Donnerstag, 25. März 2010

Menschen, Tiere, Sensationen: Leipziger Buchmesse (Teil 3)

Der Freitag begann mit einer großen Erleichterung: Der Moops lieferte die passende Idee, wie unsere Lesung aus „Die Zombies“ jugendfrei und noch dazu etwas reißerischer zu gestalten war. Wir haben uns für die erste Interviewstelle aus dem Roman entschieden, die zwar gruselig, aber nicht blutig ist, um sie mit verteilten Rollen zu lesen, wobei unsere Fee dankenswerterweise in die Rolle der Zombieforscherin Lily Young schlüpfte. Schee war’s ... (unter anderem, weil ich beim Über-den-Buchrand-linsen diverse bekannte Gesichter wie etwa das der hinreißenden Ursula entdeckte, die mit ihrem Jugendthriller Erebos hundertprozentig einen durchschlagenden Erfolg erleben wird).

Noch schöner war das anschließende Signieren: Da wurde tatsächlich von einem jungen Herrn sehr sympathisch nach einer Fortsetzung der Zerrissenen Reiche angefragt (der Reihentitel war ihm entfallen, aber er kannte den Namen der Hauptfigur), und ein netter Herr ließ sogar ein echtes Frühwerk von mir – Fuchsfährten, mein erster und bislang einziger Ausflug nach Aventurien – für eine Freundin von sich vollkritzeln. Weniger stolz war ich darauf, dass ich der charmanten Begleiterin von Frank Rehfeld keine Autogrammkarte überreichen konnte (der bittere Preis des Ruhms ... aber wir haben uns darauf geeinigt, dass ich von zuhause etwas Nettes auf den Weg bringe).

Ansonsten freuten wir uns über zahlreiche wunderbare Begegnungen. Wie etwa die zwischen der Fee und Falko „mit den Affenarmen“ Löffler. Wir haben sie ihm sogar ein halbes Stündlein allein anvertraut und ohne sichtbare Gebrauchsspuren zurückerhalten – heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Mit Stephan Bellem konnte ich leider nur einige wenige Worte wechseln, was ich sehr bedauere: Bei nächster Gelegenheit werde ich mich wohl zwingen müssen, meine natürliche Scheu besser zu überwinden (was im Übrigen auch in Bezug auf Boris Koch, Bernd Perplies sowie Gero bzw. Mistkäferl von der Bibliotheka Phantastika gilt). Scheu vor großen Namen war aber auch angebracht, weil nun nach und nach die Granden der deutschen Fantasy eintrudelten, die nicht schon donnerstags angereist waren: Markus Heitz, Bernhard Hennen, Kai Meyer, Tom Finn und Karli Witzko beispielsweise. Tom war so freundlich, uns Kai Meyer vorzustellen, der sich als eingefleischter Fan von Italo-Zombie-Klassikern entpuppte (ob ihn unser "Die Zombies" erreicht hat, wissen wir aber nicht).
Ein anderer Tom – Tom Orgel, um genau zu sein – erwies sich als fachkundiger Diskussionspartner, und Christian Handel wird mir nicht nur wegen seiner spritzigen Art, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass er einem Uni-Freund unfassbar ähnlich sieht, fest im Gedächtnis bleiben.
Zur Auflockerung eine Messeanekdote, wie es um den Bildungsstand der Jugend in Sachen französischer Sprache bestellt ist: Unsere Fee stellte sich an einen Crêpes-Stand an. Hinter ihr zwei junge Frauen, die die Angebotstafel studieren.

Junge Frau 1: Ey, du, was isn das da ganz unten?
Junge Frau 2:
Ey Mann, bist du doof. Das is Chantré.

Die grausame Wahrheit: Nein, da steht Cointreau.
Merke also: If you got Cointreau, I got Chantré.

Der nächste Skandal ereignete sich am Piper-Stand, wo wir uns mit unserer Lektorin auf einen Plausch verabredet hatten. Die Lektion, die es dort zu lernen gab, lautet: Wenn das Fernsehen auftaucht, müssen alle ihre Stühle hergeben – selbst wenn es sich nur um Sat1 handelt. Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch. Unter anderem weil auch Regina (die bei Piper für das Internet verantwortlich ist) dabei war.

Ähnlich ausgelassen ging es beim abendlichen Montsegurtreffen in Apels Garten zu. Bei der Anfahrt hatte ich bei manchen Passantinnen im Sinne eines gelebten Geschichtsunterrichts zwar Mühe, ein „Na Mädels, Lust auf ein paar Devisen?“ zu unterdrücken, zeigte mich aber mit der Situation versöhnt, als ich feststellte, dass man in der Leipziger Innenstadt für schlappe 2,40 seinen Wagen die ganze Nacht parken kann. Das Treffen war so spaßig, dass selbst unsere sonst zögerliche Fee ernsthaft mit dem Gedanken spielte, sich unserem nächsten Ausflug zum großen Forumstreffen in Hessen anzuschließen. Schuld daran sind Susanne, Falko und Lisa – gut gemacht! Der Moops flirtete derweil mit sympathischen Österreicherinnen, darunter Claudia und Berta. Glücklicherweise hat er sich einigermaßen benommen, denn sonst hätte ihn die eine in einen Frosch verwandelt und die andere hätte ihm die Augen ausgeschnitten. Und da meint man immer, Männer würden sich grausame Geschichten ausdenken ...

(P.S. Teil 1; Teil 2; Teil 4; Teil 5 folgt!)

Kommentare:

SRB hat gesagt…

Jaja, wir Autoren sind schon ein (licht)scheues Völkchen. Mir ging es nämlich umgekehrt ähnlich. Da trifft man sich endlich persönlich und dann steht man da schüchtern rum. Muss noch zu nem Termin, kommt zurück, findet den Anschluss nicht gleich und zieht murmelnd von dannen, sich ein wenig darüber ärgernd, dass man die Gelegenheit nicht fester am Schopf gepackt hat. :)
Aber wir holen das ganz gewiss nach - das erste Beschnuppern blieb nämlich sehr positiv in Erinnerung :)

Tom, Stephan, Carsten und ich haben uns ja schon über die Möglichkeit unterhalten, dass wir Autoren zusammenlegen, und bei der nächsten Messe einen Stand mieten. Da stehen dann nur Stühle, Tische, eine Kaffeemaschine - und wer Bilder machen will, muss zahlen. So refinanziert sich das auch gleich wieder ;)

Tom hat gesagt…

@Thomas: Die Firma dankt herzlichst für die Blumen.
Da sieht man mal, wie urlaubsreif ich sein muss. Und ich war der Meinung, dass ich erst Samstag in Leipzig war und Freitag gearbeitet habe. Der Job tut mir echt nicht gut... *g*

Im Ernst, Es war zwar Samstag, aber nichtsdestotrotz hat mich die Bekanntschaft gefreut. Gern wieder. *g*

@SRB: Wir sollten die Idee echt nicht aus dem Kopf verlieren. Ein, zwei verranzte sofas dazu, vielleicht noch ne Kiste Junior-Wasserflaschen, schönes Absperrband drumherum und "Bitte weitergehen. Hier gibt es nichts zu sehen." Schilder (sowie solche mit dem Hinweis, dss es eventuelle Autogramme nur außerhalb gibt, damit Brnhard auch mal die Hand ausruhen darf...) - die Idee hat noch immer Einiges an Charme.