Freitag, 25. Juni 2010

Ungewöhnliche Beleidigungen

Neulich aufgeschnappt: „Du hast aber eine hässliche Vorhaut.“ Stellte sich zwar leider als Verhörer heraus, hat aber natürlich trotzdem seine Qualitäten als Aufhänger für diverse Ausschmückungsphantasien. Wo könnte man sie gehört haben? Auf der Herrentoilette? Im Darkroom? Beim Urologen? Am FKK-Strand? In der Umkleidekabine des Fitness-Studios? Oder: Was macht die betreffende Vorhaut so hässlich? Länge? Textur? Färbung? Die Möglichkeiten sind schier unendlich.

Tatsächlich ausgesprochen wurde jedoch folgende Beleidigung: „Ihr Hund stinkt.“ Und zwar in einem Restaurant. An und für sich noch geradezu höflich, weil der Besitzer des Vierbeiners sich ja nur indirekt getroffen fühlen muss, sofern er das möchte (und in der konkreten Situation verhielt es sich auch haargenau so, was zu weiteren, weniger ungewöhnlichen Beleidigungen führte).

In diesem Zusammenhang fällt mir ein, dass zu meinen Schulzeiten (ca. 1898 – 1911) einmal eine sehr geschätzte Mitschülerin über das Verhalten einiger Kameraden derart in Rage geriet, dass dem „Ihr kotzt mich an!“, das sie eigentlich wutentbrannt ausstoßen wollte, das „an“ abhandenkam. Was wiederum dazu führte, dass auf Jahre hinaus „Ihr kotzt mich!“ zu einem spielerischen Ausdruck der Verärgerung unter uns wurde. Wörtlich genommen ja auch ein Bild von beeindruckender Eleganz ...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Es gehört nicht zu den Beleidigungen, sondern zu den Drohungen, aber dennoch: Im bei Heyne erschienenen »Entschuldigung, sind Sie die Wurst?« wird kolportiert, dass ein in einer Prügelei unterlegener junger Mann seinem Peiniger auf dem Rückzug drohte: »Ich hol meine Schrotflinte, und dann stech ich dich ab.«
LS