Freitag, 29. Januar 2010

Untoter Freitag: Re: Your Brains

Der Zombie treibt sein Unwesen bekanntermaßen nicht nur auf Leinwänden und Flimmerkisten, sondern auch im Liedgut. Einer der herausragendsten Songs zum Thema ist Jonathon Coultons Re: Your Brains. Warum das so ist, möchte ich gerne kurz Verslein für Verslein erläutern (und wer sich als Nerd bezeichnet und Coulton noch nicht kennt, möge sich bitte kurz doll schämen und diese Lücke im Geekwissen rasch schließen).

Heya Tom, it’s Bob from the office down the hall
Good to see you buddy, how’ve you been?
(Ganz der Theorie verpflichtet, wonach das Phantastische sich unter anderem dadurch auszeichnet, dass es unvermittelt in unseren Alltag einbricht, lullt Coulton uns als Zuhörer hier zunächst in trügerischer Sicherheit.)

Good to see you buddy, how’ve you been?
Things have been OK for me except that I’m a zombie now
I really wish you’d let us in
(Tja, und dann lässt das lyrische Ich Bob die Bombe platzen, outet sich als Untoter und äußert auch gleich noch einen Wunsch. Besonders interessant ist hierbei die Frage, ob wir es bei Bob mit einem durch und durch vernunftbegabten und zu sprachlichen Äußerungen fähigen Zombie zu tun haben, oder ob es sich bei dem gesamten Text quasi insofern um eine eigene interpretatorische Leistung handelt, als der Adressat Tom diese Zeilen aus zombietypischem Gurgeln, Ächzen und Stöhnen heraushört.)

I think I speak for all of us when I say I understand
Why you folks might hesitate to submit to our demand
But here’s an FYI: you’re all gonna die screaming
(Hier wird die erzählte Welt maßgeblich erweitert, um unseren Schrecken zu mehren. Bob ist nicht allein. Als Teil einer Zombiehorde, deren Vorsprecher er zu sein scheint, dringt er auf Tom und seine komplett anonym bleibenden Begleiter ein.)

All we want to do is eat your brains
We’re not unreasonable, I mean, no one’s gonna eat your eyes
All we want to do is eat your brains
We’re at an impasse here, maybe we should compromise:
If you open up the doors
We’ll all come inside and eat your brains
(Der Refrain macht dieses Stück endgültig zu einer Perle, da Coulton sich eines ziemlich klugen Kniffs bedient: Er legt Bob neben Bekenntnissen zu dessen gesteigertem Appetit auf Hirn die charakteristischen Floskeln der Büroverhandlungssprache in den Mund und enttarnt die Gepflogenheiten von Businessmeetings somit als zombiefikationsresistent, wenn nicht gar erst zombiefikationsauslösend. Da wird in einer haarsträubenden Situation, die jeder Vernunft fern ist, genau diese Tugend beschworen und anschließend noch kackendreist ein Kompromiss vorgeschlagen, der alles andere als ein Kompromiss ist – man fühlt sogleich sich an Gespräche über Gehaltserhöhungen oder Projektplanungssitzungen erinnert, nicht wahr?)

I don’t want to nitpick, Tom, but is this really your plan?
To spend your whole life locked inside a mall?
(Auch hier bleibt Coulton streng den Geboten der Kommunikationspsychologie treu und leitet Bobs Kritik an Toms Verhalten sanft ein, um den Schmerz der Unvereinbarkeit der beiden widerstreitenden Positionen geschickt abzufedern. Und nebenbei liefert er eine Referenz auf eine der Standardsituationen des gesamten Genres – die Gruppe von Überlebenden, die in einem Einkaufszentrum Schutz sucht.)

Maybe that’s OK for now but someday you’ll be out of food and guns
And then you’ll have to make the call
(An dieser Stelle ähnelt Bob endgültig dem klassischen Vorgesetzten, der dem ihm hilflos ausgelieferten Geschmeiß in klaren Worten erläutert, wo es nun schon wieder überall falsch liegt. Und dass man in vielen Unternehmen keine Zauderer braucht, sondern Macher, die Entscheidungen kühn fällen, anstatt sie endlos zu vertagen – auch auf die Gefahr hin, dass es einem dabei das Hirn zerfrisst.)

I’m not surprised to see you haven’t thought it through enough
You never had the head for all that bigger picture stuff
But Tom, that’s what I do, and I plan on eating you slowly
(Bob hat die Faxen Toms langsam dicke, da dieser anscheinend einmal mehr den Beweis dafür antritt, dass er für die echten Herausforderungen ungeeignet ist, weil es ihm an der visionären Kraft mangelt, stets die ganz großen Zusammenhänge im Blick zu behalten. Kein Zweifel mehr, Bob war bereits vor seiner Zombifikation dem armen Wicht Tom hierarchisch überlegen.)

I’d like to help you Tom, in any way I can
I sure appreciate the way you’re working with me
I’m not a monster Tom, well, technically I am
I guess I am
(Nach dem eingeschobenen Refrain hat sich Bob wieder ein bisschen beruhigt. Auch dies kein ungewöhnliches Verhalten für einen typischen Chef: Erst einen cholerischen Anfall hinlegen, dessen Auslöser keine Sau so richtig nachvollziehen kann, um anschließend zu beteuern, dass er doch nur zum Wohle aller handelt und außerdem ja auch nur ein Mensch ist. Eine ganz ähnliche Argumentation wird übrigens eine Figur aus Die Zombies ebenfalls fahren, wenn es darum geht, die eigene Monstrosität weit von sich zu weisen.)

