Samstag, 29. August 2009

Könnte der echte Thomas Plischke bitte einmal kurz aufstehen?

Mich gibt es mehr als einmal. Ich habe einen Namensvetter oder zu Neudeutsch Googlegänger, der sich leicht finden lässt, wenn man meinen/unseren Namen in eine Suchmaschine eingibt. Damit bin ich natürlich nicht allein. Was mich jedoch ins Grübeln gebracht hat, ist die unheimliche Art und Weise, auf die sich unsere Wege kreuzen.

Der andere Thomas Plischke war beispielsweise unlängst ebenso wie ich an der Uni Hamburg tätig, und dieser Zufall resultierte darin, dass mein Honorar offenbar auf seinem Konto eintrudelte. Mehr noch: Auf STINE – dem uni-eigenen Datenverwaltungssystem – wurde die Veranstaltung, die der andere Thomas Plischke abhielt (eine szenische Tanzinszenierung, wenn ich mich recht erinnere), sogar auf meinem Account angezeigt und mir ist zumindest von einer Person bekannt, dass sie ein wenig enttäuscht darüber war, als nicht ich, sondern mein Googlegänger bei besagter Veranstaltung auftrat.

Noch verstörender ist der Titel eines Projekts des anderen Thomas Plischke, das er mit seiner Partnerin und einigen anderen Beteiligten auf die Bühne brachte: ‚I am not a zombie’ heißt das gute Teil, und es scheint ganz so, als teilten wir neben dem Namen auch popkulturelle Vorlieben. Ist er am Ende mein Tyler Durden? Bin ich deshalb häufig mal so müde, weil ich mich in meiner Zweitexistenz physisch völlig verausgabe und meinen begnadeten Körper zu komplexen Rhythmen bis an den äußersten Rand des Menschenmöglichen verbiege? Hier mal eben kurz die Dance Club-Regeln:

1. Ihr verliert kein Wort über den Dance Club.
2. Ihr verliert KEIN WORT über den Dance Club.
3. Wenn jemand Stopp ruft, schlappmacht oder abklopft, ist der Tanz vorbei.
4. Es tanzen jeweils nur zwei.
5. Nur ein Tanz auf einmal.
6. Immer Hemd, immer Schuhe.
7. Die Tänze dauern genau so lange, wie sie dauern müssen.
8. Wer neu ist im Dance Club, muss tanzen.

Nach der Rückkehr aus Köln wartete eine E-Mail aus Brasilien auf mich, in der ich für die Teilnahme an einem Tanzprojekt in Brasilien angefragt wurde. Also natürlich eigentlich nicht ich. Der andere Thomas Plischke war vermutlich der gewünschte Adressat dieses Schreibens. Nichtsdestoweniger war ich kurzzeitig versucht, mich zu erkundigen, was von mir in Südamerika so erwartet wird und ob die Veranstalter meine speziellen Hotelwünsche berücksichtigen könnten (Kontinentalfrühstück, Meer- und/oder Dschungelblick, beheizter Pool). Meine Versuchung wurde durch meine beiden Liebsten als egoistische Selbstverliebtheit gebrandmarkt, weshalb ich zähneknirschend Abstand von einer entsprechenden Nachfrage absah.

Ungeachtet dessen würde ich meinen Googlegänger bei Gelegenheit dann doch irgendwann einmal von Angesicht zu Angesicht treffen (selbstredend im Beisein von Dritten, um meine Bedenken hinsichtlich eines schizophrenen Doppellebens ausräumen zu können). Mein Terminkalender hat zwar nicht viele Lücken, aber soviel Zeit muss sein...

(Moops-P.S. Bei Interesse reicht eine E-Mail an ole (at) im-plischke.de zur Kontaktaufnahme!)

Mittwoch, 26. August 2009

Eine Messe so wie ich sie mag

Bei unserem Besuch der gamescom hatte ich schon relativ zu Beginn unseres Aufenthalts einen schwer faszinierenden Gedanken: Was, wenn man Bücher so präsentierte, wie man auf Messen Videospiele der staunenden Öffentlichkeit vorführt?

