Mittwoch, 21. Dezember 2011

Briefe vom Nerdpol

Huch! Da schaffe ich es doch tatsächlich noch mal, minimal aktiv zu werden, obwohl nicht nur Weihnachten ansteht, sondern ich auch schon mitten in der Arbeit fürs nächste Romanprojekt stecke.

Der Anlass für meine verblüffende Emsigkeit ist meine Kurzgeschichte "In Wort und Bild", die gerade in der E-Anthologie "Die Untoten" vom Nerdpol-Verlag erschienen ist! Untenstehend ein kurzer Klappentext dazu ...

Lester Doherty, das enfant terrible der Londoner Künstlerszene hat ein Problem: Seit ihm seine Muse abhanden gekommen ist, kann er nicht mehr malen. Doch dann entdeckt er im Cornershop an der nächsten Kreuzung eine Kiste mit seltsamem Palmwein. Das Getränk führt ihn zwar aus seiner Schaffenskrise, lässt zugleich aber auch Werk und Wirklichkeit gefährlich nahe zusammenrücken ... und wenn man Stillleben mit Obstkorb und Föten auf die Leinwand bringt, muss man sich über die Rache des Weltgeists nicht wundern.

Neben meiner Geschichte finden sich in "Die Untoten" noch sechs andere Geschichte von so geschätzten Kollegen wie Bernhard Hennen, Christoph Marzi, Victoria Schlederer, Thilo Corzilius, Oliver Dierssen und Jonas Wolf.

Die E-Anthologie erscheint fürs Erste nur im Amazon-Kindlestore - mehr erfahrt ihr auf der Facebook-Seite des Nerdpol-Verlags.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Ein Geheimtipp

Liebe Leser,

ich muss gestehen, ich bin aktuell mal wieder im Stress. Aber keine Sorge, es ist positiver Stress. Nach dem wirklich sehr spaßigen Justifiers-Ausflug (Danke noch mal an Markus Heitz für das Ticket!), bin ich gerade in gänzlich anderen Welten unterwegs - und im neuen Jahr darf ich darüber wohl auch etwas mehr verraten.

Bis dahin erst mal der Verweis auf ein kleines (aber feines!) Gewinnspiel, dass die Bibliotheka Phantastika anlässlich der Feiertage veranstaltet. Passend zur frostigen Jahreszeit kann man dort Jonas Wolfs "Heldenwinter" gewinnen. Vielleicht hat ja der eine oder andere Lust, dort mal vorbeizuschauen.

Ansonsten wünsche ich nur das Beste zum Feste und melde mich spätestens im neuen Jahr wieder ...

Freitag, 2. Dezember 2011

Notruf aus dem All

Wer sich fragt, warum sich an dieser Stelle in letzter Zeit so wenig tut, findet hier die Antwort. Jawoll, ich mache jetzt dank Markus Heitz auch noch in Scifi. Es gibt wahrlich Schlimmeres, denn das Schreiben macht wirklich einen Heidenspaß!

Ansonsten nur schnell stichpunktartig ein paar Infos:

- Was ich mag: Lebkuchen, American Horror Story, Game of Thrones, Fußbäder, neue Kaffeesorten
- Was ich nicht mag: überhastete Comebackversuche (trotz Verzicht auf eine Harry-Osborn-Frisur), von schreiender Ignoranz durchzogene Urheberrechtsdebatten, Terrorzellen
- Wann ich wieder mehr blogge: sobald mir noch ein Kopf und ein weiteres Armpaar gewachsen ist (also in ein bis zwei Wochen).

Freitag, 30. September 2011

Eine spirituelle Erfahrung

Beim Verfolgen der Papstmesse im Berliner Olympiastadion kam ich in die interessante Situation, trotz zahlreich vorhandenen Besuchs der einzige Mensch in unserem Wohnzimmer zu sein, der schon einmal an einer katholischen Messe teilgenommen hatte. Kurzum: Die Reaktionen der Anwesenden waren für mich weitaus interessanter als alle Vorgänge auf der Mattscheibe. Offene Münder und fassungsloses Kopfschütteln können ungeahnte Schaulust hervorrufen.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich meine eigenen metaphysischen Überzeugungen jemals derart ... na ja, überzeugend ... finde, um dringend Missionierungsarbeit für meine Sicht der Dinge betreiben zu müssen, steht nun also fest: Unter Shock and Awe à la Heilige Mutter Kirche geht da nix und protestantische Nüchternheit kann mir getrost gestohlen bleiben! Darüber, ob ich gewillt bin, meine mögliche Tätigkeit als Heilsbringer noch mit dem nervenaufreibenden Alltag als Staatsoberhaupt zu verknüpfen, habe ich mir in Ermangelung eines eigenen Staates zugegebenermaßen noch keine Gedanken gemacht.

Worüber ich mir allerdings sehr wohl seit einigen Wochen Gedanken mache, ist ein Interview, das unser Wirtschaftsminister/Vizekanzler im Spiegel gegeben hat und in dem er Udo Jürgens als seinen Lieblingskünstler nennt. Zur Erinnerung: Der Mann ist 38! Nicht Udo Jürgens! Der andere! 38!

Mal im Ernst: Der nächste Mensch, der mich fragt, ob Fantasy nicht furchtbar unrealistisch ist, bekommt die Gegenfrage gestellt, ob ein 38-Jähriger glühender Udo-Jürgens-Verehrer nicht auch furchtbar unrealistisch ist. Nichts gegen Udo Jürgens übrigens, doch diese Aussage von Herrn R. bereitet mir ein gewisses Unbehagen.

Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die mein Weltbild ins Wanken bringen.

Mittwoch, 14. September 2011

Die präzise Analyse größerer Zusammenhänge ...

... ist im Moment in keinem Fall von mir zu erwarten. Dazu habe ich schlicht und ergreifend zu viel um die Ohren (auf und in denen zunehmend weiße Borsten wachsen – das Alter macht echt vor niemandem Halt, nicht einmal vor mir. Sauerei so was).

Was man jedoch von mir erwarten kann, sind einige Beobachtungen, die ich in letzter Zeit gemacht habe:

Auf und in meinen Ohren wachsen zunehmend weiße ... ach nee, Moment, hatten wir schon.

