Mittwoch, 31. März 2010

Hinein ins pralle Goth-Vergnügen: Die Judassohn-Tournee

Letzten Dienstag hatten wir die großartige Gelegenheit, den geschätzten Kollegen Markus Heitz dabei zu beobachten, wie man ein Buch ordentlich promotet. Anlässlich des Erscheinens seines neuen Vampirromans Judassohn zog er in einem Nightliner kreuz und quer durch die Republik – und er war dabei nicht allein. Zu seinen Begleitern zählten die Band Persephone, die Tänzerin Asherah Latifa sowie ein Team der unentwegten Fantasyvoranbringer von Werkzeugs. In Hamburg wurde in der Markthalle Halt gemacht, und mit einer Fantasylesung mal so eben 80 Leute anzuziehen, die die Räumlichkeiten angenehm füllen, muss man auch erst einmal schaffen. Vorherrschende Garderobenfarbe war – wenig überraschend – schwarz.
Über zweieinhalb Stunden dauerte die Show, die keine Wünsche offen ließ. Das Bemerkenswerteste: Was leicht zu zusammengeklittertem Stückwerk aus Lesung, Tanz und Musik hätte werden können, erwies sich als rundum gelungene Mischung, in der die drei Teilaspekte perfekt miteinander verzahnt waren. So spiegelten die Texte der Band ebenso wie die Tänze gekonnt die in den vorgetragenen Buchabschnitten umrissenen Themen wider.

Es folgen einige Beobachtungen, die mir besonders im Gedächtnis haften geblieben sind:

- Ein Vortrag wirkt menschlicher und macht den Vortragenden umso sympathischer, wenn es ab und an einen winzigen Haspler gibt, über den der Betreffende auch selbst schmunzeln kann.

- Das Wörtchen Fotze löst nach wie vor Reaktionen beim Publikum aus (meist ein charakteristisches Kichern, bei dem das im Kopf abgespulte „Hihi, der Mann da vorn hat gerade Fotze gesagt“ deutlich zu hören ist).

- Mikrophone, wie sie Britney Spears dereinst weltberühmt gemacht hat, wirken an einem schwarzgekleideten Hünen geradezu possierlich.

- Bauchtanz kann tatsächlich sexy sein (vor allem wenn Fächer und Dolche dabei im Spiel sind).

- Es gibt wirklich noch Männer, die pikiert zu Boden schauen, wenn eine Frau auf der Bühne sich weit nach vorne beugt, um in voller Absicht ihr sehenswertes Dekolleté zu präsentieren. Besonders schön ist es, wenn man einen von ihnen auch noch persönlich kennt und es sich dabei um den Leadtester für Drakensang: Am Fluss der Zeit handelt.

Spaß beiseite: Auch wenn Markus Heitz bei manchen Altgranden der deutschen Fantasyfanszene nicht unumstritten ist, gebührt ihm meines Erachtens nach höchster Respekt. Ein Unterfangen wie diese Tour ist beileibe kein Selbstgänger, sondern eher ein Zeichen für den ungebrochenen Mut, Risiken einzugehen und Neues auszuprobieren – eine Eigenschaft, die ganz und gar nicht selbstverständlich ist.

P.S. Ein weiteres Highlight des Abends für uns bestand darin, dass wir die bezaubernde Gesa Schwartz nebst nicht minder bezauberndem Begleiter kennenlernen durften, die wir nachher noch auf einen Absacker auf die Schanze entführten - von ihr stammt übrigens auch das obige Foto.

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