Dienstag, 24. August 2010

Betrachtungen aus dem Schreibexil

In Anbetracht der Tatsache, dass ich gerade auf den letzten Metern vor einem Romanfinale bin, muss ich meine werte Leserschaft erneut mit Gedankenfragmenten meinerseits belästigen, anstatt mit einem voll ausformulierten Text zu glänzen. Wie dem auch sei:

- In der laufenden Debatte um die Frage nach der Verlängerung von AKW-Laufzeiten ist mir einmal mehr aufgefallen, dass Arbeitsplätze gern als ultimatives Totschlagargument ins Feld geführt werden. „Wir können XY nicht tun, weil da Arbeitsplätze dranhängen“, heißt es dann oft. Dabei spielt die angestrebte Sinnhaftigkeit des Tuns in einem größeren Zusammenhang plötzlich keine Rolle mehr. Schade eigentlich.

- Dank des Hinweises eines meiner Lieblingsforumsmoderatoren bin ich auf die aktuellen Diskussionen um personelle Veränderungen bei der DSA-Mitarbeiterschaft gestoßen. Sie sind auch für Nicht-Rollenspielfreunde dahingehend interessant, da sich in ihnen gewissermaßen beispielhaft herauskristallisiert, wie im Internet regelmäßig Auseinandersetzungen aus dem Ruder laufen, wenn zu einem emotional vorbelasteten Thema viel Gesprächsbedarf besteht, aber wenig konkrete (im Sinne von abgesicherten) Informationen vorliegen – und wie grundsätzlich der durchschnittliche Nerd (wobei ich mich sehr wohl auch als solchen bezeichnen würde) bisweilen danebenliegt, wenn er vor lauter Sorge um sein Lieblingserzeugnis jedwede wirtschaftliche Vernunft fahren lässt und kleine Verlage mit den gleichen Maßstäben betrachtet wie Großkonzerne (oder gar Dinge einfordert, die bei nüchterner Einschätzung lediglich in Fantasywelten realistisch erscheinen – wie etwa die für alle Beteiligten vollkommen schmerzfreie, von jedwedem Groll befreite Beendigung eines wie auch immer gearteten Arbeitsverhältnisses). Fazit: Die Hölle kennt keinen schlimmeren Zorn als den eines verschmähten Geeks, und ich setze zu viel zu viele Klammern in nur einem einzigen Satz.

- Wer unverschämten und albernen Humor mit niedlichen Tierpuppen mag, sollte sich das hier einmal näher anschauen. Zudem erneut ein gutes Beispiel dafür, dass öffentlich-rechtliches Fernsehen in England deutlich experimentierfreudiger ist als hierzulande.

- Und noch ein Fundstück aus dem Netz: Man mag als älterer Mensch zu den jüngeren drei Star-Wars-Teilen stehen wie man will, George Lucas hat jedenfalls die Ehre, einer der hartnäckigsten Nerd-Masturbationsphantasien aller Zeiten geschaffen zu haben. Siehe hier.

Donnerstag, 12. August 2010

Wo steckt die größte Kraft?

Ich habe mich gestern Abend vom Fußball aus der Arbeit reißen lassen. Und was muss ich da sehen? Die Dänen laufen mit einem Sponsor namens DONG Energy auf. Nun bin ich etwas ratlos. Bewerbe ich mich bei DONG als Portfoliomanager, wie es auf der Seite des Konzerns beworben wird (ich mag ja Hochglanzbilder eigentlich)? Oder gründe ich doch ein Konkurrenzunternehmen namens VAG Power? Man wird sehen.

Was ich bereits gesehen habe, ist eine Ausgabe der Neuen Deutschen Hitparade auf RTL II (es war wie mit fickenden Affen – kaum hatte ich reingezappt, konnte ich nicht mehr umschalten). Einer der Performer war Gregor Glanz, der in seinem schwarzen Samtjackett aufgedunsen und schwer von einem grippalen Infekt gebeutelt wirkte. Sein Vortrag war eine deutschsprachige Coverversion von Dance with Somebody von Mando Diao. Insgesamt recht gruselig, aber Gregor Glanz erhält von mir den Preis für die bislang beste nasale Verrenkung, weil er es irgendwie geschafft hat, die Worte Song und Gang zu reimen. Dazu gehört eine Menge Mut ...