I’ve got another meeting Tom, maybe we could wrap it up
I know we’ll get to common ground somehow
Meanwhile I’ll report back to my colleagues who were chewing on the doors
I guess we’ll table this for now
(Jaja, Zeit ist Geld bzw. Hirn, und Bob muss noch dringend ins nächste Meeting schlurfen, um seine Seuche zu verbreiten. Die altbekannte Theorie, der Zombie stünde sinnbildlich für das Proletariat, muss nun wahrscheinlich bald dahingehend abgewandelt werden, dass Menschen, die in Büros ihrer Arbeit nachgehen, inzwischen nicht minder geknechtete Geschöpfe sind als ihre Geschwister im Geiste, die an Drehbänken und Fließbändern schuften.)

I’m glad to see you take constructive criticism well
Thank you for your time I know we’re all busy as hell
And we’ll put this thing to bed
When I bash your head open
(Zum Abschluss des Liedes macht Coulton unmissverständlich klar, dass auch der Zombie in Hemd und Schlips keine Gnade kennt. Hirn ist dazu da, gegessen zu werden...)

Nächste Woche habe ich vor, zwei Stücke einer deutschen Band näher in Augenschein zu nehmen. Mal sehen, ob das ähnlich ergiebig wird.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Überraschende Erkenntnisse

Ich werde alt. Ich weiß, dieses Thema wurde von mir schon einmal behandelt, doch neue Erkenntnisse zwingen mich zu einer erneuten Auseinandersetzung.

Erkenntnis 1: Ich bin mittlerweile lange genug auf dieser Daseinsebene unterwegs, um einen mir recht grundsätzlich scheinenden Wandel auszumachen, der sich auf den Umgang der Deutschen mit so lästigen Fragen wie Krieg und Militär bezieht. Beim Durchlaufen diverser Bildungseinrichtungen wurde mir im Jugendalter mehrfach vermittelt, bei der Bundeswehr handle es sich um eine reine Verteidigungsarmee, deren Existenzzweck darin besteht, im Ernstfall – der dann auch passenderweise als Verteidigungsfall bezeichnet wurde – die Landesgrenzen und die Bevölkerung vor etwaigen Angriffen zu schützen und somit die Souveränität der Bundesrepublik zu gewährleisten. Damit konnte ich mich mehr oder minder zähneknirschend arrangieren. Inzwischen jedoch wird laut einer geradezu schicksalhaften Aussage eines ehemaligen Verteidigungsministers meine Freiheit am Hindukusch verteidigt. So schnell lassen sich Landesgrenzen nach Belieben ausdehnen. Mehr noch: In zunehmendem Maße muss ich Kommentare über mich ergehen lassen, in denen aus Rücksichtnahme auf die ins Feld geschickten Soldaten dazu aufgefordert wird, militärische Interventionen prinzipiell gutzuheißen, sobald sie erst beschlossene Sache sind – gemäß dem Motto „Was man angefangen hat, muss man auch zu Ende bringen“ (denn alles andere wäre eine unverzeihliche Niederlage). Das ist unfein, da es Kritik am Handeln politischer Entscheidungsträger mit einem angeblich mangelnden Respekt vor denen gleichsetzt, die dieses Handeln jeweils vor Ort unter Einsatz von Leib und Leben zu verantworten haben. Die Diskussion, die eigentlich zu führen wäre und die tunlichst vermieden wird, ist letztlich die, ob Demokratien ein Anrecht auf das Führen von sogenannten gerechten Kriegen haben. Diese Diskussion kann natürlich nicht zustande kommen, wenn ich einen laufenden Krieg weder als solchen bezeichne noch ein wirklich erkennbares Vertrauen in das Ergebnis habe, das er bewirken soll. Dass auch die bereits erwähnten politischen Entscheidungsträger ansatzweise begriffen haben, dass der Konflikt in Afghanistan mit den bislang gewählten Mitteln nicht zu lösen ist, belegt meines Erachtens nach die angedachte Ausstiegsprämie für Taliban (die altmodische Alternative dazu wäre ja unter noch höherem Aufwand den Versuch zu unternehmen, den Gegner gleichsam bis auf den letzten Mann auszulöschen, und das Land im Anschluss endgültig unter eine Art kollektiver Kolonialherrschaft zu stellen). Darüber hinaus ist die Ausstiegsprämie ein erschütternder Ausdruck einer durch und durch kapitalistischen Weltsicht, in der alles käuflich ist, und die hier ihre eigene Ohnmacht offenbart – der Wunsch nach Frieden auf Erden im Sonderangebot, wenn man so will.

Erkenntnis 2: In einem wesentlich erfreulicheren Bereich – nämlich dem meiner Leseerfahrungen – wurde mir unlängst bewusst, dass der erste große phantastische Erzähler, mit dessen Werken ich in Berührung kam, nicht Tolkien gewesen ist. Das hat insofern etwas mit Älterwerden zu tun, als sich Menschen, die eine ausreichende Zahl an Jahren auf dem Buckel haben, gern damit zu beginnen scheinen, sich intensiv mit ihren Erinnerungen aus Kindheits- und Jugendtagen zu befassen. Nun, es war also nicht Tolkien, aber wer war es dann? Es war Michael Ende. Weihnachten 1984 wurde mir Die Unendliche Geschichte zum Geschenk gemacht, und ich weiß noch genau, wie verwundert ich darüber war, ein Buch in Händen zu halten, bei dem eine Geschichte nicht Schwarz auf Weiß, sondern Rot und Grün auf Weiß zu lesen war. Ein Bruch der Konventionen, an die ich bislang gewöhnt war, und vielleicht auch der Ursprung meiner eigenen Neigung, Konventionen mal mit mehr, mal mit weniger erfolgreichem Ausgang brechen zu wollen. Insofern ein ganz ausgezeichnetes Weihnachtsgeschenk ...

