Montag, 30. November 2009

Die Agenda Plischke

Wie versprochen hier nun also meine Agenda. Ich habe sie nach dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip erarbeitet (wir erinnern uns: „Wir machen uns die Welt, widde-widde-wie sie uns gefällt“). Damit stehe ich offenkundig nicht allein da, weil das Handeln weiter Teile der Gesellschaft nach genau diesem Prinzip zu funktionieren scheint.

Ich möchte also schleunigst eine Welt:
- In der sich alle bewusst machen, dass wir in ebendiese Welt hineingeworfen wurden, um dort im Schnitt (sofern man in einer westlichen Industriegesellschaft lebt) sieben bis acht Jahrzehnte zu verweilen, bevor der Abpfiff erklingt, und dass uns dieses Schicksal, so grausam es wirken mag, auf wundersame Weise eint. Wäre es unter diesen Umständen nicht schöner, brächten wir unsere Spielzeit damit zu, uns einander den Aufenthalt auf dieser Daseinsebene so angenehm wie nur irgend möglich zu gestalten, anstatt uns einander andauernd allerlei Übles anzutun?

- In der wir zähneknirschend akzeptieren, dass Menschen keine leicht zu normierenden Wesen mit identischen Befähigungen und Leistungspotenzialen sind.

- In der ich nicht länger mit realsatirischen Wortneuschöpfungen oder quasi-orwellschen Sinnentstellungen wie Wachstumsbeschleunigungsgesetz, Umweltprämie oder Friedensmission belästigt werde.

- In der weniger Menschen ihr persönliches Geschmacksurteil über dies oder jenes, das ihnen selbstverständlich unbenommen bleibt, als allumfassende Wahrheit begreifen, behaupten und verbreiten.

- In der wir uns der Einsicht stellen, dass wir samt und sonders selten wertekonsistent, sondern in der Regel eher widersprüchlich handeln.

- In der Modern Warfare 2 (sic!) nicht so scheißerfolgreich ist.

- In der im Internet bei Diskussionen grundsätzlich ein zivilisierter Umgangston herrscht.

- In der die Arbeit der Lobbygruppen, die es geschafft haben, die Begriffe ‚Wirtschaft‘ und ‚Gesellschaft‘ je nach Belieben und Bedarf entweder in unserem Denken völlig voneinander zu entkoppeln oder als absolut deckungsgleich zu behandeln, rückgängig gemacht wird.

- In der wir von der Vorstellung Abstand nehmen, die sogenannten Leistungsträger unserer Gesellschaft würden grundsätzlich vernünftiger, moralisch sauberer oder auch nur ansatzweise vertretbarer agieren als der Rest von uns.

- In der wir uns Gedanken darüber machen, ob ‚der Markt‘ naturgesetzartig gegeben und schicksalsgleich über uns gekommen ist oder am Ende womöglich doch eher so etwas Niederes wie eine kulturelle Errungenschaft des Menschen darstellt.

- In der die öffentlich-rechtlichen Sender nicht Gefahr laufen, endgültig zu Staatsfernsehen zu verkommen, und ganz nebenbei vielleicht noch die eine oder andere Sendung mit fiktionalem Inhalt produzieren, die mich als Zielpublikum einschließt.

- In der nicht gefühlt alle zwei Wochen die nächste Weltuntergangssau durchs Dorf getrieben wird, um ein permanentes Klima der Angst und der allgegenwärtigen Bedrohung zu erzeugen.

- In der Bildung in Deutschland nicht als billiges Wahlkampfthema missbraucht wird, wie es seit nunmehr 40 Jahren der Fall ist.

Das ist also in Ausschnitten die Welt, die ich mir gemacht habe. Zieht jemand bei mir ein?

Freitag, 27. November 2009

Fantasy abgefrühstückt

Hier findet man das Video zu einem TV-Ereignis der ganz besonderen Art: In der ZDF-Sendung Volle Kanne saßen Tanja Heitmann, Kai Meyer und Markus Heitz mit Moderator Ingo Nommsen beisammen und plauschten bunt zum Thema Fantasy.

Auffällig ist zunächst, dass ausgerechnet ein Sender mit einer überwiegend doch eher gealterten Zuschauerschaft eine erstaunlich faire und informative Nummer zustande gebracht hat, die sich allerdings eher an Fantasy-Unkundige richtete. Andererseits wäre man relativ blauäugig, idealistisch oder hoffnungsloser Träumer, wenn man sich in Sachen Genrespezifik hochrelevante Partikularerkenntnisse erwartet hätte, denn der eingefleischte Geek ist halt nun mal nicht Zielpublikum gewesen. Seien wir doch lieber froh, dass auch in den Einspielern mit Frank Weinreich und Sigmar Renn zwei präsentable Figuren zu Wort kamen (wenn auch nur in der üblichen Weise, wie Äußerungen für die Zwecke einer solchen Präsentationsform verhackstückt werden). Die alte Angst des Fernsehmachers, der geneigte Zuschauer könne bei einer Argumentation, die länger als 30 Sekunden in Anspruch nimmt, umgehend einnicken oder – schlimmer noch – Reißaus zum Nachbarsender nehmen, treibt in absehbarer Zeit so schnell wahrscheinlich niemand aus.

Natürlich werden die üblichen Fragen an die Autoren abgehakt: Wie wird man Autor? Was war dein erstes Fantasybuch? Warum schreibt ihr so dicke Bücher? (Letztere ist angesichts der eben erläuterten Angst des TV-Schaffenden quasi unumgänglich).

Insgesamt ist dieser Beitrag meiner bescheidenen Meinung nach indes hocherfreulich. Warum? Nun, weil zum Beispiel das völlig überstrapazierte und blödsinnige Wort ‚Eskapismus‘ nicht fällt. Ich habe mich ja bereits mehrfach darüber ausgelassen, weshalb dieser Vorwurf so gar nicht greifen will, und erspare mir deshalb lange Tiraden. Gut, es ist zwar ab und an die Rede von ‚Abtauchen‘ und einmal fällt dem mit drei Gesprächspartnern etwas überforderten Nommsen ein ‚Abdriften‘ aus dem Mund, aber ich will mal nicht so sein. (Apropos Nommsen. Eine meiner absoluten Lieblingsstellen ist die, in der er erzählt, was er an Fantasy-Welten gut findet, nämlich dass da alle Frauen immer so hübsch sind. Ich vermute mal stark, dass er früher Baywatch auch nicht wegen der packend-dramatischen Rettungsszenen gesehen hat. An Platz Zwei meiner Bestenliste steht der Moment, in dem er so lange herumnörgelt, um in Erfahrung zu bringen, wie viele Millionen verkaufte Bücher den nun mit ihm am Tisch sitzen, bis sich Markus Heitz endlich erbarmt und sich als waschechter Bestsellerautor outet – tja, wer lang hat, lässt eben lang hängen. Gut so! Weil eine einzige blöde Zahl hervorragend geeignet ist, um zu zeigen, dass Fantasy mittlerweile kein randständiges Freak-Ding mehr ist.)

