Dienstag, 16. Februar 2010

Remix

Angesichts der leider schon wieder etwas abebbenden Debatte über Sharing-Kultur im, über und durch das Internet und wie sich dieses unverkennbare Indiz spätrömischer Dekadenz in einer fundamental transformierten Literatur Bahn bricht wie ein Bauarbeiter im Darkroom, der uns – das kollektive Wir – stundenlang ins Maul (oder ins Ohr oder in die Augen) fickt, bis uns der Rachen (das Trommelfell bzw. die Netzhaut) schon ganz wund ist, werfe ich folgenden Beitrag in den virtuellen Raum:

2010, 23:35 Uhr
In einem schwarzgestrichenen, voll krass auf Existenzialismus und Verweigerungshaltung getrimmten Zimmer (mit Sartre-Postern und so) fläzt sich Phist (wird demnächst 18, ist aber in seiner Entwicklung echt ganz weit vorne) auf seiner Klappcouch von IKEA, ein extrem flaches Netbook auf dem Schoß.

Phist:
Ey, Alter, jetzt mal echt! Da studier ich Jura,
Philosophie im Nebenfach, brech vorm ersten Staatsexamen ab und wechsel auf Germanistik,
(und früher war ich auch mal Messdiener und bin da derbstens befummelt worden)
geb mir also das fiese Vollbildungs-Komplettprogramm bis zum Kotzen (immer schön runter mit der schwarzen Milch der Frühe, ja?),
und dann – Newsflash! – lunger ich trotzdem hier nur rum
und komm mir vor wie eine von den Schnallen aus Germany’s Next Topmodel! (Schärfer als die Realität!)
Hab nen Magister gemacht und sogar nen Doktorandenstipendium draufgepackt,
und geb jetzt quasi zum Nulltarif ein verficktes Seminar nach dem anderen –
mal über den einen Scheiß, mal über den anderen Müll – (Intertextualität, Foucault, Gender)
und spei meinen Armen Studis meine Hirnkacke in die Fresse.

Und unterm Strich kommt raus: Ich bin die Totalnull, wie alle anderen auch.
Da könnt ich glatt 'n infernoheißes Burnout von kriegen.
Okay, mal halblang, verglichen mit den anderen bin ich vielleicht doch ne mickrige Eins (die Ägypter kannten die Null nicht – wussten Sie’s?),
mit den ganzen Bachelorn und Mastern, Hegemanns und Ratzepäpsten;
Ich mein, ich zahl keine Steuern und geh auch nicht wählen (aber wenn, dann wahrscheinlich grün, trotz Kosovo),
und mein Motto is „Gott is doof“ –
Das Problem ist halt, dass da so rein funmäßig bei mir nix mehr geht (von wegen Spaßgesellschaft, ihr Hurensöhne),
weil ich immer Muffe hab, dass meine Birne leer is,
weil ich keinem was total Wahres beibringen kann (echte Werte und Originalität und Echtheit und so)
und weil ich die BonoMerkelDalaiLama-Gutmenschennummer eben auch nicht bringe.
Kohle is ebenfalls Fehlanzeige (Koks und Nutten, das wär porno!), 'n „von und zu“ hab ich nich vorzuweisen,
keine Sau kennt mich und alle halten mich irgendwie fürn Megaspack.
Ich bin voll das Opfer, ey! (Quasi wie Guido!)
Letzte Patrone gegen den alten Affen Angst: der ultimative Esoegotrip.
Mal checken, ob da was geht, als Tantramaulhure oder mit'm Buddha im Arsch,
Auf der achtspurigen Autobahn zur Erleuchtung;
Dann scheiß ich mich vielleicht nicht mehr ein,
wenn einer fragt: „Meinste das alles ernst?“.
Dann seh ich ihn vielleicht,
den Kitt der Quanten, den Pattex der Quarks (und der lässt sich auch bestimmt geil schnüffeln)
Dann seh ich den Schwanz und die Votze, die alles im Urknall angebumst haben (yeah, baby, yeah),
und bräucht mir keine Knoten in die Zunge mehr labern.

Keine Kommentare: