Mittwoch, 10. Februar 2010

Gelungene Abteileroberung

Anlässlich meines Ausflugs nach Berlin konnte ich beobachten, wie leicht es sein kann, ein für insgesamt sechs Fahrgäste eines Zuges gedachtes Abteil auch in kleinerer Gruppe oder gar gänzlich allein sicher in Beschlag zu nehmen. Nützliche Hilfsmittel und Methoden hierbei sind unter anderem:

1. Flatulenzen (gerne auch solche deutlich hörbarer Natur, aber auch leise und dafür umso aromaintensivere sind hervorragend geeignet, um Mitreisende in die Flucht zu schlagen).

2. Sich auf einer der Dreierbänke ausstrecken (Achtung: hochklappbare Armlehnen sind hier von immensem Vorteil), den Bauchansatz entblößen und gleichzeitig eine Hand dezent (also ungefähr bis zum Handgelenk) unter den Hosenbund schieben. Der Kopf zeigt dabei im Optimalfall natürlich Richtung Gang.

3. Einen strengen Scheitel tragen, die Deutsche Militärzeitschrift lesen und in unregelmäßigen Abständen Dinge wie „Im Sommer! Im Sommer muss man die Russen angreifen!“ murmeln oder schreien.

4. Die Mitnahme eines imposanten Haustiers (z. B. Dogge, Tigerpython oder unter Diarrhöe leidendes Minipig).

5. Lautstark und ohne Rücksicht auf Verluste ausgetragene Streitgespräche zur Klärung intimer Beziehungsfragen („Du hast es mir doch eh noch nie richtig besorgen können, du Schlappschwanz!“; „Ich schwöre dir, dass ich nie was mit deiner Schwester hatte. Ich liebe doch nur dich, Mama!“; „Du musst aber auf mich warten, ja? Bei guter Führung sind es doch nur sechs oder sieben Jahre, bis ich wieder raus bin.“)

1 Kommentar:

_mathilda_ hat gesagt…

Da lobe ich mir die Fußabdruck-vergrößernde Individualmentalität. Weniger stimulierend eventuell, aber definitiv entspannender :)