Mittwoch, 22. Dezember 2010

Ich mach es kurz und schmerzlos:

Auf diesem Wege wünsche ich ein frohes Fest
und ein spannendes neues Jahr!


Montag, 20. Dezember 2010

Was haben unser Kriegs-, pardon, Verteidigungsminister und Harry Osborn gemeinsam?

Man braucht eigentlich nicht sonderlich genau hinzusehen: Beide haben diese sonderbare, nach hinten gegelte Naturwelle. Sollte einem diese Frisurenvetternschaft Angst machen? Nun, wenn man bedenkt wohin sich Harry Osborn so entwickelte, dann vielleicht schon.

Mich jedenfalls trieb diese Ähnlichkeit bereits eine ganze Weile um und ich bin froh, meinen Bedenken endlich Luft verschafft zu haben. Nur dass hinterher nicht wieder alle meinen, es hätte sie ja keiner gewarnt.

Montag, 13. Dezember 2010

Der Jugendschutz

Anlässlich der laufenden Debatte über die nun vielleicht doch oder eben vielleicht doch nicht eintretende Kennzeichnungspflicht von Blogs in Sachen Jugendschutz, habe ich mir einmal angesehen, was die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia an spaßigen Angaben zur Rechtslage auf ihrer Website so preisgibt.

Man muss sich ja informieren, was da dank des neugefassten Jugendmedienschutz-Staatsvertrages auf einen zukommt. Super-Wortungetüm übrigens, und in der Abkürzung sogar noch einen Hauch eleganter: JMStV. Bedauerlicherweise geht es dabei nicht darum, Jugendmedien vor irgendwas zu schützen oder die Medien vor der Jugend, sondern eben leider um einen duften Jugendschutz in den Medien. Putzig ist der immer wieder auftauchende Begriff der Entwicklungsbeeinträchtigung, der so wunderbar schwammig ist, dass er der Willkür Tür und Tor öffnet. Grundsätzlich ist natürlich alles darauf ausgerichtet, die jungen Menschen davor zu bewahren, einen Medieninhalt zu rezipieren, der hinsichtlich der Entwicklung ihrer Persönlichkeit einen negativen, dem Menschenbild des Grundgesetzes widersprechenden Einfluss ausübt. Schon klar ...

Da ich nun aber gern über Sex rede, schauen wir uns doch einmal zusammen an, was dieses Entwicklungsbeeinträchtigungsdingens in diesem Zusammenhang bedeutet. Als „sexualethisch desorientierend“ gelten Inhalte „grundsätzlich“, wenn die „Darstellung von Sexualität“ den Zielen „gefühlsbejahender und normenkritischer Sexualerziehung [...] massiv“ zuwiderlaufen. So weit so gut. Zu den genannten Zielen zählt übrigens dankenswerterweise „die Annahme von Sexualität als positive Lebensäußerung.“ Gerade noch mal Glück gehabt. Als besonders desorientierend ist „die Darstellung von Menschen, die diese auf entwürdigende Art zu sexuell willfährigen Objekten degradiert“ hervorgehoben. Schließt sich gleich die Frage an, ob es okay ist, wenn die Menschen auf nicht-entwürdigende Art zu willfährigen sexuellen Objekten degradiert würden, aber egal.

Einer der anderen Indikatoren für eine Entwicklungsbeeinträchtigung ist nun die (nicht minder schwammige) übermäßige Angsterzeugung. Ein Indikator hierfür ist eine „drastische Darstellung des Geschlechtsverkehrs“. Wir halten also fest: Die oben getroffene Annahme von Sexualität als positive Lebensäußerung schließt nicht aus, dass man sich ob dieser positiven Lebensäußerung einen entwicklungsbeeinträchtigenden Schaden abholen kann, sofern sie einem zu „drastisch“ (Schwammigkeit, ick hör dir trapsen ...) aus dem Medieninhalt ins Gesicht springt. Wie kann das sein?

