Mittwoch, 14. September 2011

Die präzise Analyse größerer Zusammenhänge ...

... ist im Moment in keinem Fall von mir zu erwarten. Dazu habe ich schlicht und ergreifend zu viel um die Ohren (auf und in denen zunehmend weiße Borsten wachsen – das Alter macht echt vor niemandem Halt, nicht einmal vor mir. Sauerei so was).

Was man jedoch von mir erwarten kann, sind einige Beobachtungen, die ich in letzter Zeit gemacht habe:

Auf und in meinen Ohren wachsen zunehmend weiße ... ach nee, Moment, hatten wir schon.

Gut. Dann also Folgendes: Wenn man an einem Sachbuch schreibt, wünscht man sich an den kniffligen Stellen ziemlich oft, man würde doch an einem Roman schreiben. Kann aber in prophetischer Weisheit prognostizieren, dass ich mir an den kniffligen Stellen beim nächsten Roman wünschen werde, ich würde an einem Sachbuch schreiben. Wahrscheinlich bin ich einfach nur ein ewiger Nörgler und konstant unzufriedener Mensch (eine Eigenschaft, die offenkundig mit T. Sarrazin und P. Gauweiler teile).

Apropos P. Gauweiler: Lieber ESELPARK Nessendorf, was soll ich davon halten, dass es Tage gibt, an denen mal (hell)blonde, mal blauäugige Besucher freien Eintritt bei dir haben? Obwohl: Passt hervorragend zum gerade vergangenen Jugend-Feuerwehr-Tag, an dem „alle Jugendfeuerwehrkameraden und ihre Jugendwarte“ freien Eintritt haben, wenn sie „in Uniform“ an deinen Toren um Einlass bitten (nur eine der beiden Hervorhebungen ist übrigens von mir). Irgendwie abenteuerlich ...

Was auch abenteuerlich ist, wenn man irgendwann abends einen Anruf von einer Freundin erhält, mit der man seit Urzeiten nicht mehr geplaudert hat und die einen ohne Umschweife bittet, ob man mal eben zwei vermissten Ausreißern im Teenager-Alter am Hauptbahnhof bzw. auf St. Pauli nachspüren könnte. Kann man natürlich, und man kommt sich kurzzeitig vor wie in einer Scripted-Reality-Doku. Aber man lernt dabei auch was – zum Beispiel, dass die Davidwache von innen kein geeignetes Motiv für Kieztouristen hergibt, es sei denn, man steht auf nackten Beton und harte Holzbänke, weil es so was daheim aus unerfindlichen Gründen nirgendwo gibt.

Zum Thema Blick von außen: Ein Freund, der nicht aus Deutschland kommt, hat mich neulich auf etwas Interessantes aufmerksam gemacht. „Weißt du“, sagte er in einem sehr niedlichen Akzent, „in Deutschland gibt es sehr viele Gesetze zum Schutz des Arbeitnehmers, aber niemanden, der dafür sorgt, dass sie auch eingehalten werden.“ Ähm ... jein. Es herrscht eher ein erschreckender Mangel an Information innerhalb der Arbeitnehmerschaft darüber, was man sich so gefallen lassen muss („Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ – auch ich habe diesen Satz gehört, und zwar nicht in den Fünfzigern oder in einer Heinz-Erhardt-Komödie) und wogegen man sich wehren kann. Ich schreibe da auch diesen trendy flachen Hierarchien eine gewisse Teilschuld zu – wenn sich in einer Firma alle untereinander duzen, verwischen die Grenzen zwischen Kollege, Chef, Kumpel und Freund (auch hier habe ich – leider – eine ungefähre Ahnung, wovon ich rede). Allerdings untermauert dieses ganze Phänomen herrlich eine meiner präferierten Hobbythesen: Wir sind und bleiben alle irgendwie im Kopf und emotional immer 15 und hängen auf nichts anderem als einem gewaltigen Schulhof rum, der sich notdürftig als Welt respektive Gesellschaft getarnt hat (auch erhältlich in den Geschmacksrichtungen Büro, Straßenverkehr und Weltsicherheitsrat). Eine Pausenaufsicht ist nicht zu sehen, oder es will keiner petzen gehen, um nicht als – exakt – Petze dazustehen.

So, ich muss mal eben los, meiner Urgroßmutter das Zahngold aus dem Kiefer hebeln, weil allem Anschein nach übermorgen zum wiederholten Male die (Finanz)welt untergeht und ich vorher noch in was Schickes von Apple investieren muss, um in der Postapokalypse nicht von der Hand in den Mund zu leben.

P.S. Zu den unnützesten Dingen oder genauer den unnötigsten Rettungsausrufen dieser unserer Tage zählt ohne jeden Zweifel „Rettet die Schreibschrift!“. Ganz ehrlich: Bei all den Dingen, die es irgendwie verdient hätten, gerettet zu werden, belegt die Schreibschrift nun nicht gerade einen Platz in meinen persönlichen Top Ten.
P.P.S. Dank meiner Frau Mama kenne ich inzwischen eine sehr überzeugende Hypothese, wohin die weiße Hundekacke meiner Kindertage verschwunden ist. Erstaunlicherweise kommt besagte Hypothese komplett ohne Paralleldimensionen und Verschwörungstheorien aus.

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