Freitag, 27. Mai 2011

Thor

Ich habe mir neulich Thor angesehen.

Nicht in einem dieser modernen Schnickschack-Multiplexmonster, sondern in einem guten alten Stadtteil-Kino. Das Ganze hatte etwas von einer Zeitreise (inklusive verstörenden Leere-Welt-Motiven). Statt einer schnieken Karte aus dem Drucker erhielten wir schmucklose grüne Papierfetzen, die von Hand von einer Rolle abgerissen wurden – ich glaube, ich habe solche Dinger vorher zuletzt in Form von Essensmarken bei einem Schulfestbesuch (ca. 1996 AD) in der Hand gehabt. Feste Plätze gab es keine: Man betrat einfach den Saal und suchte sich einen Sessel aus: Das wiederum stellte kein größeres Problem dar, weil es nur insgesamt 4 (in Worten: vier) Besucher zum Donnergott verschlagen hatte. Pluspunkte: Angenehme Geräuschatmosphäre und ungewohnt viel Beinfreiheit. Sound- und bildtechnisch hätte ich daheim allerdings mehr von diesem Film gehabt, aber ich will nicht meckern.

Zum Streifen selbst: Trotz meiner Fantasy-Affinität waren die Szenen in Asgard im Vergleich zu denen auf Mutter Erde etwas ... zäh. Andererseits hatte das Aufeinanderprallen von absurd überhöhtem Heldenepos und ironischen komödiantischen Elementen durchaus seinen Reiz. Was natürlich nicht geht, ist, dass die Asen in der deutschen Synchro unter sich ziemlich gestelzte Satzungetüme aufeinander loslassen, der Destroyer aber Destroyer heißt. Das ist dann so, als wenn man eine holde Maid um ein Date bittet oder ein edler Recke sein Sword schwingt. Merkwürdig ... aber schon klar, Englisch ist halt sowieso cooler, und Zerstörer oder Vernichter oder Verheerer oder was auch immer kann dagegen anscheinend nicht anstinken. Bei den Tricks hatte ich ab und zu das Problem, das mir manche qualitativ zu stark gegenüber dem Rest abfielen, was bei einem Film, den man sich nicht zuletzt wegen der Tricks anschaut, ein bisschen schade ist. Wahrscheinlich ging das Geld aus oder das Ding musste halt irgendwie fertig werden.

Nerdige Kritik: Volstagg war nicht fett genug. Im Grunde war er gar nicht fett. Stattlich vielleicht, aber nicht fett. Obwohl: In einer Zeit, in der sämtliche Erwachsene, die mehr als 50 kg offenbar als grotesk entstellt wahrgenommen werden, war Volstagg natürlich schon fett. Leider wirkte das angedeutete Frustfressen ob mangelnder Beleibtheit des Frustfressers dennoch eher befremdlich.

Trotz allem: Kann man mal gesehen haben, und dafür, dass Thor von der Grundanlage prinzipiell stellenweise hochgradig albern ist, geht der Film vollkommen in Ordnung.

Keine Kommentare: