Mittwoch, 31. März 2010

Hinein ins pralle Goth-Vergnügen: Die Judassohn-Tournee

Letzten Dienstag hatten wir die großartige Gelegenheit, den geschätzten Kollegen Markus Heitz dabei zu beobachten, wie man ein Buch ordentlich promotet. Anlässlich des Erscheinens seines neuen Vampirromans Judassohn zog er in einem Nightliner kreuz und quer durch die Republik – und er war dabei nicht allein. Zu seinen Begleitern zählten die Band Persephone, die Tänzerin Asherah Latifa sowie ein Team der unentwegten Fantasyvoranbringer von Werkzeugs. In Hamburg wurde in der Markthalle Halt gemacht, und mit einer Fantasylesung mal so eben 80 Leute anzuziehen, die die Räumlichkeiten angenehm füllen, muss man auch erst einmal schaffen. Vorherrschende Garderobenfarbe war – wenig überraschend – schwarz.
Über zweieinhalb Stunden dauerte die Show, die keine Wünsche offen ließ. Das Bemerkenswerteste: Was leicht zu zusammengeklittertem Stückwerk aus Lesung, Tanz und Musik hätte werden können, erwies sich als rundum gelungene Mischung, in der die drei Teilaspekte perfekt miteinander verzahnt waren. So spiegelten die Texte der Band ebenso wie die Tänze gekonnt die in den vorgetragenen Buchabschnitten umrissenen Themen wider.

Es folgen einige Beobachtungen, die mir besonders im Gedächtnis haften geblieben sind:

- Ein Vortrag wirkt menschlicher und macht den Vortragenden umso sympathischer, wenn es ab und an einen winzigen Haspler gibt, über den der Betreffende auch selbst schmunzeln kann.

- Das Wörtchen Fotze löst nach wie vor Reaktionen beim Publikum aus (meist ein charakteristisches Kichern, bei dem das im Kopf abgespulte „Hihi, der Mann da vorn hat gerade Fotze gesagt“ deutlich zu hören ist).

- Mikrophone, wie sie Britney Spears dereinst weltberühmt gemacht hat, wirken an einem schwarzgekleideten Hünen geradezu possierlich.

- Bauchtanz kann tatsächlich sexy sein (vor allem wenn Fächer und Dolche dabei im Spiel sind).

- Es gibt wirklich noch Männer, die pikiert zu Boden schauen, wenn eine Frau auf der Bühne sich weit nach vorne beugt, um in voller Absicht ihr sehenswertes Dekolleté zu präsentieren. Besonders schön ist es, wenn man einen von ihnen auch noch persönlich kennt und es sich dabei um den Leadtester für Drakensang: Am Fluss der Zeit handelt.

Spaß beiseite: Auch wenn Markus Heitz bei manchen Altgranden der deutschen Fantasyfanszene nicht unumstritten ist, gebührt ihm meines Erachtens nach höchster Respekt. Ein Unterfangen wie diese Tour ist beileibe kein Selbstgänger, sondern eher ein Zeichen für den ungebrochenen Mut, Risiken einzugehen und Neues auszuprobieren – eine Eigenschaft, die ganz und gar nicht selbstverständlich ist.

P.S. Ein weiteres Highlight des Abends für uns bestand darin, dass wir die bezaubernde Gesa Schwartz nebst nicht minder bezauberndem Begleiter kennenlernen durften, die wir nachher noch auf einen Absacker auf die Schanze entführten - von ihr stammt übrigens auch das obige Foto.

Montag, 29. März 2010

Menschen, Tiere, Sensationen: Buchmesse Leipzig (Teil 5)

Den Samstagabend ließen wir nach einer freundlichen Einladung von Natalja Schmidt in einer Tapasbar in der Leipziger Innenstadt ausklingen. Dort lernten wir, dass nicht alle Sachsen „helle, höflich und heimtückisch“ sind, wie uns ein Mitarbeiter der Messe noch wenige Stunden zuvor versichert hatte. Einer der Kellner war bestenfalls heimtückisch, und im Grunde genommen nicht einmal das.

Dialogfetzen:
Gast (versucht im Lärm und umringt von 15 anderen Leuten an einem Tisch verzweifelt Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen): Hallo!
Kellner (pikiert): Der Herr Hallo arbeitet heute nicht ...
Gast (nicht unhelle, nach einem Augenblick konsternierten Schweigens): Wer arbeitet heute denn?
Kellner: Der Herr P.
Gast: Gut, Herr P. dann hätte ich gern-
Kellner: Oder noch besser ist Rüdiger.
Gast: Aha.

Was soll das? Rüdiger P. trug weder ein Namensschild, anhand dessen man seinen Namen hätte ermitteln können, noch tauchte er zu Beginn des Abends am Tisch auf, um sich vorzustellen. (Mein Vorschlag für Letzteres wäre: „Gott zum Gruß, meine sehr verehrten Damen und Herren. Mein Name ist Rüdiger P., ich bin heute Abend ihr Kellner – und nebenberuflich ein bornierter Armleuchter.“)

Wir ließen uns die Laune von so viel Service allerdings nicht verhageln. Als Fantasyfan ist man Kummer ja bekanntlich gewöhnt.

