Freitag, 19. Februar 2010

Untoter Freitag: The Walking Dead & Marvel Zombies

2003 erschien bei Image die erste Ausgabe einer Comicreihe, die sich inzwischen zum definitiven Zombiecomic überhaupt gemausert hat: The Walking Dead von Robert Kirkman (Text) und Tony Moore (Bild). Daran hat auch der frühe Ausstieg von Moore (er lieferte allerdings noch Cover bis Band 24) nicht das Geringste geändert. Warum?

The Walking Dead macht das, was jede gelungene Darstellung einer Zombiekalypse macht: Sie stellt mehr oder minder gewöhnliche Menschen in den Mittelpunkt der Handlung und treibt die armen Leutchen von einem moralischen Dilemma ins nächste. Splattereinlagen kommen allerdings auch in The Walking Dead nicht zu kurz, und Kirkmans Umgang mit seinen Figuren als grausam und unerbittlich zu beschreiben, wäre sogar noch tiefgestapelt. Da wird verstümmelt, gefoltert, gemordet, vergewaltigt und so weiter und so fort – er greift dabei das klassische Genremotiv auf, das das, was Menschen Menschen in Extremsituationen antun, verglichen mit dem, was die Zombies mit ihrer Beute anstellen, beinahe gnädig erscheint.

Wo wir gerade bei klassischen Elementen sind: Kirkman ist nach eigenem Bekunden stark von Romero inspiriert, was nun auch beim besten Willen nicht zu übersehen ist. Das fängt damit an, dass wir es mit einem Comic in Schwarzweiß zu tun haben, und reicht bis zum Verhalten der Zombies, die hier recht langsam durch die Gegend schlurfen.

Dass der Ausgangspunkt des Plots nahezu deckungsgleich den Einstieg von 28 Days Later abbildet – der Protagonist verpennt im Koma den Ausbruch der Zombieseuche –, tut dem Vergnügen keinerlei Abbruch, weil Kirkman die Handlung in einem angenehmen Tempo vorantreibt und seine Opfer von einer vermeintlich sicheren Zuflucht in die nächste führt, die sich dann – wie nicht anders zu erwarten – als Hort noch größeren Unglücks erweist.

Die immense Popularität von The Walking Dead (das uns wahrscheinlich demnächst auch als TV-Adaption ins Haus steht, ausgestrahlt bei AMC, dem Sender, der uns das fulminante Mad Men beschert hat) resultierte schließlich darin, dass sich auch der US-Branchenprimus Marvel daran versuchte, Zombies für sich nutzbar zu machen. Die verwendete Formel ist an sich keine Überraschung: Man mixe einfach Zombies mit Superhelden und fertig ist das Ding (wofür Kirkman ebenfalls den Plot beisteuerte). Bedauerlicherweise hat mich Marvel Zombies nie so richtig überzeugen können, was zum einen daran liegt, dass die zombifizierten Helden und Schurken aus einer der zahlreichen Neben/Parallel/Abspaltungswelten im weitverzweigten Marvel-Universum stammen und mir ihr Schicksal aus ebendiesem Grund – pardon – absolut am Arsch vorbeigeht. Zum anderen stumpft man gegenüber dem Reiz, mal einen Zombie-Spidey oder Hulk zu sehen, dann doch erstaunlich schnell ab, unter anderem auch deshalb, weil Kirkman sich bei mir schwer tat irgendwelche Sympathien für seine immerhungrigen und in weiten Teilen vernunftbegabten Zombies zu erzeugen (dass er das Superheldenhandwerk eigentlich dennoch draufhat, belegt meines Erachtens seine tadellose Arbeit an den Ultimate X-Men). Da hilft auch das Crossover mit Army of Darkness und der mittlerweile vollzogene Autorenwechsel nichts: Mir schmecken die Marvel-Zombies einfach ein wenig zu fad. Schade drum, weil ich sowohl Superhelden als auch Zombies als waschechter Geeks natürlich beide gleichermaßen sklavisch verehre. Nun ja, vielleicht klappt’s ja im nächsten Versuch...

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