Was sich dank eines obligatorischen „Gehen wir mal raus auf die Straße und fragen den deutschen Michel“-Schnipsels ebenfalls sehr gut beobachten ließ, war der Umstand, dass Fantasy-Affinität auch eine Generationenfrage ist. Entgegen der irgendwann im Verlauf des Gesprächs fallenden und für Menschen unter 40 wahrscheinlich weitgehend zutreffenden Behauptung, inzwischen wüsste jeder, was ein Ork ist (das hat Peter Jackson sauber hingekriegt), wundern sich Oma und Opa anscheinend weiterhin, was die jungen Leuten da wieder für Flausen im Kopf haben. Ork? Kenn ich nich, ham wa nich, kriegen wir auch nich wieder rein ... Das Stichwort lautet auch hier wieder: Zielpublikum.

Ein anderer Sachverhalt, den diese Sendung belegt, ist der, dass die Paranormal Romance (vulgo: der Vampirschlampenroman) in der Meinung der breiten Öffentlichkeit – ‚Schuld‘ daran ist der Meyers ihr Stephenie – nun untrennbar mit der Fantasy im Allgemeinen verbunden ist. Da kann man sich auf den Kopf stellen und mit dem Arsch Mücken fangen – der Zug ist abgefahren. Es gibt wahrlich Schlimmeres auf der Welt ...

Also: Alles in allem sehenswert, auch wenn man das Video vielleicht nur kurz anklickt, um den Leuten vom ZDF so zu zeigen, dass sie ruhig mal mehr über Fantasy berichten können.

Donnerstag, 26. November 2009

Sexualität als Nebensache? (Agendafrage 2)

Der geschätzte Kollege Stephan R. Bellem hat in seinem Blog einen recht umfangreichen Kommentar zur Agendafrage gepostet, den ich wiederum nicht unkommentiert lassen möchte, da mich Stephans Aussagen doch ein wenig beschäftigen.

Er stellt beispielsweise zu Beginn die Frage, warum man die Sexualität einer Figur überhaupt beschreibt, da er sie – die Sexualität, nicht die Figur – bis zu dem Punkt für nebensächlich hält, an dem sie dem Leser etwas über die Figur erklärt und transportiert, das über die bloße Kopulation hinausgeht.

Dieses Kopulationsding stört mich schon einmal ganz gewaltig, weil Sexualität und sexuell motiviertes Verhalten ja nun wirklich weit über ein „Wir stecken einander diverse Dinge irgendwo rein“ hinausgeht. Und damit meine ich keine nicht-penetrativen Disziplinen bei der Lustbeschaffung. Grundsätzlich übt unsere Sexualität meiner Meinung nach nämlich einen gewissen, nicht zu unterschätzenden Einfluss darauf aus, wie wir uns anderen Menschen im täglichen Miteinander präsentieren und wie wir uns ihnen gegenüber verhalten. Beispiele dafür kennt, so glaube ich, jeder zur Genüge. Sollte das bei Figuren in einer fiktionalen Welt anders sein?

Nun sind Figuren in einem Roman – Schockschwerenot – keine „echten“ Menschen (oder Zwerge oder Elfen oder Orks und so weiter), aber man nimmt sie beim Lesen größtenteils so wahr, als wären sie es. Wir machen uns beinahe zwangsläufig ein Bild von ihrem Äußeren und vor allem auch von ihrer Psyche, weil wir ihre geschilderten Handlungen in unseren Erwartungshorizont einordnen möchten (und sei es nur deshalb, um ihre Funktion für den laufenden Plot erkennen zu wollen). Daher zeigt man sich vermutlich als Leser auch gern verstimmt, überrascht oder enttäuscht, wenn Figuren sich auf eine Weise verhalten, die von unseren Erwartungen dahingehend abweicht, dass sie mit der von uns für sie entworfenen Psyche unvereinbar scheint.

Wenn recht nah an einer Figur erzählt wird und wir einen Einblick in ihr Inneres erhalten, kaufen wir ihre Sexualität quasi mit ein oder denken sie zumindest mit – spätestens dann, wenn die Figur einer anderen begegnet, die von ihr als attraktiv oder hübsch empfunden wird (auch wenn wir dann noch meilenweit von einer Kopulation entfernt sind). Für mich persönlich wäre eine Figur, die in einer Erzählung eine größere Rolle einnimmt, auch sehr unfertig, wenn ich sie nicht zumindest in Teilen als sexuell handelndes Wesen erkennen würde. Dazu muss sie weder etwas bespringen noch in einem dauerhaften Zustand höchster Geilheit durch die Gegend laufen. Mir ist es auch schnuppe, zu wem oder was sie sich hingezogen fühlen mag. Falls mir in dieser Hinsicht von Seiten des Textes nichts anderes vorgegeben wird, greift die Standardeinstellung und ich gehe aufgrund meiner kulturellen Prägung davon aus, dass es sich bei der Figur um ein heterosexuelles Geschöpf handelt (sofern wir – wir sind ja in der Fantasy – von einem Wesen sprechen, bei dessen Spezies es so etwas wie Geschlechter gibt; Standardeinstellung hier: zwei Geschlechter, denen zugleich unterschiedliche physiologische und psychische Eigenschaften zugedacht werden).

Wie eng diese Standardeinstellungen mit einem möglichen Identifikationspotenzial verknüpft sind, ist offenbar eine von Mensch zu Mensch variierende Sache. Stephan beispielsweise bezeichnet sich als verklemmten Leser, der sich als Teenager beim Lesen sehr stark mit seiner jeweiligen Lieblingsfigur identifizierte, mit der er dann mitgelitten hat und in deren Rolle er geschlüpft ist. Er hätte ein Problem damit gehabt, wenn seine Lieblingsfigur plötzlich schwul geworden wäre. Spannend wäre nun zu wissen, inwiefern Erzählungen mit weiblichen Hauptfiguren Stephan ein Identifikationspotenzial bieten. Tun sie das nicht oder nur in sehr begrenztem Maße, wären wir wieder bei der vor einiger Zeit hier geführten Debatte, ob Männer prinzipiell eher Bücher von Männern mit männlichen Protagonisten und Frauen eben eher prinzipiell Bücher mit weiblichen Protagonisten vorziehen – und ob der Grund dafür womöglich beim Unbehagen liegt, durch die jeweiligen Figuren mit einer Form des Begehrens konfrontiert zu werden, die nicht die eigene ist.