Gut. Dann also Folgendes: Wenn man an einem Sachbuch schreibt, wünscht man sich an den kniffligen Stellen ziemlich oft, man würde doch an einem Roman schreiben. Kann aber in prophetischer Weisheit prognostizieren, dass ich mir an den kniffligen Stellen beim nächsten Roman wünschen werde, ich würde an einem Sachbuch schreiben. Wahrscheinlich bin ich einfach nur ein ewiger Nörgler und konstant unzufriedener Mensch (eine Eigenschaft, die offenkundig mit T. Sarrazin und P. Gauweiler teile).

Apropos P. Gauweiler: Lieber ESELPARK Nessendorf, was soll ich davon halten, dass es Tage gibt, an denen mal (hell)blonde, mal blauäugige Besucher freien Eintritt bei dir haben? Obwohl: Passt hervorragend zum gerade vergangenen Jugend-Feuerwehr-Tag, an dem „alle Jugendfeuerwehrkameraden und ihre Jugendwarte“ freien Eintritt haben, wenn sie „in Uniform“ an deinen Toren um Einlass bitten (nur eine der beiden Hervorhebungen ist übrigens von mir). Irgendwie abenteuerlich ...

Was auch abenteuerlich ist, wenn man irgendwann abends einen Anruf von einer Freundin erhält, mit der man seit Urzeiten nicht mehr geplaudert hat und die einen ohne Umschweife bittet, ob man mal eben zwei vermissten Ausreißern im Teenager-Alter am Hauptbahnhof bzw. auf St. Pauli nachspüren könnte. Kann man natürlich, und man kommt sich kurzzeitig vor wie in einer Scripted-Reality-Doku. Aber man lernt dabei auch was – zum Beispiel, dass die Davidwache von innen kein geeignetes Motiv für Kieztouristen hergibt, es sei denn, man steht auf nackten Beton und harte Holzbänke, weil es so was daheim aus unerfindlichen Gründen nirgendwo gibt.

Zum Thema Blick von außen: Ein Freund, der nicht aus Deutschland kommt, hat mich neulich auf etwas Interessantes aufmerksam gemacht. „Weißt du“, sagte er in einem sehr niedlichen Akzent, „in Deutschland gibt es sehr viele Gesetze zum Schutz des Arbeitnehmers, aber niemanden, der dafür sorgt, dass sie auch eingehalten werden.“ Ähm ... jein. Es herrscht eher ein erschreckender Mangel an Information innerhalb der Arbeitnehmerschaft darüber, was man sich so gefallen lassen muss („Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ – auch ich habe diesen Satz gehört, und zwar nicht in den Fünfzigern oder in einer Heinz-Erhardt-Komödie) und wogegen man sich wehren kann. Ich schreibe da auch diesen trendy flachen Hierarchien eine gewisse Teilschuld zu – wenn sich in einer Firma alle untereinander duzen, verwischen die Grenzen zwischen Kollege, Chef, Kumpel und Freund (auch hier habe ich – leider – eine ungefähre Ahnung, wovon ich rede). Allerdings untermauert dieses ganze Phänomen herrlich eine meiner präferierten Hobbythesen: Wir sind und bleiben alle irgendwie im Kopf und emotional immer 15 und hängen auf nichts anderem als einem gewaltigen Schulhof rum, der sich notdürftig als Welt respektive Gesellschaft getarnt hat (auch erhältlich in den Geschmacksrichtungen Büro, Straßenverkehr und Weltsicherheitsrat). Eine Pausenaufsicht ist nicht zu sehen, oder es will keiner petzen gehen, um nicht als – exakt – Petze dazustehen.

So, ich muss mal eben los, meiner Urgroßmutter das Zahngold aus dem Kiefer hebeln, weil allem Anschein nach übermorgen zum wiederholten Male die (Finanz)welt untergeht und ich vorher noch in was Schickes von Apple investieren muss, um in der Postapokalypse nicht von der Hand in den Mund zu leben.

P.S. Zu den unnützesten Dingen oder genauer den unnötigsten Rettungsausrufen dieser unserer Tage zählt ohne jeden Zweifel „Rettet die Schreibschrift!“. Ganz ehrlich: Bei all den Dingen, die es irgendwie verdient hätten, gerettet zu werden, belegt die Schreibschrift nun nicht gerade einen Platz in meinen persönlichen Top Ten.
P.P.S. Dank meiner Frau Mama kenne ich inzwischen eine sehr überzeugende Hypothese, wohin die weiße Hundekacke meiner Kindertage verschwunden ist. Erstaunlicherweise kommt besagte Hypothese komplett ohne Paralleldimensionen und Verschwörungstheorien aus.

Mittwoch, 17. August 2011

Zwischenmeldungen aus dem Sommerloch V

Zwischendurch mal was wirklich Heiteres: Wer des Englischen mächtig ist und in der BRAVO früher die Dr. Sommer-Sachen mochte, könnte an dieser Kolumne viel, viel Spaß haben.

Wer leicht schamhaft errötet, ist da allerdings fehl am Platz und bleibt ganz weg oder trinkt sich vorher Mut an. So wie diese niedlichen Viecher.

Montag, 15. August 2011

Zwischenmeldungen aus dem Sommerloch IV

Lieber Herr Rösler,

wie fühlt man sich eigentlich, wenn man erst eine Nacht der halblangen Messer durchzieht, um eine Partei zu kapern, anschließend irgendwas davon faselt, dass man sich programmatisch breiter aufstellen müsse, um das Image als Steuersenkungspartei loszuwerden, und kurz darauf laut ausgerechnet nach Steuersenkungen schreit?

Total clever?

Unglaublich abgebrüht?

Oder doch ermattet und klammheimlich von sich selbst enttäuscht?

Und wie ist es denn, wenn man dann zu allem Übel noch feststellen muss, dass diese Spirenzchen – wider Erwarten? – nicht zu rasant anwachsender Zustimmung beim Wahlvieh führen?

