Freitag, 12. November 2010

Kleine Kurzgeschichte über den Teufel

Die bezaubernde Alisha Bionda hat mir die Möglichkeit eröffnet, mich im Rahmen einer Kurzgeschichte über eines meiner absoluten Lieblingsszenarien auszulassen: Bewerbungsgespräche. Warum mag ich die? Weil sie eine Situation darstellen, die an Widersprüchlichkeit und Heuchelei kaum noch zu überbieten ist. Da sitzen sich also zwei Parteien gegenüber, die beide sehr genau darum wissen, dass sie sich in eine Art Aufführung hineinbegeben. Improvisationstheater mit ungewöhnlich genauen Rollenvorgaben, wenn man so will. Die eine Seite ist sich immer bewusst, dass die jeweils andere Seite Äußerungen tätigt, die nie ganz der Wahrheit, sondern lediglich dem Erwartbaren und strategisch Geschickten entsprechen dürfen, weil die Gesamtkonstellation ansonsten unter dem Druck des Tatsächlichen zusammenbrechen würde („Was sind Ihre Schwächen?“ – „Zwanghafte Masturbation gepaart mit einem familiär bedingten Scheu vor allzu langen Arbeitstagen.“). Wunderbar, einfach wunderbar.

In besagter Kurzgeschichte findet das Gespräch zwischen einem hochrangigen Vertreter der Hölle und einem aufstrebenden Jungmanager statt, der sich in diesem speziellen Fall Hoffnungen auf einen raschen Abstieg macht. Erschienen ist sie in der Anthologie Advocatus Diaboli bei der Edition Roter Drache, versehen mit einer Illustration von einem ausgesprochen leidenschaftlichen Kuss auf den Hintern. In der Anthologie, die im schnieken Hardcover daherkommt, finden sich Erzählungen einer Menge netter Kollegen (u. a. Tanya Carpenter, David Grasshoff, Bernd Rümmelein und Gian Carlo Ronelli), und wer phantastische Kurzgeschichten mag, ist damit sehr, sehr gut bedient.

Keine Kommentare: