Mittwoch, 2. Juni 2010

Jobmöglichkeit Vergangenheitsprophet

In einem recht unterhaltsamen BILD-Artikel zum Höhepunkt der Aschewolkenkrise (AWK, nicht zu verwechseln mit AKW) stieß ich auf eine wundersame Bezeichnung: Nostradamus wird dort als „bekanntester Zukunftsprophet“ aufgeführt. Zukunftsprophet ist in semantischer Hinsicht ein echtes Highlight, da es nahelegt, dass es in Sachen zeitlicher Schwerpunktsetzung noch mindestens zwei weitere Formen des Propheten gibt.

Beginnen wir mit dem Gegenwartspropheten. Diese Gattung ist relativ weit verbreitet, weil darunter alle Menschen fallen (mich eingeschlossen), die gelegentlich dazu neigen, ihr unmittelbarst bevorstehendes oder bereits in der Durchführung befindliches Handeln entweder durch leises Murmeln zu sich selbst oder unbefangenes Herauskrakeelen an die wehrlose Zuhörerschaft ankündigen respektive kommentieren. Berühmtestes Beispiel aus der Filmgeschichte: Vincent Vega (John Travolta) aus Pulp Fiction mit seinem „Ich geh jetzt mal kacken...“. Der Wirkungskreis von Gegenwartspropheten beschränkt sich in der Regel verständlichermaßen auf das direkte Umfeld, sowohl im räumlichen Sinne als auch im Sinne des eigenen Erlebnishorizonts.

Weitaus raum/zeitgreifender verhält sich hingegen der Vergangenheitsprophet. Selbstverständlich findet man auch in dieser Gruppierung Amateure, die ihre Aktivitäten auf die eigenen zwischenmenschlichen Erfahrungen beschränken (Lieblingsverkündigungen sind „Das hätte ich dir gleich sagen können“, „Das habe ich schon immer gewusst“ und Ähnliches).

Der Profi ist selbstredend kühner und scheut keineswegs vor den großen Themen der Weltgeschichte zurück. Daten, vor denen der geübte Vergangenheitsprophet mit Anspruch warnt, sind:

22.11.2005
26.5.1994
19.12.1963
4.5.2001
8.3.2003

Die Liste kann natürlich laufend und beliebig erweitert werden. Zum Beispiel hiermit.

1 Kommentar:

Andrea hat gesagt…

"Die Vergangenheitspropheten des Stammtischs" wär vielleicht ein Titel, zu dem man mal einen Fantasyroman schreiben sollte ;-)