Dienstag, 26. Januar 2010

Vortrag 03.02.10 und Nominierungen Hörspiel-Awards

Nächsten Mittwoch, also am 3.2., finden der Moops und ich uns um 19.30 Uhr im Logensaal der Hamburger Kammerspiele ein. Wieso? Weil uns die Hamburger Autorenvereinigung freundlicherweise die Möglichkeit eingeräumt hat, unsere Gedanken zum Thema

„Zwischen Kunst und Kommerz. Ein Überblick und eine Analyse der amerikanischen Literatur im neuen Jahrtausend“

kundzutun. Wer dabei sein will, muss dafür 6 Euronen berappen (es sei denn, man ist Mitglied der Hamburger Autorenvereinigung – in diesem Fall ist der Eintritt frei). Was darf der geneigte Besucher erwarten? Nun, unsere berühmt-berüchtigte Fassung des Powerpoint-Karaokes, bei der wir uns diesmal hauptsächlich mit einigen Eigentümlichkeiten des US-amerikanischen Buchmarkts im Vergleich zu heimischen Gepflogenheiten befassen wollen. Spaßig wird das allemal, und wir verstehen diese Veranstaltung auch als Möglichkeit, sich in einer anschließenden Diskussion die Köpfe über Dinge wie „Müssen die Deutschen eigentlich jeden Scheiß mitmachen, der aus Amiland zu uns herüberschwappt?“ heißzureden.

Ansonsten können wir nicht ganz ohne Stolz verkünden, dass die Hörspielreihe „Sacred 2 – Der Schattenkrieger“, zu der wir die Drehbücher beisteuern durften, dieses Jahr in gleich zehn Kategorien für einen Hörspiel-Award nominiert ist. Und zwar als:

- beste Serie für Erwachsene
- beste Serienfolge für Erwachsene (und das ausgerechnet mit der Folge der Reihe, bei der wir die größten Bedenken hatten, ob sie denn auch das Gefallen des Publikums finden wird, weil sie die Genregrenzen zwischen Fantasy und Horror verwischt)
- bester Sprecher in einer Hauptrolle (Thomas Fritsch, für den meine Mutter in Backfischzeiten schwärmte)
- beste Sprecherin in einer Hauptrolle (Annabelle Krieg, die die Screwball-artigen Dialoge im letzten Teil der Reihe mit absoluter Bravour gemeistert hat)
- beste männliche Nebenrolle (Michael Pan, den die Vollnerds unter uns als deutsche Stimme von Data kennen)
- beste weibliche Nebenrolle (Nana Spier, eben bereits erwähnter Personengruppe als deutsche Stimme von Buffy bekannt)
- bester Erzähler (Helmut Krauss, nebenbei unter anderem auch der Erzähler der deutschen Fassung von Captain Future)
- beste Regie (Patricia Nigiani, deren herausragendem Geschmack wir unsere Beteiligung an Sacred überhaupt zu verdanken haben)
- bestes Cover (nämlich dieses hier)
- beste Hörspielmusiker (Blind Guardian, mit denen sich der Kreis zum Vollnerdtum erneut schließt).

Abstimmen kann man noch bis zum 14.2. hier.

Und wer mal nachsehen möchte, wie echte Hardcore-Fans das Hörspiel häppchenweise als Machinima umsetzen, der folge einfach diesem Link.

Montag, 25. Januar 2010

Romantisierte Armut

Wer sich mal eben davon überzeugen möchte, dass es die Redaktion der Drehscheibe Deutschland im ZDF im Grunde offenbar gar nicht so schlimm findet, dass immer mehr Menschen hierzulande notgedrungen zu dem werden, was man in den Staaten politisch völlig korrekt „trailer trash“ nennt, der möge sich bitte dieses Video ansehen.

Es folgen meine Lieblingszitate aus dem knapp sechsminütigen Beitrag zur Verharmlosung von Verelendung, die in einem einlullenden „Schau mal, so geht’s doch auch“-Tonfall vorgetragen werden:

„300 Euro Monatsmiete inklusive Strom und Wasser: Das Leben im Wohnwagen [...] eine billige Alternative zur Mietswohnung.“ Prima. So einfach ist das also. Ich bin nur etwas verwundert, das in diesem Werbetrailer der besonderen Art nicht gleich von einer preiswerten Alternative zum Reihenhaus die Rede ist.

„Auch wenn der Dauercamper nicht zimperlich ist: Ohne Heizen geht es nicht.“ Schon klar: Leben am Rand des Existenzminimums ist eben nichts für Weicheier. Siehe auch Angriffskriege oder wahlweise Schlangestehen in der Suppenküche der Heilsarmee.

„Das Leben auf dem Campingplatz: einfache Verhältnisse, aber bezahlbar. Ein Lebensmodell für immer mehr Menschen.“ Ob sie wollen oder nicht, aber das tut ja nichts zur Sache. Jeder ist seines Glückes Schmied, und wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht.

