Freitag, 12. Februar 2010

Untoter Freitag: "Anti-Zombie" und "Pro-Zombie"

So, nun also zu den Ärzten. Auf ihrem Doppelalbum Geräusch liefern sie gleich zwei Tracks zum Thema Zombies ab und da wir es scheinbar mit geschulten Dialektikern zu tun haben, wird einmal für und einmal gegen die lebenden Toten Position bezogen. Ich halte mich an die auf dem Album vorgegebene Reihenfolge und beschäftige mich zunächst mit Anti-Zombie.

Tja, was soll man dazu sagen? Musikalisch geht das Stück ziemlich steil (inklusive Samples von allerhand Ballergeräuschen), und textlich ist es offenkundig der Liebe zum Trash verpflichtet. Das beginnt mit einem blitzsauberen Zitat aus der deutschen Fassung der Romero’schen Dawn of the Dead-Version: „Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde“, heißt es da aus berufenem Mund (und ähnlich wie bei der Figur, die diesen Satz im Film spricht, kommt der Großvater unserer Protagonistin Lily aus Die Zombies passenderweise aus Trinidad).

Karibisches Flair sucht man ansonsten in Anti-Zombie vergebens. Was man allerdings zuhauf findet, sind die üblichen Überlebenstipps im Falle einer Zombiekalypse („Hast du keine Knarre, rate ich dir: Lauf!“, „Ziel auf den Kopf! Keine Gnade!“). Die Untoten verhalten sich hier exakt so, wie es den Erwartungen entspricht, ein Sachverhalt, der in der Zeile „Sie wandern stumpf durch die Botanik“ sehr schön eingefangen wird.

Das folgende Pro-Zombie erweist sich dann leider nicht als beherztes Parteiergreifen für den Verzehr von Hirn, sondern als typisch Urlaub’sches freies Assoziieren, das in diesem Fall von der Prämisse „Wenn ich ein Zombie wär“ ausgeht. Urlaub, bei dem es sich um einen sehr positiv denkenden Menschen zu handeln scheint, sieht im Zustand des Untods dann auch nur Vorteile, die größtenteils den Zwängen des Reimens geschuldet sind (wie etwa der Verzicht auf einen Kombi). Wenn das (Un)-Leben doch nur immer so einfach wär ...

Jedenfalls outeten sich die Ärzte mit beiden Stücken unverkennbar als Genre-Freunde – eine Vorliebe, der sie dann ein paar Jahre nach Geräusch im Video zu Junge auch endlich visuell frönen. Ich hoffe doch sehr, dass das noch nicht der Gipfel der Zombiehuldigung seitens der Ärzte gewesen ist (so ist die Band für mich ein heißer Kandidat für das Abliefern einer rundum gelungenen, hübsch tragischen Zombieliebesballade – man wird ja wohl noch träumen dürfen).

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