Dazu bräuchten wir nur die folgenden Zutaten:
* Ehrlichere Reihentitel (als Beispiel möchte ich Ich bin dann mal weg 2 – Richtig doll weg vorschlagen).
* Gigantische Flatscreens, bei deren Dimensionen man automatisch vor Ehrfurcht erschauert (auf denen könnte man dann passende Landschaftsaufnahmen für die in Ich bin dann mal weg 2 geschilderte Antarktisdurchquerung zeigen).
* Eine Armee aus Lautsprechern, aus denen man je nach Genre ohrenbetäubende Musik rausballern kann (denkbare Paarungen wären: Historischer RomanCorvus Corax oder Subway to Sally; FantasyManowar oder Blind Guardian; Science FictionSven Väth oder Skinny Puppy; All AgeDJ Ötzi oder Norah Jones; Freche FrauenPink oder Lady Gaga).
* Bühnen, die sich für live nachgespielte Schlüsselszenen aus bedeutenden Werken nutzen lassen (man könnte eventuell den Jacob Sisters einen der verbliebenen Pudel abschwatzen, um für eine Liebhaberedition von Faust auf mundgeschöpftem Büttenpapier Mephistos Erscheinen zum echten Event zu machen).
* Eine Rotte junger Menschen mit trendigen Frisuren und hippen Klamotten, die sich auf Sofalandschaften herumlümmeln und den Vorbeistreifenden anbieten, ob sie nicht mal ein Buch mit ihnen lesen wollen.
* Riesige Stände, die von außen allerdings nicht einsehbar sind und vor denen sich dennoch lange Schlangen (Wartezeit ca. 2 Stunden) bilden, weil man drinnen fünf Minuten im neuen Dan Brown lesen darf.

Wenn das nicht die Verkaufszahlen der gesamten Branche ankurbelt, weiß ich auch nicht mehr weiter...

Sonntag, 23. August 2009

Jeder Künstler ist ein Kannibale, jeder Dichter ein Dieb...

...formulierte es Bono ungefähr mal vor rund zwanzig Jahren in The Fly. Und das Fiese ist: Er hat auch noch ein bisschen recht. Ich habe auch einmal eine Geschichte gestohlen, wenn man so will. Zumindest habe ich eine Episode, die mir erzählt und als wahr behauptet wurde, für eine Kurzgeschichte nacherzählt (welche das ist, wird natürlich nicht verraten, weil sie einen gewissen Tabubruch ohne echte Opfer zum Thema hat). Der Leidtragende in diesem Fall heißt Mike Tinney, und bisher glaubte ich, meine Schuld damit beglichen zu haben, dass er seiner späteren Gattin über mich und den Moops begegnete.

Mittlerweile ist Mike der Nordamerika-Chef der Spielefirma CCP, die anlässlich der Kölner Gamescom im Alten Wartesaal ein rauschendes Fest inklusive abgefahrener Akrobatik-Show veranstaltete, zu dem wir ebenfalls eingeladen waren. Dort stellte sich heraus, dass Mike noch immer mit Tantiemen für die Verwendung seiner Geschichte rechnet. Am späteren Abend – ungefähr gegen zwei Uhr – ergab sich dann die Gelegenheit, die Scharte auszuwetzen: Mike brauchte Zigarrennachschub, woraufhin sich die Fee, der Moops und ich aufmachten, nach Rauchwerk zu suchen. Die Fee – welterfahren wie sie ist – schlug vor, man könnte doch einfach ein „gutes Hotel“ aufsuchen und dort einmal nachfragen.

