Montag, 28. September 2009

Stählerne Vorarbeiten und kalte Asche

Derzeit beschäftige ich mich vorrangig damit, kopfüber und so tief wie möglich in die Zerrissenen Reiche einzutauchen, damit der dritte Band (dessen klangvoller Arbeitstitel „Stahl“ lautet) ordentlich gedeiht. Doch wie sieht so ein beherzter Sprung in die Ausgeburten der eigenen Fantasie aus?

Nun, in meinem Fall so, dass ich die ersten beiden Bände intensiv studiere,
um a) mein hauseigenes Glossar auf den neuesten Stand zu bringen (was mir als Listenfanatiker ganz besondere Freude bereitet),
um b) mich selbst wieder an den zugegebenermaßen etwas eigenwilligen Stil zu gewöhnen und
um c) Ausschau nach netten Details – Nebenfiguren, Gegenständen, etc. – zu halten, die man für „Stahl“ wieder aufgreifen könnte (und/oder muss).

Wenn ich damit fertig bin, wird der vorliegende Plot noch einmal auf Herz und Nieren geprüft. Dazu vielleicht nur so viel: „Die Ordenskrieger von Goldberg“ hatte viel von einem Kriegsroman. Bei „Stahl“ soll hingegen erneut das Thriller- und Intrigenelement etwas mehr im Vordergrund stehen – und einer der Handlungsstränge dreht sich daher auch um einen der Verschwörer, den wir bereits kurz im ersten Band kennengelernt haben. Und ja, auch die bereits mehrfach versprochenen Elfen wird es geben, und zwar nicht als Gimmick am Schluss, sondern verhältnismäßig prominent schon ab der Mitte dieses Bandes.

Wem die Wartezeit zwischen Band 2 und 3 zu lang war, den kann ich dahingehend beruhigen, dass ich Band 3 und 4 in einem Rutsch (also direkt hintereinander schreiben werde). Das hat mehrere Gründe: Zum einen sind die Reiche erstaunlich erfolgreich gestartet, und sowohl der Verlag als auch viele meiner Leser warten dringend auf Nachschub. Zum anderen habe ich mich entschlossen, das vor Urzeiten einmal erwähnte nächste Reihenprojekt „Asche“ zu verschieben. Wieso das?

Um diese Frage zu klären, muss ich ein wenig ausholen. Ich bin seit den Ordenskriegern alles andere als faul gewesen – mit „Kalte Krieger“ und „Lilie“ (wie gemerkt, das letztere ist ebenfalls noch ein Arbeitstitel) habe ich mich etwas in anderen Bereichen der Phantastik ausgetobt. Das musste sein, um zu verhindern, dass ich der Versuchung erliege, jeden Einfall, der mir kommt, irgendwie in die Reiche hineinzwängen zu wollen. Das haben weder meine Helden noch meine Leser verdient, weil dann die Gefahr bestünde, dass wir es am Ende der sieben Bände mit einem echt unansehnlichen Flickenteppich zu tun haben. Insofern sind „Kalte Krieger“ und „Lilie“ ungemein wichtig, da sie gewissermaßen die Reiche vor meinem eigenen Tatendrang schützen. Wenn ich nun eine zweite Reihe – also „Asche“ – anfinge, fielen diese schützenden Bollwerke weg, weil ich mich gezwungen sähe, beide Reihen gleichwertig voranzutreiben. Folglich habe ich mich entschieden, das Modell „eine Hauptreihe und die Hauptreihe dahingehend entlastende Projekte, dass sie spontan aus mir herausbrechende Einfälle auffangen“ beizubehalten, anstatt auf „zwei Hauptreihen ohne entlastende Projekte“ umzusteigen. „Asche“ ist also keineswegs tot, wird aber wahrscheinlich erst in Angriff genommen, sobald die Reiche abgewickelt sind. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass „Asche“ quasi auf die Popularität der Zerrissenen Reiche Rücksicht nehmen muss – und das ist eigentlich nichts, worüber man jammern müsste...

Samstag, 26. September 2009

Reisebericht (Teil 6): Nostalgie und Altern

Mein letzter Besuch in der alten Heimat vor eben jenem, den der Moops und ich vor ein paar Wochen unternahmen, lag zwei Jahre zurück. Kosmisch betrachtet eine höchst vernachlässigbare Zeitspanne, weniger kosmisch offenkundig eine ausreichende Frist, um spürbare Veränderungen herbeizuführen.