Am Sonntag stand dann nur noch die Heimfahrt auf dem Programm, nachdem ich abends noch Zeuge werden durfte, wie Herr Klitschko es spannend machte. Das Fernsehen wartete auch unmittelbar vor der Abfahrt noch mit einer Überraschung auf: der Übertragung eines protestantischen Kindergottesdienstes. In Zukunft werde ich es nicht mehr erdulden, wenn sich Hohn und Spott von protestantischer Seite über so manchen Katholiken ergießt, weil dessen Priester das Vaterunser im liturgischen Singsang vorträgt. Bei diesem Kindergottesdienst war jede Zeile des Gebets von einer anderen absurden Geste begleitet, die irgendwo zwischen verdrehter Eurhythmie und gescheiterter Pantomime angesiedelt war. Darüber hinaus wurde offenbar, dass sich Protestantismus und Katholizismus dann doch nicht so viel schenken, was im gelebten Glauben die Sexualmoral angeht. Scham und Verschweigen angesichts natürlicher Gegebenheiten bleibt auch hier oberstes Gebot: Kurz vor Schluss wurde ein Liedchen darüber angestimmt, was der Herr so alles an einem geschaffen hat und demzufolge liebt. Man arbeitete sich dabei von unten nach oben vor: Füße, Beine, Bauch, Brust. Ich folgere also: Für meinen Schnippi muss der Teufel oder sonstwer verantwortlich gewesen sein (sieht ja auch grässlich aus, so ein Ding).

Apropos Scham: Liebe ARD, ich gratuliere zu sympathischer Unverkrampftheit bei der Präsentation von Hörbüchern. An einem gewaltigen Stand mit mehreren Hörterminals ertappten wir drei schätzungsweise Zwölfjährige, die aus dem angebotenen Menü zielsicher erst Erotik und dann Die Abenteuer der Fanny Hill anwählten. Zur Beruhigung: Immerhin einer der drei Knaben riss sich bereits nach Sekunden irr kichernd die Kopfhörer herunter (manche Dinge ändern sich eben nie).

Auf der Rückfahrt erwies sich, dass auch die Prostitution entlang der B4 sich quasi an geltende Ladenöffnungszeitenbestimmungen hält – lediglich eine Dame ist uns aufgefallen, die in ihrem Wohnmobil gelangweilt in einem Magazin blätterte. Schön, dass immer noch so viel gelesen wird.

(P.S. Teil 1; Teil 2; Teil 3; Teil 4)

Freitag, 26. März 2010

Menschen, Tiere, Sensationen: Leipziger Buchmesse (Teil 4)

Am Buchmesse-Samstag erlebten wir, wie nahe das Hehre und das Banale bisweilen zusammenliegen: Nach der morgendlichen, geradezu berauschenden Erkenntnis, einer wundersamen Spezies anzugehören, die sich zu Zehntausenden an ein und demselben Ort einfindet, nur um in Buchseiten gepresste Welten des Möglichen zu feiern, stellten wir beim Frühstück zum wiederholten Mal fest, dass es sich bei Milch in Leipzig um ein höchst kostbares Gut handeln muss. Wieso sonst fasste das Kännchen, das für uns auf dem Tisch bereitgestellt worden war, dem Empfinden nach gerade einige Tröpfchen dieser Flüssigkeit, kaum genug, um aus schwarzem Kaffee dunkelbraunen zu machen?

Sei’s drum. Jedenfalls war es an diesem Tag in den Messehallen noch viel, viel voller als zuvor. Insofern war es eine ausgesprochen weise Entscheidung unserer Fee, dem Trubel fernzubleiben und sich stattdessen lieber von einer ortskundigen Führerin die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen zu lassen. Besonderen Eindruck hinterließ das Völkerschlachtdenkmal, das wohl beinahe jeden Fantasyfan aufgrund der Imposanz seiner Statuen zufriedenstellen wird (bis auf ewige Nörgler wie meine Wenigkeit, die Monumentalbauten dieser Art von Natur aus skeptisch gegenüberstehen).

Der Moops und erfreuten uns alldieweil an den Scharen von Cosplayern, und nachdem ich mich freitags noch über einen wenig überzeugenden Alucard aus Hellsing beschwert hatte, wurde ich durch einen todschicken Vampir aus besagter Serie mit der Cosplay-Szene versöhnt.

Generationsbedingt habe ich mehr Erfahrungen mit dem guten alten LARP, und prinzipiell unterstütze ich das Bestreben der Waldritter, LARP als Unterrichtsmittel an Schulen populär zu machen. Nur zwei Tipps möchte ich dahingehend ungefragt loswerden: Erstens reagieren meiner Einschätzung nach die meisten Pädagogen empfindlich, wenn man in einem Werbeflyer davon redet, die LARPenden Kinder sollten gemeinsam dafür kämpfen, das natürliche Gleichgewicht zwischen Gut und Böse aufrechtzuerhalten (und nein, auch eine Umformulierung in Richtung Gleichgewicht zwischen Habenden und Nicht-Habenden, zwischen Leben und Tod oder Ähnliches wird die Lehrer vermutlich nicht milder stimmen). Zweitens wäre es günstig, Szenen aus dem Werbevideo zu entfernen, in denen sich die Kinder gegenseitig fesseln (aus welchen Gründen überlasse ich gern der Phantasie meiner Leser).

Wer sich uns gegenüber schließlich als begeisterte Vampire-LARPerin outete, war die entzückende Victoria Schlederer, die mit Des Teufels Maskerade den Magischen Bestseller-Wettbewerb von Heyne gewonnen hat (alles andere als unverdient, denn wenn in einem in der K.u.K.-Zeit angesiedelten Roman sprechende Otter in Erscheinung treten, hat man es definitiv mit einem vielversprechenden Werk zu tun).

Wir nutzten den Ansturm auf die Leseinsel anlässlich des Vortrags von Kai Meyer zu einer raschen Flucht auf eine Terrasse, wo wir fast bis Messeschluss plauderten, unter anderem mit Lars Schiele von der Nautilus, einem der womöglich bestinformiertesten Szenekenner, der allerdings nicht müde wird, beständig sein strahlendes Licht unter den Scheffel zu stellen: Vergleich von Tolkien-Übersetzungen, Gründe für den Erfolg von Harry Potter und Twilight, Veränderungen in der generellen Erzählform des Romans – es gibt kein Thema, zu dem dieser angenehm sanftmütige Herr in der Diskussion nicht etwas brachial Sinnvolles beitragen könnte.