„Immer sonntags trifft man sich beim gemeinsamen Frühstück in der Campingplatzkneipe. Reden, Sorgen loswerden, Gemeinschaft leben.“ Und darüber nicht darauf achten, dass das Ganze quasi der progressivste Strafvollzug ist, den unsere Gesellschaft für Menschen zur Verfügung hat, die sich des Verbrechens des Versagens – aus welchen Gründen auch immer – schuldig gemacht haben.

„Einen heißen Kaffee, ein bisschen Unterhaltung: Mehr braucht Ralf L. nicht.“ Und zum Glück für uns Bessergestellte kommt Ralf L. nicht auf die eigentlich naheliegende Idee, dass es noch so viel mehr im Leben gibt, das er sich schlimmstenfalls von uns holen könnte.

„Sein erster Winter hier. Schnee und Kälte. Ralf L. nimmt’s gelassen, genießt das Stück Natur direkt vor der Haustür.“ Abgesehen davon, dass Ralf L. streng und ungelassen genommen keine Haustür hat, wird nun auch noch das Aussteigermotiv bemüht, obwohl der gute Mann ja unbefristeten „Abenteuerurlaub“ auf dem Campingplatz macht.

„Das heißt, das ist für Sie ja auch wirklich eine Möglichkeit, noch ein bisschen Geld zu sparen?“ Logisch, nur die Verzinsung ist nicht optimal.

Ich beantrage vorsorglich bereits die Aufnahme der Begriffe „Campingkehricht“ sowie „Wohnwagenweggeworfenes“ in den allgemeinen Wortschatz, da bei der derzeitigen politischen Wetterlage nicht davon auszugehen ist, dass die in diesem durch und durch skandalösen Beitrag vorgeführten Menschen jemals auf eine echte Besserung ihrer Situation hoffen dürfen.

Freitag, 22. Januar 2010

Untoter Freitag: Dawn of the Dead

Was folgt, sind einige Gedanken zu Zack Synders Remake eines gleichnamigen Romero-Originals, das wahrscheinlich irgendwann später einmal drankommt. Warum das Remake zuerst? Vorsicht, Blasphemie: weil es mich stärker beeindruckt hat.

Eine Hobbythese des Moops ist es, dass Zack Snyder sich vorgenommen hat, sich in seinem filmischen Schaffen von Genre zu Genre zu hangeln, um jedes von ihnen genüsslich auseinanderzunehmen bzw. dessen herkömmliche Konventionen zu zerschlagen. Bevor Snyder mit 300 den Historienschinken und mit Watchmen das Superheldengenre beackerte (und ja, sowohl über den ästhetischen als auch den politischen Wert dieser beiden Streifen ließe sich trefflich streiten) und sich als nächstes dem Vernehmen nach den Animationsfilm für Kinder sowie die Urban Fantasy vornehmen will, bedachte er uns 2004 mit Dawn of the Dead.

Pluspunkte:

- Die fulminante Eröffnungssequenz. Auf etwas Minimalvorgeplänkel zwecks Einführung einer Protagonistin, deren Alltag als Krankenschwester und einer stereotypischen Vorstadtidylle, fällt das niedliche Töchterlein besagter Figur als schneller Zombie über den Papa her, der daraufhin die Mutti durch die Bude hetzt. Selten war die Spaltung einer Kernfamilie schneller abgehandelt und spannender in Szene gesetzt.

- Jake Weber als genreobligatorische Stimme der Vernunft, also der schmächtige Normaloschluffi, dem es irgendwie gelingt, für die Gruppe der Überlebenden eine Führungsrolle zu übernehmen. Weber vergammelt derzeit hauptsächlich in der TV-Serie Medium als Ehemann der Titelheldin. Schade um ihn ...

- Der Soundtrack. Richard Cheeses swingendes Disturbed-Cover von Down with the Sickness – die Kopie eines Kulturartefakts als Begleitmusik zu einem Film, der seinerseits die Kopie eines Kulturartefakts ist, also willkommen in der Postmoderne – passt hier wie die Faust aufs Auge, und People Who Died von der Jim Carrol Band wird auf faszinierend-verstörende Weise im Abspann eingesetzt: über Filmschnipseln aus einer Videokamera, die zeigen, wie die vermeintlich der Apokalypse entronnenen Figuren doch noch eine nach der anderen dran glauben müssen.

- Die kurze, aber äußerst unterhaltsame Szene, in der die Überlebenden auf dem Dach unter der Zombiehorde vor der Mall nach Untoten Ausschau halten, die Prominenten ähnlich sehen.

Minuspunkte:

- Die Nummer mit dem zombifizierten Baby. Ja, auch das ein Genreklassiker, doch ich fand diesen Handlungsstrang insgesamt nicht überzeugend genug in den Rest des Plots eingearbeitet. Außerdem nerven überbesorgte werdende Väter, ganz gleich, ob mit oder ohne Wumme in der Hand.

- Die minimal zu groß geratene Zahl an Nebenfiguren, was zumindest bei mir dazu führte, dass ich über einige der nur angerissenen Personen gern mehr erfahren hätte, bevor sie von den Zombies zerrissen wurden.

Neben 28 Days Later ist Snyders Version von Dawn of the Dead die zweite Dosis der Frischzellenkur gewesen, durch die das Zombiegenre vor einigen Jahren aus der B-Movie-Versenkung geholt wurde. Gut so ...