Schock Nummer 1: Die hoch aufragende, von zwei goldenen Bögen gekrönte Säule, die einen unmittelbar nach Verlassen der Autobahn (oder von dort herunter) zu einer Filiale jener Fast-Food-Kette führen soll, deren Maskottchen der gruseligste Clown nach Pennywise ist. Die Idee scheint aufzugehen: Meine Mutter hat berichtet, bereits mein zweijährige Neffe wüsste sehr genau, was es mit der Säule auf sich hat, und fordert lautstark ein „Abbeiß“ (seine gelungene Wortneuschöpfung für feste Nahrung aller Art), sobald er sie erspäht.

Schock Nummer 2: Man sitzt mit einer Runde Freunde in der ehemaligen Stammkneipe und wie aus dem Nichts materialisiert sich eine ungemein attraktive, junge Frau neben einem und fragt: „Sind Sie Thomas Plischke?“ Bedauerlicherweise handelt es sich nicht um die Erfüllung ambitionierter Schriftstellerträume, sondern eher um den Beweis dafür, wie starr die menschliche Erinnerung ist: Die Dame war mir sehr wohl bekannt, nur dass sie in meinem Kopf bislang immer 11 Jahre alt geblieben ist. Das ist umso gruseliger, wenn man bedenkt, dass ich mich sowohl in „Kalte Krieger“ als auch in „Lilie“ am Rande mit der Wankelmütigkeit und der eigentlich fließenden Natur von Erinnerungen befasse.

Schock Nummer 3: Das Haus, in dem ich einen Großteil meiner Kindheit verbracht habe, wurde abgerissen und durch ein Gebäude für die Abwicklung des Wareneingangs eines SB-Möbelhauses ersetzt. Dieser Umstand ist mir zwar schon länger bekannt und ich habe den Ort dieses schändlichen Verbrechens bereits in der Vergangenheit einmal besichtigt, doch erst bei dieser Reise wurde mir klar, dass die Räume, durch die ich als Kind getapert bin, mittlerweile aus der fassbaren Wirklichkeit ausgelöscht und auf reine Erinnerungsfragmente reduziert wurden. Kein gerade berauschendes Gefühl. Eher etwas, das einen in Ehrfurcht vor der eigenen Endlichkeit erstarren lässt – aber gleichzeitig eine ausgezeichnete Inspiration für kommende Projekte.

Moops-P.S. Das hätten wir auch überstanden, aber das Posten geht weiter...

Freitag, 25. September 2009

Sondermeldung: Die vermeintliche Qual der Wahl

Am Sonntag werde ich nicht nur wählen gehen, sondern zugleich ein Amt als stellvertretender Wahlvorsteher bekleiden. Zu dieser bittersüßen Verantwortung kam ich vor der letzten Hamburger Bürgerschaftswahl wie die Jungfrau zum Kinde. Der Moops und ich schlugen - um am anstehenden Volksentscheid teilzunehmen - auf dem örtlichen Berzirksamt auf, wo der Moops mit seinen Knopfaugen ein Plakat erspähte, auf dem zu lesen stand, dass man noch dringend Wahlhelfer suche. Also faselte der Moops etwas reichlich Unzusammenhängendes von wegen erster Bürgerpflicht und dass er (und ich – mitgegangen, mitgefangen) dieser doch gerne nachkommen würde, sofern man ihm nicht gleich ein ganzes Wahllokal anvertraue.

Etwa eine Woche später kam dann ein Brieflein, in dem der Moops darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass er nun Wahlvorsteher seines eigenen kleinen Wahlbüros war (so viel zum Thema „Neulinge erst mal unbefangen reinschnuppern lassen"). Das Schreiben nannte des Weiteren einen Termin für eine Informationsveranstaltung, zu der wir uns dann auch brav im Rathaus einfanden. Abgesehen von uns beiden rekrutierte sich die gesamte Wahlvorsteherschaft offenkundig aus Verwaltungsbeamten, die in Sachen Wahlorganisation etc. bereits alte Schlachtrösser waren, und der für uns wenig hilfreiche Tenor des Abends lautete dann auch: „Wir machen das eigentlich wie immer.“ Aha. Vielen Dank.

