Freitag, 27. März 2009

Es regt sich Widerstand

Moops-Update:

Vor kurzem hat Thomas ja zwei Gegenartikel zur Berichterstattung in der (Online-)Presse geschrieben.

Nun werde diese Botschaften freundlicherweise auch von tapferen Streitern in die Welt hinausgetragen, das wollen wir unseren Lesern natürlich nicht vorenthalten. Insbesondere da diese Damen und Herren auch durchaus kluge Ergänzungen haben.

Reitersmanns Inklusorium bietet eine persönliche Anekdote (übrigens war es bei mir genau andersrum).

Am "Lake Hermanstadt" weiß man dazu auch kluges zu sagen, nämlich hier und hier.

G-wie-Gorilla hat auch aufgehorcht.

Und im Montségur-Autorenforum tragen andere Kundige hier und hier etwas zur Diskussion bei.

Da kann man nur sagen: Weiter so! Vielleicht kann man ja doch was bewegen, auf jeden Fall gilt: Je höher die Wellen, desto besser.

Moops Over and Out

Interviews ohne Ende

Moops-Update

Im Zauberspiegel ist vorgestern auch eine der ersten Rezensionen zu Die Ordenskrieger von Goldberg online gegangen.
In Windeseile hat der unermüdliche Jochen Adam dann gleich auch ein Interview dazu mit Thomas geführt.

Viel Spaß beim Lesen!