Zehn Minuten später standen wir in der Bar eines Fünf-Sterne-Hotels direkt am Dom, nachdem uns die Eloquenz des Moops am Nachtportier vorbeigemogelt hatte. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass der Moops außer sechs Litern Schweiß nur ein Handtuch, ein T-Shirt und eine Dreiviertelhose am haarigen Körper trug und die Fee und ich schwerstens angetrunken waren. Die junge Dame in der Bar erwies sich dann als derart hochprofessionell, wie man es von einem Haus wie dem, in dem sie ihrer Arbeit nachgeht, erwartet. Sie bot uns sogar an, die Zigarren anzuschneiden, was von uns dankend abgelehnt wurde, weil wir davon ausgingen, dass das nötige Werkzeug im Alten Wartesaal bestimmt zur Verfügung stehen würde. Wir bedankten uns, zogen von dannen ... und standen weitere zwanzig Minuten später wieder vor der hilfreichen Dame, weil der Zigarrenschneider sich auf seiner eigenen Odyssee befand. Während unserer Abwesenheit hatte Mike nämlich einen der Kellner des Alten Wartesaals samt Zigarrenschneider ebenfalls entsandt, um Suchtstoff heranzuschaffen. Der Kellner war allerdings noch verschollen, weshalb wir eben noch einmal das Hotelpersonal belästigen mussten.

Ich halte also fest: Aufgrund der erlittenen Demütigungen betrachte ich meine Tantiemen an Mike Tinney hiermit als entrichtet. Zumindest bis zur nächsten Begegnung...

Montag, 17. August 2009

Das Kreuz mit der Inspiration - Teil 2

Die Inspirationsmöglichkeiten, die sich einem im kreativen Schaffen anderer bieten, sind reichhaltig und vielfältig. Das ist gut. Zehntausend von Menschen haben spannende, interessante Geschichten in diversen Formen und Medien zu erzählen. Das ist schlecht. Wieso? Weil es eine Auswahl zu treffen gilt, womit man sich die Birne zuballern will. Anders gesagt: So viele Romane, Comics, Filme, Fernsehserien, Theaterstücke – und nur so wenig Zeit.

Man ist quasi in einem Netz aus gefühlten Verpflichtungen gefangen, die teils widersprüchlicher Natur sind: Zum einen muss das Genre, das man beackert, im Auge behalten werden, zum anderen lockt jenseits der Phantastik ein weites Feld hervorragenden Kulturschaffens. Popcorn-Kino tritt im Arena der Aufmerksamkeitsheischung gegen den vermeintlichen Autorenfilm an. Wagt man einen Blick auf einen modernen Shooter, um zu sehen, wie dort Story vermittelt wird, oder übersieht man dadurch eine grandiose Neuentwicklung im RPG-Bereich?

Die Antwort lautet: Ruhe bewahren! Tief durchatmen! Dann mit der Naivität eines Kindes an das herantreten, was gerade am buntesten, schrillsten und lautesten ist! Fesselt es einen nach zwei Minuten nicht länger, schlägt man es am Rand der Sandkiste oder auf dem Kopf des Spielkameraden kaputt. Was man braucht, ist eine gesunde Mischung aus Urvertrauen und ADHS. Eine der größten Lügen, die uns anerzogen wird, ist die, dass man etwas, das man angefangen hat, auch zu Ende bringen muss – und zwar selbst dann, wenn man nach den ersten Sekunden bereits das untrügliche Gefühl hat, dass man es beispielsweise gerade mit einem Roman zu tun hat, der einem persönlich leider so gar nicht zusagen wird. Hat man diese Lüge als solche erkannt, wird mit einem Mal alles leichter: Man legt ein angefangenes Buch ohne schlechtes Gewissen zur Seite, verlässt den Kinosaal mit traumwandlerischer Sicherheit bereits nach der Exposition oder belässt es lächelnd beim Piloten einer brutal gehypten Serie, deren bestimmt irgendwie vorhandener Charme aus unerfindlichen Gründen von einem selbst total abperlt.