Dienstag, 19. Januar 2010

Damit hätte man rechnen müssen

Anlässlich des Neujahrsempfangs der Hamburger Autorenvereinigung entstand dieses erschütternde Dokument einer geradezu professionellen Prokrastination am vergangenen Samstag vor dem Schauspielhaus in Hamburg (wo der Empfang stattfand).

Aktuell machen wir die bajuwarische Hauptstadt umsicher, um liebe Menschen mit allerlei Unheimlichem – sprich, Exposés für neue Projekte – heimzusuchen.

Montag, 18. Januar 2010

Zerrissene Reiche 3 - FERTIG

Soeben wurde die letzte Vorkorrektur vom dritten Ausflug in die Zerrissenen Reiche beendet. Jetzt können mein Moops und ich todmüde ins Bett fallen.

Nächste Woche geht es dann gleich an den vierten Teil und mich juckt es richtig in den Fingern, noch ein wenig tiefer in die Geheimnisse der Herren und des Bundschmieds einzutauchen...

Freitag, 15. Januar 2010

Untoter Freitag: Dead Set

Es gibt einen guten Grund, nach England umzusiedeln, und das ist die verglichen mit dem, was hierzulande geschieht, wesentlich ausgeprägtere Experimentierfreude der Fernsehmacher. Dead Set ist ein hervorragendes Beispiel hierfür: Mit der Grundidee des Plots dieser fünfteiligen Serie – Zombieseuchenausbruch in England, während gerade eine Staffel Big Brother läuft, was die gewohnt etwas dumpfbackigen Bewohner des Containerdorfs schnell zu einzigen (?) Überlebenden werden lässt – ließe sich in Deutschland voraussichtlich kein Staat machen.

Es sei denn, man zerrte das Ganze gewaltsam in Richtung Comedy, was Dead Set nun beim besten Willen nicht ist. Sicher gibt es Szenen, die einem zum Lachen bringen, aber spätestens wenn jemandem mit einem Feuerlöscher der Schädel nicht nur ein-, sondern gleich zu Brei geschlagen wird, oder wenn eine Leiche zerhackstückt wird, um als Zombielockmittel zu dienen, fällt das Lachen ein bisschen erzwungener aus. Und das ist auch der Zeitpunkt, an dem man den vor jeder Folge in typisch britischem Understatement eingeblendeten und zunächst vielleicht belächelten Warnhinweis, die folgende Sendung könnte Szenen enthalten, welche von einigen Zuschauern als verstörend oder schockierend empfunden werden könnten, zu würdigen weiß.

Seine Glanzpunkte setzt Dead Set allerdings schon in genau jenen Momenten, in denen das Schreckliche und das Komische auf nicht minder verstörende und schockierende Weise zusammenfallen – so etwa, wenn der schmierige Produzent der laufenden Staffel sich auf der Herrentoilette an einem rollstuhlfahrenden Zombie vorbeizwängen muss, wobei die Figur derart durchgängig als Arschloch gezeichnet ist, dass man sich zwangsläufig fragt, ob ihr Ekel größer ausgefallen wäre, wenn der Mann im Rohlstuhl nicht zombifiziert wäre.

Selbstverständlich lässt sich Dead Set auch als Kommentar zur Verfasstheit der Mediengesellschaft auffassen, die Zuschauer wie geistlose Zombies behandelt, und den Ausbrauch der Seuche als späte Rache der dergestalt Malträtierten. Bietet sich an, muss man aber nicht zwingend tun, denn Dead Set funktioniert auch auf der vordergründigen Splatterebene ganz hervorragend.

Und nun bleibt noch die Hoffnung, dass es am Ende doch ein deutsches Remake geben könnte – sonst kupfern wir ja auch gerne bei den Engländern ab. Denn allein die Vorstellung, jemanden wie Zlatko oder Jürgen noch einmal unter etwas anderen Vorzeichen im Container zu sehen, hat durchaus ihren Reiz.

Charlie Brooker, der Hauptverantwortliche der Serie, verteidigt übrigens hier den Einsatz schneller Zombies gegenüber dem unter anderem aus Shaun of the Dead bekannten Simon Pegg auf sehr gelungene Weise. Nicht nur verweist er auf den produktionstechnischen Faktor, dass schnelle Zombies letztlich billiger sind als langsame. Er erwähnt zudem einige Stellen aus den Filmen von Altmeister Romero, in denen dessen Zombies sich nicht ganz konform zu jenem Bild verhalten, das die die meisten von uns von Zombies im Allgemeinen haben. Dass Brooker (der übrigens an der sehr sehenswerten Comedyserie Nathan Barley maßgeblich beteiligt war) aber eine Lanze für schnelle Zombies bricht und Pegg Rassismus vorwirft, nur um dann ein paar Sätze sprechende Zombies als dämlich zu bezeichnen, kommt mir insgesamt doch heuchlerisch vor. Ich kenne da einige Wandler aus unserem Roman, die darüber sehr, sehr beleidigt wären...

Donnerstag, 14. Januar 2010

Ausnahmsweise mal Werbung in fremder Sache

Unser geschätzter Freund und Mordstalent Marko Djurdjevic, den man ohne Untertreibung ruhig als den international erfolgreichsten Comic-Künstler aus Serbien und Deutschland zugleich bezeichnen darf – jawohl, zwei Nationen zum Preis von einer –, feiert demnächst die Eröffnung seines brandneuen Hauptquartiers.