Kurze Zwischenanekdote, die sich mit erfrischendem Pragmatismus unter Autoren befasst: Autor A hat sich beim Mandarinenverschlingen die Finger besudelt und fragt bei Autorin B nach, ob sie nicht ein Taschentuch für ihn hätte. Autorin B verneint, zückt aber ungerührt eine Binde aus der Handtasche, mit der sich das Malheur flugs beheben lässt. (Stichwort hier: neutrale Testflüssigkeit ...)

Dem Moops gelang es des Weiteren, ein Versäumnis nachzuholen – sich nämlich einmal ausgiebig mit der sympathischen Daniela Knor zu unterhalten, von der er mir noch bis heute vorschwärmt.
Eine weitere, erwähnenswerte Beobachung: E-Books musste man in Leipzig quasi mit der Lupe suchen. Das mag zum einen daran liegen, dass das Verlagsgeschäft nicht unbedingt berühmt dafür ist, rasch auf Veränderungen zu reagieren, zum anderen daran, dass ein E-Book wahrscheinlich noch schwerer spannend zu präsentieren ist als ein gewöhnliches Buch. Bis da die ersten Ideen umsetzungsreif sind, bekommt man bei Messen noch eine Weile jede Menge Papier zu sehen...

(P.S. Teil 1; Teil 2; Teil 3; Teil 5 folgt!)

Donnerstag, 25. März 2010

Menschen, Tiere, Sensationen: Leipziger Buchmesse (Teil 3)

Der Freitag begann mit einer großen Erleichterung: Der Moops lieferte die passende Idee, wie unsere Lesung aus „Die Zombies“ jugendfrei und noch dazu etwas reißerischer zu gestalten war. Wir haben uns für die erste Interviewstelle aus dem Roman entschieden, die zwar gruselig, aber nicht blutig ist, um sie mit verteilten Rollen zu lesen, wobei unsere Fee dankenswerterweise in die Rolle der Zombieforscherin Lily Young schlüpfte. Schee war’s ... (unter anderem, weil ich beim Über-den-Buchrand-linsen diverse bekannte Gesichter wie etwa das der hinreißenden Ursula entdeckte, die mit ihrem Jugendthriller Erebos hundertprozentig einen durchschlagenden Erfolg erleben wird).

Noch schöner war das anschließende Signieren: Da wurde tatsächlich von einem jungen Herrn sehr sympathisch nach einer Fortsetzung der Zerrissenen Reiche angefragt (der Reihentitel war ihm entfallen, aber er kannte den Namen der Hauptfigur), und ein netter Herr ließ sogar ein echtes Frühwerk von mir – Fuchsfährten, mein erster und bislang einziger Ausflug nach Aventurien – für eine Freundin von sich vollkritzeln. Weniger stolz war ich darauf, dass ich der charmanten Begleiterin von Frank Rehfeld keine Autogrammkarte überreichen konnte (der bittere Preis des Ruhms ... aber wir haben uns darauf geeinigt, dass ich von zuhause etwas Nettes auf den Weg bringe).

Ansonsten freuten wir uns über zahlreiche wunderbare Begegnungen. Wie etwa die zwischen der Fee und Falko „mit den Affenarmen“ Löffler. Wir haben sie ihm sogar ein halbes Stündlein allein anvertraut und ohne sichtbare Gebrauchsspuren zurückerhalten – heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Mit Stephan Bellem konnte ich leider nur einige wenige Worte wechseln, was ich sehr bedauere: Bei nächster Gelegenheit werde ich mich wohl zwingen müssen, meine natürliche Scheu besser zu überwinden (was im Übrigen auch in Bezug auf Boris Koch, Bernd Perplies sowie Gero bzw. Mistkäferl von der Bibliotheka Phantastika gilt). Scheu vor großen Namen war aber auch angebracht, weil nun nach und nach die Granden der deutschen Fantasy eintrudelten, die nicht schon donnerstags angereist waren: Markus Heitz, Bernhard Hennen, Kai Meyer, Tom Finn und Karli Witzko beispielsweise. Tom war so freundlich, uns Kai Meyer vorzustellen, der sich als eingefleischter Fan von Italo-Zombie-Klassikern entpuppte (ob ihn unser "Die Zombies" erreicht hat, wissen wir aber nicht).
Ein anderer Tom – Tom Orgel, um genau zu sein – erwies sich als fachkundiger Diskussionspartner, und Christian Handel wird mir nicht nur wegen seiner spritzigen Art, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass er einem Uni-Freund unfassbar ähnlich sieht, fest im Gedächtnis bleiben.
Zur Auflockerung eine Messeanekdote, wie es um den Bildungsstand der Jugend in Sachen französischer Sprache bestellt ist: Unsere Fee stellte sich an einen Crêpes-Stand an. Hinter ihr zwei junge Frauen, die die Angebotstafel studieren.

Junge Frau 1: Ey, du, was isn das da ganz unten?
Junge Frau 2:
Ey Mann, bist du doof. Das is Chantré.

Die grausame Wahrheit: Nein, da steht Cointreau.
Merke also: If you got Cointreau, I got Chantré.

Der nächste Skandal ereignete sich am Piper-Stand, wo wir uns mit unserer Lektorin auf einen Plausch verabredet hatten. Die Lektion, die es dort zu lernen gab, lautet: Wenn das Fernsehen auftaucht, müssen alle ihre Stühle hergeben – selbst wenn es sich nur um Sat1 handelt. Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch. Unter anderem weil auch Regina (die bei Piper für das Internet verantwortlich ist) dabei war.