Der Vorteil dieser Strategie besteht darin, dass man sich wieder auf das konzentrieren kann, was einen anspricht und aus dem man für sich einen emotionalen oder sonstwie gearteten Gewinn ziehen kann. Manchmal muss man sich damit abfinden, dass man nicht jeder Spur aus Inspirationsschnipseln folgen kann. Man tröstet sich am besten damit, dass man denen folgt, die einen aufgrund ihres knisternden, schillernden Materials umgehend anspringen, anstatt sich ständig zu überlegen, wohin die anderen Spuren führen mögen. Das Leben im Konjunktiv ist und bleibt nämlich ein neurotisches – auch und gerade wenn es um möglicherweise verpasste Inspirationen geht…

P.S. Teil 1 zum Thema Inspiration findet man hier.

Freitag, 14. August 2009

Das Kreuz mit der Inspiration - Teil 1

Wie schon mehrfach an dieser Stelle angedeutet, ist das Autorendasein bisweilen ein recht einsames. Einziger Freund: der Rechner. Einzige Ablenkung: die Vorhut der Marienkäferinvasion, die über Norddeutschland hereinbricht.

Gelegentlich muss diese Monotonie aus Tastenklackern und Gängen zum Fenster, um die Kämpfer der genannten Vorhut zurückzuschlagen, unterbrochen werden. Wozu? Abgesehen von Körperpflege und anderen alltäglichen Verrichtungen steht in schöner Regelmäßigkeit etwas auf dem Programm, das nicht aufgeschoben werden kann: die Suche nach Inspiration.

Am ehesten ist dieser Vorgang mit einer Schnitzeljagd zu vergleichen. Der Weltgeist oder wer auch immer legt überall kleine Schnipselchen aus, denen man folgt. Oftmals führen diese Spuren fieserweise ins Nichts – ja, Pavianhintern zum Beispiel sind in der Tat faszinierend, aber es wird schwierig, diese Faszination auf sinnvolle Art in ein Projekt zu integrieren, das außer meiner Wenigkeit noch eine nennenswerte Zahl von Menschen gleichermaßen fesselt. Leider weiß man beim Auffinden eines einzigen Schnipsels noch nicht, ob er zu einer tieferen Auseinandersetzung mit Pavianhintern oder eben doch zu etwas Verwertbarerem führt.

Grundsätzlich lassen sich die Schnipsel in zwei Kategorien unterteilen: die, die auf die man in fiktionalen Welten stößt (Kategorie A), und die, die über die sogenannte echte Welt verstreut sind (Kategorie B). Unlängst unternahmen wir einen Ausflug, um nach Vertretern von Kategorie B zu suchen – und wir wurden fündig. Getrieben von der Aussicht, in Mecklenburg-Vorpommern einen südamerikanischen Laufvogel in freier Wildbahn zu beobachten, haben wir eine Expedition unternommen, die uns in bislang unbekannte Gefilde führte. Und wir haben sie gesehen: Nandus mit ihren Jungen. Das hatte etwas von Jurassic Park, und nun frage ich mich, welche anderen Exoten sich hierzulande gut machen würden. Ganz oben stehen auf meiner Liste derzeit: Amur-Leoparden, Elefanten (gekoppelt mit meinem irrsinnigen Plan, ungefähr hundegroße Rüsselträger zu züchten, die sich als Haustiere eigneten), Zebras, Giraffen und Paradiesvögel.

Was hat die kurze Inspirationsreise gebracht bzw. führte die Schnitzeljagd wieder nur zu einem Pavianhintern in fedriger Nandutarnung? Wahrscheinlich nicht, denn erstens lohnt es sich immer, Tiere in ihrem … hüstel … natürlichen Habitat zu beobachten, und zweitens reifen fröhlich die einen oder anderen Gedanken zu designtem Leben sowie ungewöhnlichen Landschaften, die sich auch von Figuren ausgezeichnet durchstreifen ließen.