Kommen wir noch kurz zu dem Punkt, wie Stephan es als Autor hält. Sexualität muss für ihn einen Zweck erfüllen, mehr als bloßes Beiwerk sein und wird dann relevant, wenn es für den Verlauf der Geschichte wichtig wird – und das ist etwas, das man natürlich für jedes Element einer Erzählung so sagen kann. Action um der Action willen kann letztlich genau so dröge sein wie Kopulieren um des Kopulierens willen – kann aber nun mal auch Spaß machen. Als Beispiel dafür, wann Sexualität in seinen Romanen einen Zweck erfüllt, nennt Stephan die Zeugung eines Kindes (was nur zwischen einem Männchen und einem Weibchen geht) – das kommt mir ehrlich gesagt ein bisschen altbacken vor. Zwei weitere Figuren besitzen laut Stephan scheinbar gar keine Sexualität. Das ist ein Trugschluss – sie gewinnen ihre Sexualität durch die Kombination aus den Erwartungen des Lesers und den im Text vorhandenen Hinweisen. Dass heißt in diesem Fall, dass die beiden – dank der Standardeinstellung – das sind, was man gemeinhin heterosexuell nennt.

Tja, Agenda hin, Agenda her – ich bin so oder so dankbar für die Denkanstöße, die Stephan mir gegeben hat. Jetzt muss ich aber rasch zurück in ein zwergisches Vergnügungshaus, wo zwei meiner Figuren aus „Stahl“ sich gerade herumtreiben ...

Mittwoch, 25. November 2009

Nach Agenda 2010 jetzt die Agenda Plischke?

Vor einiger Zeit fand ich mich in eine ungewöhnliche Diskussion verwickelt, die bis heute in mir nachwirkt (und an die ich mich durch diese spannende Diskussion erinnert fühlte). Einer meiner Kollegen aus dem Phantastik-Betrieb äußerte die Vermutung, dass ein Autor ja nur dann schwule, lesbische, bi-, trans- oder sonstwie nicht-heterosexuelle Figuren in seinem Geschreibsel auftauchen ließe, wenn der Betreffende damit eine bestimmte (gesellschafts-)politische Agenda verfolge.

Stellt sich für mich natürlich die Frage: Verfolge ich eine Agenda? Denn immerhin geistern in meinen Ergüssen so einige Figuren umher, die von den Regeln der Heteronormativität abweichen:
1. Namul Trotz, das erste Mordopfer aus „Die Zwerge von Amboss“, hat eine Beziehung mit seinem Hausdiener, bei dem es sich noch dazu um einen Menschen handelt.
2. Ralek und Kabet, die bei der Arbeiterbelobigungsfeier im gleichen Roman auftauchen, sind ebenfalls schwul wie hulle.
3. Tschoradschun von Feuerberg alias die Qualle – ebenfalls aus den Zerrissenen Reichen – ist beidseitig befahrbar und stillt seine niederen Gelüste an allem, was sich bewegt.
4. Himek Steinbrechers Sexualität lässt auch Fragen offen und ist nach seiner psychischen Verschmelzung mit Ulaha auch nicht gerade unkomplizierter geworden.
5. In „Kalte Krieger“ treibt nun ein schwuler Bulle sein Unwesen.
6. In „Die Zombies“ tauchen schließlich zwei dezent invertiert angehauchte Damen als Nebenfiguren auf.

Ist das also Teil einer Agenda? Nur, wenn man den Begriff sehr, sehr weit fasst und sämtliches Handeln eines Menschen als politisch definiert (was man ja durchaus tun kann). Denn selbstverständlich macht man sich als Autor über die Anlage seiner Figuren Gedanken und trifft hier und da recht bewusste Entscheidungen, was ihre Verfassung angeht. Andererseits gehöre ich zu den Schreiberlingen, die das Gefühl kennen, gelegentlich von ihren eigenen Schöpfungen überrascht zu werden, da sie sich plötzlich anders verhalten oder andere Eigenschaften zeigen, als man ihnen in der ursprünglichen Planung zugedacht hatte. Ich gebe die Schuld einmal ganz frech dem Unbewussten im Sinne von psychischen Prozessen, deren Ablauf sich meiner Kontrolle und meiner eigenen Wahrnehmung entzieht. Eine Haltung, die es anderen gestattet, mein Geschriebenes minutiös auseinanderzuklamüsern und darin ganz augurenhaft nach den Eingeweiden meiner Seele zu forschen.

Das oben angerissene Agenda-Argument ging übrigens noch einige Schritte weiter. Der Einsatz von – ich nenne sie jetzt der Einfachheit halber mal SUFs (Sexualitätsbezogen Ungewöhnliche Figuren) – wäre ja nur dann angebracht, wenn ihr Abweichen von dem, was man gemeinhin Norm nennt, für die Handlung eines Romans von entscheidender Bedeutung wäre. Warum eigentlich? Weil für SUFs der Teil ihrer fiktionalen Persönlichkeit, der sie zu SUFs macht, derart große Bedeutung tragen muss, dass – sagen wir mal: eine lesbische Kommissarin – in einem Mordfall komplett anders ermitteln müsste als ihre Kollegin? Ein schwuler Pilot ein Flugzeug anders fliegen? Ein auserwählter Bauersjunge, der sowohl in der Abwehr als auch in der Verteidigung spielt und beim Pflügen das Schwert der Allmacht findet, seine Fantasywelt am Ende irgendwie anders vor der Dunklen Bedrohung™ retten? Das glaube ich nun nicht...

Ein anderer Grund, der prinzipiell gegen die Verwendung von SUFs spräche, so der Kollege weiter, sei der, dass der Durchschnittliche Leser© ein möglichst hohes Identifikationspotenzial mit den Figuren wünsche und dass dies bei SUFs eben von Anfang an nicht gegeben wäre, da man deren emotionale Erfahrungswelt nicht kenne. Das ist der Punkt, über den ich nach wie vor am meisten grübele. Heißt das, allerlei Geviechs – von Orks, Ogern und Goblins über Elfen, Halblinge und Feen bis hin zu Einhörnern, Drachen und Möwen – wird anstandslos als Identifikationsoption angenommen, obwohl die meisten Menschen, die ich kenne, meines Wissens nach nie Orks, Oger oder ähnliches gewesen sind? Und wenn dem so ist, würde die Identifikation schwerer fallen, sobald ein generischer 08/15-Ork durch eine besondere Vorliebe in eine SUF verwandelt wird?

Ich bin nach wie vor etwas ratlos, was ich davon halten soll. Im nächsten Post formuliere ich dann aber mal meine Agenda, fest versprochen ...