Ähnlich ausgelassen ging es beim abendlichen Montsegurtreffen in Apels Garten zu. Bei der Anfahrt hatte ich bei manchen Passantinnen im Sinne eines gelebten Geschichtsunterrichts zwar Mühe, ein „Na Mädels, Lust auf ein paar Devisen?“ zu unterdrücken, zeigte mich aber mit der Situation versöhnt, als ich feststellte, dass man in der Leipziger Innenstadt für schlappe 2,40 seinen Wagen die ganze Nacht parken kann. Das Treffen war so spaßig, dass selbst unsere sonst zögerliche Fee ernsthaft mit dem Gedanken spielte, sich unserem nächsten Ausflug zum großen Forumstreffen in Hessen anzuschließen. Schuld daran sind Susanne, Falko und Lisa – gut gemacht! Der Moops flirtete derweil mit sympathischen Österreicherinnen, darunter Claudia und Berta. Glücklicherweise hat er sich einigermaßen benommen, denn sonst hätte ihn die eine in einen Frosch verwandelt und die andere hätte ihm die Augen ausgeschnitten. Und da meint man immer, Männer würden sich grausame Geschichten ausdenken ...

(P.S. Teil 1; Teil 2; Teil 4; Teil 5 folgt!)

Mittwoch, 24. März 2010

Menschen, Tiere, Sensationen: Leipziger Buchmesse (Teil 2)

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Messegelände, das insgesamt den Charme eines Weltregierungspalasts aus einem Scifi-Streifen der späten Siebziger verströmt. In der zentralen Glasröhre herrschten gefühlt 40 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von geschmeidigen 95 % (die Lage änderte sich um die Mittagszeit, als die Messeleitung begriffen hatte, dass es der erste angenehm warme Frühlingstag des Jahres werden würde, und daher die Lüftungsschlitze öffnete).

Unser erster Anlaufpunkt war der Stand von Werkzeugs in Halle 2 (liebevoll auch die Freakhalle genannt, da sie neben Kinder- und Jugendbuch vorrangig Comics, Rollenspiel und Fantasy gewidmet war). Der Stand selbst lag ausgesprochen günstig, nämlich unmittelbar am Rand der Fantasy-Leseinsel, sodass das geneigte Publikum beim Zuhören zwangsläufig die Bücher im Blick hatte, aus denen gerade gelesen wurde. Verkaufstechnisch optimal.
Bei unserer Annäherung an den Stand war vom Boden der Leseinsel alldieweil nichts zu sehen, da die Örtlichkeit einer Zwergeninvasion der besonderen Art zum Opfer gefallen war: Offensichtlich verhält es sich so, dass jede Schulklasse Leipzigs einmal über die Buchmesse gepeitscht wird – und das gilt auch für die Klassen 3 bis 5. Folglich sah sich die bezaubernde Nicole Schuhmacher einer Masse Neun- bis Elfjähriger gegenüber. Vor allem die vorderen Reihen hingen gebannt an ihren Lippen – ein bisschen musste man an Kaninchen und Schlangen denken. Besagter Anblick löste ein gewisses Unwohlsein in mir aus, was meine Lesung am Folgetag anbelangte: Welche Stelle liest man aus „Die Zombies“, ohne sich hinterher von einer schockierten Pädagogin anraunzen lassen zu müssen, man habe die lieben Kleinen absichtlich mit Splatterszenen für immer verdorben?

Wir stärkten uns zunächst bei den tapferen Werkzeugslern, die sich den Messestress nie anmerken ließen und durch die Bank weg auch ordentlich was fürs Auge boten, mit Kaffee. Neben dem Anblick vorzüglich gekleideter Damen kam ich in den Genuss, zum ersten Mal live einem Mann zu begegnen, der in der Hocke ungefähr so groß ist wie ich im Sitzen, wie dieses Foto belegt (Das Foto hat übrigens die liebe Frau Bottlinger gemacht, s.u.). Sven, (rechts im Bild) fiel die Aufgabe zu, die lesenden Autoren zu betreuen, und hierzu gehörte auch, einen darauf hinzuweisen, wenn man gerade überzog – es stellte sich heraus, dass eine halsabschneidende Geste von einem Zwei-Meter-plus-Hünen eine sehr eigene, zielführende Wirkung entfaltet.

Zudem hatten wir die Gelegenheit, die faszinierende Andrea Bottlinger einmal persönlich kennenzulernen, die uns mit ihren klugen Kommentaren zur deutschen Fantasy-Szene stets zu erfreuen weiß. Der Moops nutzte die Chance, Stephan Askani von Klett-Cotta zur Veröffentlichung von Oliver PlaschkasDie Magier von Montparnasse“ zu beglückwünschen, während ich Christoph Hardebusch und Natalja Schmidt Hallo sagte, denen der Moops Herrn Askani schamlos entrissen hatte. Glücklicherweise zählen Christoph und Natalja zu den umgänglichsten Personen, die mir je untergekommen sind, weshalb das Vorpreschen des Moops nicht mit einem Stupser mit der zusammengerollten Messezeitung bestraft wurde.

Nach einem sehr freundlichen und sehr erhellenden Gespräch mit Carsten Polzin von Piper zogen wir uns in unser Domizil zurück, das wir noch einmal kurz verließen, um dem El Torro inen zweiten Besuch abzustatten. Was ich dort gelernt habe? Dass Spareribs ab einer Grundfläche von circa einem Quadratmeter nach Verzehr ein gewisses Magengrimmen mit sich bringen.