Nichtsdestoweniger organisierten wir uns ein paar Freunde aus dem Uni-Umfeld (das Aussuchen der eigenen Helferlein ist nämlich eines der Privilegien, die man als Wahlvorsteher genießt – das geht sogar so weit, dass man als Wahlvorstand in der Theorie wildfremde Menschen von der Straße einfangen und gleichsam gegen ihren Willen als Wahlhelfer verpflichten kann, falls man bis zum Wahltag oder wegen höherer Gewalt einfach niemanden sonst finden konnte, der sich dieser Aufgabe stellt). Nun verhält es sich nicht so, dass sich unserem Freundeskreis nur Menschen bewegen, die schon immer davon geträumt haben, sich einen Sonntag als Wahlhelfer um die Ohren zu schlagen. Unsere Rekrutierungsmanöver profitierten maßgeblich von einem glücklichen Umstand: Da man bei besagter Bürgerschaftswahl erstmals kumulieren und panaschieren durfte (was als furchtbar kompliziert beim Auszählen und generell als vollkommen unnötig verschrien war), köderte man potenzielle Wahlhelfer mit einem immens aufgebohrten Erfrischungsgeld (so heißt die Aufwandsentschädigung, die einem als Wahlhelfer zusteht). Anders gesagt: Es war der schnöde Mammon, der uns dabei half, unseren Platz hinter den Urnen einzunehmen. ‚Urnen’ ist im Übrigen nur ein Euphemismus. In Hamburg verwendet man nämlich – ungelogen und großes Indianerehrenwort – Mülltonnen als Auffanglager für die Stimmzettel (was Aktionen wie „Wirf deine Stimme nicht weg“ mit einem Mal als Realsatire dastehen lässt).

Mülltonnen hin, Erfrischungsgeld her – zu unserer großen Überraschung hatten wir alle mächtig Spaß. Dies hing maßgeblich mit den verdutzten Blicken der Wähler zusammen, die nicht damit gerechnet hatten, sich urplötzlich einer doch recht jungen Schar von Menschen gegenüberzusehen, was dazu führte, dass man erstaunlich viel plauderte. Inzwischen ist die anstehende Bundestagswahl unser gemeinsames drittes Mal. Bei vorangegangenen Durchläufen ereignete sich allerhand Kurioses: ein junger männlicher Wahlhelfer mit vollem, schwarzem Haar wurde hemmungslos von einer rüstigen Dame, die zwei Weltkriege erlebt hat, angeflirtet; ein Mann in Duster (inklusive Sheriffstern) und Cowboystiefeln erläuterte uns die Feinheiten des US-amerikanischen Wahlsystems; und so weiter und so fort.

Zu unseren Pflichten gehört es unter anderem, zunächst zu überprüfen, ob ein abgegebener Wahlzettel gültig ist. Ungültig wird er beispielsweise dadurch, dass man als Wähler eigene, kleine Botschaften darauf schreibt. Unser Favorit war die mit einem gezeichneten Dödel versehene Warnung „Vorsicht! Sie wurden soeben gepimmelt! Pimmeln Sie umgehend zehn andere Menschen, wenn Sie nicht gepimmelt bleiben wollen!“.

Daher nun ein Wahlaufruf der eher ungewöhnlichen Art, der mit keinerlei Empfehlung der einen oder anderen Partei einhergeht: Wer noch nicht weiß, ob er am Sonntag wählen gehen möchte, soll sich bitte einen Ruck geben und seinen Wahlzettel zumindest wie eben erläutert oder auf andere kreative Weise manipulieren. Wieso? Nun, zum einen freuen sich die Wahlhelfer, zum anderen kann man so seine Unzufriedenheit mit dem Gesamtangebot an Parteien zum Ausdruck bringen, ohne gleichzeitig durch ein Fernbleiben unseren Oberen den Eindruck zu vermitteln, die gesamte Veranstaltung „Wahl als solches“ wäre einem schnuppe. Es wäre doch schade, wenn irgendwann einer auf die Idee kommt, man könne die ganze Butze doch gleich dichtmachen, wo sich anscheinend niemand dafür interessiert...

Also bitte wählen gehen ... und sei es nur, um mal wieder ein paar Leute zu pimmeln!