Freitag, 12. August 2011

Zwischenmeldungen aus dem Sommerloch III

Hatte die Ehre, mit dem Neffen (4) Cars 2 im Kino zu sehen. Empörter Kommentar des Neffen in einer Schlüsselszene:
„Autos können nicht fliegen.“

Völlig zutreffend. Aber vielleicht hätte das mal jemand auch den Jungs von Pixar schonend beibringen sollen. Unter Umständen hätten sie dann einen Film gemacht, für den ich bei Genuss nicht die unfassbare Niedlichkeit des Neffen gebraucht hätte, um vor einem Wachkoma bewahrt zu bleiben, und nicht diesen halbgaren Hybrid, bei dem man offenbar James Bond imitieren wollte.

Mittwoch, 10. August 2011

Zwischenmeldungen aus dem Sommerloch II

Wie man selbst harmlose Meldungen über Comics noch propagandistisch ausschlachten kann, hat die BILD bewiesen. Der Umstand, dass der neue Ultimate Spider-Man ausnahmsweise kein Käsekuchen ist, war den Springer-Freaks tatsächlich folgende Schlagzeile wert:
„Halb Schwarzer, halb Latino: Der neue Spider-Man ist multikulturell“.
Ich empfehle vor allem ein eingängiges Studium der Kommentare zu diesem Artikel.

Montag, 8. August 2011

Zwischenmeldungen aus dem Sommerloch I

Habe unlängst festgestellt, dass mir richtiges Trash-Fernsehen, das sich nicht als ernsthafte Unterhaltung zu tarnen versucht, immer noch gefällt – gerade oder auch wegen seines unverhohlen inszenatorischen und zugleich skrupellosen Charakters. Bin schwer versucht, mir das hier zuzulegen. Auch wenn ich dafür in die Hölle komme ...

Freitag, 8. Juli 2011

Warum schaltet nicht mal jemand diesen ganzen Kack einfach ab?

Eigentlich war einer meiner guten Vorsätze für dieses Jahr, mich nicht mehr so doll über alles aufzuregen. Das klappt mal besser, mal schlechter.

Dass Elke Heidenreich von guten Büchern ungefähr so viel Ahnung hat wie ein Hund vom Stricken, sie aber trotzdem noch alle naslang das Maul aufreißt, um über Fantasy/Fantastik zu jammern (hier ein sehr kluger Kommentar dazu) – juckt mich nicht mehr. Wieso?

Ich habe mich damit abgefunden, dass es anscheinend Meinungen gibt, die nicht zu ändern sind. Meinungen, die es am Ende vielleicht auch gar nicht wert sind, auf Zwang geändert zu werden. Soll die Elke lesen, was ihr passt; ich lese das, was mir passt. Aus die Maus, fertig die Wurst.

Und mal im Ernst: Was wäre denn wirklich gewonnen, wenn die Elke plötzlich Fantastik dufte fände? Was, wenn das Feuilleton mehr über Fantastik schriebe? Ich glaube, rein gar nix. Auch die Klage, dass Fantastik von Kulturredaktionen medial generell vernachlässigt wird, rührt mich nicht mehr. Erstens bin ich der Auffassung, dass die existierenden Kultursendungen in Fernsehen und Radio, die die Fantastik ausklammern, letzten Endes genau die Klientel ansprechen, die ihr Feuilleton in der Zeitung ebenfalls gern möglichst fantastikfrei hat. Zweitens gilt dann: Diese Leute interessieren sich nicht für Fantastik (was übrigens ihr gutes Recht ist), und sie werden sich auch wahrscheinlich nie für Fantastik interessieren.

Ehrlich gesagt ist Fantastik jenseits dieser beiden Bereiche geradezu omnipräsent. Man schaue sich nur einige der großen und kleinen Blockbuster dieses Jahres an: der neue Transformers-Teil, Thor, der X-Men-Reboot, Super 8 – es geht der Fantastik beileibe nicht schlecht.

Im Fernsehbereich ist doch auch alles paletti – sofern man ein bisschen warten kann und/oder ein bisschen Geld investiert, kann man sich auch hierzulande, jede Menge Serien mit fantastischem Inhalt gucken, ohne irgendwelche File-Sharing-Dienste zu bemühen (und im September kommt die deutsche Fassung von Game of Thrones bei TNT Serie, wenn mich nicht alles täuscht).

Zugegeben, im Buchbereich sieht es diese Woche bei den Taschenbüchern etwas mau aus, bei den Hardcovern ist dafür alles im Lot.

Ich wage also zu behaupten: Es ging der Fantastik schon mal deutlich schlechter.

Um auf die Überschrift über diesem Palaver zurückzukommen: Was ist denn nun der Kack, den ich abgeschaltet haben möchte?

Schmidt & Schmitt zum Beispiel, eine neue fluffige Vorabendserie bei Sat1. Was da an Klischees verbraten wird, ist derart widerlich, dass mir die Galle nicht hochkocht, sondern als bitterer Dampf aus Mund und Nase wallt. Was für ein unfassbarer Dreck.

Zum Inhalt: Frau Dr. Schmidt ist Anwältin, Herr Schmitt der Detektiv, den sie in schwierigen Fällen anheuert. Selbstredend sind beide das, was man offenbar heutzutage so für attraktiv hält – aus meiner ganz persönlichen Warte sehe ich ihnen nichts anderes als zwei Standardmodelle aus der Menschenfabrik. Natürlich ist dieser ganze Schmonsens nach den beiden altehrwürdigen Prinzipien „Was sich liebt, das neckt sich“ und „Gegensätze ziehen sich an“ angelegt. Ach ja, und nebenbei schlüpfen die Darsteller wie selbstverständlich in die Geschlechterrollen der Fünfziger Jahre (wenn man mal davon absieht, dass Frau Schmidt frech einer bezahlten Arbeit nachgeht). Passend zum Text im rockigen Jingle: „I’ll be your man, and you’ll be fine“. Das “fine” sein bedeutet, dass Frau Schmidt (Schriftzug im Logo: verschnörkelt weich, ergo weiblich) in Herrn Schmitt (Schriftzug im Logo: harte Kanten, ergo männlich) jemanden gefunden hat, der sie ein bisschen dafür auslacht, dass sie ihren BMW nicht in die größte Parklücke bugsiert kriegt, den man am Ort des Geschehens ... pardon, Grauens ... also in München finden könnte.

