Freitag, 17. September 2010

Eigen- und Fremdwerbung

Nicht ganz ohne Stolz darf ich verkünden, dass der dritte Teil der Zerrissenen Reiche erschienen ist. Er trägt den Titel „Die Halblinge des Ewigen Hains“, und wer sich dafür interessiert, findet hier eine Leseprobe (deren Motto „Die Banalität des Bösen“ lauten könnte).

Was darf man sich an Neuerungen erwarten?
- Einen Handlungsstrang aus der Perspektive eines Halblingskommissars von der Reichs ... äh, pardon ... Bundessicherheit.
- Den ersten Auftritt meiner persönlichen Elfeninterpretation (definitiv etwas für Freunde von Arroganz, Morbidität und Dekadenz).
- Eine Mutter, die ihre Tochter liebevoll Hure nennt.
- Nette Goodies, um den Einstieg aus der Pause zu erleichtern (ein schnuffiges „Was bisher geschah“ vorne im Buch und eine Übersicht über die handelnden Personen hinten).

Nun zur Fremdwerbung. Treue Leser meines Blogs erinnern sich vielleicht, dass sich der Moops und meine Wenigkeit vor einigen Monaten in der Reichs... äh, pardon Bundeshauptstadt herumgetrieben und dort Zeuge eines ziemlich beispiellosen Kunstereignisses wurden: MADE hieß die faszinierende Veranstaltung, die unser perfektionistischer Freund Marko Djurdjevic aus dem Boden gestampft hat. Hier kann man sich einen höchst unterhaltsamen Film darüber ansehen, was uns bei MADE alles schwer beeindruckt hat.

Was darf man von diesem Kunstwerk erwarten?
- Nackte Brüste von sehr schön anzusehenden Frauen.
- Niedliche Kinder.
- Cameoauftritte vom Moops (Tipp: Er trägt das obligatorische Handtuch bei sich. Ich bin übrigens offenbar auf dem Schneidetisch aus der Nummer rausgeflogen.)
- Bekenntnisse von rund einem Dutzend renommierter Illustratoren und Künstler, die erklären, was ihre Kunst für sie bedeutet.
- Die wahrscheinlich coolste Bob Ross-Parodie, die ich je gesehen habe (etwa um Minute 32).

Letzte Randbemerkung: Sehe inzwischen gute Chancen, dass alles beim Alten bleibt, und der Kachelmann-Prozess die längst überfällige Diskussion um eine Neuausrichtung in Sachen Bildung und Integration auf unbestimmte Zeit verschiebt (woran laut Frau Gutze-Bismarck wahrscheinlich auch wieder nur die vielen Pornos und Lady Gagas Outfits schuld sind).

Montag, 6. September 2010

Schwere Themen

Zur Abwechslung mal ein wenig Politik. Muss das sein? Ja, das muss.

Mich haben in jüngster Zeit einige Dinge sehr nachdenklich gestimmt. Als da wären:

1. Der Platz des Himmlischen Friedens. Nein, nicht der in Peking, sondern der in Stuttgart. Ich halte es milde ausgedrückt für recht unglücklich, welchen Namen die Stuttgarter Bahnhofsmodernisierungsgegner ihrem Lieblingstreffpunkt gegeben haben. Bei aller begründeten oder auch unbegründeten Empörung über das Bauvorhaben ist es schlicht und ergreifend makaber (um nicht zu sagen: respektlos), den Namen eines Ortes für sich zu vereinnahmen, an dem ungefähr 3000 Menschen ihr Leben ließen, weil sie in ihrem Land unter ungleich riskanteren Bedingungen für genau die Rechte eingetreten sind, die die Menschen in Stuttgart nun gerade so rege ausüben, ohne dass Frau Merkel die Panzer anrollen lässt.

2. Der Satz (auch in Zusammenhang mit S21 gern zu hören): „Wir leben doch in gar keiner Demokratie mehr.“ Von den Menschen, die diesen Satz sehr schnell äußern, wird offenbar gern vergessen oder übersehen, dass wir in einer parlamentarischen Demokratie leben. Das Wörtchen ist insofern wichtig, als es beinhaltet, dass wir im Zuge regelmäßig stattfindender Wahlen unsere Macht an Vertreter übertragen. „Alle Macht geht vom Volke aus“ heißt eben nicht zwingend, dass das Volk selbige Macht beständig selbst ausübt. Ob einem diese Spielregeln nun unbedingt gefallen müssen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

3. Der nicht minder nervige Satz: „Endlich sagt mal einer, wie es wirklich ist.“ Er ist auf Dutzende Diskussionen und Situationen anwendbar, wodurch er nichts von seiner Blödsinnigkeit verliert. Das „Wie es wirklich ist“ und dessen Aussprechen auch als „Tabubruch“ häufig grottenfalsch gekennzeichnet wird – seien es nun vorhandene Probleme bei der Integration, die Einflussnahme von Lobbygruppen jedweder Art auf die Politik und so weiter – findet sich nämlich sehr leicht und in der Regel bereits sehr lange, sofern man sich die Mühe macht, sich der immensen Herausforderung zu stellen, sich über das aktuelle Tagesgeschehen auch nur ansatzweise informiert zu halten. Das Schöne an einer pluralistischen, freiheitlichen Gesellschaft ist ja gerade, dass ich mir ein Meinungs- und Stimmungsbild verschaffen kann, das eben nicht nur eine Perspektive auf ein bestimmtes Thema berücksichtigt.

4. Ein ähnlicher Satz ist „Aber wir haben doch Meinungsfreiheit.“ Haben wir auch, doch das schützt einen noch lange nicht vor möglichen Konsequenzen, sobald man diese Freiheit genutzt hat. Ein stark vereinfachendes Beispiel: Natürlich darf ich meinen, dass mein Chef ein Arschloch ist. Ich darf es ihm sogar ins Gesicht sagen – an diesem Akt selbst hindert mich nicht das Geringste. Wie bei jeder anderen Meinung auch findet dann letztlich nur eine Überprüfung statt, inwiefern meine frei geäußerte Meinung ein anderes gleich- oder höherwertiges Gut einschränkt oder verletzt. In diesem Fall wäre das die persönliche Ehre meines Chefs. (Das Prinzip der Sittlichkeit ist übrigens ein anderes Gut, das mir oft nach Wahrnehmen meiner Meinungsfreiheit gewisse Scherereien einbringen kann.)

Genug triste Gedankengänge. Demnächst gibt’s vielleicht mal wieder was Heiteres...