Die Webseite der FSM erläutert es einem:

Des weiteren [sic!] ist darauf zu achten, ob die Darstellung eher sehr stilisiert und kommerziell erfolgt oder den Anschein einer Widergabe [sic!] tatsächlich stattfindender Ereignisse erweckt.“ Was für ein schöner, verräterischer Satz. Nicht nur, weil er zwei weitere Schwammigkeiten transportiert – sehr stilisiert und kommerziell –, sondern auch wegen des Freudschen Vertippers. Ist ja auch widerlich, so eine Widergabe. Es geht ja noch weiter: „Da Jugendliche bei realistischen Darstellungen davon ausgehen könnten [man beachte den Konjunktiv], dass es sich um in der Gesellschaft übliche Praktiken handelt, [ich habe da frech mal das fehlende Komma eingefügt] gilt: Je realistischer die Darstellung, desto eher kann von einer entwicklungsbeeinträchtigenden Wirkung ausgegangen werden.

Wie wunderbar, dass hier nichts zu Ende gedacht wird. Dieser Ansatz bedeutet nämlich, dass ein Film, der sich deutlich als Spielfilm zu erkennen gibt und in dem funky Astronautinnen in Glitzeranzügen von außerirdischen Tentakellüstlingen in allen erdenklichen Arten und Weisen beglückt werden, weniger entwicklungsbeeinträchtigend wäre als ein auf Dokumentarfilm getrimmtes Projekt im Stile eines Blair Witch Project trifft Expeditionen ins Tierreich. Willkommen in der wunderbaren Welt des Surrealen ...

Nett auch noch folgender Hinweis: „Die entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung kann verstärkt werden, wenn es sich zum Beispiel bei den dargestellten Frauen um Schwangere handelt.“ Da schließt sich der Kreis dann wieder zur lebensbejahenden Äußerung. Denn dort, wo das Leben entsteht, geht es rein zu, und sobald eine Frau das Ungeborene in sich trägt, ist sie madonnenhaft und ihr ohnehin etwas furchteinflößendes und schmutziges Verlangen nach Sexualität erlischt schlagartig (glücklicherweise haben mir da Betroffene gänzlich anderes berichtet).

Und noch ein letzter Punkt: „Die entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung der Internetseiten wird verstärkt, wenn es sich um die Darstellung sexueller Praktikanten handelt, die 14 -16-jährigen üblicherweise nicht vertraut sind.

Meine Frage: Wo kriegt man diese Listen her, auf der diese sexuellen Praktiken sauber und im Optimalfall bebildert aufgelistet sind? Wer weiß, vielleicht kann man da ja sogar als Erwachsener noch das eine oder andere lernen. Vollkommen lebensbejahend, versteht sich.

Freitag, 10. Dezember 2010

Ich leake mit

Eine Sache noch zu WikiLeaks und dann ist aber auch mal gut. Ich habe beschlossen, die vorgenommenen Enthüllungen als generellen Appell zu mehr Aufrichtigkeit zu begreifen. Also stelle ich eine kleine Sammlung von Informationen über unsere Volksvertreter zusammen, die frei zugänglich, aber nicht minder interessant sind:

Hermann Otto Solms (FDP), Vizepräsident des Deutschen Bundestages, heißt eigentlich Herrmann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich.

Volker Kauder (CDU), Fraktionsvorsitzender im Bundestag, erhielt 2010 einen Medienpreis des Christlichen Medienverbundes KEP (http://de.wikipedia.org/wiki/Christlicher_Medienverbund_KEP), einem Zusammenschluss evangelikal orientierter Medienmacher.

Rainer Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, wertete den Einsatz von Tornado-Aufklärern zur Überwachung von protestierenden Gegnern des G8-Gipfels in Heiligendamm als einen klassischen Fall von Amtshilfe.

Wolfgang Bosbach (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses des Bundestags, sprach Bürgern das Recht ab, unerkannt durch ihre Stadt zu gehen, forderte eine Zensur des Internets zur Zugriffserschwerung auf Killerspiele, forderte ein Herstellungsverbot für Killerspiele, machte sich für ein Verbot von Gotcha stark und forderte die Einführung von Nacktscannern an Flughäfen.

