Freitag, 15. Januar 2010

Untoter Freitag: Dead Set

Es gibt einen guten Grund, nach England umzusiedeln, und das ist die verglichen mit dem, was hierzulande geschieht, wesentlich ausgeprägtere Experimentierfreude der Fernsehmacher. Dead Set ist ein hervorragendes Beispiel hierfür: Mit der Grundidee des Plots dieser fünfteiligen Serie – Zombieseuchenausbruch in England, während gerade eine Staffel Big Brother läuft, was die gewohnt etwas dumpfbackigen Bewohner des Containerdorfs schnell zu einzigen (?) Überlebenden werden lässt – ließe sich in Deutschland voraussichtlich kein Staat machen.

Es sei denn, man zerrte das Ganze gewaltsam in Richtung Comedy, was Dead Set nun beim besten Willen nicht ist. Sicher gibt es Szenen, die einem zum Lachen bringen, aber spätestens wenn jemandem mit einem Feuerlöscher der Schädel nicht nur ein-, sondern gleich zu Brei geschlagen wird, oder wenn eine Leiche zerhackstückt wird, um als Zombielockmittel zu dienen, fällt das Lachen ein bisschen erzwungener aus. Und das ist auch der Zeitpunkt, an dem man den vor jeder Folge in typisch britischem Understatement eingeblendeten und zunächst vielleicht belächelten Warnhinweis, die folgende Sendung könnte Szenen enthalten, welche von einigen Zuschauern als verstörend oder schockierend empfunden werden könnten, zu würdigen weiß.

Seine Glanzpunkte setzt Dead Set allerdings schon in genau jenen Momenten, in denen das Schreckliche und das Komische auf nicht minder verstörende und schockierende Weise zusammenfallen – so etwa, wenn der schmierige Produzent der laufenden Staffel sich auf der Herrentoilette an einem rollstuhlfahrenden Zombie vorbeizwängen muss, wobei die Figur derart durchgängig als Arschloch gezeichnet ist, dass man sich zwangsläufig fragt, ob ihr Ekel größer ausgefallen wäre, wenn der Mann im Rohlstuhl nicht zombifiziert wäre.

Selbstverständlich lässt sich Dead Set auch als Kommentar zur Verfasstheit der Mediengesellschaft auffassen, die Zuschauer wie geistlose Zombies behandelt, und den Ausbrauch der Seuche als späte Rache der dergestalt Malträtierten. Bietet sich an, muss man aber nicht zwingend tun, denn Dead Set funktioniert auch auf der vordergründigen Splatterebene ganz hervorragend.

Und nun bleibt noch die Hoffnung, dass es am Ende doch ein deutsches Remake geben könnte – sonst kupfern wir ja auch gerne bei den Engländern ab. Denn allein die Vorstellung, jemanden wie Zlatko oder Jürgen noch einmal unter etwas anderen Vorzeichen im Container zu sehen, hat durchaus ihren Reiz.

Charlie Brooker, der Hauptverantwortliche der Serie, verteidigt übrigens hier den Einsatz schneller Zombies gegenüber dem unter anderem aus Shaun of the Dead bekannten Simon Pegg auf sehr gelungene Weise. Nicht nur verweist er auf den produktionstechnischen Faktor, dass schnelle Zombies letztlich billiger sind als langsame. Er erwähnt zudem einige Stellen aus den Filmen von Altmeister Romero, in denen dessen Zombies sich nicht ganz konform zu jenem Bild verhalten, das die die meisten von uns von Zombies im Allgemeinen haben. Dass Brooker (der übrigens an der sehr sehenswerten Comedyserie Nathan Barley maßgeblich beteiligt war) aber eine Lanze für schnelle Zombies bricht und Pegg Rassismus vorwirft, nur um dann ein paar Sätze sprechende Zombies als dämlich zu bezeichnen, kommt mir insgesamt doch heuchlerisch vor. Ich kenne da einige Wandler aus unserem Roman, die darüber sehr, sehr beleidigt wären...

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