(P.S. Teil 1; Teil 3; Teil 4; Teil 5 folgt!)

Dienstag, 23. März 2010

Menschen, Tiere, Sensationen: Leipziger Buchmesse (Teil 1)

Der Aufbruch gen Leipzig erfolgte mittwochs um die Mittagszeit – mit dabei waren der Moops, die Fee und meine Wenigkeit. Das Auto ächzte dementsprechend unter seiner schweren Last, und ich habe unser Fahrzeug auch im Verdacht, unser Navi auf unerfindliche Weise dazu bewegt zu haben, uns die ersten zwei Stunden von der Autobahn fernzuhalten. Dafür kamen wir in den Genuss, gemächlich die B4 hinunterzugondeln. Besonderes Highlight waren die Wohnmobile, die in regelmäßigen Abständen an den Einfahrten zu Waldwegen geparkt waren und in denen Damen aus dem ältesten Gewerbe der Welt ihre Dienste anboten. Es bot sich also genügend Gesprächsstoff zu Themenkomplexen wie „Wie setzt sich die Kundschaft zusammen?“ und „Wer sorgt dort für die nötige Sicherheit der Damen?“. Zugleich stellten derlei Diskussionen eine Einstimmung auf Leipzig und die Messe dar, weil – wie sich die Älteren vielleicht erinnern – Messeprostitution zu DDR-Zeiten nichts Ungewöhnliches war.

Was den Ersteindruck der Stadt anbelangt, bleibt festzuhalten, dass man sich auf den Nebenstraßen ein bisschen wie auf Safari vorkommt, da man sich zwar nicht im Schritttempo durch ein ausgetrocknetes Flussbett vorkämpft, aber sich diesem besonderen Gefühl aufgrund der hohen Schlaglochfrequenz dennoch annähert.

Unsere Unterkunft gab keinerlei Grund zur Beanstandung und nach dem Kofferausräumen unternahmen wir eine Exkursion in ein angeblich mexikanisches Restaurant namens El Torro (kein Tippfehler), das wir auf der Herfahrt erspäht hatten. Die Betreiber erwiesen sich als Nicht-Mexikaner, was dem Essen insgesamt nicht schadete. Die sehr freundliche und unterhaltsame Wirtin klärte uns übrigens darüber auf, dass in manchen Leipziger Stadtteilen die Leute Blumen in die Schlaglöcher pflanzen, um auf den Missstand kaum passierbarer Straßen hinzuweisen. Volksbegehren per Aufforstung, sozusagen.

Etwas verwundert zeigten wir uns über eine Zeitschrift, die neben der Garderobe auslag: Militär & Geschichte (den Link spare ich mir ... ) . Mit großem Genuss informierten wir uns über die angeblich hohe Integrationskraft des Eisernen Kreuzes fürs deutsche Heereswesen und die Feinheiten der Ardennenoffensive. Als uns die Wirtin dabei bemerkte, gestand sie etwas verschämt, das Magazin würde stets von einem ihrer Stammgäste hinterlassen werden. Nun ja, solange es nicht Der Landser (auch dieser Link wird eingespart) ist ...

Während die Tortillas in unseren Mägen aufzuquellen begannen, schleppten wir uns zurück ins Hotel. Unterwegs passierten wir ein stacheldrahtzaunbewehrtes Gebäude, das auf den ersten Blick dem Verfall preisgegeben worden war. Zehn Schritte weiter erkannten wir, dass es sich um eine Polizeistation handelte. Falls die Leipziger gerade im Begriff sind, eine der in Vergessenheit geratenen Forderungen der Ur-Grünen – „Für eine Gesellschaft ohne Polizei und Militär“ – in die Tat umzusetzen, sind sie zumindest in Schönefeld insgesamt auf einem ganz guten Weg. Das Militär wurde in Magazinform gebannt und die Polizeistation übersteht wahrscheinlich den nächsten Winter nicht.

Ein gutes Omen für den Messebesuch? Man würde sehen ...

(P.S. Teil 2; Teil 3; Teil 4; Teil 5 folgt!)

Montag, 22. März 2010

Ein kurzer Nachtrag

In meinen Ausführungen zu Pastaköchinnen & Co. hat sich der volle Zauber falscher Verlinkungen entfaltet: An Nudossi an und für sich ist für sich nichts auszusetzen – an diesem besonderen Produkt vielleicht schon: Mama Savanna.

Man könnte zum Ausgleich wenigstens eine Käsekuchenbackmischung oder ein paar Bleichgesicht-Cracker im Angebot haben.

Freitag, 19. März 2010

Untoter Freitag: Wasting Away

Damit niemand behauptet, ich würde hier nur Großproduktionen berücksichtigen, spreche ich hiermit eine uneingeschränkte Empfehlung für Matthew Kohnens Wasting Away aus (auf Deutsch übrigens mit dem bedingt originellen Untertitel „Zombies sind auch nur Menschen“ versehen).

Wasting Away ist ein kleiner, feiner Film von 2007, der sich eines netten Kniffs bedient: Vier mehr oder minder tumbe junge Leutchen aus den USA werden über verseuchtes Softeis mit einem Zombievirus infiziert – und merken schlichtweg nicht, dass sie auf Nichtinfizierte fortan ein bisschen abstoßend wirken. Im Gegenteil: Sie halten sich für die Gesunden und die Gesunden für die Kranken. Verwirrend? Nicht die Bohne, weil geschickt zwischen Schwarzweiß und Farbe gewechselt wird, je nachdem, aus welcher Perspektive wir das Geschilderte gerade wahrnehmen sollen.