Mittwoch, 23. September 2009

Reisebericht (Teil 5): Nächster Halt: Zweibrücken

Eine weitere unserer mutigen Exkursionen führte uns an den äußersten Rand der Pfalz: Von Zweibrücken aus kann man quasi ins Saarland spucken. Der eigentliche Grenzübertritt erfolgte indes in jenem Restaurant, in dem wir mit dem Herrn der Zwerge und den tapferen Streitern von WerkZeugs zum mittäglichen Schmaus verabredet waren. Beim Urinieren erwischte mich eine volle Breitseite postmoderner Verschmelzungstendenzen: populäre ABBA-Stücke in chinesischer Easy-Listening-Instrumentalfassung. Äußerst harntreibend. Ich hoffe nun auf eine baldige Überarbeitung diverser Scooter-Hits unter Einbeziehung karibischer Rhythmik oder Madrigal-Einschlägen.

Markus Heitz erwies sich ebenso wie die gesamte WerkZeugs-Besatzung als gewohnt angenehmer Gesprächspartner. Moment, WerkZeugs? Heißt das etwa ... ? Ja, das heißt, dass es zu meinem Geschreibsel in naher Zukunft den einen oder anderen Merchandising-Artikel geben wird. Nämlich pünktlich zum Erscheinen von „Kalte Krieger“, meiner persönlichen Abrechnung mit dem Superheldengenre in Thrillerform, ganz ohne Capes, aber dafür mit Gedankenmanipulation, tiefgefrorenen Leichen, hassenswerten Sommercamp-Animateuren und jeder Menge mehr oder minder plattgefahrenen Kleintieren.

Zurück zum Treffen: Das Formidable an der Fantasy-Szene ist, dass die meisten ihrer Mitglieder völlig unkompliziert und locker miteinander umgehen, was Erstkontakte in der Regel unheimlich angenehm gestaltet. Da ich nun schon Einblick in einige andere Subkulturen hatte, kann ich glaubhaft versichern, dass dies andernorts alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.
Es war aber nicht alles eitel Sonnenschein auf dieser Fahrt. Welch Schmach, welch Schande – eine meiner großen Ideen wurde mir geraubt. Die Frauenfalle existiert bereits! Bei der Frauenfalle handelt es sich vordergründig um eine Straße, an der sich ein Schuhgeschäft neben das andere reiht. Der Asphalt ist nur Tarnung für eine gewaltige Falltür. Sind die Frauen durch das Schuhwerk in ausreichender Zahl angelockt, geht die Klappe auf. Simpel und teuflisch in seiner schlichten Eleganz zugleich ... und nahe Pirmasens anscheinend schon realisiert. Wie sonst sollte ich mir ein haushohes Plakat am Rand der Bundesstraße erklären, auf dem, so meine ich mich zu erinnern, von einer Million Paar Schuhe auf einer Strecke von drei Kilometern die Rede ist? Die Schlabbefligger sind mir offenbar zuvorgekommen ... Werde mir wohl besser über einen passenden Lockstoff für eine Männerfalle Gedanken machen (kostenlose Bundesligatickets sind zumindest in der näheren Auswahl, und meine gute Fee brachte eben noch eine Million attraktiver, paarungswilliger Frauen auf drei Kilometern ins Gespräch – Teufel, dein Name ist Weib!).

Moops-P.S. So, fast geschafft: Ein Eintrag zur Reise kommt noch und zwar am Samstag!

Montag, 21. September 2009

Reisebericht (Teil 4): Asiatische Reiseberichte und Wirbelwinde aus dem Taunus

Zunächst ein kleiner Nachtrag zu unserem Speyer-Aufenthalt. Dort haben wir mit einem alten Freund gefrühstückt, der sich brennend für die chinesische Kultur interessiert, erst vor kurzem aus dem fernen Taiwan zurückgekehrt ist und noch dazu zu den größten Versandhändlern für ein gewisses sammelbares Kartenspiel zählt. Von ihm habe ich einige faszinierende Dinge erfahren:

1. In Taiwan sind die Toiletten angeblich so sauber, dass man aus der Kloschüssel essen könnte. Praktisch: Da spart man sich doch glatt den lästigen Abwasch.
2. Asiatische Kondome können den auf Verhütung und AIDS-Prävention geeichten Liebhaber aus dem Westen offenbar tatsächlich vor gewisse Ankleideprobleme stellen.
3. Im chinesischen Fernsehen ist alles untertitelt, was bedeutet, dass man im Grunde immer nur die Hälfte einer Sendung sieht, weil die andere mit Schriftzeichen zugestellt ist (was sicher nicht immer als Verlust wahrzunehmen ist).