Dass diese Produktion in Sachen Kamera, Schnitt, Regie, Musik und im Grunde überhaupt allem mit ungefähr so viel Liebe behandelt wurde, wie sie gemeinhin einem räudigen Hund zuteilwird, bräuchte ich wahrscheinlich nicht zu erwähnen, tue es aber trotzdem gern. Wenn dann noch bezüglich Homosexualität allen Ernstes die Floskel „Das kommt in den besten Familien vor“ verwendet wird, schämt man sich, überhaupt noch ein Fernsehgerät zu besitzen.
Und komm mir keiner mit dem Argument, das wäre eben Privatfernsehen und hätte mich nichts gekostet (außer Teilen meiner geistigen Gesundheit). Wer schon mal ein öffentlich-rechtliches Melodram mit Christine Neubauer in der Hauptrolle gesehen hat (und mir widerfuhr dieses schlimme Schicksal), dem erscheinen derlei Argumente ein wenig fadenscheinig.

So, genug von solch eklen Dingen. Zurück ans Sachbuch, das fertig werden will ...

Mittwoch, 1. Juni 2011

Politik und Schönheit

Da sich Der Spiegel unlängst Gedanken darüber gemacht hat, inwiefern Schönheit den politischen Erfolg einer Person beeinflusst, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es nicht schaden kann, sich einmal vor Augen zu halten, welchen Zeichentrick-Charakteren einige unserer Top-Politiker (auch Ehemalige sind darunter) am ehesten ähneln.

Sigmar Gabriel: Sindbad (wenn man es gut mit ihm meint), Schweinchen Dick (für alle anderen)

Birgit Homburger: Gundel Gaukeley (insbesondere wenn sie dieses lila Kostüm mit dem Stehkragen trägt)

Wolfgang Thierse: Wickies Vater

Cem Özdemir: Isnogud (die Koteletten machen alles noch schlimmer)

Christian Lindner: Nils Holgersson

Helmut Kohl: Barbapapa

Norbert Röttgen
: Mainzelmännchen Det (die Brille macht’s)

Sahra Wagenknecht
: Olivia Öl

Angela Merkel: die Biene Maja

Gregor Gysi: Alexander, die Maus aus Biene Maja

Peter Struck
: Elmer Fudd (teilrasiert)

Und nie vergessen: Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Montag, 30. Mai 2011

Fußballtheologische Neuigkeit

Es gibt keinen Gott. Nicht mal einen Fußballgott. Gäbe es einen, hätte er den Wechsel von Matthias Opdenhövel von Pro7 zur Sportschau niemals zugelassen. Weitere Belege für Seine Nichtexistenz sind: Oliver Welke, Reinhold Beckmann und andere.

Opdenhövel ist allerdings das Schlimmste: Es kann kein berechtigter Zweifel daran bestehen, dass er seine zynische Larmoyanz-Arroganz 1:1 von Schlag den Raab auf die Bundesliga-Berichterstattung übertragen wird. Ob es sich wider besseres Wissen lohnt, für eine vollständige Rekonvaleszenz von Monica Lierhaus zu beten? Ich will es doch schwer hoffen.

Freitag, 27. Mai 2011

Thor

Ich habe mir neulich Thor angesehen.

Nicht in einem dieser modernen Schnickschack-Multiplexmonster, sondern in einem guten alten Stadtteil-Kino. Das Ganze hatte etwas von einer Zeitreise (inklusive verstörenden Leere-Welt-Motiven). Statt einer schnieken Karte aus dem Drucker erhielten wir schmucklose grüne Papierfetzen, die von Hand von einer Rolle abgerissen wurden – ich glaube, ich habe solche Dinger vorher zuletzt in Form von Essensmarken bei einem Schulfestbesuch (ca. 1996 AD) in der Hand gehabt. Feste Plätze gab es keine: Man betrat einfach den Saal und suchte sich einen Sessel aus: Das wiederum stellte kein größeres Problem dar, weil es nur insgesamt 4 (in Worten: vier) Besucher zum Donnergott verschlagen hatte. Pluspunkte: Angenehme Geräuschatmosphäre und ungewohnt viel Beinfreiheit. Sound- und bildtechnisch hätte ich daheim allerdings mehr von diesem Film gehabt, aber ich will nicht meckern.

Zum Streifen selbst: Trotz meiner Fantasy-Affinität waren die Szenen in Asgard im Vergleich zu denen auf Mutter Erde etwas ... zäh. Andererseits hatte das Aufeinanderprallen von absurd überhöhtem Heldenepos und ironischen komödiantischen Elementen durchaus seinen Reiz. Was natürlich nicht geht, ist, dass die Asen in der deutschen Synchro unter sich ziemlich gestelzte Satzungetüme aufeinander loslassen, der Destroyer aber Destroyer heißt. Das ist dann so, als wenn man eine holde Maid um ein Date bittet oder ein edler Recke sein Sword schwingt. Merkwürdig ... aber schon klar, Englisch ist halt sowieso cooler, und Zerstörer oder Vernichter oder Verheerer oder was auch immer kann dagegen anscheinend nicht anstinken. Bei den Tricks hatte ich ab und zu das Problem, das mir manche qualitativ zu stark gegenüber dem Rest abfielen, was bei einem Film, den man sich nicht zuletzt wegen der Tricks anschaut, ein bisschen schade ist. Wahrscheinlich ging das Geld aus oder das Ding musste halt irgendwie fertig werden.

Nerdige Kritik: Volstagg war nicht fett genug. Im Grunde war er gar nicht fett. Stattlich vielleicht, aber nicht fett. Obwohl: In einer Zeit, in der sämtliche Erwachsene, die mehr als 50 kg offenbar als grotesk entstellt wahrgenommen werden, war Volstagg natürlich schon fett. Leider wirkte das angedeutete Frustfressen ob mangelnder Beleibtheit des Frustfressers dennoch eher befremdlich.

Trotz allem: Kann man mal gesehen haben, und dafür, dass Thor von der Grundanlage prinzipiell stellenweise hochgradig albern ist, geht der Film vollkommen in Ordnung.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Unser neuer Wirtschaftsminister

Dieses Foto, das wohlweislich Herrn Rösler als Robin Hood verkleidet bei seinem Abistreich zeigt, lässt seit Längerem üble Ahnungen in mir hochkommen: Die Klamottage sieht mir verdammt nach Live-Rollenspiel-Affinität aus.