Moops Over and Out

Donnerstag, 26. März 2009

Es geht schon wieder los

Nachdem uns erst unlängst Susanne Weinhart mit ihren Ansichten zum so genannten Fantasy-Boom bedachte, legt nun Dr. Armgard Seegers im Hamburger Abendblatt nach. Seegers’ Stoßrichtung ist alldieweil ein wenig anders: Wie es sich für eine bucherfahrene und literaturaffine Intellektuelle gehört, beklagt sie den Umstand, dass das einfache Lesevolk irgendwo dort draußen einfach nicht mehr zu den richtigen Büchern greifen will, weil sich doch allerorten die Jugendkultur durchgesetzt zu haben scheint. Was in diesem speziellen Fall bedeutet, dass sich in den Bestsellerlisten dieser Tage „Rowling, Funke und Co.“ (Originalzitat Seegers) dicht aneinander drängen und – fies und gemein – kaum noch Platz für Daniel Kehlmann (der es, welch schreiende Ungerechtigkeit, nur auf den vierten Rang schafft und wohlweislich bereits in Bälde beim Betteln in Fußgängerzonen beobachtet werden kann) oder Philip Roth lassen. Also greift man flugs zur Lyra und stimmt einen Gesang an, dessen emotionale Färbung zwischen Mitleid und Entsetzen liegt. „Anspruchsvolle Literatur hatte es noch nie leicht“, analysiert Seegers dann auch in der letzten Strophe messerscharf, wobei sie den Zusatz „außer natürlich im geschützten Feuchtbiotop des Feuilletons und auf den Nachttischen des Bildungsbürgertums“ leider unterschlägt.
Generell bedient sich Seegers mit Vorliebe der Unterschlagung von Argumenten: So instrumentalisiert sie eine provokante Äußerung von Denis Scheck zur dessen Meinung nach mangelnden Spannung in Rowlings Beedle-Buch, weil es gerade so wunderbar in die Argumentation passt, verzichtet indes allerdings darauf, auch nur ansatzweise zu erwähnen, dass ein und derselbe Scheck vor nicht allzu langer Zeit zwei Werke aus dem Bereich der Phantastik – Der Name des Windes von Patrick Rothfuß sowie Fritz Leibers Hexenvolkausdrücklich lobte (wobei zumindest das erstgenannte mühelos mit dem in Deutschland aktuell so beliebten „All-Age“-Label versehen werden könnte).
Eine meiner absoluten Lieblingsstellen in Seegers’ Artikel findet sich in der oberen Hälfte ihres Ergusses, wo sich die Empörung der Elfenbeinturmbewohnerin in drei Fragen entlädt, die zum Schmunzeln einladen: „Ist das noch Literatur, die wir lesen wollen? Literatur, die uns die Auseinandersetzung mit dem Individuum und der Geschichte in Werken von tieferer Bedeutung und höherer sprachlicher Qualität vorführt? Ist die Literatur infantilisiert oder sind es die Leser?“
Ich erlaube mir, mit drei Gegenfragen zu antworten: „Wer ist dieses Wir, das da etwas vielleicht nicht mehr lesen will?“ „Wo wurde diese Literaturdefinition abgeschrieben und aus welchem Jahrhundert stammt die Quelle?“ „Warum haben Sie überhaupt ‚Literatur’ geschrieben, um auf ein paar harmlose Büchlein einzuprügeln, die Ihren Zorn erregen, wo Ihnen beim Verfassen Ihrer Zeilen doch eigentlich das Wort ‚Schund’ durchs Hirn gegeistert sein muss?“
Dass mit Frau Dr. Seegers erneut eine Blinde von den Farben spricht, belegt letztlich folgende Verirrung: „Kein Wunder, dass auch Erwachsene sich gerne diesen Rettungs- und Tröstungsfantasien hingeben. Schließlich kennt die moderne Erwachsenenliteratur kaum Beruhigendes. Da ist von Ehebruch, Tod, Krankheit oder schweren Schicksalsschlägen die Rede, Erwachsenenthemen also.“ Hört, hört. Ehebruch, Tod, Krankheit oder schwere Schicksalsschläge – davon hat man also im Jugendbuchbereich als Thema noch nie gehört (und zwar weder in den bunten Gefilden des Phantastischen noch an den graueren Gestaden der realitätsbezugsverpflichteteren Genres).
