Freitag, 5. März 2010

Untoter Freitag: Die kleine Romero-Revision

George A. Romero trägt nicht zu Unrecht den schmeichelhaften Ehrentitel Godfather of the Zombies. Ohne diesen Mann würde das Zombiegenre, wie wir es heute kennen, unter Umständen nicht einmal existieren. Grund genug für mich, mich vor ihm in den folgenden Zeilen ein wenig zu verneigen.

Night of the Living Dead (1968) ist ein Meisterwerk. Punktum. Nie war Romeros Arbeit frischer und verstörender als bei dem Film, auf dem sich sein Weltruhm gründet. Er pflanzt hier den Keim, aus dem bis heute wieder und wieder andere wegweisende Filme sprießen. Alles, was das Zombiegenre im Film auszeichnet, findet sich bereits hier: die Atmosphäre der unausweichlichen Bedrohung, schonungslose Brutalität, eine Unerbittlichkeit gegenüber Figuren und Publikum gleichermaßen, der Mensch als größte Gefahr des Menschen (selbst im Angesicht wandelnder Toter).

Man möge mich gern dafür steinigen, doch für mich hat kein anderer Zombiefilm Romeros je wieder die Qualität seines Erstlings erreicht. In Dawn of the Dead (1978), der uns das mittlerweile wohl obligatorische Einkaufszentrum als Hauptschauplatz offeriert, finden berechtigte die voll und ganz berechtigte Kritik an Konsumobsessionen und deren ästhetische Umsetzung beileibe nicht so wirkungsvoll zusammen; Day of the Dead (1985) schenkt uns zwar den ansatzweise gelehrigen Zombie sowie den faschistoiden Militäroffizier als denkwürdige Figuren, bleibt ansonsten aber leider etwas farblos; Land of the Dead (2005) emanzipiert den Zombie weiter, was seine möglichen Denkleistungen anbelangt und spielt sogar dankenswerterweise mit der Aussicht auf eine Aussöhnung zwischen Lebenden und Untoten, doch die Hinführung zu diesem Moment kommt mir persönlich zu holprig daher; und Diary of the Dead (2008) hat außer des interessanten Quasi- bzw. Pseudodokumentarischen ehrlich gesagt nicht viel zu bieten.

Moment? Soll das heißen, ich hasse Romero am Ende? Nein, absolut nicht. Ich schätze ihn sogar ungemein, nur eben für einige seiner anderen Filme. Für Creepshow (1982), die perfekt gelungene Hommage an Horrorcomics aus den Fünfzigern (und die mich wegen meiner eigenen Sozialisierung nach wie vor auf äußerst angenehme Weise an Gespenstergeschichten respektive Spukgeschichten erinnert). Für Monkey Shines (1988), weil er es erstens schafft, etwas an sich ungemein Putziges wie ein Äffchen als tödliche Gefahr darzustellen, und weil er zweitens ein Lobgesang auf die Fähigkeit des menschlichen Geistes ist, über körperliche Einschränkungen hinauszuwachsen. Für The Dark Half (1993), da ich wahrscheinlich nie, nie, nie vergessen werde, wie sich in der OP-Szene mitten im Hirn des Protagonisten das Auge dessen teilabsorbierten Zwillings öffnet. Und natürlich ganz besonders dafür, dass ich ohne ihn Die Zombies womöglich nie geschrieben hätte. Allein dafür ist ihm mein unendlicher Dank gewiss.

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