Montag, 23. November 2009

Nominierung für „Die Ordenskrieger von Goldberg“

Die Büchercommunity Lovelybooks.de sucht im Rahmen der Aktion

nach den – tja, sagt der Name ja – besten Büchern 2009. In der Kategorie Fantasy hat es „Die Ordenskrieger von Goldberg“ auf die Longlist von 35 vorgeschlagenen Werken geschafft. Nun läuft noch bis zum 13. Dezember eine Abstimmung, im Zuge derer die drei besten gekürt werden sollen.

Das Feld ist stark besetzt – Christoph Hardebusch, Peter V. Brett, Kai Meyer, Bernd Perplies, Bernhard Hennen, Patrick Rothfuss, Cassandra Clare, Richard Schwartz, Christoph Marzi, J. R. Ward, Tad Williams, Bernd Rümmelein, Walter Moers und Charlaine Harris heißen einige meiner Mitbewerber.

Wer nun also meint, ein Preis würde sich für Garep, Sira, Karu und Co. gar nicht so schlecht machen, der weiß bestimmt auch, was zu tun ist. Bei Stimmabgabe hat man übrigens die Chance, ein Buchpaket zu gewinnen (ein Konzept, das auch die Beteiligung an Bundestagswahlen womöglich etwas ankurbeln könnte ...).

Freitag, 20. November 2009

NIDS

Die Schweinegrippe verändert unser Leben. Nicht nur dahingehend, was die Herren Furedi und Glassner als weitreichenden Beleg einer Kultur der Angst werten würden, sondern auch in den kleinen Dingen. Interessanterweise bringt man nun schon den Kleinsten bei, wie bzw. wohin man richtig niest. Sich die Hand vor die Nase zu halten, ist inzwischen verpönt, weil man ja damit böse Keime in die Handfläche schleudert, um sie danach bei jedem Händeschütteln und bei jeder Berührung eines Gegenstands, den ein anderer potenziell berühren könnte (also im Grunde jeden), gefährlich zu verteilen. Wohin niest man also dann richtig? Richtig, in die Ellenbeuge. Das hat oftmals ästhetische Nachteile – wie etwa nasse Stellen, die vor allem auf dunklen Stoffen zu unschönen, weiß- oder gelbverkrusteten Flecken trocknen –, und eigentlich ist die Hand bei einem schleimigen Unfall schneller gewaschen als das Oberteil gewechselt.

Insofern halte ich persönlich die Ellenbeuge für einen schlechten Tipp. Ganz dem Gedanken der völligen Optimierung menschlichen Verhaltens verpflichtet, empfehle ich daher ein anderes Konzept: NIDS (Niesen in den Schritt).

NIDS bietet gegenüber NIDE (Niesen in die Ellenbeuge) einige entscheidende Vorteile:
1. NIDS hält die Wirbelsäule geschmeidig, stärkt die Rückenmuskulatur und beugt so Haltungsschäden vor.
2. NIDS sieht unterhaltsam aus.
3. Insbesondere für die Herren der Schöpfung bietet NIDS die Möglichkeit eines anderen Umgangs mit hinlänglich bekannten Missgeschicken bei Masturbationsexzessen (vulgo: „Sportflecken“). Was bislang schamhaft als widerliches Zeugnis der noch widerlicheren Lust am Erleben des eigenen Körpers verborgen werden musste, könnte dank NIDS in Zukunft stolz als unübersichtliches Zeichen für die Rücksichtnahme auf das Wohlbefinden anderer zur Schau getragen werden.
4. Das Thema Rücksichtnahme ist damit noch lange nicht erschöpft. Eines der brennendsten Probleme des postmodernen Spätkapitalismus ist und bleibt die Frage: „Schritt oder Arsch?“

Zur näheren Erläuterung: Wir alle kennen die Situation, zu spät zu einer bestuhlten Veranstaltung (Aufführung eines Bühnenstücks, Vorführung eines Kinofilms, packender Expertenvortrag zum gescheiterten Bologna-Prozess) zu erscheinen oder im Zuge einer solchen unseren Platz aus diversen Gründen (Harndrang, Hunger, übereilte Flucht vor zeitreisenden Häschern, die uns seit Längerem nachstellen) noch einmal verlassen zu müssen, während das packende Geschehen bereits in vollem Gange ist. Beim Trippel-Pogo, der beim Quetschen durch die Reihe zwangsläufig entsteht, muss jedes Mal aufs Neue entschieden werden, von welcher Seite wir uns unseren Mitmenschen präsentieren, die wir gerade stören (außer beim Gottesdienst, wo man gefälligst in Richtung Altar gewandt bleibt). Außerhalb von Kirchen sagen die einen so, die anderen so. Die meisten Ratgeber für Verhaltenskonditionierung empfehlen, den Sitzenden – die sich streng genommen erheben sollten, damit die ganze Nummer noch ein wenig peinlicher wird – stets die Vorderseite zuzuwenden. Dies drückt angeblich aus, dass man die Existenz anderer noch rudimentär berücksichtigt, da sie einem so ja nun ins Gesicht sehen können. Eine stichprobenartige Erhebung unter Damen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ergab jedoch leider, dass die Befragten es nicht schätzen, im Extremfall nur durch eine dünne Stoffschicht und ein, zwei Handbreit Luft davor bewahrt zu werden, mit einem bislang unbekannten männlichen Gemächt in Gesichtshautkontakt zu geraten. Also vielleicht doch lieber die Poritze?

NIDS bereitet der quälenden Unsicherheit ein Ende: Da ich ja als NIDS-Anhänger meine aus der Nase ausgestoßenen Keime aus – Achtung, da ist sie wieder: Rücksichtnahme – brav in meinen Schritt entlade, kann ich selbigen schlecht gefährlich nahe an anderen Nasen vorbeiführen. Lieber munter den Arsch rausgereckt, Problem gelöst: Zumindest solange, bis ein Virus dergestalt mutiert, dass es durch im Stoff des Hosenbodens gefangene Flatulenzreste übertragbar ist (2012 ist ein wahrscheinliches Datum für dieses apokalyptische Ereignis) ...

Montag, 16. November 2009

Schamlose Eigenwerbung: „Kalte Krieger“ ist da!


Nachdem bereits am Samstag unsere Belegexemplare eingetrudelt sind, habe ich soeben festgestellt, dass diverse Internet-Buchhändler unseren Superheldenthriller „Kalte Krieger“ offenbar seit heute tatsächlich ausliefern. Wer also im Netz zuschlagen möchte – beispielsweise weil er fernab der nächsten physischen Buchladens beheimatet ist oder weil er prinzipiell schon länger nicht mehr unter Menschen geht –, kann dies ab sofort tun.

Worum ging es überhaupt noch mal?