Doch genug von fernöstlicher Exotik und hinein in eine andere, fremde Welt: den Taunus. Wir haben einen Abstecher dorthin gemacht, und wie bereits bei früheren Besuchen weckte die Abgeschiedenheit einiger Dörfer umgehend den Horrorfreund in mir (und nicht umsonst spielt zumindest eine Szene aus „Lilie“ auch im Taunus).

Apropos Horror: Wir hatten die Gelegenheit, das John-Sinclair-Rollenspiel anzutesten, und ich muss sagen, dass wir eine Menge Spaß hatten. Der trashige Charme des Settings kombiniert mit einem sehr leicht verständlichen System sorgte für ausgezeichnete Unterhaltung, und ganz, als hätte unser freundlicher Spielleiter geahnt, was in „Lilie“ außer Ausflüge in den Taunus in „Lilie“ noch so passiert, durften wir uns mit ein paar Monstren herumschlagen, auf deren Speiseplan Menschenfleisch ganz oben steht.
Der im Titel dieses Eintrags erwähnte Wirbelwind, zählt zarte zwei Jahre und hört auf den zauberhaften Namen Merle. Merle beeindruckte mich durch ihre ungebremste Energie, ihren kaum zu stoppenden Redefluss und vor allem durch ihre interessanten Forderungen an uns (wie etwa die, die Küche doch eben schnell auf den Balkon zu räumen). Kinder leben in einer durch und durch magischen Welt, worum ich sie ehrlich gesagt ein bisschen beneide. Ich werde meinen Mitbewohnern vorschlagen, ob wir nicht auch über innerhalb der Wohnung komplett bewegliche Einzelzimmer nachdenken sollten. Dann könnte man beim Duschen fernsehen, beim Kochen schlafen usw. usf.

Moops-P.S. Weiter geht es am Mittwoch!

Samstag, 19. September 2009

Reisebericht (Teil 3): Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren, oder: Christophs im Doppelpack

Heidelberg hat mich in vielerlei Weise auch bei diesem Besuch nicht enttäuscht:

1. Es verfügt nach wie vor über eine der verwirrendsten Verkehrsführungen, mit denen ich je konfrontiert worden bin (und allein meine regelmäßigen Opfergaben an die Götter des Sicheren Reisens von Hier nach Dort haben dafür gesorgt, dass kein Radfahrer oder Fußgänger von meiner Stoßstange belästigt wurde).

2. Man trifft dort ausgesprochen freundliche Menschen. Zum Beispiel zwei Christophs, mit denen wir uns zum Mittagessen verabredet hatten. Der eine hat ein paar ansprechende Büchlein über Trolle, Seefahrt und Lykanthropen, der andere über kranke Kreuzritter und magische Schreine geschrieben. Mit ihnen lässt sich gar trefflich über Gott und die Welt, (Online-)Rollenspiele und verdächtig aussehende Tischnachbarn plaudern, was wir auch ausgiebig getan haben. Umso schöner, dass auch noch ihre beiden Herzensdamen zu uns stießen, die sich als clever, charmant und attraktiv herausstellten. Da ließ sich die etwas ungewöhnliche Happy Hour – sämtliche Heißgetränke für nur einen schlappen Euro – hemmungslos nutzen, obwohl es sich als schwierig erweist, sich mit Kaffee ins Koma zu saufen.
Bildunterschrift: Christoph Hardebusch, Christoph Lode, ein verwirrt dreinblickender Gnomenkönig, eine unbeteiligt wirkende Säule (v.l.n.r.); im Hintergrund: verdächtige Tischnachbarn

Moops-P.S. Weiter geht es am Montag!

Mittwoch, 16. September 2009

Reisebericht (Teil 2): Ich bin dann mal sogar zu faul, um weg zu sein

Aus meinem Besuch der Domstadt Speyer (dem nächsten Ziel der Reise) ziehe ich folgende Lehren:

1. Die diesjährige Wespenplage fällt im Süden noch deutlich dramatischer aus als in hanseatischen Gefilden. Ein Schälchen Waldbeerjoghurt und ein Tröpfchen Honig reichen aus, um zum Frühstück Besuch von einem guten Dutzend hungriger Kriegerinnen zu bekommen. (Unter Umständen ein hilfreicher Tipp für Alleinessende, die sich bei anderen Cafébesuchern interessant machen wollen.) Da ich in meinem Leben noch nie bewusst von einer Wespe gestochen worden bin, die Schilderungen über die Auswirkungen eines solchen Vorfalls allerdings zunehmend schmerzverheißender ausfallen, befürchte ich, dass mich bei einem Stich allein schon die Panik umbringen könnte, die von diesen Schauermärchen ausgelöst wird. In Zukunft gilt wahrscheinlich: Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, ein Wespenstich einen Plischke!