Mit dabei sind bei diesem Ereignis neben ihm noch jede Menge anderer beneidenswert guter Illustratoren. Wir (also mein Alter Ego Ole und ich nebst unserer bezaubernden Fee) drücken uns dort ebenfalls herum. Also hereinspaziert und gestaunt! Ich verspreche Menschen, Tiere, Sensationen!


Mittwoch, 13. Januar 2010

Unheimliche Begegnungen der Vierten Art

Ich möchte noch einmal kurz auf dieses Video zu sprechen kommen. Es hat mir insofern schwer zu denken gegeben, als dass ich meine Einstellung zu den Berichten von Menschen, die behaupten, Außerirdische hätten sie entführt, um merkwürdige Sex-Experimente an ihnen durchzuführen, leicht revidieren musste. Die reflexhafte Abwehrhaltung im Stile eines „Warum sollten die Aliens so etwas tun?“ erweist sich angesichts der Nacktmullabsamung womöglich als etwas vorschnell, denn was der arme Nacktmullkerl seinen Artgenossen berichten wird, sobald er wieder zu sich kommt, dürfte für den Rest seiner Kolonie auch etwas ungewöhnlich klingen.

Apropos Aliens: Wer District 9 bislang verpasst, gemieden oder ignoriert haben sollte, ist hiermit freundlich aufgefordert, sich diesen Film zu Gemüte zu führen. Neill Bloomkamp, der Regisseur, war eigentlich von Peter Jackson dazu ausersehen, die inzwischen auf Eis gelegte Shooter-Umsetzung Halo abzuliefern, doch mittlerweile kann man wohl recht froh darüber sein, dass daraus nichts geworden ist, weil es District 9 ansonsten wahrscheinlich so nie gegeben hätte. Gegen Ende hin wird zwar ein wenig zu doll an der Actionschraube gedreht, aber das lässt sich verkraften, und auch die Diskussion, ob die nigerianische Menschenfresserbande Not getan hat oder rassistische Ressentiments bedient, ist angesichts eines Films, in dem alle auftauchenden Figuren auf die eine oder andere Weise Rassisten (bzw. Speziesisten) sind, verhältnismäßig müßig.

Und noch ein kurzer Schlenker zur unlängst geführten Debatte über Sexualität und das Fantasygenre: Richard K. Morgan präsentiert auf seinem Blog eine interessante E-Mail, die bei ihm eingetrudelt ist. Sehr aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang auch die Kommentare zu seinem Posting, in denen munter Nazis, der Islam und Atlas Shrugged in einen Topf geworfen werden. Da ging es hier ja durch und durch gesittet zu!

Montag, 11. Januar 2010

Potpourri

An dieser Stelle mal wieder ein wenig Vermischtes von meiner Seite.

Zunächst eine emanzipatorische Forderung: Wenn die Beachvolleyballerinnen laut geltender Statuten nur Bikinihöschen tragen dürfen, die an der Seite höchstens fünf Zentimeter breit sind, wäre es doch nur gerecht, wenn diese Regelung auch auf die Herren ausgeweitet wird, oder? Schlimm genug, dass die kamerunische Fußballnationalmannschaft der Herren vor einigen Jahren nicht im schicken, körperbetonten Einteiler auflaufen durften. Ich stelle diese Forderung übrigens nicht (nur) aus Eigennutz. Vielmehr möchte ich zu bedenken geben, dass viele Frauen äußerst gern Übertragungen von Biathlonläufen mit männlicher Beteiligung verfolgen, was gewiss nicht ausschließlich am Bumm-Bumm-Schießgewehr liegt, wie mir einige Damen sehr, sehr glaubhaft versichert haben.

Des Weiteren freue ich mich über die laufende Debatte bezüglich des Einsatzes modernerer Technologie zur Abwendung der Terrorgefahr bei Flügen, da sich hier einmal mehr die opiatähnliche Wirkung des korrekten Sprachgebrauchs auf das Wahlvolk beobachten lässt. Sobald man einen Nacktscanner nämlich in einen Körperscanner verwandelt, hat man flugs in den Umfragen eine Mehrheit, die nichts dagegen hat, durchleuchtet zu werden. Noch wesentlich mehr freue ich mich zugegebenermaßen auf den Tag, an dem die ersten, tiefe Einblicke gewährenden Aufnahmen von extrem wohlgeformten Damen und Herren durchs Netz geistern und alle schreien: „Damit konnte nun doch wirklich niemand rechnen!“. Alldieweil schlage ich vor, aus dem Nacktbadestrand einen Körperbadestrand, aus der Nacktschnecke eine Körperschnecke und aus Nacktfotos Körperfotos zu machen. Klingt alles viel angenehmer.

Und jetzt zur Lärche, sprich etwas völlig anderem: In der Welt wurde vor einigen Tagen der Versuch unternommen, Kreaturen aus dem Horrorgenre politischen Gesinnungen zuzuordnen. Ich darf kurz zusammenfassen: Der Vampir wählt Angela Merkel, betet für unsere Soldaten in Afghanistan und versteht Kernkraftwerke als unverzichtbare Brückentechnologie (und ist also – Vorsicht, den kann ich mir nicht verkneifen – schwarz wie die Nacht, was seine politischen Überzeugungen anbelangt). Der Werwolf fährt ein Elektroauto, hinterlässt nur einen minimalen CO2-Fußabdruck und erklärt anderen Leuten gerne, warum Fleischessen total schädlich für die Umwelt ist, bevor er sie ausweidet und verschlingt (und ist damit dem Lager der Grünen zuzurechnen). Der Zombie arbeitet in einer Fabrik am Fließband, kauft clever Kleidung bei Kik und hat in den Siebzigern in Deutschland die Gesamtschule eingeführt (und wird dadurch eher links der Mitte verortet). Tja, so einfach ist das also ...