Im einen Handlungsstrang, der 2008 spielt, tritt die Psychologiestudentin Amy ihr Therapiepraktikum bei ihrem neuen Arbeitgeber Michael an, der eine winzige Praxis in Portland betreibt (er selbst würde sie vermutlich als klein, aber fein bezeichnen, was nur dann den tatsächlichen Verhältnissen entspräche, falls man unter ‚fein‘ ein wenig abgewarzt versteht). Michael entpuppt sich als Schnackbolzen mit ungewöhnlichen Behandlungsmethoden, doch zum Glück ist Amy alles andere als auf den Mund gefallen (in meinem Heimatdialekt würde man sagen, „die hott e Gosch wie e Schwerd“ – also einen Mund wie ein Schwert, was üblicherweise nicht als Kompliment gilt). Ihren Schwertmund oder ihr Mundschwert – je nachdem, wie man das sehen will – wird Amy auch dringend brauchen, denn kaum in Portland angekommen, schleift sie Michael an den Fundort einer Leiche: Eine junge Frau ist erfroren im Wald entdeckt worden. Das wäre an sich vielleicht beklagenswert, aber noch nichts Spektakuläres, doch in Portland ist es gerade Sommer. Die Erfrorene ist weder das einzige Mysterium, mit dem sich Amy und Michael herumplagen müssen, noch bleibt sie die einzige Tote. Es stellt sich rasch die Frage, welche Verbindung zwischen dieser Mordserie und dem Verschwinden einer Patientin Michaels besteht, die als Künstlerin mit Tierkadavern arbeitet...

Im zweiten Handlungsstrang, der zehn Jahre zuvor angesiedelt ist, lernt der geneigte Leser denn auch besagte Patientin als Teenager kennen. Nina wurde von ihren Eltern in ein Sommercamp am Arsch der Heide verbannt, weil ihre Alten ihre zerrüttete Ehe ohne störende Einwirkungen des Sprößlings abwickeln wollen (zumindest vermutet Nina dies als wahren Grund für ihr Abgeschobenwerden). Camp Wagosh erweist sich denn für unsere sensible, zukünftige Künstlerin auch als Hort des Grauens – inklusive zwangskumpeligen Betreuern, nervtötenden Freizeitaktivitäten wie Kanufahren und Feuermachkursen sowie überwiegend oberflächlichen Mitgefangenen. Gut, dass Nina gleich bei der Anreise Anschluss findet – auch wenn sie von den anderen Lagergästen umgehend in die Rubrik „Menschen, Tiere, Sensationen“ gestopft wird, weil sie sich mit der goth-punkigen Möchtegernrebellin Jewel anfreundet. Weniger gut ist, dass die Betreiber des Camps mit einigen ihrer Angebote weitaus Düstereres im Schilde führen, als die Formulierung „das volle Potenzial ihrer Schützlinge ausschöpfen“ zunächst vielleicht vermuten lassen würde...

So, genug verraten. Oder halt, einen Nachschlag gibt es noch. Womit darf der Leser rechnen? Nun, unter anderem mit sexy Telepathen, Fernwahrnehmungsexperimenten, einer Duschszene im Camp, intensiven Schweißausbrüchen (bei einer der Protagonistinnen, versteht sich – für etwaige Eigenreaktionen übernehme ich keine Garantie), Wespenangriffen, einem brennenden Motel, der großzügigen Manipulation von Erinnerungen (bei einer der Protagonistinnen – siehe oben), unsichtbaren Messerstecherinnen und dergleichen mehr.

Freitag, 13. November 2009

„Lilie“ heißt jetzt „Die Zombies“

Aber Persil bleibt Persil. Im Ernst: Mit großer Freude verkünde ich hiermit, dass mein Projekt „Lilie“, um das ich hier in der Vergangenheit schon so viel Bohei gemacht habe, höchstoffiziell bei Erscheinen den Titel „Die Zombies“ tragen wird.

„Lilie“ wurde als Arbeitstitel gewählt, weil eine der Hauptprotagonistinnen auf den Namen Lily hört (und natürlich weil die genannte Blume symbolisch mit Tod und Trauer verknüpft ist). Gestorben wird in „Die Zombies“ dementsprechend reichlich, auch wenn ich mich (respektive wir uns – der Moops darf auf keinen Fall vergessen werden) dagegen entschieden haben, noch eine Zombiekalypse mehr zu entfesseln. Was? Kein Weltuntergang? Aber worum geht es denn dann?

Darum: Die Anthropologin Lily Young arbeitet an ihrer Doktorarbeit zum Thema Legenden über wandelnde Tote aus aller Welt. Das wäre völlig ungefährlich, wenn in diesen Legenden nicht ein Körnchen Wahrheit schlummerte. Und die Schatten, in denen Lily bei ihren Recherchen herumstochert, erweisen sich als ausgesprochen hungrig, und nach einem verhängnisvollen Biss muss sie miterleben, wie sich eine grausige Veränderung in ihr vollzieht – inklusive einem unverhofften Appetit auf größeres und kleineres Getier jedweder Art, wobei so mancher Leckerbissen leider auf zwei Beinen geht. Wie gut, dass sich gleich zwei Männer um Lily sorgen: zum einen der charismatische, stinkreiche Victor Cunningham, der ihr die ganze Chose allerdings überhaupt erst eingebrockt hat, zum anderen ihr etwas unbeholfener Freund und Gelegenheitslover Gottlieb Berger, der jedoch nicht immer ganz ehrlich zu ihr gewesen ist, was seine wahren Absichten anbelangt.

Die Zombies“ wartet überhaupt mit allerlei Erfreulichem auf: Mumien, Windigos, abgelegenen Dörfern im schottischen Hinterland, Testamentseröffnungen, angeblichen Wildgehegen im Taunus, einem Ausflug in ein skurriles Labyrinth, kannibalistischen Riten, quasi-nekromantischen Apparaturen, frisch gepresstem Leichensaft, und ja, ganz, ganz am Ende auch mit Horden fresswütiger Untoter, die über alles herfallen, was sich bewegt...

Ich wünsche schon mal jetzt „Guten Hunger!“.

(Moops-P.S. Wie passend, dass diese Ankündigung an einem Freitag den 13. online gehen wird...)