Das würde einiges erklären: Röslers Hang, nahtlos von einer in die nächste Rolle zu schlüpfen – eben noch Bundeswehrarzt (wo er sich ja auch schon verkleiden durfte), dann auch schon Gesundheitsminister, einen minimalen Garderobenwechsel später Minister für Wirtschaft und zusätzlich auch noch Parteichef. Rollen, in denen ich mir Fips außerdem ausgezeichnet vorstellen kann, sind Lord Voldemort, Darth Vader oder Xena (wahlweise natürlich die Rollen, die derzeit eine gewisse Angela M. aus der Uckermark besetzt hält: Fußballanhängerin, Klimaschützerin, Atomfeindin und selbstverständlich Kanzlerin).

Montag, 23. Mai 2011

TFG

Unlängst erreichte mich die Botschaft, dass der SV Werder Bremen Ex-Nationalspieler Torsten Frings ausgemustert hat.

Frings sucht jetzt einen neuen Verein, und wie das mit alternden Fußballern häufig so ist, droht nun diese „Ich hänge noch ein paar Jahre im Ausland dran“-Nummer. Falls es so weit kommen sollte, werde ich Frings vermissen. In privaten Kommentaren zur ein oder anderen Partie wird er aber weiterhin eine gewichtige Rolle spielen. Mir fällt nämlich auf, dass ich bereits seit einiger Zeit den Begriff „Torsten-Frings-Gedächtnisschuss“ verwende, obwohl Frings weder verschieden noch im Ruhestand ist. Ein TFG ist die Variante, bei der der Spieler aus aussichtsloser Lage und mindestens dreißig Metern Entfernung mal auf den Kasten hält und die Kugel im 10. Stock (Weltraumforschung) landet.

Mach’s gut, Torsten.

Donnerstag, 12. Mai 2011

Q4 - Das Phantastische Quartett

Man kann mich jetzt auch in Farbe und in Begleitung einiger wunderbarer Kollegen im Internet bestaunen. Nachfolgend die Ankündigung dazu:

Eigentlich ist LARP TV ja eher als Internet-TV für Live-Rollenspieler und als Berichterstatter von Conventions bekannt. Im letzten Jahr wurde dann aber die Idee zu "Q4 - Das phantastische Quartett" geboren.

In fröhlicher Runde diskutieren dort 3 Fantasy-Autoren mit der Moderatorin Anett Enzmann über phantastische Themen und die Arbeit als Autor.

In Folge 1 diskutieren Gesa Schwartz, Tom Finn und Thomas Plischke mit Anett über das Thema "Was ist eigentlich Phantastik?"

In Folge 2 diskutieren Ann-Kathrin Karschnick, Tom Finn und Thomas Plischke mit Anett über das Thema "Wie entsteht eine Geschichte?"

Als nächste Themen stehen Weltenbau und Figurenentwicklung an (gehen wohl in den nächsten Wochen online). Als Goodies stellen die Autoren noch in der Rubrik "Q4 empfiehlt" eines ihrer Lieblingsbücher vor.

Also schaut mal rein und vielleicht kann man ja noch etwas lernen oder sich einfach nur inspirieren lassen ...

P.S. Ich lebe übrigens noch, stecke aber bis über beide Ohren in einem streng geheimen Sachbuch-Projekt!

Freitag, 25. März 2011

Äußerungen, die ich satt habe

„Guttenberg hat die Menschen wieder für Politik begeistert.“
Nein, hat er nicht. Er hat in erster Linie versucht, Menschen für sich selbst zu begeistern, und das ist ihm auch zweifelsohne gelungen. Er hat einigermaßen geschickt Impulse und Stimmungen innerhalb großer Bevölkerungskreise zur eigenen Imagepflege ausgenutzt. Zum Beispiel:

„Politiker lügen doch sowieso alle und sind korrupt.“
Nein, sind sie nicht. Ich kenne eine Reihe Menschen, die sich (partei)politisch engagieren, und es wäre ungerecht, ihnen das Obengenannte zu unterstellen. Sie sind aber nun einmal Menschen und damit fehlbar. Ja, sie reden gelegentlich sogar Blödsinn (oder zumindest etwas, das ich für Blödsinn halte). Zum Beispiel:

„Diese Entscheidung war alternativlos.“
Nein, war sie nicht. Nicht bei Wegen aus Finanzkrisen, nicht bei Fragen über Krieg und Frieden, nicht bei der Atomkraft. Untermauert werden die vorgeblich alternativlosen Entscheidungen mit fragwürdigen Argumenten. Zum Beispiel:

„Denn die Ereignisse in Japan, sie lehren uns, dass etwas, was nach allen wissenschaftlichen Maßstäben für unmöglich gehalten wurde, doch möglich werden könnte.“
Nein, die Ereignisse in Japan waren nicht Teil von etwas, was nach allen wissenschaftlichen Maßstäben für unmöglich gehalten wurde. Sie waren und sind Teil eines sogenannten Restrisikos. Diejenigen, die vor diesem Risiko gewarnt haben, müssen sich nun Vorhaltungen machen lassen, wenn sie darauf hinweisen, wie lange sie ihre Warnungen schon ausgesprochen haben. Dies geschieht in Form von unanständigen Verboten. Zum Beispiel:

„Es ist angesichts der Opferzahlen in Japan pietätlos, nun hier in Deutschland eine Debatte über Atomkraft zu führen.“
Nein, ist es nicht. Es ist allerdings unverschämt, andere Menschen in moralische Geißelhaft nehmen zu wollen und gleichzeitig das Leid wieder anderer Menschen als Knebel gegen eine berechtigte Sorge einzusetzen. Man kann sich nicht einerseits darüber beklagen, dass es in einer Gesellschaft angeblich allerorten an dem Willen mangelt, sich für ein gesellschaftspolitisches Ziel einzubringen oder Zivilcourage zu zeigen, und andererseits zur gleichen Zeit dagegen protestieren, wenn diese Formen des Engagements sich dann doch einmal sichtbar und hörbar manifestieren. Falsch. Man kann es doch. Zum Beispiel:

„Das Thema Atomkraft ist viel zu wichtig, um es als Wahlkampfthema zu missbrauchen.“
Nein, ist es nicht. Es ist eher viel zu wichtig, um es nicht im Wahlkampf aufzugreifen. Oder einigen wir uns stillschweigend darauf, dass in Wahlkämpfen nur über die unwichtigen Themen gestritten werden darf? Und wenn ja, welche Themen wären das dann? Und wäre dann nicht auch die oft ins Feld geführte Diskussion über verbindliche gesellschaftliche Werte in Wahlkampfzeiten ein Tabu?

