Mittwoch, 6. Januar 2010

Willkommen in der Zukunft

Nur mal eben auf die Schnelle ein paar Worte zum überstandenen Jahreswechsel. Nun schreiben wir also das Jahr 2010 (uns bleiben also nach dem Biene-Maja-Kalender noch knapp zwei Jahre, bis die Hornissen einfallen). Als Kind bin ich mit allerlei Scifi-Visionen großgeworden, die mein Bild von der Zukunft (in der ich ja nun mittlerweile lebe) geprägt haben. Zeit also für eine kleine, persönliche Bestandsaufnahme.

Was vermisse ich beim Abgleich zwischen kindlicher Erwartung und Wirklichkeit? Hier die Top 3:

1. Nahrungsmittel in klaren, geometrischen Formen. Abgesehen vom Toasty ist in dieser Hinsicht viel zu wenig passiert (und wo bleibt überhaupt das von selbst nachwachsende Fleisch aus dem Genlaborbottich?).

2. Meinen persönlichen Gleiter/Schweber/Antigrav-Dingsbums. Was haben wir stattdessen? Den Segway. Der Gleiter ist für mich von besonderer Bedeutung, da ich nicht sonderlich gerne fliege, was – wie bei vielen anderen Leuten auch – etwas mit meiner Angst vor Kontrollverlust zu tun hat. Ich vertraue mein Leben ungern einem anderen Menschen an (und dass ich Leute kenne, die bei Fluggesellschaften tätig sind und gerne „lustige“ Geschichten über trinkfreudige Piloten zum Besten geben, hilft da auch nicht gerade).

3. Das Maschinenheer, das es uns erlaubt, uns den schönen Dingen des Lebens zu widmen (beispielsweise in luftig wehenden, weißen Roben durch sonnenlichtdurchflutete Gänge zu wandeln und uns über eine ferne und für uns unverständliche Vergangenheit zu unterhalten, in der Menschen Hunger litten und Kriege führten). Staubsaugende Roboter, wie wir sie heute schon haben, sind da zumindest ein ganz brauchbarer Einstieg.

Worauf kann ich bei genanntem Abgleich dankend verzichten?

1. Die Zombiemutantenhorden, vor denen sich die Menschheit unter die Erde geflüchtet hat.

2. Schmackhafte Ersatznahrung, die unter anderem aus den sterblichen Überresten netter, belesener Opas gewonnen wird.

3. Den ultratotalitären Überwachungsstaat (hoppla, das könnte ja doch noch was werden).

So viel zu 2010. Da ich immer noch nicht genügend Leute im dritten Band der Zerrissenen Reiche gemeuchelt habe, ist meine Zeit etwas knapp bemessen, doch ich möchte zumindest darauf aufmerksam machen, dass jemand endlich eine Antwort darauf gefunden hat, weshalb deutsche Autoren einfach keine ordentliche Fantasy hinkriegen (insbesondere im Vergleich mit ihren angloamerikanischen Kollegen): Die Nazis sind schuld. Und wieder eine Lieblingsausrede mehr, die ich bringen kann, wenn man mir mal wieder wer die Frage stellt, warum ich eigentlich nur Schrott fabriziere. Zum Abschluss noch ein paar unhaltbare Zustände, bei denen wahrscheinlich die Nazis die Hände im Spiel hatten:
- Dass das Butterbrot immer auf der bestrichenen Seite landet, wenn es herunterfällt.
- Nenas buschiges Achselhaar in den Achtzigern.
- Die Achtziger als Ganzes.
- Dass Deutsche einfach nicht tanzen können.
- Dass es für die Herren-Fußballnationalmannschaft 2006 nicht zum Titelgewinn im eigenen Land gereicht hat.

Und nun noch ein Nachtrag in eigener Sache: Amazon hat inzwischen „Die Zombies“ gelistet, und um dieses epochale Ereignis gebührend zu feiern, führe ich den untoten Freitag ein. Will meinen: Ab jetzt gibt es an dieser Stelle immer freitags ein paar mehr oder minder zusammenhängende Gedanken zu einigen Vertretern des Zombiegenres aus diversen Medien von mir. Zumindest so lange, bis ich die Lust daran verliere und den englischen Mittwoch (oder etwas vergleichbar Bizarres) ausrufe.

Kommentare:

Andrea hat gesagt…

Es war doch schon immer klar, dass die Nazis an allem schuld sind. Wahrscheinlich auch an der Klimaerwärmung. Das waren die Abgase der Reichsflugscheiben.

advdiaboli hat gesagt…

Also erst einmal ein Dank für den Link.

Ja, natürlich und egal ob Autor, oder Politiker oder Journalist, wenn die Nazis nicht regelmäßig schuld sind, was würden wir dann machen?

Ich warte allerdings noch darauf, dass sich jemand beschwert, dass die nur per Proxy schuld sind, was ja ma gar nicht geht.

Ole hat gesagt…

Hoi Adv,

nach längeren Gesprächen sowohl mit Thomas als auch mit Andrea drängt sich mir immer mehr der Verdacht auf, dass die Fantasy nicht schwach in Deutschland ist, sondern stattdessen stark in den anglophonen Ländern. Denn der Blick über die deutschen Grenzen offenbart bei unseren Nachbarn ein deutlich tristeres Bild als bei uns.
Es wird also umgekehrt ein Schuh daraus: Man muss sich nicht nach Gründen für die deutsche Schwäche, sondern nach Gründen für die englischsprachige Stärke suchen.
Beste Grüße, Ole

Stephan hat gesagt…

Ich vermute ja, v.a. die Briten sind mutiger beim Experimentieren. Gerade von der Insel kommen doch immer wieder überraschende herüber, die es auf anderem Weg in Deutschland wahrscheinlich nie geschafft hätten. Dazu kommt sicherlich noch das höhere Ansehen der Fantasy im angelsächsischen Raum. Wir dagegen pflegen lieber unsere herzerfrischende "Tradition angestrengter Literatur" (Zitat advdiaboli). Auch schön, aber eben anders.

Nur mit den USA würde ich uns nicht vergleichen. Mit knapp 220 Mio. mehr Einwohnern als wir, sollten die doch den ein oder anderen guten Roman hinbekommen.

PS: Immerhin haben die Nazis die Autobahnen gebaut
(...jeden Morgen ein Grund mehr, die Nazis zu hassen)

Ole hat gesagt…

Hoi Stephan,

den englischen vom amerikanischen Markt zu trennen finde ich aufgrund der geteilten Sprache schwierig - ähnliches gilt aber mbMn auch für den deutschen, schweizer und österreichischen Markt innerhalb eines Genres.

Zwar sind der britische und der amerikanische Markt aus Sicht der Lizenzen und daher auch der Verlage getrennt, aber die kulturellen und sprachlichen Überschneidungen gleichen schon vieles aus.

Ein Beleg dafür ist, dass ein distinkten Fantasy-Genre erst nach dem Erfolg Tolkiens in den USA entsteht, sich dann aber in Windeseile auch auf die UK ausbreitet.

Beste Grüße, Ole