Donnerstag, 12. November 2009

Aus gegebenem Anlass: Zensur in Deutschland

Aus gegebenem Anlass fordere ich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf, sich intensiv mit folgenden Songs zu befassen, die „Jugendliche zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr animieren“ oder sonstwie bei einmaligem Hören eventuell in Perverse verwandeln (prägnante Zitate habe ich der Einfachheit halber gleich angehängt):

Penny McLeanLady Bump („All I want to do is to bump with you”)
Jürgen DrewsEin Bett im Kornfeld (“Doch ich lachte und sprach: ‘Ich hab dir noch viel zu geben!’“)
Boney M.Daddy Cool („She’s crazy about her daddy“)
AbbaDancing Queen (“Anybody could be that guy” und natürlich “Young and sweet, only seventeen”)
Village PeopleY.M.C.A. (“They have everything for young men to enjoy, you can hang out with all the boys” – klingt verdächtig nach Bareback-Party…)
Dschingis KhanDschingis Khan (vielleicht eines der jugendgefährdetsten Lieder in deutscher Sprache überhaupt: “Er zeugte sieben Kinder in einer Nacht” (häufiger Partnerwechsel); „Tanzt Männer, so wie immer!“ (denn wie wir wissen, tanzen richtige Männer nicht...); „Und einer ritt voran, dem folgten alle blind.“ (totalitärer Personenkult); „Und er leert den Krug in einem Zug.“ (romantisierende Darstellung des Komasaufens))
Mike KrügerDer Nippel („Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche ziehen und mit der kleinen Kurbel ganz nach oben drehen.“ – Auch das hat was von Quälerei im Bondagekeller...)
Roland KaiserSanta Maria („Nachts an deinen schneeweißen Stränden hielt ich ihre Jugend in den Händen“ sowie „Tief in ihrem Innern brannte die Sehnsucht, den Schritt zu wagen, vom Mädchen zur Frau“ – schmutzig, so so schmutzig...)
MarkusIch will Spaß (erneut ein wahrer Hort der Jugendgefährdung: „Mein Maserati fährt 210, schwupps, die Polizei hat’s nicht gesehen“ - und das in Zeiten von Crashkids) „Ich schubs die Enten aus dem Verkehr, ich jag die Opels vor mir her“ (Nötigung im Straßenverkehr); „Deutschland, Deutschland, spürst du mich? Heut Nacht komm ich über dich“ (und wer macht die Sauerei dann weg?); und zu guter Letzt „Der Tankwart ist mein bester Freund. Ui, wenn ich komm, wie der sich freut.“)
Murray HeadOne Night in Bangkok (“The bars are temples but the pearls ain’t free. You’ll find a god in every golden cloister, and if you’re lucky then the god’s a she.” – Prostitution und Blasphemie in einem Abwasch…)
Modern TalkingCheri Cheri Lady (“Cheri Cheri Lady, living in devotion. It’s always like the first time, let me take a part.” – BDSM-Fantasie mit erheblichem Zerstückelungsanteil).
Inner CircleSweat (“Girl, I want to make you sweat, sweat till you can sweat no more, and if you cry out, I’m gonna push it some more.” – Hört sich nur bedingt nach einvernehmlichem GV an…)

Diese Liste umfasst nur solche Lieder, die von meiner Geburt bis zu meiner Volljährigkeit einmal Platz 1 der deutschen Singlecharts belegten. Was wäre aus mir geworden, wenn ich nicht hilflos all diesem Schmutz ausgeliefert gewesen wäre? Schlimmer noch: Diese Lieder werden nach wie vor im Radio gespielt und richten weiterhin Schaden an zarten Kinderseelen an...

Montag, 9. November 2009

Des Besserwissers kleines Paradies: Quizspiele

Am Wochenende hatte ich Gelegenheit, Bekanntschaft mit dem jüngsten Ableger einer populären Quizspielreihe für die Konsole zu machen. Keine Sorge, Fernseher, Controller und Mitspielern geht es gut, obwohl ich nachweislich einer der schlechtesten Verlierer aller Zeiten bin.

Erinnert sich beispielsweise noch jemand an Sagaland? In den frühen Achtzigern erfreute sich dieses Grauen in zahlreichen Familien größter Beliebtheit. Meine dunklen Erinnerungen daran verraten mir, dass es um Märchen ging und die Hauptaufgabe darin bestand, sich Memory-artig zu merken, welches Märchensymbol unter welchem Plastikbäumchen verborgen lag. Meine weniger dunklen Erinnerungen werden mich nie verlassen: Nachdem ich bei meiner bis dahin (und wahrscheinlich für immer) letzten Partie in eine aussichtslose Lage geriet – selbstverständlich ohne jegliches Eigenverschulden – und mich überdies von dem Spiel äußerst ungerecht behandelt fühlte, fasste ich den kühnen, wenn auch etwas hitzigen Beschluss, meine Niederlage abzuwenden, indem ich das Spielbrett samt den dazugehörigen Bäumchen vom Tisch fegte (wobei die Bäumchen sich beim späteren Aufsammeln noch als spitz genug erwiesen, um sich mir schmerzhaft in die Fußsohlen zu bohren). Eine späte Rache jener spielgewordenen Demütigung, die in meiner Famile fortan nur noch Ver-Sagaland hieß? Wir werden es wohl nie erfahren…

Zurück zum Thema: Quizspiele. Da es die meisten Quizspiele schaffen, mir eine gewisse Unabhängigkeit von solch lästigen Erfolgsfaktoren wie Glück oder Ausgeglichenheit vorzugaukeln, zählen sie bis heute zu den wenigen Spielen, an die ich mich ab und an noch heranwage. Sie erfüllen eine wichtige Funktion (nicht für mich, sondern auch für andere): Sie befriedigen den kleinen Besserwisser in uns. Was sie nämlich zusätzlich vorgaukeln, ist der Eindruck, ein irgendwie relevantes Wissen abzufragen – ein Wissen, bei dessen Besitz man sich sehr, sehr wichtig und zufrieden vorkommen kann. Wie viele der 20 höchsten Berge der Welt liegen in Asien? In welcher Stadt wurde DSDS-Juror Dieter Bohlen geboren? Welcher Dialekt würde im Marienhof am ehesten gesprochen? Wer hat das Katzenauge erfunden?

All dieses Wissen – respektive die Fähigkeit, diese Wissensbröckchen auf Zuruf hervorzuwürgen – besäße indes allein in einer Welt ohne gedruckte Nachschlagewerke, das Internet oder andere verlässliche Formen der dauerhaften Informationsweitergabe einen ansatzweise relevanten Wert. In unserer Welt also leider eigentlich keinen – außer dem nicht zu unterschätzenden, den Besserwisser in sich in Ekstase zu versetzen.