Ähnliche Schwächen weist auch der Text auf, der unter dem Bildchen zu finden ist, mit dem der Artikel geschmückt wurde (was wahrscheinlich beides nicht auf Seegers’ Mist gewachsen ist, doch darauf kann man nur bedingt Rücksicht nehmen): „Erwachsene lesen vor, Kinder hören zu - wie hier in "Tintenherz" (mit Mirabel O'Keefe und Brendan Fraser). So war es. „Inzwischen kaufen (und lesen) 70 Prozent der Erwachsenen Jugendbücher“, steht da zu lesen. Den Musen und dem humanistischen Bildungsideal sei Dank gehöre ich selbst noch zur Generation „So war es“ und wurde als Kind mit Homerschen Versen im Original, sanfter Grabenkriegslyrik von Gottfried Benn und ausgesuchten Kafka-Erzählungen in meinen unruhigen Schlaf gewiegt. Das war schon schön, damals… Was mich indes gewaltig stört, ist die brutale Vergewaltigung der heiligen Mathematik, die hier stattfindet: Wer immer die Bildunterschrift verbrochen hat, bastelt aus dem im eigentlichen Artikel vorfindbaren Satz „"Harry Potter" wird zu 70 Prozent von Erwachsenen gekauft und nur zu 30 Prozent von Kindern und Jugendlichen“, die Behauptung, „Inzwischen kaufen (und lesen) 70 Prozent der Erwachsenen Jugendbücher“, um für einen Hauch statistischer Dramatik zu sorgen. Ganz abgesehen davon, würde es mein Herz erfreuen, wenn Erwachsene hoffentlich auch noch in hundert Jahren das eine oder andere Jugendbuch kaufen, um es dem Sprössling oder sonstigen Zielgruppenangehörigen als Geschenk zu vermachen…
Richtiggehend lustig wird es, wenn Seegers sich genötigt sieht, mal eben noch darauf zu verweisen, dass die Infantilisierung und der Jugendwahn, den sie im Lesevolk ausgemacht haben will, selbstverständlich mit dem bösen, bösen Computer respektive Computerspielen in Verbindung steht:
„Die drückende Dominanz der Fantasy-Literatur dieser Tage steht jedoch in einer geradezu symbiotischen Verbindung mit dem Siegeszug von Computerspielen, die seit ihrer Geburt Anfang der achtziger Jahre begierig die magisch-übernatürlichen Elemente, die Motivik alter Mythen, Volksmärchen oder Sagen mit ihren schillernden Gestalten, königstreuen Feudalgesellschaften und horrenden Archetypen aufgreifen und in phantastischen (Rollen-)Spielen wie "World of Warcraft", "Warhammer", "Final Fantasy", "Sacred", "Gothic" und "Diablo" in immer perfekteren Landschaftspanoramen und Schlachtenexzessen inszenieren.“
Huch! Pardon. Das war aus dem Weinhart-Artikel in der Sueddeutschen. Bei Seegers heißt das:
„Die drückende Dominanz der Fantasy-Literatur steht auch in symbiotischer Verbindung mit Computerspielen, die alte Mythen, Volksmärchen oder Sagen mit ihren schillernden Gestalten, königstreuen Feudalgesellschaften und horrenden Archetypen in fantastischen (Rollen-)Spielen wie "World of Warcraft" oder "Gothic" in wilden Landschaftspanoramen und Schlachtenexzessen inszenieren.“
Ein Schuft, wer Böses dabei denkt. Seegers hat wahrscheinlich nur übersehen, die Gänsefüßchen zu setzen und anklingen zu lassen, dass sie ein bisschen Weinhart geschmökert hat – die geschätzte Kollegin ist ja ein paar Jahrzehnte jünger und wird schon gewusst haben, worüber sie da salbadert. Geschenkt, dass man bei Seegers überdies die nahezu identischen Enzensberger-Mutmaßungen in Sachen Eskapismus findet wie bei Weinhart. Der gute Herr Enzensberger ist ja bekanntlich ein ernstzunehmender Literat, dessen Werk „uns die Auseinandersetzung mit dem Individuum und der Geschichte in Werken von tieferer Bedeutung und höherer sprachlicher Qualität vorführt“. Vielleicht sollten Seegers und Weinhart sich auch genau damit auseinandersetzen, falls ihnen das, was die Masse so goutiert, sauer aufstößt. Damit wäre dann allen Beteiligten sicherlich am besten geholfen.