Was wiederum heißt, dass ich in „Die Zombies“ eine ganze Menge falsch gemacht haben muss, weil meine Untoten sich nicht in dieses Schema hineinquetschen lassen wollen. Doch das ist womöglich auch ganz gut so.

Freitag, 8. Januar 2010

Untoter Freitag: 28 Days Later

Ich habe noch einigermaßen klare Erinnerungen daran, unter welchen Bedingungen ich Danny Boyles 28 Days Later zum ersten Mal gesehen habe. Es war auf einer Preview-Veranstaltung fürs Fantasy-Filmfest, bei der neben der Verjüngungskur fürs Zombie-Genre auch noch Darkness Falls – Der Fluch von Darkness Falls (und ja, das ist der komplette, ausgesprochen dämliche deutsche Titel) und ein dritter Streifen gezeigt wurden, wobei mir letzterer entfallen ist. Üblicherweise entschlummere ich in weichen, warmen Kinosesseln recht leicht, vor allem zu fortgeschrittener Stunde (also so ungefähr ab 21 Uhr – man wird eben nicht jünger). Bei 28 Days Later jedoch war ich hellwach.

Nun, woran lag’s? Wenn ich mir den Hut des faselnden Theoretikers aufsetzen würde, müsste ich so etwas sagen wie „An der gelungenen Gratwanderung zwischen semiauthentischem Halbdokumentarischem und auf- bzw. eindringlicher Künstlichkeit“. Sage ich aber nicht. Stattdessen liste ich einige leichter greifbare Faktoren auf:

- Der grandiose Cillian Murphy. Damals noch ein völlig unverbrauchtes Gesicht, und auch die Bereitschaft, sich splitterfasernackt vor der Kamera zu zeigen, ist in seiner – wie wahrscheinlich in allen – Schauspielergenerationen nichts Selbstverständliches.

- Christopher Eccleston als fieser Vertreter des Militärs und Überbringer der nicht genre-unüblichen Botschaft, dass man sich als Mensch nicht nur vor den Zombies, sondern auch vor den verbliebenen Mitmenschen gehörig hüten sollte. Nie war es leichter, den späteren Doctor Who inbrünstig zu hassen.

- Die „Leere-Welt“-Szenen zu Beginn des Films. Ein entvölkertes London ist schlicht und ergreifend scheißgruselig.

- Das astreine Drehbuch von Alex Garland. Wer diesen Autor anhand der Verfilmung von The Beach beurteilt, die die Vorlage aufs Übelste schändet, tut ihm Unrecht (der Roman selbst ist übrigens ungemein brauchbar und lässt sich interessanterweise als eine Art Geistergeschichte deuten).

- Das Happyend für die Patchworkfamilie der drei Überlebenden, das umso überraschender kommt, da es mit eingeführten Genrekonventionen bricht.

Kommen wir doch an dieser Stelle gleich zu den Sachen, die viele der alten Hasen unter den Zombiefans damals schwer erschüttert haben oder ansonsten gern als Kritikpunkte an 28 Days Later angeführt werden.

Anklagepunkt 1: Schnelle Zombies. Die Infizierten in 28 Days Later schlurfen kein Stück. Sie rennen. Dürfen das Zombies überhaupt? Warum nicht. Garland verteidigte seine Entscheidung mit einem putzigen Argument, nämlich dem, dass er schon als Jugendlicher ein Patentrezept entwickelt hatte, wie man dem herkömmlichen Zombie entgehen kann – man setzt sich auf sein Rad und fährt den Lebenden Toten einfach davon. Durch die schnellen Zombies wird der Mensch meiner bescheidenen Meinung noch viel klarer als Beute markiert, die sich gegen ein ungemein gefährliches Raubtier zur Wehr zu setzen hat. Natürlich haben auch die Schlurfer ihren Reiz, doch bei denen macht es meist die schiere Masse, die ein beklemmendes Gefühl einer langsam näherrückenden, aber nichtsdestoweniger unaufhaltsamen Bedrohung auslöst. Mir ist es schnurzpiepegal, ob die Zombies schlurfen, sprinten oder sich mithilfe von Rollatoren durch die Gegend schleppen, solange mir das Gezeigte insgesamt einen ordentlichen Schrecken einjagt.

Anklagepunkt 2: Das doofe Ende. Was? Die Zombies sind einfach verhungert? Ja, sind sie. Das ergibt wegen der Grundsetzung, dass es sich bei 28 Days Later nicht um klassische Wandelnde Tote, sondern mit einem Virus infizierte Lebende handelt, auch durchaus einen gewissen Sinn. Hübsch antiklimaktisch eigentlich ...

Alles in allem hat es Boyle geschafft, mit schlappen fünf Millionen Pfund einen Film zu drehen, der dem Genre insgesamt unfassbar gut getan hat (und ohne den unsere Zombies wahrscheinlich um ein paar Facetten ärmer wären). Dafür an dieser Stelle recht herzlichen Dank!