2. In Speyer bleiben Brunnen unbeschmutzt, auf denen Sprüchlein zu lesen stehen wie „Deutsche Frauen, deutsche Treue“ oder „Ich hat einen Kameraden, einen bessern findst du nit“.

3. Bevor man in ein Museum stürmt, weil man unglaublich scharf auf eine angepriesene Ausstellung ist, lohnt es sich unbedingt, im Vorfeld trotz aller Begeisterung zunächst zu überprüfen, ob die betreffende Ausstellung überhaupt bereits zu bestaunen ist. Wir wollten uns über Hexen informieren und bekamen letzten Endes doch nur sogenannte Idole (darunter Fotografien von Dieter Bohlen, Victoria Beckham und Angela Merkel) zu sehen. Ungeachtet dessen hatten wir die Gelegenheit, inspirierendes Bildmaterial für ein Projekt zu sammeln, das uns derzeit im Kopf herumschwirrt.

4. Ich habe ohne eigenes Wissen eine erste Station auf dem Jakobsweg angesteuert, wenngleich mit dem Automobil und nicht zu Fuß. Ich trage mich nun mit dem Gedanken, eine Art Wellness-Pilgerfahrt zu organisieren (Teilnehmer müssen entweder einen Maybach, einen italienischen Sportwagen mit einem Wert nicht unter 185.000 Euro oder im Optimalfall einen Privatjet bzw. –helikopter ihr Eigen nennen, um standesgemäßes Reisen und nette Plaudereien über Armut als Krankheit und den dringenden Wunsch nach einer gebotenen Entschleunigung des Lebens in der Postmoderne zu garantieren; Interessenten wenden sich wie immer über meine Verbindungen zu den Bilderbergern an mich).

Moops-P.S. Teil 3 (mit [noch mehr] Stargästen) folgt am Samstag!

Montag, 14. September 2009

In eigener und fremder Sache

Moops-Hinweis:

Seit einigen Jahren sind Thomas und ich ja des öfteren auch als Redakteure bei der "Nautilus - Abenteuer und Phantastik" (vom Abenteuer Medien Verlag) tätig. Gerade im Buchbereich und bei Filmen weiß das Magazin wirklich zu glänzen, aber auch bei den Games dürfen wir den einen oder anderen Beitrag beisteuern. Daher legen wir es an dieser Stelle gerne allen Fantasy-Fans, Phantastik-Begeisterten und Horror-Freunden ans Herz. Aktuell sitzen wir beispielsweise an einem Artikel zum Thema "Von der Idee zum Text, vom Text zum Buch", sprich einer kleinen Einführung für all jene, die davon träumen ein Buch zu veröffentlich. Das dürfte doch ein Kaufanreiz sein, oder?

Seit neustem kann man das Magazin nun auch direkt bei Amazon ordern und zwar als Abo, aber auch nur einzelne Hefte kann man bestellen.

Wer unseren Worten nicht traut, der kann schon vorab die aktuelle Ausgaben durchblättern.

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Vor einiger Zeit hatten wir ja schon einmal auf unsere Freunde von Audionym verwiesen, mit denen wir nicht nur unseren Buchtrailer sondern auch die Sacred-Hörspielreihe verwirklicht haben. Nun ist endlich die neue Webseite online gegangen, also schaut mal rein!

Moops Over and Out

Sonntag, 13. September 2009

Andere Reisende

Moops-Zwischenspiel:

Nicht nur wir waren auf Reisen, sondern auch der geschätzte (und noch dazu sehr unterhaltsame) Kollege Löffler ist mit Sack und Pack bzw. der ganzen Familie fernab der Heimat unterwegs gewesen. Natürlich passieren da dann auch amüsante Sachen, zum Beispiel diese hier.

Kopf hoch, Falko, Deinen Rat bezüglich des Restaurants werden wir beim nächsten Besuch in Borkum gern beherzigen!

