Mittwoch, 24. März 2010

Menschen, Tiere, Sensationen: Leipziger Buchmesse (Teil 2)

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Messegelände, das insgesamt den Charme eines Weltregierungspalasts aus einem Scifi-Streifen der späten Siebziger verströmt. In der zentralen Glasröhre herrschten gefühlt 40 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von geschmeidigen 95 % (die Lage änderte sich um die Mittagszeit, als die Messeleitung begriffen hatte, dass es der erste angenehm warme Frühlingstag des Jahres werden würde, und daher die Lüftungsschlitze öffnete).

Unser erster Anlaufpunkt war der Stand von Werkzeugs in Halle 2 (liebevoll auch die Freakhalle genannt, da sie neben Kinder- und Jugendbuch vorrangig Comics, Rollenspiel und Fantasy gewidmet war). Der Stand selbst lag ausgesprochen günstig, nämlich unmittelbar am Rand der Fantasy-Leseinsel, sodass das geneigte Publikum beim Zuhören zwangsläufig die Bücher im Blick hatte, aus denen gerade gelesen wurde. Verkaufstechnisch optimal.
Bei unserer Annäherung an den Stand war vom Boden der Leseinsel alldieweil nichts zu sehen, da die Örtlichkeit einer Zwergeninvasion der besonderen Art zum Opfer gefallen war: Offensichtlich verhält es sich so, dass jede Schulklasse Leipzigs einmal über die Buchmesse gepeitscht wird – und das gilt auch für die Klassen 3 bis 5. Folglich sah sich die bezaubernde Nicole Schuhmacher einer Masse Neun- bis Elfjähriger gegenüber. Vor allem die vorderen Reihen hingen gebannt an ihren Lippen – ein bisschen musste man an Kaninchen und Schlangen denken. Besagter Anblick löste ein gewisses Unwohlsein in mir aus, was meine Lesung am Folgetag anbelangte: Welche Stelle liest man aus „Die Zombies“, ohne sich hinterher von einer schockierten Pädagogin anraunzen lassen zu müssen, man habe die lieben Kleinen absichtlich mit Splatterszenen für immer verdorben?

Wir stärkten uns zunächst bei den tapferen Werkzeugslern, die sich den Messestress nie anmerken ließen und durch die Bank weg auch ordentlich was fürs Auge boten, mit Kaffee. Neben dem Anblick vorzüglich gekleideter Damen kam ich in den Genuss, zum ersten Mal live einem Mann zu begegnen, der in der Hocke ungefähr so groß ist wie ich im Sitzen, wie dieses Foto belegt (Das Foto hat übrigens die liebe Frau Bottlinger gemacht, s.u.). Sven, (rechts im Bild) fiel die Aufgabe zu, die lesenden Autoren zu betreuen, und hierzu gehörte auch, einen darauf hinzuweisen, wenn man gerade überzog – es stellte sich heraus, dass eine halsabschneidende Geste von einem Zwei-Meter-plus-Hünen eine sehr eigene, zielführende Wirkung entfaltet.

Zudem hatten wir die Gelegenheit, die faszinierende Andrea Bottlinger einmal persönlich kennenzulernen, die uns mit ihren klugen Kommentaren zur deutschen Fantasy-Szene stets zu erfreuen weiß. Der Moops nutzte die Chance, Stephan Askani von Klett-Cotta zur Veröffentlichung von Oliver PlaschkasDie Magier von Montparnasse“ zu beglückwünschen, während ich Christoph Hardebusch und Natalja Schmidt Hallo sagte, denen der Moops Herrn Askani schamlos entrissen hatte. Glücklicherweise zählen Christoph und Natalja zu den umgänglichsten Personen, die mir je untergekommen sind, weshalb das Vorpreschen des Moops nicht mit einem Stupser mit der zusammengerollten Messezeitung bestraft wurde.

Nach einem sehr freundlichen und sehr erhellenden Gespräch mit Carsten Polzin von Piper zogen wir uns in unser Domizil zurück, das wir noch einmal kurz verließen, um dem El Torro inen zweiten Besuch abzustatten. Was ich dort gelernt habe? Dass Spareribs ab einer Grundfläche von circa einem Quadratmeter nach Verzehr ein gewisses Magengrimmen mit sich bringen.

(P.S. Teil 1; Teil 3; Teil 4; Teil 5 folgt!)

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