Freitag, 12. März 2010

Untoter Freitag: Left 4 Dead & Plants vs. Zombies

Heute fahren wir mal ein Kontrastprogramm: fies-quasirealistisches Actiongemetzel gegen putzig-vollnerdige Tower-Defense-Zeitfressmaschinerie.

Als die ersten Ankündigungen zu Left 4 Dead die Runde machten, herrschte vielerorts Skepsis unter Gamern: Ach so, ja, Coop-Ding für bis zu vier Spieler, die gemeinsam Zombies schnetzeln sollen. Geht das? Macht das Spaß?

Heute weiß man: Ja, das geht, und ja, es macht Spaß. Storytechnisch passiert im ersten Teil von Left 4 Dead im Grunde gar nichts – vier Leute wie du und ich mitten in einer Zombieapokalpyse im schönen Pennsylvania. Das Ziel lautet Überleben, und der Weg dorthin führt über Leichen in rauen Mengen (die Zombies sind hier übrigens schnell und noch dazu keine Untoten im eigentlichen Sinn, sondern im 28 Days Later-Stil arme Opfer eines Virus, der sie in reißende Bestien verwandelt; moralische Bedenken, was ihr Abschlachten angeht, sollten besser ausgeblendet werden).

Was macht nun den Reiz dieses Spiels aus? Ich würde behaupten, es ist die nackte Panik, die immer wieder ausgelöst wird, wenn man feststellt, dass man trotz aller ruhig vorgetragener Absprachen („Da!“, „Rüber!“, „Schnell jetzt!“, „Du Idiot!“) der Zombiemassen nicht Herr werden wird. Dass man – sofern man nicht kackenfeige auf Leicht spielt – seine Kollegen versehentlich leicht mal über den Haufen ballern kann, steigert sowohl die Spannung als auch ein Gefühl der Ausweglosigkeit (und selbstverständlich auch den Glauben daran, dass man vielleicht doch nur entweder inkompetente Grobmotoriker oder heimtückische Sadisten zum Freund hat).

Ein weiterer Pluspunkt sind die Special-Zombies, die einem über den Weg laufen: In freudianischer Hinsicht von besonderem Interesse sind hierbei der Smoker, der einen mit seiner langen Zunge umschlingen kann, sowie der Charger aus Teil 2 der Reihe, dessen mutierter, obermuskulöser Arm den Verdacht nahelegt, es könne sich bei ihn um einen armen Menschen handeln, der infiziert wurde, nachdem er Jahre in einem abgeschotteten Kämmerlein zugebracht hat, in dem sein einziges Vergnügen fleißigste Handarbeit gewesen ist.

So, wer das nun alles widerlich und gewaltverherrlichend findet, der ist mit Plants vs. Zombies deutlich besser bedient. Bei der Entstehung des Spielkonzepts waren denn offenkundig auch rauch- oder sonstwie konsumierbare Pflanzen mit bewusstseinserweiternden Wirkstoffen involviert: Wie verteidigt man sich am besten gegen vorrückende Zombiehorden, die bei einem ins Haus eindringen wollen?
Logisch, man pflanzt ein paar Blümchen im Garten – Kartoffelminen, Hypno-Pilze und so. Schon klar. Das Erstaunliche ist: Das funktioniert – wie jedes gute Tower-Defense-Spiel birgt Plants vs. Zombies selbstverständlich ein enormes Suchtpotenzial, das durch den allgegenwärtigen Witz noch verstärkt wird. Denn ja, es ist verdammt noch mal komisch, einen Tanzenden Zombie zu sehen, der Michael Jacksons Fantasieuniform-Klamottage aus dem Thriller-Video trägt. Weshalb den Machern nicht erlaubt wurde, dieses Spiel, das voller putziger Verweise auf das Genre steckt, wie ursprünglich angedacht, Lawn of the Dead zu nennen, bleibt ein trauriges Geheimnis.

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