Edelgard Bulmahn (SPD), verantwortete als Bundesbildungsministerin folgenden Slogan für das Vorhaben, eine Handvoll deutscher Unis zu Eliteunis auszubauen: „Brain up – Deutschland sucht die Superuniversität“.

Axel Fischer (CDU), Vorsitzender der Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft forderte ein Vermummungsgebot im Internet.

Otto Fricke (FDP), Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, nimmt am regelmäßig stattfindenden Gebetsfrühstückkreis im Bundestag teil.

Hans-Joachim Fuchtel (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, setzte sich in der Aktion „Für Freiheit und Selbsbestimmung – gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände“ ein.

Norbert Geis (CSU) wollte ein Madonna-Konzert verbieten lassen, sprach sich gegen das Lebenspartnerschaftsgesetz aus, schlug den Einsatz bewaffneter Zugbegleiter vor, befürwortet die Sicherungsverwahrung von Gefährdern ohne Prozess – und erhielt den päpstlichen Gregoriusorden für seinen Einsatz bei der Wahrung christlicher Werte in der Gesetzgebung.

Heinz-Peter Haustein
(FDP) sucht nach dem Bernsteinzimmer.

Ulla Jelpke (DIE LINKE) findet es eine kleinkarierte Diskussion, wenn von Reportern darauf hingewiesen wird, dass in Kuba keine Meinungs- und Pressefreiheit herrsche.

Und das sind nur die Buchstaben A- J. Noch Fragen?

Stammt übrigens alles aus der Wikipedia ...

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Netz unser

Netz unser,
das du bist im Äther,
gepriesen werde dein Name.

Lass durch dich
Unseren Willen geschehen,
online wie offline.

Unsre täglich Info gib uns heute,
und vergib uns unsere Flames,
wie auch wir vergeben unseren Flamern.

Und führe uns nicht nur zu Pornos,
sondern erlöse uns aus unserer Ohnmacht.

Assange.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

WikiLeaks, die Stasi und entfesselte Technologie

Womöglich darf man nicht allzu viel von einem Politiker erwarten, der alter Herr in einer katholischen Burschenschaft mit dem Motto „Gerecht und Beharrlich“ ist. Allerdings sollte das Dr. Hans-Peter Friedrich, seines Zeichens CSU-Landesgruppenvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, nicht davor schützen, dass man stark gespreizte Vergleiche, zu denen er sich vor eifrigen Journalisten hinreißen lässt, einfach so hinnimmt.

Dr. Friedrich bezeichnete WikiLeaks unlängst als „so eine Art Stasi“. Wir erinnern uns: Das Ministerium für Staatssicherheit diente in der DDR unter anderem dazu, die staatliche Führungsspitze über die Umtriebe von Dissidenten und Feinden des real existierenden Sozialismus informiert zu halten. Dabei bediente sich die Stasi diverser Mittel, die mit dem Label „paranoideste Auswüchse eines unterdrückerischen Regimes, das seinen eigenen geknechteten Untertanen mit krankhaftem Misstrauen begegnet“ nicht einmal annähernd kritisch genug beschrieben sind. Inwiefern das etwas mit einer Internet-Plattform zu tun hat, die Menschen, die unethisches Verhalten ihrer Regierung oder ihres Unternehmens anonym einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen wollen, eine ebensolche Möglichkeit eröffnet? Keine Ahnung. Da müsste man bei Dr. Friedrich selbst vielleicht noch einmal genauer nachhaken.