Ein Beispiel für die klamaukigen Aspekte, die sich durch diese Setzung hübsch in Szene setzen lassen: Für die vier Zombies sieht es so aus, als würden sich die Gesunden irrwitzig schnell bewegen und sprechen (die Stimmen der Gesunden klingen wie Mickey Mouse auf Helium im schnellen Vorlauf). Umgekehrt kommen die Gespräche, die die Zombies untereinander führen, bei den Gesunden nur als das bekannte Ächzen, Stöhnen und Grunzen an.

Alles in allem ein sehenswerter Vertreter des anscheinend nicht tot zu kriegenden Subgenres der Zombiekomödie. Wer Fido und Shawn of the Dead mochte, kommt bei Wasting Away jedenfalls voll auf seine Kosten – äußerst spaßige Verstümmelungen inklusive!

Dienstag, 16. März 2010

Was ist mit Mamma Mirácoli passiert?

Bei aller Euphorie darüber, dass Die Zombies allem Anschein nach sehr gut angenommen wird, ertränke ich mich übrigens nicht in Schampus. Noch gibt es zu viele Dinge, auf die hingewiesen werden muss.

Zum Beispiel hierauf.

Gut, die neue Mutti ist im Grunde nicht neu, sondern schon ein paar Jahre im Geschäft. Aber was ist eigentlich mit der alten Mamma Mirácoli passiert? Ich vermeine mich zu erinnern, dass zu meinen Kinder- und Jugendzeiten (das war noch vor der Währung) Mamma Mirácoli ganz gemütlich aussah. Passt ja auch zu Pasta.
Und heute? Wer da den kleinen Federico von der Straße ruft, ist doch wohl eher MILF Mirácoli als Mamma Mirácoli. Ich zeige mich verwundert.

Worüber ich mich gleichermaßen verwundert zeige, ist das hier. Könnte neben Spuren von Soja und Haselnuss vielleicht auch einen klitzekleinen Hauch Rassismus enthalten.

Da muss eigentlich ein Produkt-Redesign her. Sarotti hat’s doch auch hingekriegt, wenngleich man dort natürlich auf halber Strecke versagte, weil man anscheinend nicht ganz auf den hinlänglich bekannten Mohr verzichten konnte. Dem hat man nämlich nur das Tablett geraubt (um die Diener/Sklaven-Assoziation loszuwerden) und ihm den selten dämlichen Titel „Magier der Sinne“ verliehen (worauf mich unlängst ein in dieser Hinsicht hochsensibler Freund hinwies). „Magier der Sinne“ spricht einen als Fantasyfan initial zwar durchaus an, verleitet aber andererseits zu Sätzen wie „Schön, dass jetzt zum ersten Mal ein Magier der Sinne US-Präsident geworden ist“. Wenn man schon ganz dringend ganz und gar pc sein will, dann bitte mit etwas mehr Kreativität und/oder Entschlossenheit. Und um noch mal den Bogen zu Federico und MILF Mirácoli zu kriegen: Man könnte vielleicht einwenden, die alte Mamma wäre auch ein fieses Klischee gewesen, aber in der neuen Werbung ist man ja auch nicht sanft mit dem Italiener an und für sich umgesprungen. Immerhin verhält sich Federico so, wie man das vom typischen Italiener kennt: Treibt sich auf der Straße rum, baggert Mädels an und spielt Fußball – einer späteren Karriere als Pizzabäcker steht also nichts im Weg.

Freitag, 12. März 2010

Untoter Freitag: Left 4 Dead & Plants vs. Zombies

Heute fahren wir mal ein Kontrastprogramm: fies-quasirealistisches Actiongemetzel gegen putzig-vollnerdige Tower-Defense-Zeitfressmaschinerie.

Als die ersten Ankündigungen zu Left 4 Dead die Runde machten, herrschte vielerorts Skepsis unter Gamern: Ach so, ja, Coop-Ding für bis zu vier Spieler, die gemeinsam Zombies schnetzeln sollen. Geht das? Macht das Spaß?

Heute weiß man: Ja, das geht, und ja, es macht Spaß. Storytechnisch passiert im ersten Teil von Left 4 Dead im Grunde gar nichts – vier Leute wie du und ich mitten in einer Zombieapokalpyse im schönen Pennsylvania. Das Ziel lautet Überleben, und der Weg dorthin führt über Leichen in rauen Mengen (die Zombies sind hier übrigens schnell und noch dazu keine Untoten im eigentlichen Sinn, sondern im 28 Days Later-Stil arme Opfer eines Virus, der sie in reißende Bestien verwandelt; moralische Bedenken, was ihr Abschlachten angeht, sollten besser ausgeblendet werden).

Was macht nun den Reiz dieses Spiels aus? Ich würde behaupten, es ist die nackte Panik, die immer wieder ausgelöst wird, wenn man feststellt, dass man trotz aller ruhig vorgetragener Absprachen („Da!“, „Rüber!“, „Schnell jetzt!“, „Du Idiot!“) der Zombiemassen nicht Herr werden wird. Dass man – sofern man nicht kackenfeige auf Leicht spielt – seine Kollegen versehentlich leicht mal über den Haufen ballern kann, steigert sowohl die Spannung als auch ein Gefühl der Ausweglosigkeit (und selbstverständlich auch den Glauben daran, dass man vielleicht doch nur entweder inkompetente Grobmotoriker oder heimtückische Sadisten zum Freund hat).

Ein weiterer Pluspunkt sind die Special-Zombies, die einem über den Weg laufen: In freudianischer Hinsicht von besonderem Interesse sind hierbei der Smoker, der einen mit seiner langen Zunge umschlingen kann, sowie der Charger aus Teil 2 der Reihe, dessen mutierter, obermuskulöser Arm den Verdacht nahelegt, es könne sich bei ihn um einen armen Menschen handeln, der infiziert wurde, nachdem er Jahre in einem abgeschotteten Kämmerlein zugebracht hat, in dem sein einziges Vergnügen fleißigste Handarbeit gewesen ist.