Was meine Ekstase am Wochenende jäh beendete, war ein Vergleich zwischen den englischen und den deutschen Fragen, die im angetesteten Quizspiel enthalten waren. Weshalb? Nun, die deutschen Fragen schienen sich – wohlgemerkt im Vergleich zu den englischen – an Lemuren zu richten, was vor allem an den Antwortmöglichkeiten lag, die sich ohne jeden Zweifel am Niveau von Werbepausengewinnspielen im Fernsehen orientierten („Welche Sportart sehen Sie gerade? A: Fußball oder B: Käsereibe?“ – so etwas in der Art…)

Ein rascher Blick in die Onlinebestenlisten offenbarte ähnlich Verheerendes, das die genannte These untermauerte. Um in einem Modus, bei dem man im Grunde möglichst viele korrekte Antworten hintereinander geben muss (man hat allerdings vier Fehlschläge frei), an die Spitze der englischen Bestenliste zu stürmen, reichten schlappe 42 korrekte Antworten. Bei uns Teutonen musste man ungefähr das Dreifache schaffen (wohlgemerkt auf dem beschriebenen Niveau, während bei unseren Freunden von der Insel der Schwierigkeitsgrad deutlich höher angesiedelt war).

Das lässt nur einen Schluss zu: Der deutsche Besserwisser gibt sich mit Mittelmäßigkeit oder Schlimmerem zufrieden. Die echten Könige dieser Disziplin leben anderswo… Ich denke also ernsthaft darüber nach, in jenes sagenhafte Reich umzusiedeln, um endlich ganz bei mir selbst ankommen zu können.

Freitag, 6. November 2009

Fantasyschaffende an unerwarteten Orten

Wir haben neulich einen Sonntagmorgen (sowie einen Kurzaufenthalt von Natalja Schmidt, Christoph Hardebusch und Bernhard Hennen in der Hansestadt) genutzt, um gemeinsam mit ihnen an einem unerwarteten Ort einzufallen: der Turnhalle in der Langen Reihe. Dort wird seit Längerem nicht mehr geturnt, obwohl nach wie vor Ringe und Seile von der Decke hängen, sondern hip gespeist.
Zunächst zu den Dingen, die mir unangenehm aufgefallen sind:
- Der Maitre d‘. Hauptberufliche Platzanweiser im gastronomischen Gewerbe sind mir prinzipiell suspekt (ungeachtet dessen, wie schniek ihre Hornbrille oder ihr gestreiftes Leibchen auch sein mögen).
- Unser Tisch, der uns zugewiesen wurde. Man braucht eine Menge Humor, um sechs Personen zwecks brunchiger Nahrungsaufnahme um einen Couchtisch mit einer Grundfläche von etwa einem Quadratmeter zu platzieren.
- Der Teppich in der Couchecke. Stahlgraues Kunstbobtailfell, das bestimmt inneneinrichtungstechnisch total angesagt ist, aber nichtsdestoweniger den Charme eines Fußabstreifers versprüht.

Dann zu den Dingen, die positiv ins Gewicht fielen:
- Das Essen.
- Und vor allem: die Gesellschaft. In rundum gelungenen zwei Stunden ging es im Schweinsgalopp durch neue Trends im Genre, die alte Trennung zwischen E und U, die Funktion und Nützlichkeit des Bloggens, präferierte Arbeitstechniken und private Geschmacksbekenntnisse.

Auch wenn ich oft – in typisch deutscher Lamentierhaltung – über die Schattenseiten des Autorendaseins jammere, muss ich eines an dieser Stelle dringend loswerden: Treffen mit Kollegen sind mir stets ein Fest, da ich mir einen derart höflich-zivilisierten und durchweg vergnüglichen Umgang, wie er bei diesen Anlässen in der Regel herrscht, ehrlich gesagt für breitere Teile unserer Gesellschaft wünsche. Dann käme man am Ende vielleicht gar ohne Maitre d‘ aus...

Mittwoch, 4. November 2009

Ein Selbstversuch (lose mit dem Thema Frauen verbandelt)

Ich habe es getan. Ich habe Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen gesehen und ich habe es überlebt (nette Idee für einen T-Shirt-Aufdruck eigentlich).
Dieser letzte Satz diente rein dem Zweck einer schamlosen Überdramatisierung. Nüchtern betrachtet tat Twilight nämlich gar nicht weh. Genauer gesagt, bin ich nach etwa vier Fünfteln eingeschlafen, was allerdings nicht meiner Langeweile, sondern der fortgeschrittenen Stunde geschuldet war.

Ich liste zunächst einige Dinge auf, die mir nicht so gefallen haben:
- Die Maske. Da hat man es mit der Blässe des gediegenen Blutsaugers etwas übertrieben. Edwards Ersterscheinen in der Schul-Cafeteria sei als wichtigstes Beispiel herangezogen. Man mag über Robert Pattinson denken, was man will, aber neben tollem Haar ist er zudem mit männlich-markanten Augenbrauen ausgestattet. Leider hat ihm die Maske in besagter Szene offenbar mit der doppelläufigen Puderflinte ins Gesicht geschossen, was nun dazu führt, dass seine Augenbrauen (die sauber freigeföhnt wurden) erschreckende Ähnlichkeiten mit pelzigen, schwarzen Raupen aufwiesen. Es hat lange gedauert, bis mir klar wurde, an wen er mich daher erinnerte, doch inzwischen weiß ich es: Bert aus der Sesamstraße (und da ich als Kind immer auf Ernies Seite war, verlor Edward dadurch einige Sympathiepunkte bei mir).
- Der plumpe Cameo-Auftritt von Stephenie Meyer. Natürlich sei es jedem Autor unbenommen, bei der Verfilmung eines seiner Werke in der Kulisse herumzusitzen. Was Fans dann ja irre spannend finden, ist es, den heimlichen Star zu erspähen. Leider ist das im Fall von Frau Meyer ungefähr so schwer, wie einen wilden Kerl zu finden, der sich unauffällig durch Schlumpfhausen bewegen möchte. Weniger wäre hier – meiner bescheidenen Meinung – nach mehr gewesen.
- Der Glitzereffekt. Bekanntlich meiden Vampire im Bis(s)-Universum vor allem deshalb das Sonnenlicht, weil sie gülden zu glitzern beginnen, sobald ein Sonnenstrahl auf sie fällt. Dieser Effekt ist nun nicht gerade dezent, und die unfreiwillige Komik dahinter erwächst nun daher, dass Edward dieses Phänomen mit dem Satz „It’s the skin of a killer.“ bedenkt. Was bedeutet, dass ich mich in Zukunft besser vor Frauen hüte, die Glitter auf dem Dekolleté tragen (weil sie in Wahrheit nämlich gar nicht darauf aus sind, ein zwangloses Gespräch mit mir zu führen – „Du auch hier?“ bzw. „Bist du nicht der Typ, der in seinem Blog gerade diesen komischen Quatsch über Frauen schreibt?“ oder auch „Wo ist der Cordanzug von deinem Autorenfoto geblieben?“ –, sondern nur auf mein Blut scharf sind).