Moops Over and Out

Reisebericht (Teil 1): Autoren auf einem Haufen

Wie versprochen werde ich in den nächsten Tagen von der Reise in den Süden berichten, die der Moops und ich unlängst gemeinsam unternahmen. Als Teil meiner aufklärerischen Grundhaltung und meiner zwanghaften Listenerstellungsneigung sehe ich mich gezwungen, die Welt dort draußen an meinen Eindrücken und Erfahrungen zumindest in verknappter Form teilhaben zu lassen.

Erste Station war Hessen, genauer gesagt das malerische Oberursel bei Frankfurt. Was mich als Pfälzer in Feindesland verschlug (die süddeutschen Stämme sind ja einander bekanntermaßen seit Jahrhunderten in einer zärtlichen Hassliebe verbunden), war ein Forentreffen. Seit ungefähr anderthalb Jahren treibt sich vorrangig der Moops nämlich im Montségur-Forum herum, wo sich Autoren jeglicher Art munter über ihr Schreiben austauschen. Einmal im Jahr fällt nun also eine Horde von Vertretern der schreibenden Zunft in einem recht beschaulichen Hotel ein, um sich ein Wochenende lang Aug in Aug und von Angesicht zu Angesicht allerlei zu erzählen, was sich schlecht tippen lässt. Selbstverständlich gibt es auch ein Rahmenprogramm mit einer Fünf-Autoren-Lesung, Workshops, Vorträgen und diesmal als Premiere auch einer Podiumsdiskussion. Wichtigste und beruhigendste Erkenntnis aus besagtem Gespräch: Es weiß nach wie vor niemand so genau, wie ein Bestseller eigentlich entsteht (es sei denn, einige wichtige Voraussetzungen wie das zwingend erforderliche Opfern einiger Jungfrauen oder das Unterzeichnen von Verträgen nur und ausschließlich mit dem eigenen Blut wurden schändlicherweise unterschlagen).

Wie stets hatte ich Probleme, meine natürlichen Befangenheiten im Umgang mit fremden Personen sozialverträglich zu überwinden, weshalb ich insgesamt weitaus weniger geredet habe, als ich ursprünglich vorhatte. Vielleicht beim nächsten Mal ...

Nichtsdestoweniger habe ich einige Lektionen gelernt:
1. Es ist nicht möglich, von der äußeren Erscheinung eines Autors zuverlässig auf das Genre zu schließen, in dem er sich hauptsächlich betätigt. Orientierungsbehindernder Missstand oder begrüßenswerte Klischeeferne? Darüber mögen bitte andere urteilen ...
2. Circa sechs Menschen (z.B. der hier) mit einer ähnlichen Suchtproblematik wie meine Wenigkeit können einen etwa 20 qm großen Raum binnen 45 Minuten bequem derart zuqualmen, dass man kaum noch die Hand vor Augen sehen kann. Mögliche Strategie, um eventuell angebrachte Überwachungskameras zu überlisten. Nur schade, dass Rauchen nicht zusätzlich noch den Schall dämpft, wodurch auch Richtmikrophone und Wanzen außer Gefecht zu setzen wären.
3. Einige Workshops zeigen bei den Teilnehmern offenbar mehr bewusstseinserweiternde Wirkung als die nützlichen Chemikalien, denen man eine solche Eigenschaft in der Regel zuspricht. Anders ist nur begrenzt zu erklären, weshalb auf der Hotelterrasse mehrfach angeregte Gespräche über Zwergkois, die vier Elemente und histrionische Persönlichkeitsstrukturen zu belauschen waren.
4. Manche Kollegen finden echten Gefallen daran, wenn man ihnen die physiologischen Merkmale von Tieren andichtet (Affenarme beispielsweise).
5. Der gemeine Hesse fährt Auto, als wäre er darauf versessen, seine sterbliche Hülle möglichst rasch abstreifen zu dürfen (angesichts des amtierenden Ministerpräsidenten eine verständliche Obsession).
6. Der Organisator dieses Treffens ist ein aus der Zukunft zurückgereister genetisch manipulierter Supersoldat ohne jegliches Schlafbedürfnis (und auch ansonsten reich mit übermenschlichen Kräften gesegnet).

Moops-P.S. Die Reise geht am Mittwoch weiter...