Ähnlich ergiebig war ein etwas länger zurückliegender Ausflug nach Lübeck, wo sich zeigte, dass Kirchenorgeln generell unterschätzt werden, was ihre Zündkraft für gruselig-absurde Ideen angeht. Und nein, ich meine nicht den Klang, ich spreche allein von ihrer äußeren Erscheinung. Soviel zur Kategorie B. Später mehr zur Kategorie A…

Moops-P.S. Teil 2 folgt am Montag.

Mittwoch, 12. August 2009

Zurück in den Reichen

„Stahl“ steht an – der dritte Band aus den Zerrissenen Reichen. In den nächsten Wochen geht es ans Finetuning der Handlungsstränge, ans Ausarbeiten einiger neuer Figuren und die Konzeption der Schlüsselszenen. Der Thrilleraspekt, der im letzten Band etwas in den Hintergrund treten musste – immerhin gab es einen Kriegsausbruch zu schildern –, wird in „Stahl“ wieder deutlicher an Bedeutung gewinnen. Das heißt leider auch, dass mindestens eine der Figuren, die man schon aus den ersten beiden Bänden kennt, es diesmal nicht über die rettende Ziellinie schaffen wird.

Was haben wir außer diesem grausamen Dahinmetzeln noch vor? Nun, wir wollen beispielsweise einen näheren Blick darauf werfen, wie die neben Händlern in erster Linie von Wissenschaftlern geprägte Menschenstadt Meerschaum den Spagat zwischen Herrengläubigkeit und Pragmatismus hinbekommt – und wie man dort auf das Vorrücken der Zwerge reagiert. Im Dampfland selbst ist natürlich auch nicht alles eitel Sonnenschein, weshalb sich ein neuer Ermittler aufmachen muss, einige Geheimnisse aufzudecken – wobei dieser kleine Kerl gegenüber Garep, Karu und Co. allerdings einen entscheidenden Wissensvorsprung besitzt, weil wir quasi aus der Opfer- in die Täterperspektive springen.

Außerdem haben wir den ganzen Bohei um Goldberg nicht nur betrieben, um ein Belagerungsszenario zu schildern – die Erkenntnisse, die man dort und auf der Insel mit dem Paradies gewonnen hat, dienen als Vorbereitung für die nächste Station der Reise.

Und ja, auch die versprochenen Elfen haben wir nicht vergessen. Ebenso wenig wie Fianessas Mission oder Dschuns ‚Visionen’. Was Sira und ihre Suche nach der Wunderwaffe angeht, so sollte die Gute besser vorsichtig sein, dass nicht alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen...

Sonntag, 9. August 2009

Neue Entwürfe, frisch der Wirklichkeit entrissen

Manchmal gewinne ich den Eindruck, als veranstaltete ich bei der Suche nach neuen Geschichten schlicht und ergreifend einen viel zu großen Aufstand. Immerhin wäre es verlockend einfach, gemäß der Twainschen Erkenntnis „Wahrheit ist unglaublicher als Phantasie“, sich darauf zu stürzen, was einem die Realität so bietet.

Allein in den letzten Wochen wurde – dem Sommerloch zum Trotz – ausreichend Material für interessante Erzählungen geliefert:

Die Bewohner Severoniens sind empört. Rieke Eisenhauer – eine Angehörige des Rats der Weisen, die die Geschicke des kleinen Landes lenkt – hat einen beispiellosen Frevel begangen. Für eine Reise ins ferne Torosangrial, wo die Sonne niemals untergeht, hat sie eine magische Kutsche, in der es immer kühl bleibt und die ihre Insassen durch unsichtbare Panzerplatten vor Angriffen schützt, samt Paladin-Kutscher entwendet. Riekes ursprünglicher Plan bestand darin, das Gefährt nach ihrer Huldingung an den Sonnengott (einem regungslosen Verharren in dessen heißen Strahlen, bis ihre Haut sich in eine lederne Rüstung verwandelt hat) heimlich, still und leise zurückzugeben, doch sie hat nicht mit der Niedertracht der Torosangrialesen gerechnet: Sie dringen in die Herberge ein, überwältigen den Kutscher-Paladin mit einem lähmenden Gift und machen sich ihrerseits mit der Kutsche davon. Doch sind es tatsächlich gewöhnliche Räuber, die Riekes Reise in einen Alptraum verwandeln? Oder handelt es sich um Abgesandte ihrer Konkurrenten aus dem Rat der Weisen, die sie kompromittieren wollen? Rieke hat nur eine Chance: Sie muss die Diebe und die Kutsche finden – mitten in einem Land, dessen Sprache sie kaum versteht und in dem eine Frau ihres fortgeschrittenen Alters kaum noch Anschluss findet. Sie sucht Hilfe bei Exil-Severonen, doch ihr graut bereits vor den Prüfungen, die ihr auferlegt werden, um ihre Rechtschaffenheit unter Beweis zu stellen: das Leeren des Bodenlosen Eimers, der Tanz der Zermalmten Roten Früchte und die gefürchtete Entblößung ohne Scham.