Ganz generell lässt sich aus den Reaktionen auf die Tätigkeiten von WikiLeaks seitens der Herrschenden dieser Welt recht gut ablesen, wie ohnmächtig und hilflos sie diesen Tätigkeiten gegenüberstehen. Diese Ohnmacht und Hilflosigkeit ist ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie die gesellschaftliche (und insbesondere die gesellschaftspolitische) Entwicklung der technologischen Entwicklung derzeit hinterherhinkt. Moderne Telekommunikation ermöglicht die rasante Verbreitung von Daten – eben auch sogenannten sensiblen Daten. Um noch mal zur Stasi zurückzukommen: Hätte es das Internet in der heutigen Form bereits zu DDR-Zeiten gegeben, hätte unter Umständen ein einziger „Verräter“ aus den Reihen der Stasi genügt, um deren Umtriebe relativ umfassend publik zu machen. Und das wiederum ist an und für sich kein unschöner Gedanke ...

Weshalb das befreiende Potential einer entfesselten Technologie nun ausgerechnet von Personen in politischen Führungspositionen als zu fürchtendes Mittel der Unterdrückung und Überwachung umgedeutet wird? Ein Schuft, wer Böses dabei denkt.

Montag, 6. Dezember 2010

WikiLeaks und die Telepathie

Eines führt die WikiLeaks-Veröffentlichung des Materials aus mehr oder minder vertraulichen bis geheimen Schriftstücken aus dem diplomatischen Dienst der USA deutlich vor Augen: Niemand möchte Telepath sein oder gar in einer Welt leben, in der über Nacht alle Bewohner zu Telepathen mutieren.

Denn die eigentliche Kränkung, die das eine oder andere Dossier Opfer nun erfährt, erwächst ja anscheinend nicht aus der Tatsache, dass solche Dossiers überhaupt existieren (dem Glauben, nur die ach so bösen Amis würden dergestalt mit angeblichen Freunden verfahren, hängen wahrscheinlich auch nur solche Menschen an, die ehrlich davon überzeugt sind, dass zurzeit ein dicker Herr mit weißem Bart und einem Faible für die Farbe Rot ihre Weihnachtsgeschenkwünsche entgegennimmt). Die Kränkung entsteht doch vielmehr dadurch, dass die Betroffenen nun wissen, was andere Leute tatsächlich über sie denken. Und das ist wahrlich kein angenehmes Gefühl.

Wir Menschen sind schon schizophrene Wesen. Einerseits begegnen wir anderen mit einem gewissen Urvertrauen und bauen auf die Aufrichtigkeit dessen, was uns mitgeteilt wird. Andererseits – und da kann sich sicherlich jeder an die eigene Nase fassen – behalten wir allerlei Dinge, die wir über andere denken, tunlichst für uns und lügen ab und an gerne aus Höflichkeit, Rücksichtnahme oder Anstand. Alltägliche Fragen, zu denen man sich gelegentlich – und da haben wir genau den Kern der Debatte getroffen – diplomatisch äußert, sind etwa:

„Sieht mein Arsch in dieser Hose fett aus?“

„Freust du dich über dein tolles Geschenk?“
„Macht es dir etwas aus, dass ich so unangemeldet reinschneie?“
„Siehst du das nicht genauso?“
„Liebst du mich noch?“

Und das sind dann eben auch genau die Momente, in denen man sich freut, nicht unter Telepathen zu leben ...

Freitag, 3. Dezember 2010

Stuttgart 21 und der Triumph der Demokratie

Stuttgart 21 ist ein Thema, zu dem ich mich bislang nur am Rande geäußert habe. Aus gegebenem Anlass reiße ich nun doch mal eben kurz die Klappe auf.

Zunächst bin ich in der Berichterstattung über das Schlichtungsverfahren auf einen Beleg dafür gestoßen, wie fest die Nerdkultur inzwischen in der Gesellschaft verankert ist. „Alle hoffen auf die Weisheit von Yoda Geißler. Mit der Weisheit eines Jedi-Meisters hat Heiner Geißler im Streit über Stuttgart 21 moderiert.“ Das ist wie gesagt leider nicht von mir, stammt aber auch nicht von irgendwo, sondern immerhin von SPON (siehe hier).

