Montag, 15. November 2010

Mach’s wie Thea!

Als gehässiger Kleingeist – und da Thea Dorn (deren Klarname etwas unspektakulär Christiane Scherer lautet) mir gerade in jüngster Zeit zweimal schwer unangenehm in Talkshows aufgefallen ist – liefere ich hier kostenlos ein paar Pseudonyme für engagierte Frauen und Männer jeden Alters, die Lust darauf haben, nach Annahme einer unfassbar prätentiösen Spielidentität allerlei vermeintlich reflektierte, aber in letzter Konsequenz blindspiegelhafte Gedankenunfälle in die Welt hinauszuposaunen:

Luise Althaus (Vorteil: Pfeifenraucherin; Nachteil: von eigener Hand erwürgter Ehegatte)
Hanna Baudriller (Vorteil: begeisterte Fotografin; Nachteil: Germanistikstudium)
Berta Marbuse (Vorteil: Anstellung beim CIA-Vorläufer; Nachteil: Zwangseinzug in die Armee)
P!nk Liechtenstein (Vorteil: hohes Durchsetzungsvermögen; Nachteil: politische Feinde)
Gitte Dehlös (Vorteil: coole Freundinnen, u. a. Michaela Pendel; Nachteil: Lungenleiden)
Jacky de Rida (Vorteil: verdammt geile Frise; Nachteil: Psychoanalytiker als Ehemann)
Michaela Pendel (Vorteil: Chefin einer Experimentaluniversität; Nachteil: Depressionen)
Rolanda Barth (Vorteil: Tod des Autors propagieren; Nachteil: Tuberkulose)
Waltraud Jamin (Vorteil: begnadete Übersetzerin; Nachteil: abgelehnte Habilitationsschrift)
Jonas Diener (Vorteil: Gendertheorie; Nachteil: Gendertheorie)
Maxi Hork (Vorteil: selbst in der Suppe der Aufklärung noch das borstige Haar finden; Nachteil: US-Staatsbürgerschaft)
Slawa Schisch (Vorteil: hübsch auf Krawall gebürstet; Nachteil: keiner versteht dich, aber alle tun so)
Jutta Haber (Vorteil: extrem verschwurbelte Sprache; Nachteil: Jugendjahre in Gummersbach)

Freitag, 12. November 2010

Kleine Kurzgeschichte über den Teufel

Die bezaubernde Alisha Bionda hat mir die Möglichkeit eröffnet, mich im Rahmen einer Kurzgeschichte über eines meiner absoluten Lieblingsszenarien auszulassen: Bewerbungsgespräche. Warum mag ich die? Weil sie eine Situation darstellen, die an Widersprüchlichkeit und Heuchelei kaum noch zu überbieten ist. Da sitzen sich also zwei Parteien gegenüber, die beide sehr genau darum wissen, dass sie sich in eine Art Aufführung hineinbegeben. Improvisationstheater mit ungewöhnlich genauen Rollenvorgaben, wenn man so will. Die eine Seite ist sich immer bewusst, dass die jeweils andere Seite Äußerungen tätigt, die nie ganz der Wahrheit, sondern lediglich dem Erwartbaren und strategisch Geschickten entsprechen dürfen, weil die Gesamtkonstellation ansonsten unter dem Druck des Tatsächlichen zusammenbrechen würde („Was sind Ihre Schwächen?“ – „Zwanghafte Masturbation gepaart mit einem familiär bedingten Scheu vor allzu langen Arbeitstagen.“). Wunderbar, einfach wunderbar.

In besagter Kurzgeschichte findet das Gespräch zwischen einem hochrangigen Vertreter der Hölle und einem aufstrebenden Jungmanager statt, der sich in diesem speziellen Fall Hoffnungen auf einen raschen Abstieg macht. Erschienen ist sie in der Anthologie Advocatus Diaboli bei der Edition Roter Drache, versehen mit einer Illustration von einem ausgesprochen leidenschaftlichen Kuss auf den Hintern. In der Anthologie, die im schnieken Hardcover daherkommt, finden sich Erzählungen einer Menge netter Kollegen (u. a. Tanya Carpenter, David Grasshoff, Bernd Rümmelein und Gian Carlo Ronelli), und wer phantastische Kurzgeschichten mag, ist damit sehr, sehr gut bedient.

Mittwoch, 10. November 2010

Ein lieber Freund im Fernsehen (und bei genauem Hinsehen sogar zwei)

Mit etwas Verspätung habe nun auch ich wahrgenommen, dass die diesjährige Spielemesse in Essen stattgefunden hat. Diese Erkenntnis ist mit einem Hauch von Wehmut verbunden, weil ich mich auf der SPIEL in der Vergangenheit häufiger einmal herumgetrieben habe, inzwischen aber zu alt und zu träge bin, um den weiten Weg von Hamburg in den Pott noch auf mich nehmen zu können.

Genug gejammert. Jedenfalls habe ich in einem Bericht des ZDF über die Spiel gleich zwei liebe Freunde erspäht. Einer von ihnen darf bzw. muss der Reporterin dann auch Rede und Antwort stehen, was denn da für ein komisches Spiel gespielt wird: Markus Plötz von Ulysses (ab 3:27) macht dann auch eine sehr gute Figur darin, die Vorzüge von Justifiers zu erläutern – nämlich hauptsächlich den, dass das Baby, dem er und Markus Heitz (und eine ganze Reihe weiterer fleißiger Helfer) dabei geholfen haben, das Licht der Welt zu erblicken, ein ausgesprochen einsteigerfreundliches Rollenspiel ist. Insofern freut es mich ganz besonders, dass das hehre Unterfangen, meinem einstigen Lieblingshobby neues Leben einzuhauchen, ganz offenbar sehr erfolgreich durchgezogen wurde. Ich ziehe meinen Chapeau Claque.

Wenn man ganz genau hinsieht, kurz bevor die Reporterin den Justifier-Erzähler mit der interessanten Frisur anspricht, erhascht man einen Blick auf einen anderen lieben Freund, der im Anzug eine für mich etwas ungewohnte, aber ebenso gute Figur macht wie Markus: Der freundliche Herr mit Glatze und Brille (bei 2:48) ist niemand anderes als Thomas Römer, der die Geschicke der Erzählwelt von DSA lenkt; es freut mich, das Thomas den völlig übertriebenen Aufruhr um diverse Veränderungen in der Redaktionszusammensetzung unbeschadet überstanden hat. Am Ulysses-Stand fielen dieses Jahr also Tradition und Aufbruch in Sachen Rollenspiel gewissermaßen zusammen, und das ist für mich ein schöner, wenn nicht gar tröstlicher Gedanke.