Allerdings sei eingestanden, dass ich mich allzu gern mit Frau Dr. Seegers auf einen Kaffee treffen würde, um zu erfahren, was denn nun "wirkliche Lektüre" sein mag.

Sonntag, 22. März 2009

"Die Ordenskrieger von Goldberg" gemeinsam lesen

Moops-Update:

Schon jetzt findet man erste Rezensionen für den zweiten Band der Zerrissenen Reiche, "Die Ordenskrieger von Goldberg", im Netz.

Passend dazu kann man nun das Buch auch gemeinsam mit Thomas und mir sowie einigen anderen interessierten Lesern bei Literatina richtig schön auseinandernehmen. Natürlich kann man dort auch Lob, Tadel und Fragen loswerden - zu denen wir dann gerne Stellung beziehen.
Wer Lust hat mitzumachen, meldet sich am besten gleich hier an. Übrigens hat der Verlag auch noch ein paar Leseexemplare rausgerückt, so dass man das Buch auch noch ganz umsonst bekommt (natürlich nur, wenn man sich möglichst schnell dort meldet ;-) - das nenne ich Service!

Vielen Dank an Sabine und den Piper Verlag für die Mühen!

Moops Over and Out

Montag, 16. März 2009

Susanne Weinhart, die Fantasy und wir

Susanne Weinhart hat sich im Dienste der Süddeutschen Zeitung zum Thema Fantasyliteratur geäußert. Noch dazu unter der Überschrift „Sagenhafte Serientäter“. Man beachte zunächst das gelungene Stilmittel der Alliteration, das zum Weiterdenken einlädt: „Fantastische Fieslinge“, „Originelle Orkschnetzler“, „Wahnsinnige Weltenbauer“ oder „Jugendentwicklungsgefährdende Jauchetunker“ wären ebenso gelungene Titel gewesen. Nun gut, Weinhart hat verstanden, dass man in der knallharten Medienlandschaft unserer Tage bereits mit den ersten beiden Worten aufschrecken und polarisieren muss, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und seine Botschaft nicht ungehört im (virtuellen) Blätterwald verhallen zu lassen.
Bereits in den nächsten beiden angemessen spitz formulierten Fangzeilen wird es dann indes ein wenig wunderlich: „Die Gegenaufklärung hält sich: Fantasy-Literatur und Computerspiele erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit.“ Gleich mehr zum Thema ‚Gegenaufklärung’, doch zunächst bietet es sich an, einige Dinge paarweise aufzuzählen, die sich ebenfalls einer ungebrochenen Beliebtheit erfreuen: Liebesromane und Ü-30-Parties, Belletristik und Komasaufen, persönliche Pilgerfahrtsbeschreibungen von Prominenten (sic!), Feuchtgebiete und Intimrasur, Alarm für Cobra 11 und das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit innerhalb wie außerhalb geschlossener Ortschaften, Frauentausch und schmutzige Scheidungskriege, usw. Mit etwas feuilletonistischem Mut wäre die Konstruktion von Zusammenhängen (auch kausaler Natur) zwischen den Teilelementen dieser Pärchen sicherlich zu bewerkstelligen. Kann man machen, muss man aber nicht.
Was man auch nicht muss, ist mit einer Kanone vom Kaliber ‚Gegenaufklärung’ auf Spatzen – pardon, Greifen, Harpyien oder [fügen Sie bitte hier ein Geschöpf aus Mythologie und/oder Fantasyliteratur Ihrer Wahl ein] – zu schießen. Insbesondere deshalb, weil man da auf dem Eisfeld der sauberen Argumentation mithin ins Schliddern kommen kann, und seien die Stollen, die man sich an die schweren Schuhe herkömmlicher Literaturkritik geschraubt hat, noch so lang. Alldieweil man nämlich – sofern man wollte – den Hinweis geben könnte, dass es im Zuge der Aufklärung allen Huldigungen an die reine Vernunft, wie sie von einem gewissen Herrn Kant nicht ganz zu Unrecht übrigens mit skeptischem Blick durchleuchtet wurde, auch die Tendenz gab, eine Hinwendung zur antiken Mythen- und Sagenwelt einzufordern. Warum? Um der als dröge empfundenen christlichen Geisteshaltung etwas hübsch Heidnisches entgegenzusetzen (was dann in der Romantik aus der Nummer wurde – Heldentod, ick hör dir trapsen –, steht auf einem gänzlich anderen Blatt). Als ‚dröge’ empfinden womöglich viele Menschen die auf Endlosschleife geschaltete Wertedebatte in der westlichen Welt und schauen sich folgerichtig hier und da in fiktionalen Welten um, wo nicht debattiert, sondern noch ohne Rücksicht auf Verluste gehandelt wird (und ja, in solchen Welten finden sich archaische und gemeinhin überwunden geglaubte Gesellschaftssysteme zuhauf).