„Wir haben doch gar keine Werte mehr.“
Die Leute, die das hier vor mehr als einem halben Jahrhundert aufgeschrieben haben, hatten offensichtlich noch welche. Sogar solche, für die es sich heute umso mehr einzutreten lohnt.

Donnerstag, 3. März 2011

Empörendes

Ich habe unlängst Stéphane Hessels Empört Euch! gelesen. Das eigentlich Empörende an diesem schmalen Heftchen besteht für mich ganz persönlich darin, dass ich einen kleinen, nicht einmal sonderlich stringent argumentierenden Aufsatz eines Mannes jenseits der Neunzig gebraucht habe, um mir wieder einmal vor Augen zu führen, mit wie vielen Dingen ich mich meist völlig ungezwungen tatenlos und – von einem mal vermeintlich ironisch gebrochenem, mal auch nur schulterzuckendem resignierenden Scheinpragmatismus vielleicht abgesehen – auch emotionslos tagtäglich abfinde. Dinge, von denen es heißt, sie ließen sich nicht ändern. Weil der Mensch nun mal so ist, wie er ist. Oder weil es die Umstände einfach nicht erlauben. Oder weil jemand eben morgens aufstehen muss, um die Brötchen zu backen. Oder weil wir sonst nicht genau wüssten, wo wir hinkämen. Oder weil man manche Sachen doch noch sagen dürfen muss. Oder weil halt nicht jeder von uns Astronaut oder Prinzessin werden kann. Oder weil das Leben weder ein Zuckerschlecken noch ein Ponyhof noch ein Wunschkonzert ist.

Oder vielleicht, nur vielleicht, weil wir uns allesamt in unseren beruhigenden Selbsttäuschungen so gut eingerichtet haben – der eine plüschig-bunt, der andere heimelig-gemütlich, der nächste angeblich nur auf Zeit, bis sich irgendwann was Besseres findet.

Kein sehr schönes Gefühl ...

Dienstag, 1. März 2011

Guttenberg – und nu?

Tja, ich habe lange mit mir gehadert, ob ich etwas zu unserem Verteidigungsminister sage oder nicht. Eigentlich wollte ich lieber schweigen, doch dann erreichte mich eine Mail aus Taiwan, in der ein Freund sich verwundert darüber zeigte, dass ich meine Klappe halte.

Nun gut, dann werde ich doch mal eine Handvoll Beobachtungen los:

Vor der – wohlgemerkt neuerlichen – Aufregung um Guttenberg habe ich mich oft gefragt, wo denn seine Befürworter so zu finden sind. Ich war der Auffassung, in meinem Bekanntenkreis keine zu finden – und lag in einigen Fällen ziemlich falsch. Das war meine erste Ernüchterung.

Meine zweite lag darin, dass eine nominell konservative Kanzlerin eine eigentümliche Spaltung zwischen zwei Lebensbereichen vornahm, nämlich die zwischen wissenschaftlicher und politischer Arbeit, oder mehr noch eine Grenze zwischen Beruf (Verteidigungsminister) und Privatleben (Dissertation) zog, die in dieser Art dann doch recht schwierig zu ziehen ist.

Sie ist vor allem deshalb so schwierig zu ziehen, weil sich die politische Arbeit vieler Menschen (nicht zuletzt eben die der Kanzlerin und des Verteidigungsministers) sehr drastisch auf das Privatleben anderer auswirkt (die Abschaffung der Wehrpflicht, aber auch das Entsenden von Soldaten in Krisengebiete sind Beispiele hierfür). Zudem erscheint es mir zumindest fragwürdig, einfach davon auszugehen, dass im Rahmen von politischer Arbeit getroffene Entscheidungen von persönlichen Überzeugungen und Charaktereigenschaften der Entscheider komplett unabhängig sind oder gar auf nichts anderem als nüchterner Vernunft fußen. Das tun sie in der Regel schlichtweg nicht. Politiker sind keine besseren oder schlechteren Menschen. Sie werden auch nicht in geheimen unterirdischen Farmen gezüchtet und nach Erlangung eines entsprechenden Reifegrads auf eine nichtsahnende Bevölkerung losgelassen.

Was den Fall Guttenberg fraglos interessant macht, ist, dass er bei sämtlichen Beteiligten heftigste Gefühlsregungen hervorruft. Warum eigentlich? Wahrscheinlich weil kein anderer (bundesrepublikanischer) Politiker vor Guttenberg sein Wirken und Schaffen unter bewusster Nutzung der Massenmedien als einen Event nach dem anderen und einen dramatischen Höhepunkt nach dem anderen wissentlich (um nicht zu sagen vorsätzlich) inszeniert hat.

Wer nun behauptet, es würde erst jetzt öffentlich Kritik an Guttenbergs Verhalten geübt werden, beweist damit letztlich nur, dass er entweder ein taubes Ohr für die frühere Kritik hatte oder dass er sie – aus welchen Gründen auch immer – nicht zur Kenntnis genommen hat. Guttenberg steht bereits seit der Finanzkrise immer wieder in der Kritik (etwas genauer seit der damaligen Diskussion, wie und ob der Staat Opel wieder auf die Beine helfen könnte).

Eine kleine Randnotiz: Auch die Klage, Guttenberg wäre der erste Politiker, dessen Doktorarbeit einer Prüfung durch die Öffentlichkeit hätte standhalten müssen, zeugt nur davon, dass der Kläger sich sonst anscheinend nur in begrenztem Umfang mit politischem Tagesgeschehen auseinandersetzt – unsere derzeitige Familienministerin beispielsweise musste vor nicht allzu langer Zeit nicht gerade wenig Häme für ihre Dissertation einstecken.