Donnerstag, 10. September 2009

Zwischenstand und Vorschau September

Moops-Update:

Thomas liegt gerade in den letzten Zügen mit "Lilie", daher die Pause hier. Im Anschluß gibt es dann aber eine mehrteilige Aufarbeitung unserer Reise durch Südwestdeutschland - inklusive einer Reihe von Prominenten, die wir belästigt haben...

Moops Over and Out

Dienstag, 1. September 2009

Nordische Gastfreundlichkeit

Wie manche vielleicht wissen, handelt es sich bei meiner Wenigkeit um einen Süddeutschen (genauer gesagt einen Pfälzer), den es in den Norden verschlagen hat. Meine Umsiedlung liegt inzwischen zwar auch schon bereits schlappe sieben Jahre zurück, doch anlässlich unserer Nandu-Pirsch vor einigen Tagen wurde mir überraschend der Umstand ins Gedächtnis gerufen, dass der Norddeutsche und der Süddeutsche sich in Wesen und Verhalten punktuell erheblich unterscheiden.

Ein treuer Freund aus dem Süden, der uns zu den Laufvögeln begleitete, kam auf der Rückfahrt auf die charmante Idee, man könne sich doch etwas Räucheraal besorgen. Tatsächlich erspähten wir kurz darauf ein Schild, auf dem diese Spezialität angepriesen wurde. Nach einem spektakulären, aber dennoch straßenverkehrsordnungskompatiblem Wendemanöver lenkte ich den Wagen todesmutig durch eine schmale Hofzufahrt und parkte rückwärts neben einem recht protzigen, silbergrauen Mercedes ein. Durch eine Glastür betraten wir den Anbau eines – wie könnte es in Norddeutschland anders sein – rot geklinkerten Einfamilienhauses. Das Öffnen besagter Tür löste ein lautes Schrillen aus, woraufhin bald eine Dame mittleren Alters erschien, der wir unser Anliegen höflich vortrugen. Eine vergleichbare Situation in Süddeutschland hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit in ein nettes, unverfängliches Zweieinhalb-Minuten-Gespräch gemündet (Eckpunkte: das Wetter, wo kommen wir her, wo wollen wir hin usw.). Hier indes setzte die Dame ein Gesicht auf, als hätten wir von ihr verlangt, sie möge uns bitte ihre Söhne und Töchter zwecks anstehender Zwangsschändung unsererseits vorführen, bevor sie uns in den eigentlichen Verkaufsraum winkte. Auch die eigentliche Transaktion Geld gegen Räucheraal erfolgte mit der warmen Herzlichkeit, wie man sie bei Verhandlungen mit der norwegischen Lappenmafia erwarten würde. Überglücklich, noch einmal mit dem Leben davongekommen zu sein und nicht neben den Aalen in der Räucherkammer zu hängen, zogen wir von dannen.

Vergleichbare Szenen spielten sich eine halbe Stunde später in einem Café in Ratzeburg ab. (Kleiner Einschub: Die sanitären Einrichtungen waren ungelogen durch ein elektronisches Schloss gesichert, dass nur nach Eingabe eines Codes den Weg zu den rettenden Schüsseln freigab; in den Toiletten selbst zeigte ich mich ein wenig verwundert über die Glasscheiben in den Türen der Klokabinen, durch die man beim Pinkeln an den Pissoirs zumindest in der Theorie andere Gäste beim Verrichten größerer Geschäfte hätte beobachten können.) Zurück zum Thema: Die Bedienung – eine junge, hübsche Frau – nahm unsere Bestellung für süddeutsche Verhältnisse derart teilnahmslos entgegen, dass bei Unbedarften leicht der Eindruck entstanden wäre, man habe es womöglich mit einem neumodischen, wenngleich etwas unbeholfen programmiertem Servierroboter zu tun (oder wenigstens mit einer Person, die das überraschende Ableben eines ihrer Gäste höchstens mit einem angedeuteten Schulterzucken quittiert hätte).

Mittlerweile lebe ich lange genug im Norden, um zu verstehen, dass uns in beiden Fällen keine echte Abneigung entgegenschlug. Verstörend ist diese besondere Form der Gastfreundlichkeit ab und an für mich allerdings nach wie vor, was in erster Linie darin begründet liegt, dass man als süddeutsch sozialisierter Mensch nicht genau weiß, wie man angemessen darauf reagiert. Ich bin für Vorschläge jedweder Art äußerst offen...