf, zwei tanzende Weiblein würden dich nicht so sehr stören, vor allem, wenn sie sich spärlich bekleidet in anregenden Verrenkungen um eine Stange winden.

Grundsätzliche Empfehlung: Einfach mal ein paar Runden in einem der hauseigenen Jets drehen, denn von oben sieht die Welt gleich ganz anders aus und es fällt einem unter Umständen auf, dass die westliche Gesellschaft dringlichere Probleme zu bewältigen hat, als zwei tanzwütige Ösi-Schwuppen davon abzuhalten, sich öffentlicher Lächerlichkeit preiszugeben.

Dienstag, 8. Februar 2011

Wofür das Fernsehen nicht alles verantwortlich ist

Fernsehen macht dumm, ist schlecht für die Augen und erzeugt Elektro-Smog. Wussten wir ja schon alles (oder haben es zumindest geahnt). In der Frankfurter Rundschau schiebt die Literaturwissenschaftlerin Hannelore Schlaffer dem Fernsehen nun einen ungewöhnlichen Grauen Peter zu, der endlich, endlich einen neuen Vorwurf formuliert. Ich zitiere mal eben ein Zitat:

„Je bunter [das Fernsehen] wurde, desto monochromer fiel das Straßenbild aus, je greller der Plasmabildschirm die Wohnzimmer beleuchtete, umso blasser wurden die Kleider. Lauter Geblendete tappen in den Straßen herum.... Rettung für den überanstrengten Sehsinn liegt allein in der Farblosigkeit.“

Schlaffer wohnt in Stuttgart, was als Erklärungsansatz für ihren Meinungsfindungsprozess leider nicht ganz reicht, da Stuttgart auch nicht wesentlich grauer daherkommt als so manch andere deutsche Großstadt (zur Erinnerung: Ich habe weite Teile meines Lebens in Ludwigshafen am Rhein verbracht, dass natürlich auch seine schönen Ecken hat, weil ja eine Betonwüste ohne Oasen keine richtige Wüste wäre).

Ebenso schwer fällt eine Ferndiagnose, was es mit den lauter Geblendeten in Schlaffers näherer Umgebung hat. Ein in Schwaben verbreiteter, aber bislang unter dem gesellschaftlichen Radar geflogener Sonnenkult, der seine Anhänger zwingt, zu lange ins grelle Licht zu starren? Doch nur zu viele Unfälle mit Laserpointern bei Präsentationen? Ein Irrer, der mit einem glühenden Eisen umgeht, um seinen ahnungslosen Opfern damit die unschuldigen Augäpfel zu verschmurgeln? Wir wissen es nicht. Vielleicht ein Fall für Galileo Mystery.

Oder doch nur eine bedauerliche Fehlwahrnehmung Schlaffers?

Es stellt sich die Frage, ob Schlaffers These auch im Umkehrschluss gilt. Waren Deutschlands Städte zu Einführung des Fernsehens, das damals bekanntlich Schwarzweiß sendete, noch quietschbunt? Sah Paderborn aus wie Disneyland, war Osnabrück ein einziges Farbenmeer und in Darmstadt war jede Fassade mit Blütenranken bemalt? Und was ist mit den Menschen jener Zeit? Trug Konrad Adenauer Hüte und Anzüge in verwegenen Farben, als stolzester Pfau einer politischen Kaste, die neben Schwarz und Rot auch noch auf Kornblumenblau, Buttergelb und Lachsrosa setzte? Ging Mutti prinzipiell nur im giftgrün-gepunkteten Mantel, Lackschuhen in dezentem Vollgold und Regenbogen-Fransentuch aus dem Haus? Wahrscheinlich nicht. Andererseits: Ich bin ja nun kein Zeitzeuge wie Schlaffer.

Jedenfalls vermute ich stark, dass privat gestartete Versuche, städtische Lebensräume bunter zu gestalten (an und für sich ja keine verwerfliche Forderung), zum grandiosen Scheitern verdammt sind. Graffiti gelten als lästig (ein Großteil sind es bedauerlicherweise auch, uninspirierte Gang-Tags beispielsweise), und ich bin mir nicht sicher, wie mein Vermieter reagiert, wenn ich morgen früh mit der Farbkanone und der Glitterschleuder anrücke, um die Hauswand zu verschönern. Wir werden sehen ...