Donnerstag, 3. März 2011

Empörendes

Ich habe unlängst Stéphane Hessels Empört Euch! gelesen. Das eigentlich Empörende an diesem schmalen Heftchen besteht für mich ganz persönlich darin, dass ich einen kleinen, nicht einmal sonderlich stringent argumentierenden Aufsatz eines Mannes jenseits der Neunzig gebraucht habe, um mir wieder einmal vor Augen zu führen, mit wie vielen Dingen ich mich meist völlig ungezwungen tatenlos und – von einem mal vermeintlich ironisch gebrochenem, mal auch nur schulterzuckendem resignierenden Scheinpragmatismus vielleicht abgesehen – auch emotionslos tagtäglich abfinde. Dinge, von denen es heißt, sie ließen sich nicht ändern. Weil der Mensch nun mal so ist, wie er ist. Oder weil es die Umstände einfach nicht erlauben. Oder weil jemand eben morgens aufstehen muss, um die Brötchen zu backen. Oder weil wir sonst nicht genau wüssten, wo wir hinkämen. Oder weil man manche Sachen doch noch sagen dürfen muss. Oder weil halt nicht jeder von uns Astronaut oder Prinzessin werden kann. Oder weil das Leben weder ein Zuckerschlecken noch ein Ponyhof noch ein Wunschkonzert ist.

Oder vielleicht, nur vielleicht, weil wir uns allesamt in unseren beruhigenden Selbsttäuschungen so gut eingerichtet haben – der eine plüschig-bunt, der andere heimelig-gemütlich, der nächste angeblich nur auf Zeit, bis sich irgendwann was Besseres findet.

Kein sehr schönes Gefühl ...

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