So, wer das nun alles widerlich und gewaltverherrlichend findet, der ist mit Plants vs. Zombies deutlich besser bedient. Bei der Entstehung des Spielkonzepts waren denn offenkundig auch rauch- oder sonstwie konsumierbare Pflanzen mit bewusstseinserweiternden Wirkstoffen involviert: Wie verteidigt man sich am besten gegen vorrückende Zombiehorden, die bei einem ins Haus eindringen wollen?
Logisch, man pflanzt ein paar Blümchen im Garten – Kartoffelminen, Hypno-Pilze und so. Schon klar. Das Erstaunliche ist: Das funktioniert – wie jedes gute Tower-Defense-Spiel birgt Plants vs. Zombies selbstverständlich ein enormes Suchtpotenzial, das durch den allgegenwärtigen Witz noch verstärkt wird. Denn ja, es ist verdammt noch mal komisch, einen Tanzenden Zombie zu sehen, der Michael Jacksons Fantasieuniform-Klamottage aus dem Thriller-Video trägt. Weshalb den Machern nicht erlaubt wurde, dieses Spiel, das voller putziger Verweise auf das Genre steckt, wie ursprünglich angedacht, Lawn of the Dead zu nennen, bleibt ein trauriges Geheimnis.

Donnerstag, 11. März 2010

Zombiehorden

Soeben haben wir vom Lektorat erfahren, dass die Erstauflage schon zum Verkaufsstart komplett abverkauft und das Buch bereits in den Nachdruck gegangen ist.

Danke an all die Zombie-Freunde da draußen! Und dran denken: Weitersagen!

(P.S. Bis morgen um 13:00 kann man sich noch für die Leserunde bei Piper-Fantasy anmelden, also haltet Euch ran.)
(P.P.S. Natürlich kann man auch noch nachträglich mitmachen, aber dann kann man eben kein Buch gewinnen ;-)

Mittwoch, 10. März 2010

Verringertes Todesrisiko? Wo kann ich das kaufen?

Kurzes Zitat eines Zitats aus einem SPON-Artikel: „Der BMI spielt keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen.“

Aha. Damit spielt er also für das Todesrisiko doch ungefähr eine so große Rolle wie Gänseblümchen, Kugelschreiber, Theaterbesuche oder was einem sonst noch so einfällt. Warum? Weil meines Wissens nach das Todesrisiko eines jeden von uns nach wie vor unverändert bei 100% liegt, wenn ich mich nicht irre (Auferstandene und vergleichbare Ausnahmeerscheinungen bestätigen die Regel). Falls ich wider Erwarten doch irgendwo ein verringertes Todesrisiko erwerben könnte (so was um exakt 0% erscheint mir am verlockendsten, sofern mir da gleich noch ewige Jugend und Glückseligkeit als praktisches Bundle angeboten wird), wäre ich an den dafür geltenden Konditionen ungemein interessiert.

Zu eben diesem Bundle habe ich mich übrigens vor kurzem auch in einer Kurzgeschichte verewigt.

Dienstag, 9. März 2010

Noch mehr Zombies!

Wie schon gestern angekündigt, an dieser Stelle ein paar weitere Verweise, denn Piper und wir haben uns ein paar Dinge zur Veröffentlichung des Romans überlegt!

Zunächst wäre da ein Special zum Thema Wie entsteht ein Cover?, dass ich für Piper-Fantasy verfasst habe. Ich schaue mir einige Stationen der Gestaltung eines Covers bzw. einer Cover-Illustration etwas näher an und präsentiere dann auch einige der (sehr) unterschiedlichen Cover-Entwürfe für Die Zombies.

Gestern ist auch die Leseprobe zum Buch online gegangen; wer also mal ranlesen will, kann es mit dem ersten Abschnitt des Buches tun. Es handelt sich dabei sozusagen um den Prolog, nur ohne die entsprechende Überschrift ...

Wer nun ein wenig Appetit durch die Textprobe bekommen hat, der kann sich gleich mal für die Leserunde bei Piper-Fantasy anmelden. Unter allen Angemeldeten werden 10 Freiexemplare verlost, also keine Müdigkeit vorschützen!

Bei eben dieser Leserunde gehen wir auch noch ganz neue Wege. Es werden zwar nur 10 Freiexemplare von Die Zombies verlost, aber unter allen aktiven Teilnehmern werden am Ende der Runde noch ein paar zusätzliche Preise verlost. Mitmachen lohnt sich also doppelt!

Montag, 8. März 2010

Die Zombies sind da!

Es ist mal wieder so weit: Eine meiner Hervorbringungen wird in die weite Welt entlassen. In diesem Fall handelt es sich um Die Zombies (aber keine Angst, die tun nix, die wollen nur spielen ...). Wie immer reagiere ich auf ein derartiges Ereignis mit einer Mischung aus tiefer Zufriedenheit und heller Aufregung – und wie immer kommt es mir vor, als wäre es unfassbar lange her, dass ich den letzten Satz geschrieben habe. Das muss wahrscheinlich das Alter sein.
So sieht es aus:Und das steht hinten drauf:

Nach den Vampiren kommen die Zombies!


Endlich das große Epos um die geheimnisvollsten Geschöpfe der Nacht - die Zombies!

Zombies gelten als grausam, feindselig und dumm. Doch Lily fasziniert der Zombie-Mythos um die lebenden Toten. Sie ist fest davon überzeugt, dass mehr hinter diesen Geschöpfen steckt. Als sie eines Tages den gut ausssehenden Victor kennenlernt, zeigt er ihr eine Welt, wie Lily sie nicht für möglich gehalten hätte: Sie muss am eigenen Leib erfahren, dass Zombies wirklich existieren und dieses Geheimnis um jeden Preis wahren. Denn ein unberechenbarer Feind ist ihr dicht auf den Fersen ...