Freitag, 6. August 2010

Gedankenfetzen

Ich stecke zwar derzeit bis über beide Ohren in Arbeit (und ja, das ist Klagen auf hohem Niveau, und ja, daran merkt man mir meine kulturelle Prägung innerhalb der Landesgrenzen der BR Deutschland an), möchte aber dennoch kurz ein paar Gedanken loswerden:

- Ich habe gerade mehr oder minder direkt hintereinander Shutter Island und Inception gesehen. Eine sehr verwirrende Erfahrung, da Leonardo DiCaprio (sonderbare Schreibweise, aber das nur am Rande) in beiden Filmen einen Mann mit schwerem Hau verkörpert, dem seine tote Ehefrau keine Ruhe lässt. Vorläufiges Urteil: Inception ist schön anzusehen, wenn man auch kein Fight Club-artiges Erlebnis erwarten sollte (wie es eine Freundin, der wir zufällig vor dem Kino begegnet sind, so treffend ausgedrückt hat), wohingegen Shutter Island ein richtig fieser Mindbender ist, der es schafft, Zweifel an der Zuverlässigkeit des Gezeigten bis quasi unmittelbar vor Schluss aufrechtzuerhalten.

- Musste neulich feststellen, dass es Menschen gibt, die davon ausgehen, dass unterschwellige Unterdrückungsmechanismen innerhalb unserer Gesellschaft keine Gefahr darstellen, weil sie ja angeblich so leicht zu erkennen sind. Äh ... ja ... hm ...

- Anfang der Woche hatte ich das schöne Erlebnis, Die Zombies auf SPON erwähnt zu sehen, um genau zu sein hier. Positiver Nebeneffekt: Ein verschollener Mitschüler, der mit mir durch die Vorhölle namens Max-Planck-Gymnasium gegangen ist, hat sich daraufhin nach rund 15 Jahren bei mir gemeldet. Es lebe das Internet!

- Barack Obama sieht nicht aus wie 49. Beneidenswert (ganz abgesehen davon, dass auch der semi-offizielle Titel „mächtigster Mann der Welt“ eine gewisse sexuelle Anziehungskraft mit sich bringt).

- Ich durfte Zeuge werden, wie mein dreijähriger Neffe zum ersten Mal in seinem Leben das Meer erblickt. Sein Kommentar: „Oh ... großes Wasser.“ Kindermund tut Wahrheit kund. Befremdlich ist allerdings, dass er die ansonsten familiär bedingte Scheu vor lebenden Gewässern nicht teilt und munter in die Ostsee spazierte.

- Die bezaubernde Andrea Bottlinger stattete uns einen Besuch in heimischen Gefilden ab und erduldete in bewundernswerter Disziplin mein Gefasel über Fantasy, Schreiben und die Welt an sich. Chapeau, Mademoiselle!

- Habe nach acht Jahren Hamburg zum ersten Mal das "Tiergefängnis" (so der Moops sagt) Hagenbeck besucht. Die zwei wichtigsten Beobachtungen hinsichtlich der Fauna: Elefantendamen schnupfen das ihnen dargereichte Futter gern, solang es klein genug dafür ist, und Ziegen fressen offenbar lieber die Pappschachtel um das Futter als den Inhalt besagter Schachtel. Die schockierendste Beobachtung hinsichtlich der Besucher: Zehnjähriger Junge, der seine Oma fragt, ob die Kühe Durchfall haben, weil er in seinem Leben anscheinend noch keinen schön saftigen Fladen gesehen hat. O du arme Stadtjugend!

Und jetzt zurück ans Werk mit mir ...