Freitag, 22. Januar 2010

Untoter Freitag: Dawn of the Dead

Was folgt, sind einige Gedanken zu Zack Synders Remake eines gleichnamigen Romero-Originals, das wahrscheinlich irgendwann später einmal drankommt. Warum das Remake zuerst? Vorsicht, Blasphemie: weil es mich stärker beeindruckt hat.

Eine Hobbythese des Moops ist es, dass Zack Snyder sich vorgenommen hat, sich in seinem filmischen Schaffen von Genre zu Genre zu hangeln, um jedes von ihnen genüsslich auseinanderzunehmen bzw. dessen herkömmliche Konventionen zu zerschlagen. Bevor Snyder mit 300 den Historienschinken und mit Watchmen das Superheldengenre beackerte (und ja, sowohl über den ästhetischen als auch den politischen Wert dieser beiden Streifen ließe sich trefflich streiten) und sich als nächstes dem Vernehmen nach den Animationsfilm für Kinder sowie die Urban Fantasy vornehmen will, bedachte er uns 2004 mit Dawn of the Dead.

Pluspunkte:

- Die fulminante Eröffnungssequenz. Auf etwas Minimalvorgeplänkel zwecks Einführung einer Protagonistin, deren Alltag als Krankenschwester und einer stereotypischen Vorstadtidylle, fällt das niedliche Töchterlein besagter Figur als schneller Zombie über den Papa her, der daraufhin die Mutti durch die Bude hetzt. Selten war die Spaltung einer Kernfamilie schneller abgehandelt und spannender in Szene gesetzt.

- Jake Weber als genreobligatorische Stimme der Vernunft, also der schmächtige Normaloschluffi, dem es irgendwie gelingt, für die Gruppe der Überlebenden eine Führungsrolle zu übernehmen. Weber vergammelt derzeit hauptsächlich in der TV-Serie Medium als Ehemann der Titelheldin. Schade um ihn ...

- Der Soundtrack. Richard Cheeses swingendes Disturbed-Cover von Down with the Sickness – die Kopie eines Kulturartefakts als Begleitmusik zu einem Film, der seinerseits die Kopie eines Kulturartefakts ist, also willkommen in der Postmoderne – passt hier wie die Faust aufs Auge, und People Who Died von der Jim Carrol Band wird auf faszinierend-verstörende Weise im Abspann eingesetzt: über Filmschnipseln aus einer Videokamera, die zeigen, wie die vermeintlich der Apokalypse entronnenen Figuren doch noch eine nach der anderen dran glauben müssen.

- Die kurze, aber äußerst unterhaltsame Szene, in der die Überlebenden auf dem Dach unter der Zombiehorde vor der Mall nach Untoten Ausschau halten, die Prominenten ähnlich sehen.

Minuspunkte:

- Die Nummer mit dem zombifizierten Baby. Ja, auch das ein Genreklassiker, doch ich fand diesen Handlungsstrang insgesamt nicht überzeugend genug in den Rest des Plots eingearbeitet. Außerdem nerven überbesorgte werdende Väter, ganz gleich, ob mit oder ohne Wumme in der Hand.

- Die minimal zu groß geratene Zahl an Nebenfiguren, was zumindest bei mir dazu führte, dass ich über einige der nur angerissenen Personen gern mehr erfahren hätte, bevor sie von den Zombies zerrissen wurden.

Neben 28 Days Later ist Snyders Version von Dawn of the Dead die zweite Dosis der Frischzellenkur gewesen, durch die das Zombiegenre vor einigen Jahren aus der B-Movie-Versenkung geholt wurde. Gut so ...

Kommentare:

Reitersmann hat gesagt…

Jake Weber: Hauptrolle in "Wendigo" von L. Fessenden. Der etwas andere Gruselfilm, ewiger Indi-Geheimtipp für die Freunde des Langsamen, Hochmysteriösen.

tomorgel hat gesagt…

Ganz wichtiger Minuspunkt:

Den gibt es nur, wenn man dummerweise das gleichnamige Buch Romeros gelesen hat. Das ist zwar auch kein Meisterwerk - aber um zwei bis drei Klassen besser als jede der Verfilmungen. Danach ist es (gut, wie bei den meisten Büchern) schwer, das Ding noch zu genießen.
Deswegen graut mir auch schon ein wenig vor der Verfilmung von Brook's "World War Z". aber ich lass mich natürlich gern eines besseren belehren.