Offenkundig muss also mittlerweile in der journalistischen Arbeit in Deutschland keine Rücksicht mehr darauf genommen werden, ob der interessierte Leser sich nun in der Nerdkultur ausreichend auskennt, um rätselhafte Bezüge zu entziffern (beispielsweise würde ich für unsere gesamte Elterngeneration nicht zwingend die Hand ins Feuer legen, ob Mutti und Papi denn nun wissen, wer a) Yoda und was b) ein Jedi-Meister ist). Ich nehme im Übrigen Abstand davon, eine extrem nerdige Diskussion darüber einzuleiten, ob die Autoren des SPON-Artikels hier vielleicht auch eine versteckte Kritik an Geißlers Schlichtungstätigkeit eingebaut haben (wir wissen ja, dass sich die Jedis in Episode 1 bis 3 jetzt nicht zwingend sonderlich weise verhalten). Viel ergiebiger und unterhaltsamer scheint mir, zukünftige Schlagzeilen zu erahnen. So was wie:

* „Professor X nimmt seinen Hut. Der grimmige Telepath im schwarz-gelben Kabinett, Finanzminister Wolfgang Schäuble, gab heute Morgen seinen Rücktritt bekannt.“

* Duke Nukem Forever: Lange hat man darauf gewartet, nun hat es endlich den Bundestag passiert – das Gesetz zur unbegrenzten Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke.“
* „Hogwarts überall. Die Muggles der Bundesregierung diskutieren zur Bekämpfung der Bildungsmisere über eine Internatspflicht für Schüler.“

Und so weiter und so fort ...

Weniger spaßig ist die laut in die Welt hinaus trompetete Meinung, das Schlichtungsverfahren zu Stuttgart 21 stelle einen wichtigen Sieg der Demokratie dar. Mir ist nämlich noch nicht so ganz klar, inwiefern ein Vorgang, der beispielsweise auch in einer Monarchie denkbar wäre, nun unbedingt als Triumph demokratischer Prinzipien zu verstehen ist.

Zur Erläuterung: Der König ist missgelaunt. Ein Teil seiner Untertanen knurrt und murrt wegen des Baus einer Mietkutschenstation, die bereits der Großvater des Königs und dessen Hofstaat als nützliche Umgestaltung des Kernbereichs der Reichshauptstadt erachtet hat. Schlimmer noch: Die undankbaren Aufständischen rotten sich in gefährlicher Weise zusammen, um den Bau der Mietkutschenstation zu verhindern. Für alle vernünftigen Argumente des Königs und der Betreiber der geplanten Mietkutschenstation sind sie taub, weshalb der König sich sogar schon gezwungen sah, die Palastgarde zu entsenden, um den Mob auseinanderzutreiben. Ohne nennenswerten Erfolg, abgesehen davon, dass sich nun auch die Teile der Untertanenschaft, die bislang nicht murrten und knurrten, angesichts des Einsatzes der Palastwache ebenfalls kritisch in der Öffentlichkeit zu äußern beginnen. Was tun? Der König hat einen netten Einfall: Er bestimmt einen seiner adligen Freunde, der sich eigentlich bereits auf seinen Altersruhesitz zurückgezogen hat, zum Schlichter in dieser Angelegenheit. Der alte Graf reist gerne an und handelt über Wochen hinweg auf dem Marktplatz einen Kompromiss zwischen den Aufständischen und den Herrschenden aus. Ein Kompromiss, der leider letztlich kein echter Kompromiss sein kann, weil niemand weiß, wie eine halbe Mietkutschenstation auszusehen hätte. Nach dem Ausgang der Schlichtung zeigt sich der König etwas verblüfft, dass die Aufständischen nach wie vor keine Ruhe geben wollen. Nun ja, letzten Endes braucht ihm deswegen kein Zacken aus der Krone zu brechen und der geplante Bau kann weitergehen, weil das Volk ja die Möglichkeit hatte, seine Belange vorzutragen. Ein Akt der Gnade, für den dieses Pack wenigstens mal einen Hauch Dankbarkeit zeigen könnte.

Klarer Punktsieg für die Demokratie, würde ich sagen.