Einige Fragen, die man sich vor der Lektüre von Die Zombies stellen kann, lauten:

Was hat es mit dem Cover auf sich? Vampir-Schmonzette, oder was? Ist der Plischke auf seine alten Tage etwa weich geworden?
Zugegeben, es geht in Die Zombies auch um die Liebe, und es gibt sogar eine zartromantische sexuelle Begegnung zwischen zwei Untoten. Andererseits werden darin an ausgewählten Stellen auch Hirne gefressen, Köpfe abgerissen und Gedärme hinter sich hergezogen. Szenen einer Ehe, wenn man so will.

Kommen in Die Zombies süße Tiere zu Schaden?
Ja. Unter anderem Hunde, Tauben und recht viele von den nackten Affen, die man sieht, wenn man aus dem Fenster schaut.

Sind die Zombies langsam oder schnell?
Eine grenzspeziestische Frage, auf die ich mit einer Gegenfrage antworten möchte: Sind Menschen schlau oder dumm?

Wird eine Zombie-Apokalypse geschildert?
Kommt ganz auf den Blickwinkel an. Sowohl für einige der handelnden Figuren als auch für eine große Zahl an Zombies geht die ganze Sache jedenfalls nicht sonderlich gut aus.

Trägt das Werk autobiographische Züge? Hat der Autor das alles selbst erlebt?
Es bestehen tatsächlich gewisse Schnittmengen zwischen den Protagonisten und mir. Kindheitserfahrungen auf dem Schrottplatz, Verzweiflungszustände bei der Recherche für wissenschaftliche Arbeiten und derlei mehr. Zombies bin ich bislang leider jedoch nur bei Behördengängen, auf Weinfesten und in Großraumdiskotheken begegnet.

Mag der Plischke Fleisch?
Der Plischke mag sogar Innereien.

In diesem Sinne: Guten Appetit!

(P.S. Passend dazu hat Piper ein ganzes Werbefeuerwerk auf Piper-Fantasy entfesselt. Dazu wohl morgen etwas mehr.)

Freitag, 5. März 2010

Untoter Freitag: Die kleine Romero-Revision

George A. Romero trägt nicht zu Unrecht den schmeichelhaften Ehrentitel Godfather of the Zombies. Ohne diesen Mann würde das Zombiegenre, wie wir es heute kennen, unter Umständen nicht einmal existieren. Grund genug für mich, mich vor ihm in den folgenden Zeilen ein wenig zu verneigen.

Night of the Living Dead (1968) ist ein Meisterwerk. Punktum. Nie war Romeros Arbeit frischer und verstörender als bei dem Film, auf dem sich sein Weltruhm gründet. Er pflanzt hier den Keim, aus dem bis heute wieder und wieder andere wegweisende Filme sprießen. Alles, was das Zombiegenre im Film auszeichnet, findet sich bereits hier: die Atmosphäre der unausweichlichen Bedrohung, schonungslose Brutalität, eine Unerbittlichkeit gegenüber Figuren und Publikum gleichermaßen, der Mensch als größte Gefahr des Menschen (selbst im Angesicht wandelnder Toter).

Man möge mich gern dafür steinigen, doch für mich hat kein anderer Zombiefilm Romeros je wieder die Qualität seines Erstlings erreicht. In Dawn of the Dead (1978), der uns das mittlerweile wohl obligatorische Einkaufszentrum als Hauptschauplatz offeriert, finden berechtigte die voll und ganz berechtigte Kritik an Konsumobsessionen und deren ästhetische Umsetzung beileibe nicht so wirkungsvoll zusammen; Day of the Dead (1985) schenkt uns zwar den ansatzweise gelehrigen Zombie sowie den faschistoiden Militäroffizier als denkwürdige Figuren, bleibt ansonsten aber leider etwas farblos; Land of the Dead (2005) emanzipiert den Zombie weiter, was seine möglichen Denkleistungen anbelangt und spielt sogar dankenswerterweise mit der Aussicht auf eine Aussöhnung zwischen Lebenden und Untoten, doch die Hinführung zu diesem Moment kommt mir persönlich zu holprig daher; und Diary of the Dead (2008) hat außer des interessanten Quasi- bzw. Pseudodokumentarischen ehrlich gesagt nicht viel zu bieten.

Moment? Soll das heißen, ich hasse Romero am Ende? Nein, absolut nicht. Ich schätze ihn sogar ungemein, nur eben für einige seiner anderen Filme. Für Creepshow (1982), die perfekt gelungene Hommage an Horrorcomics aus den Fünfzigern (und die mich wegen meiner eigenen Sozialisierung nach wie vor auf äußerst angenehme Weise an Gespenstergeschichten respektive Spukgeschichten erinnert). Für Monkey Shines (1988), weil er es erstens schafft, etwas an sich ungemein Putziges wie ein Äffchen als tödliche Gefahr darzustellen, und weil er zweitens ein Lobgesang auf die Fähigkeit des menschlichen Geistes ist, über körperliche Einschränkungen hinauszuwachsen. Für The Dark Half (1993), da ich wahrscheinlich nie, nie, nie vergessen werde, wie sich in der OP-Szene mitten im Hirn des Protagonisten das Auge dessen teilabsorbierten Zwillings öffnet. Und natürlich ganz besonders dafür, dass ich ohne ihn Die Zombies womöglich nie geschrieben hätte. Allein dafür ist ihm mein unendlicher Dank gewiss.