Donnerstag, 7. Januar 2010

Neues von der Interview- und Gewinnspielfront

Für Literra habe ich kurz vor dem Jahreswechsel ein gar erbauliches Interview mit Alisha Bionda geführt, das inzwischen online gegangen ist und in dem ich gleich zu Beginn knifflige Fragen zu meinen persönlichen Eigenschaften beantworten musste. Das Ergebnis meiner Nabelschau (garantiert nabelflusenfrei) findet sich hier.

Nicht minder erbaulich war mein Plausch mit Judith Gor für Literatopia, die tief, tief in meiner Vergangenheit wühlt. Gewühlt haben auch die freundlichen Menschen von Piper und Literatopia fünf Exemplare von „Kalte Krieger“ für ein kleines Gewinnspiel zur Verfügung gestellt. Das Spiel läuft bereits, das Interview nebst Rezension wird in den kommenden Tagen zu sehen sein. [Links folgen!]

Und wer sich fragt, wie mein Seelentier aussehen mag, nun, ich vermute mal ungefähr so oder so (je nach Wetterlage).

Mittwoch, 6. Januar 2010

Willkommen in der Zukunft

Nur mal eben auf die Schnelle ein paar Worte zum überstandenen Jahreswechsel. Nun schreiben wir also das Jahr 2010 (uns bleiben also nach dem Biene-Maja-Kalender noch knapp zwei Jahre, bis die Hornissen einfallen). Als Kind bin ich mit allerlei Scifi-Visionen großgeworden, die mein Bild von der Zukunft (in der ich ja nun mittlerweile lebe) geprägt haben. Zeit also für eine kleine, persönliche Bestandsaufnahme.

Was vermisse ich beim Abgleich zwischen kindlicher Erwartung und Wirklichkeit? Hier die Top 3:

1. Nahrungsmittel in klaren, geometrischen Formen. Abgesehen vom Toasty ist in dieser Hinsicht viel zu wenig passiert (und wo bleibt überhaupt das von selbst nachwachsende Fleisch aus dem Genlaborbottich?).

2. Meinen persönlichen Gleiter/Schweber/Antigrav-Dingsbums. Was haben wir stattdessen? Den Segway. Der Gleiter ist für mich von besonderer Bedeutung, da ich nicht sonderlich gerne fliege, was – wie bei vielen anderen Leuten auch – etwas mit meiner Angst vor Kontrollverlust zu tun hat. Ich vertraue mein Leben ungern einem anderen Menschen an (und dass ich Leute kenne, die bei Fluggesellschaften tätig sind und gerne „lustige“ Geschichten über trinkfreudige Piloten zum Besten geben, hilft da auch nicht gerade).

3. Das Maschinenheer, das es uns erlaubt, uns den schönen Dingen des Lebens zu widmen (beispielsweise in luftig wehenden, weißen Roben durch sonnenlichtdurchflutete Gänge zu wandeln und uns über eine ferne und für uns unverständliche Vergangenheit zu unterhalten, in der Menschen Hunger litten und Kriege führten). Staubsaugende Roboter, wie wir sie heute schon haben, sind da zumindest ein ganz brauchbarer Einstieg.

Worauf kann ich bei genanntem Abgleich dankend verzichten?

1. Die Zombiemutantenhorden, vor denen sich die Menschheit unter die Erde geflüchtet hat.

2. Schmackhafte Ersatznahrung, die unter anderem aus den sterblichen Überresten netter, belesener Opas gewonnen wird.

3. Den ultratotalitären Überwachungsstaat (hoppla, das könnte ja doch noch was werden).

So viel zu 2010. Da ich immer noch nicht genügend Leute im dritten Band der Zerrissenen Reiche gemeuchelt habe, ist meine Zeit etwas knapp bemessen, doch ich möchte zumindest darauf aufmerksam machen, dass jemand endlich eine Antwort darauf gefunden hat, weshalb deutsche Autoren einfach keine ordentliche Fantasy hinkriegen (insbesondere im Vergleich mit ihren angloamerikanischen Kollegen): Die Nazis sind schuld. Und wieder eine Lieblingsausrede mehr, die ich bringen kann, wenn man mir mal wieder wer die Frage stellt, warum ich eigentlich nur Schrott fabriziere. Zum Abschluss noch ein paar unhaltbare Zustände, bei denen wahrscheinlich die Nazis die Hände im Spiel hatten:
- Dass das Butterbrot immer auf der bestrichenen Seite landet, wenn es herunterfällt.
- Nenas buschiges Achselhaar in den Achtzigern.
- Die Achtziger als Ganzes.
- Dass Deutsche einfach nicht tanzen können.
- Dass es für die Herren-Fußballnationalmannschaft 2006 nicht zum Titelgewinn im eigenen Land gereicht hat.

Und nun noch ein Nachtrag in eigener Sache: Amazon hat inzwischen „Die Zombies“ gelistet, und um dieses epochale Ereignis gebührend zu feiern, führe ich den untoten Freitag ein. Will meinen: Ab jetzt gibt es an dieser Stelle immer freitags ein paar mehr oder minder zusammenhängende Gedanken zu einigen Vertretern des Zombiegenres aus diversen Medien von mir. Zumindest so lange, bis ich die Lust daran verliere und den englischen Mittwoch (oder etwas vergleichbar Bizarres) ausrufe.