Dienstag, 23. März 2010

Menschen, Tiere, Sensationen: Leipziger Buchmesse (Teil 1)

Der Aufbruch gen Leipzig erfolgte mittwochs um die Mittagszeit – mit dabei waren der Moops, die Fee und meine Wenigkeit. Das Auto ächzte dementsprechend unter seiner schweren Last, und ich habe unser Fahrzeug auch im Verdacht, unser Navi auf unerfindliche Weise dazu bewegt zu haben, uns die ersten zwei Stunden von der Autobahn fernzuhalten. Dafür kamen wir in den Genuss, gemächlich die B4 hinunterzugondeln. Besonderes Highlight waren die Wohnmobile, die in regelmäßigen Abständen an den Einfahrten zu Waldwegen geparkt waren und in denen Damen aus dem ältesten Gewerbe der Welt ihre Dienste anboten. Es bot sich also genügend Gesprächsstoff zu Themenkomplexen wie „Wie setzt sich die Kundschaft zusammen?“ und „Wer sorgt dort für die nötige Sicherheit der Damen?“. Zugleich stellten derlei Diskussionen eine Einstimmung auf Leipzig und die Messe dar, weil – wie sich die Älteren vielleicht erinnern – Messeprostitution zu DDR-Zeiten nichts Ungewöhnliches war.

Was den Ersteindruck der Stadt anbelangt, bleibt festzuhalten, dass man sich auf den Nebenstraßen ein bisschen wie auf Safari vorkommt, da man sich zwar nicht im Schritttempo durch ein ausgetrocknetes Flussbett vorkämpft, aber sich diesem besonderen Gefühl aufgrund der hohen Schlaglochfrequenz dennoch annähert.

Unsere Unterkunft gab keinerlei Grund zur Beanstandung und nach dem Kofferausräumen unternahmen wir eine Exkursion in ein angeblich mexikanisches Restaurant namens El Torro (kein Tippfehler), das wir auf der Herfahrt erspäht hatten. Die Betreiber erwiesen sich als Nicht-Mexikaner, was dem Essen insgesamt nicht schadete. Die sehr freundliche und unterhaltsame Wirtin klärte uns übrigens darüber auf, dass in manchen Leipziger Stadtteilen die Leute Blumen in die Schlaglöcher pflanzen, um auf den Missstand kaum passierbarer Straßen hinzuweisen. Volksbegehren per Aufforstung, sozusagen.

Etwas verwundert zeigten wir uns über eine Zeitschrift, die neben der Garderobe auslag: Militär & Geschichte (den Link spare ich mir ... ) . Mit großem Genuss informierten wir uns über die angeblich hohe Integrationskraft des Eisernen Kreuzes fürs deutsche Heereswesen und die Feinheiten der Ardennenoffensive. Als uns die Wirtin dabei bemerkte, gestand sie etwas verschämt, das Magazin würde stets von einem ihrer Stammgäste hinterlassen werden. Nun ja, solange es nicht Der Landser (auch dieser Link wird eingespart) ist ...

Während die Tortillas in unseren Mägen aufzuquellen begannen, schleppten wir uns zurück ins Hotel. Unterwegs passierten wir ein stacheldrahtzaunbewehrtes Gebäude, das auf den ersten Blick dem Verfall preisgegeben worden war. Zehn Schritte weiter erkannten wir, dass es sich um eine Polizeistation handelte. Falls die Leipziger gerade im Begriff sind, eine der in Vergessenheit geratenen Forderungen der Ur-Grünen – „Für eine Gesellschaft ohne Polizei und Militär“ – in die Tat umzusetzen, sind sie zumindest in Schönefeld insgesamt auf einem ganz guten Weg. Das Militär wurde in Magazinform gebannt und die Polizeistation übersteht wahrscheinlich den nächsten Winter nicht.

Ein gutes Omen für den Messebesuch? Man würde sehen ...

(P.S. Teil 2; Teil 3; Teil 4; Teil 5 folgt!)

1 Kommentar:

_mathilda_ hat gesagt…

Das liest sich wie ein Ausflug in die weite, fremde Welt. Dabei seid Ihr doch mitten in Deutschland - sollte man meinen ;)

Mit dem Navi würd ich übrigens ein ernstes Wörtchen reden. Die grobe Richtung kennt man ja meist, und wenn das Navi von meinen Ideen abweicht, dann wirds einfach überstimmt. Nach drei oder vier Neuberechnungen fügt es sich dann meiner Überlegenheit - und ist schneller am Ziel wie bei dem Weg, den es sich selber ausgesucht hat...

Ich bin schon gespannt auf Teil 2!