Nein, letztlich gilt: Wer sich so öffentlich präsentiert, wie Guttenberg es getan hat, muss sich nicht darüber wundern, auch viel Angriffsfläche zu bieten. Es gibt nun einmal keine keusche Form der Entblößung, und anders als am FKK-Strand greift hier leider nicht die Regel „Wen’s stört, der soll doch einfach wegschauen.“ Das Entsetzen, das einen packen kann, wenn man die Ereignisse der letzten Wochen Revue passieren lässt, nährt sich auch davon – hüben wie drüben in allen politischen Lagern –, dass Guttenberg tollkühn oder naiv genug war, alle Hüllen fallen zu lassen, obwohl er eigentlich selbst am besten hätte wissen müssen, dass bei seinem Striptease nicht nur Schönes entblättert werden wird.

Man mag es beunruhigend finden oder eben nicht, einen Plagiator auf dem Sessel des Verteidigungsministers sitzen zu haben. Auf einen tollkühnen oder naiven Verteidigungsminister hingegen lohnt es sich, mit der gebotenen Skepsis zu reagieren.

Freitag, 11. Februar 2011

Merkels Modewelt

Angela Merkel (früher FDJ/SED, heute CDU) hat es geschafft: Sie hat einen Modetrend gesetzt.

Die Rede ist von ihren Jacketts und/oder Hosenanzügen, mit denen sie sich bereits seit Jahren präsentiert. Diese zeichnen sich durch ungewöhnliche Stoffe (ich mag die, die so samtig aussehen, persönlich am liebsten, weil sie den Knuddelfaktor massiv erhören) und eine doch zugegebenermaßen auffällige Knopfleiste aus: Meist sind es drei Knöpfe von nicht unerheblichem Durchmesser. Insgesamt rufen sie Assoziationen zu Harlekinkostümen und Zirkusdirektoruniformen hervor (passend zur verbliebenen Restwürde des von Frau Merkel bekleideten Amtes).

In jüngerer Zeit nun sind es vorrangig Fernsehmoderatorinnen, Nachrichtensprecherinnen und Artverwandte, die offenbar von verwirrten Senderstylisten überredet bzw. gezwungen werden, ähnliche Jacketts/Hosenanzüge zu tragen (wenn sie nicht gar förmlich in die Dinger hineingeprügelt werden).

Das wiederum verheißt nichts Gutes für die Zukunft: Falls der derzeit beliebteste Blaublütige der Republik (Äquatortaufen, geöffnete Feldpost und russisches Roulette im Feldlager hin oder her) jemals Merkels Nachfolge antreten sollte, droht die Rückkehr der Gelfrisur. Wer will, stelle sich bitte Herrn Jauch, Herrn Kerner und Herrn Beckmann unter dieser Prämisse vor. Obwohl: Eigentlich wäre es nur fair, wenn Menschen von eher schleimigem Naturell wieder dazu übergingen, ihre Mitmenschen auch über ihre äußere Erscheinung erste Warnsignale zur Abstandswahrung zukommen zu lassen. Herr Nonnenmacher geht da mit gutem Beispiel voran ...

Mittwoch, 9. Februar 2011

Mensch, Niki, mach dich locker ...

Der österreichische Ex-Rennfahrer Niki Lauda zählt zu den unbesungenen Helden meiner Jugend. Umso trauriger stimmt es mich nun, wie sich Lauda über einen beispiellosen Verfall der Sitten in seinem Heimatland echauffieren konnte. In der örtlichen Variante der großen, selbstverständlich als Konkurrenzkampf angelegten Tanzveranstaltung für Prominenz, für deren Bekanntheits- und Relevanzgrad das Alphabet in aller Regel eigentlich nicht genügend Buchstaben vorzuweisen hat, macht ein Paar mit, das – und nun bitte innerlich sammeln – aus 2 (in Worten: zwei) Männern besteht.

Das findet der Niki gar nicht gut. Selbstverständlich hat er nichts gegen Homosexuelle (und wahrscheinlich genauso wenig gegen Neger, Kanaken, Zigeuner, langhaarige Bombenleger, Grünenwähler, berufstätige Frauen sowie ähnliches Geschwärtels), aber das hinderte ihn in ähnlicher Selbstverständlichkeit nicht, die Forderung zu erheben, zwei tanzende Männlein nicht im Fernsehen zu zeigen. Wes Grundes? Nun, der Kinder wegen, denen ein solcher Anblick erspart bleiben muss, um sie zu schützen. Was man ihnen aus viel berechtigteren Gründen ersparen sollte, um ihre bekanntermaßen formbaren Geister vor schwersten psychischen Spätfolgen zu bewahren, wären solche Sendungen ganz generell, doch das nur am Rande.

Mensch, Niki. Ich bin enttäuscht. Zunächst mal zwingt dich doch niemand – nicht einmal Angehörige eines SEKs mit vorgehaltener Waffe –, dir diesen Schmonsens überhaupt anzusehen (das, meine lieben Damen und Herren, wäre mal waschechter Staatsterrorismus). Weiterhin drängt sich mir der Verdacht auf, zwei tanzende Weiblein würden dich nicht so sehr stören, vor allem, wenn sie sich spärlich bekleidet in anregenden Verrenkungen um eine Stange winden.

Grundsätzliche Empfehlung: Einfach mal ein paar Runden in einem der hauseigenen Jets drehen, denn von oben sieht die Welt gleich ganz anders aus und es fällt einem unter Umständen auf, dass die westliche Gesellschaft dringlichere Probleme zu bewältigen hat, als zwei tanzwütige Ösi-Schwuppen davon abzuhalten, sich öffentlicher Lächerlichkeit preiszugeben.

Dienstag, 8. Februar 2011

Wofür das Fernsehen nicht alles verantwortlich ist

Fernsehen macht dumm, ist schlecht für die Augen und erzeugt Elektro-Smog. Wussten wir ja schon alles (oder haben es zumindest geahnt). In der Frankfurter Rundschau schiebt die Literaturwissenschaftlerin Hannelore Schlaffer dem Fernsehen nun einen ungewöhnlichen Grauen Peter zu, der endlich, endlich einen neuen Vorwurf formuliert. Ich zitiere mal eben ein Zitat:

„Je bunter [das Fernsehen] wurde, desto monochromer fiel das Straßenbild aus, je greller der Plasmabildschirm die Wohnzimmer beleuchtete, umso blasser wurden die Kleider. Lauter Geblendete tappen in den Straßen herum.... Rettung für den überanstrengten Sehsinn liegt allein in der Farblosigkeit.“

Schlaffer wohnt in Stuttgart, was als Erklärungsansatz für ihren Meinungsfindungsprozess leider nicht ganz reicht, da Stuttgart auch nicht wesentlich grauer daherkommt als so manch andere deutsche Großstadt (zur Erinnerung: Ich habe weite Teile meines Lebens in Ludwigshafen am Rhein verbracht, dass natürlich auch seine schönen Ecken hat, weil ja eine Betonwüste ohne Oasen keine richtige Wüste wäre).