So weit zu Rieke und ihren Abenteuern. Es böte sich auch anderes an: die tragische Erzählung um den Barden Gottgleich Popking, der als Kind einer Gauklerfamilie geboren wird, in der der Vater den Knaben und seine Brüder durch strenge Zucht und Disziplin die Geheimnisse des magischen Tanzes lehrt. Gottgleich, der an dieser Härte beinahe zerbricht, sagt sich nach Jahren von seiner Sippe los, findet im Affenmenschen Bläschen kurzzeitig einen treuen Gefährten und löst das Letzte Rätsel: wie ein Mensch sich fortbewegen kann, ohne die Füße vom Boden zu heben. Auf allen Straßen in allen Städten tun die Menschen es ihm für eine Weile nach, bis sie sich angewidert von Gottgleich abwenden, weil dieser mit tatkräftiger Unterstützung der besten Heiler, Leibschneider und Wunderwirker den Versuch unternimmt, sich selbst in ein Geschöpf ohne Alter, Herkunft und Geschlecht zu verwandeln, wie es ihm in einer Vision von einer besseren Welt offenbart wurde. Nach Jahren der Ächtung, in denen es heißt, Gottgleich habe den Verstand verloren und tröste sich mit unschuldigen Knaben über den Verlust seines Ruhmes hinweg, erkennt Gottgleich, dass er sich seinem Schicksal stellen muss. Fünfzig Tage und Nächte will er auf einer gewaltigen Bühne in einer noch gewaltigeren Stadt des Reiches tanzen und gehen, ohne die Füße vom Boden zu heben, um ein großes Übel von den Menschen abzuwenden. Er ahnt nicht, dass die bösen Mächte ihm nicht die Zeit schenken werden, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Ja, ja, so viele Ideen, so wenig Zeit. Vielleicht im nächsten Leben...

Moops-P.S. Am Rande sei erwähnt, dass wir in der Tat neue Exposés für etwas realitätsfernere Projekte bei Piper eingereicht haben und der Verlag auch gleich mal Interesse an mehreren angemeldet hat. Aber bis wir dazu Neues verkünden können, wird es noch ein Weilchen dauern.

Moops-P.P.S. Auf vielfachen Wunsch gibt es in den nächsten Tagen auch ein Update zu "Stahl", also dranbleiben...

Samstag, 1. August 2009

Der Tod ist nicht das Ende

Moops-Update:

So eben hat Thomas die letzten Worte von "Lilie" getippt und ich durfte sie für gut befinden (waren sie zugegebenermaßen aber auch). Die nächsten Tage verbringen wir jetzt mit der Überarbeitung sowie dem Verfassen eines Nachworts - ja, ein solches soll es erstmalig geben...

Danach geht es dann an die untote Kurzgeschichte und natürlich "Stahl", den dritten Ausflug in die Zerrissenen Reiche.

Zwischendurch wird es uns übrigens auch zur GamesCom und zum Montségur-Treffen verschlagen, beim letztgenannten haben wir die Ehre einen der Expertenvorträge zu halten.

Moops Over and Out