Freitag, 30. September 2011

Eine spirituelle Erfahrung

Beim Verfolgen der Papstmesse im Berliner Olympiastadion kam ich in die interessante Situation, trotz zahlreich vorhandenen Besuchs der einzige Mensch in unserem Wohnzimmer zu sein, der schon einmal an einer katholischen Messe teilgenommen hatte. Kurzum: Die Reaktionen der Anwesenden waren für mich weitaus interessanter als alle Vorgänge auf der Mattscheibe. Offene Münder und fassungsloses Kopfschütteln können ungeahnte Schaulust hervorrufen.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich meine eigenen metaphysischen Überzeugungen jemals derart ... na ja, überzeugend ... finde, um dringend Missionierungsarbeit für meine Sicht der Dinge betreiben zu müssen, steht nun also fest: Unter Shock and Awe à la Heilige Mutter Kirche geht da nix und protestantische Nüchternheit kann mir getrost gestohlen bleiben! Darüber, ob ich gewillt bin, meine mögliche Tätigkeit als Heilsbringer noch mit dem nervenaufreibenden Alltag als Staatsoberhaupt zu verknüpfen, habe ich mir in Ermangelung eines eigenen Staates zugegebenermaßen noch keine Gedanken gemacht.

Worüber ich mir allerdings sehr wohl seit einigen Wochen Gedanken mache, ist ein Interview, das unser Wirtschaftsminister/Vizekanzler im Spiegel gegeben hat und in dem er Udo Jürgens als seinen Lieblingskünstler nennt. Zur Erinnerung: Der Mann ist 38! Nicht Udo Jürgens! Der andere! 38!

Mal im Ernst: Der nächste Mensch, der mich fragt, ob Fantasy nicht furchtbar unrealistisch ist, bekommt die Gegenfrage gestellt, ob ein 38-Jähriger glühender Udo-Jürgens-Verehrer nicht auch furchtbar unrealistisch ist. Nichts gegen Udo Jürgens übrigens, doch diese Aussage von Herrn R. bereitet mir ein gewisses Unbehagen.

Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die mein Weltbild ins Wanken bringen.

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