Ebenso schwer fällt eine Ferndiagnose, was es mit den lauter Geblendeten in Schlaffers näherer Umgebung hat. Ein in Schwaben verbreiteter, aber bislang unter dem gesellschaftlichen Radar geflogener Sonnenkult, der seine Anhänger zwingt, zu lange ins grelle Licht zu starren? Doch nur zu viele Unfälle mit Laserpointern bei Präsentationen? Ein Irrer, der mit einem glühenden Eisen umgeht, um seinen ahnungslosen Opfern damit die unschuldigen Augäpfel zu verschmurgeln? Wir wissen es nicht. Vielleicht ein Fall für Galileo Mystery.

Oder doch nur eine bedauerliche Fehlwahrnehmung Schlaffers?

Es stellt sich die Frage, ob Schlaffers These auch im Umkehrschluss gilt. Waren Deutschlands Städte zu Einführung des Fernsehens, das damals bekanntlich Schwarzweiß sendete, noch quietschbunt? Sah Paderborn aus wie Disneyland, war Osnabrück ein einziges Farbenmeer und in Darmstadt war jede Fassade mit Blütenranken bemalt? Und was ist mit den Menschen jener Zeit? Trug Konrad Adenauer Hüte und Anzüge in verwegenen Farben, als stolzester Pfau einer politischen Kaste, die neben Schwarz und Rot auch noch auf Kornblumenblau, Buttergelb und Lachsrosa setzte? Ging Mutti prinzipiell nur im giftgrün-gepunkteten Mantel, Lackschuhen in dezentem Vollgold und Regenbogen-Fransentuch aus dem Haus? Wahrscheinlich nicht. Andererseits: Ich bin ja nun kein Zeitzeuge wie Schlaffer.

Jedenfalls vermute ich stark, dass privat gestartete Versuche, städtische Lebensräume bunter zu gestalten (an und für sich ja keine verwerfliche Forderung), zum grandiosen Scheitern verdammt sind. Graffiti gelten als lästig (ein Großteil sind es bedauerlicherweise auch, uninspirierte Gang-Tags beispielsweise), und ich bin mir nicht sicher, wie mein Vermieter reagiert, wenn ich morgen früh mit der Farbkanone und der Glitterschleuder anrücke, um die Hauswand zu verschönern. Wir werden sehen ...

Montag, 31. Januar 2011

Kleiner Jahresrückblick

Etwas verspätet vielleicht, aber ich möchte meiner treuen Leserschaft nicht länger vorenthalten, was von 2010 so bei mir hängengeblieben ist.

Das Buch, das mich 2010 am meisten berührt hat, war Room von Emma Donoghue. Nein, hier war nicht der Artikelfresser am Werk und hat das The verspeist, und ja, das ist doch tatsächlich kein phantastischer Roman. Warum also trotzdem diese Wahl? Das Buch ist rührend, witzig und beweist außerdem, dass eine Geschichte manchmal eine besondere Perspektive braucht – in diesem Fall die eines recht altklugen Fünfjährigen –, um dem Abdriften in klischeehafte Darstellungen extrem unerfreulicher Ereignisse vorzubeugen.

Der Film, der mich 2010 am meisten fasziniert hat: Das dürfte Kick-Ass gewesen sein. Eine Comic-Umsetzung ganz nach meinem Geschmack.

Und was ist mit Fernsehen? Da gilt wie letztes Jahr: Misfits ist herausragend, und wer das Weihnachtsspecial noch nicht gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen (Vorsicht: Das ist aber definitiv nichts für Leute, die weder Geburtsszenen mögen noch religiöse Gefühle verletzt sehen möchten).

Lieblingspolitiker(in) des Jahres: Diese Dame hier (weil sie stellvertretend für alles steht, was den Leuten Politik derzeit so vermiest, und weil man nicht immer nur auf unserem Vizekanzler herumhacken muss, um zu zeigen, wie schlecht es momentan um die Liberalen bestellt ist).

Lieblingsaufreger: Dass nach wie vor so viele Menschen hierzulande nicht nur mehr oder minder verkappte Rassisten sind, sondern zudem auch noch Angst vor dem Internet haben. Sehr schade eigentlich.

Und zum Schluss: Wer ein klitzekleines bisschen mehr machen möchte, als sich ständig nur aufzuregen – wie ich das auch nur ach zu gern tue –, der könnte probehalber einmal hier vorbeischauen.

Montag, 17. Januar 2011

Das neue Jahr ...

Beginnt man selbstverständlich mit guten Vorsätzen. Zu meinen gehört, den Blog etwas regelmäßiger zu pflegen, was bis jetzt ehrlich gestanden so mittelgut geklappt hat. Aber 2011 ist ja noch lang.

Ein anderer guter Vorsatz ist der, mich im kommenden Jahr weniger aufzuregen und mehr Freude an den heiteren Dingen des Lebens zu haben, wie etwa an Guido Westerwelles ergreifender Rede beim Dreikönigstreffen, die ich am heimischen Fernsehschirm in voller Länge genießen durfte – eine meiner Lieblingsstellen kommt gleich zu Beginn, in der der Vizekanzler beteuert: „Für wen machen wir [pluralis majestatis?] denn Politik? Für die Menschen.“ Gut zu wissen, dass man nicht Politik für Kühe, Autos oder Steine macht. Oder an diesem interessanten Fundstück, das belegt, wie wunderbar fies der Weltgeist sein kann.

Ansonsten: mehr Obst essen. Am liebsten Früchte, die aussehen, als kämen sie von einem anderen Planeten, so wie die hier.

Mehr Bewegung (glücklicherweise hat mein Schreibtischstuhl Rollen unten dran).

Klingt alles sehr altherrenmäßig. Schön. Man wird ja tatsächlich nicht jünger ...