Kommen wir zu den Dingen, die ich gut fand:
- Die Teeniefilm-Atmosphäre. Mit einigen wenigen Änderungen ließe sich Twilight mehr oder minder ent-übernaturalisieren und zu einem typischen High School-Streifen ummodeln, bei dem die Sympathien des Zuschauers klar bei den Außenseiterfiguren liegen.
- Das Baseballspiel der Vampirfamilie Cullen. Eine im Grunde völlig bekloppte Idee, die aber hübsch in Szene gesetzt ist und aus den Blutsaugern endgültig eine Art Superhelden mit speziellen Ernährungsgewohnheiten macht (und ich liebe Superhelden, denn sonst hätte ich ja Kalte Krieger nicht geschrieben). In einem Beispiel für gelungene innere Konsistenz beim Ablauf von Superheldenerzählungen treten dann bei ebendiesem Baseballspiel auch die Superschurken erstmals für die Helden sichtbar auf den Plan (und der fieseste von ihnen hat furchtbar langes, ungepflegt wirkendes Haar, das er zu einem Pferdeschwanz zusammenbindet, und ist somit also exakt der Typ Mann bzw. Junge, den man sich nun so gar nicht als Schwiegersohn wünscht – habe ich Edwards tolles Haar bereits erwähnt? Doch Vorsicht: Meine Fee warnt mich gerade mit einem beunruhigenden „It’s the hair of a killer!“).
- Surfen bei echtem Scheißwetter an der amerikanischen Nordwestküste. Noch so ein Einfall, der durch seine Skurrilität besticht, und für mich seinen ganz eigenen Grusel entfaltete, da ich lebende Gewässer nicht leiden kann. Es folgte ein schöner Strandspaziergang mit dem schnuckeligen Werwolf-Indianer, der sich – und auch das nenne ich konsequent – erst einmal für New Moon, den zweiten Teil der Serie, die Haare schneiden muss, um als potenzieller fester Freund für Bella in Frage zu kommen.

Wie fällt nun mein Fazit aus?
1. Ich kann verstehen, weshalb die weibliche Zuschauerschaft (und vor allem die junge) von Twilight sehr, sehr angetan war. Natürlich ist es eine angenehme Vorstellung, bei der familienbedingten Verbannung in ein Kuhkaff-Exil mit schlechtem Wetter zum Objekt der Begierde eines Jungen mit echt tollem Haar zu werden (noch besser ist, dass der Typ mehr oder minder fliegen kann, in Sachen klassischer Musik und Kunst recht bewandert ist, ein Auto hat, von einem angesehenen Arzt adoptiert wurde und einem erst das Leben auf dem Schulhofparkplatz rettet, um anschließend dafür zu sorgen, dass keine Horde rolliger, angetrunkener, unterschichtsverdächtiger Stadtjugend über einen herfällt). Da sieht man großzügig darüber hinweg, dass seinesgleichen eigentlich traditionell einen schlechten Ruf hat, was den Umgang mit Jungfrauen angeht. (Die Fee nannte Twilight mindestens übrigens ebenso großzügig „Der kleine Vampir mit Knutschen“ – und sie stand nach eigenen Angaben total auf Rüdiger).
2. Ich kann verstehen, weshalb die männliche Zuschauerschaft von Twilight weniger angetan war. Bella ist nicht stereotyp schlampig-schön genug (zum Vergleich siehe etwa Megan Fox), um ihrerseits problemlos als Projektionsfläche für eigene erotische Eskapaden zu dienen. Schlimmer noch: Man konkurriert in der eigenen Vorstellung mit einem Jungen mit echt tollem Haar (noch fieser ist, dass der Typ mehr oder minder fliegen kann usw. usf.)

Bis zu meinem sanften Dahindämmern fühlte ich mich jedenfalls nicht schlechter unterhalten als – sagen wir mal – bei einer Folge Gilmore Girls, und ich habe die feste Absicht, mir New Moon auch anzutun (allein schon der Werwölfe wegen). Und das ist doch immerhin mehr, als ich von so manchem anderen Franchise dieser Tage behaupten kann...

Dienstag, 3. November 2009

Leseprobe zu Kalte Krieger

Es ist soweit: Auf piper-fantasy ist eine Leseprobe zu Kalte Krieger online gegangen. Zur Erinnerung: Das ist unser capefreier Thriller über Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, gefrorene Leichen und unheimliche Sommercamps, der Ende des Monats in den Handel geht.

Die Leseprobe umfasst den Prolog sowie einen Auszug aus dem zweiten Kapitel, und man lernt die Protagonistin Amy Marsten, ihren schrulligen Chef Michael Beaumont und die Mutter einer von Michaels Patientinnen kennen, die sich (zurecht) etwas besorgt über das Verschwinden ihrer Tochter zeigt. Ach ja, Tote gibt es auch gleich...

Viel Spaß damit (und Rückmeldungen sind natürlich jederzeit willkommen)!

Montag, 2. November 2009

Wir mögen Frauen, die Zombies mögen

Zur Versöhnung nach meinem kleinen Ausraster am Ende des letzten Posts stimme ich nun ein Loblied auf die Frauen an. Als der Moops und ich uns an die Planung von "Lilie" machten, hatten wir ein bisschen Muffensausen. Warum? Tja, wir befürchteten, Frauen fänden Zombies prinzipiell eklig. Tun sie nicht, wie wir inzwischen wissen (und wie wir uns auch angesichts der Beliebtheit des Vampirs hätten denken können, denn der ist ja letztlich nur eine besonders populäre Unterform des wandelnden Toten). Im Gegenteil: Die von uns befragten Damen freuten sich regelrecht auf fauliges Fleisch und Hirnfressen.

Nun bleibt abzuwarten, wie sie zum Thema Zombiesex stehen (der eine oder andere, der schon einige Jahre länger in einer Beziehung zubringt, kennt das vielleicht von zu Hause – die mechanisch-abgehackten Bewegungen, der sonderbare Geruch, die ausdruckslose Miene, das gequälte Stöhnen ... aber ich schweife ab...).

Zurück zum Loblied. Ich liste in loser Reihenfolge meine Lieblingseigenschaften von Frauen auf:
- Sie haben angenehm weiche Haut.
- Sie haben einen Blick fürs Detail.
- Sie manipulieren ständig Männer, ohne dass es den Herren der Schöpfung auffällt.
- Sie reden gern und viel.
- Sie beurteilen die Leistung von Profisportlern nach deren äußerer Erscheinung.
- Sie lesen mehr als Männer.
- Sie bewegen sich lustig, wenn sie betrunken sind.
- Sie tanzen, anstatt nur doof in der Ecke herumzustehen.
- Sie glauben, Männer könnten keinen Orgasmus vortäuschen.
- Sie haben uns die sogenannte Wirtschaftskrise nicht eingebrockt.
- Sie mögen Meerschweinchen.
- Sie ekeln sich nicht vor Zombies.