Weinharts Artikel hält beinahe ebenso rücksichtslos und konsequent das Niveau: „Er war der unbestrittene Höhepunkt der 3. Münchner Bücherschau junior, und dramaturgisch geschickt am Ende platziert […]“ steht da weiter zu lesen (inklusive des streitwürdigen Kommas). Als wäre es eine Sensation, wenn bei einer Veranstaltung dieser Natur der größte Publikumsmagnet – in diesem Fall Jonathan Stroud, dessen Werke ganz nebenbei bemerkt einen deutlich zu erkennenden subversiven Zug aufweisen – erst zum Schluss auf die Bühne geschickt wird und nicht am Anfang. Und überhaupt: Ist diese Hervorhebung nun ein feiner Seitenhieb auf ein vermisstes Dénouement bei der vorliegenden Inszenierung von Popularität oder vielleicht doch eher ehrliches Staunen darüber, wie man es richtig macht?
Etwas später im Text erahnt man ein Sticheln gegen alle Unkenrufer, die nach Erscheinen des allerletzten Harry-Potter-Bandes ein Ende des so genannten Fantasybooms dräuen sahen: „Als ließe sich das nicht eben neue Genre Fantasy unter einsilbigen Begriffen wie "Trend" und "Boom" subsumieren.“ Hoffnung keimt auf, man habe es unter Umständen wider Erwarten mit einer differenzierten Darstellung zu tun. Bedauerlicherweise wird diese Hoffnung von markigen Zwischenüberschriften erschlagen, von denen eine bereits unmittelbar auf den eben zitierten, ausreichend klugen Satz folgt – „Zauberer, Hexen, Drachen“ –, wohingegen die andere – „Blutig, kriegerisch, dunkel“ – noch etwas auf sich warten lässt. So, so. So ist sie eben, die Fantasy. Aus effekthascherischen Gründen kann man ein Genre plötzlich sehr wohl unter Zuhilfenahme knackiger Vokabeln subsumieren (wenngleich diese zugegebenermaßen mehrsilbig ausfallen). Dieses Verfahren ist mühelos auf sämtliche Strömungen und Labels des Literaturbetriebs anwendbar:
- Kommissare, Opfer, Psychopathen bzw. Mörderisch, knifflig, leichengespickt (Krimi).
- Ritter, Huren, Päpste bzw. Bunt, detailverliebt, rückwärtsgewandt (historische Romane).
- Ficken, Bumsen, Blasen bzw. Schwül, feucht, stahlhart (Erotika).
Eine solche Methode ist sowohl simpel als auch ungerecht (ganz abgesehen davon, dass sie bei näherem Hinsehen – sprich, bereits aus etwa einem halben Kilometer – keine haltbaren Ergebnisse liefert).
Da das Schwingen der Aufklärungskeule sich so schön wichtig angefühlt hat, gibt es gleich noch einen kräftigen Hieb damit: „Momentan könnte man beim Blick in die Kataloge der Verlage und Regale Zweifel daran bekommen, dass es in Europa je ein Zeitalter der Aufklärung gegeben hat […]“. Dieser Schlag stammt nicht von Weinhart selbst, die an jener Stelle andere für sich sprechen lässt – um genau zu sein Regina Pantos, die Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur. Momentan könnte man beim Blick auf frühere Aussagen von Frau Pantos Zweifel daran bekommen, dass es in ihrem Leben je eine Zeit gegeben hat, in der sie sich ernsthaft mit Fantasyliteratur auseinandersetzte. In einem Interview, das sie im vergangenen Jahr der Welt gegeben hat, erkannte sie, dass „diese Bücher entwicklungspsychologisch nicht viel weiterhelfen.“ Aha. Und wes Grundes? „Hier wird die Welt sehr schwarz-weiß gesehen, in Gut und Böse eingeteilt. Dabei bemüht sich unsere Gesellschaft doch, Vielfalt als Ideal darzustellen.“ Zur Ehrenrettung von Frau Pantos sei erwähnt, dass sie im selben Interview eingesteht, dass Fantasy dann doch irgendwie … ähm, die Fantasie beflügeln kann (höhö!). Am selben Ort erläutert sie indes auch, dass in Stephenie Meyers Werken der Werwolf eine zentrale Gestalt sei, der Mädchen wie junge Frauen in seinen erotischen Bann ziehe. Obschon der Werwolf in Meyers Bis(s)-Reihe ebenfalls eine anhimmelungswürdige Figur darstellt, wage ich dennoch zu behaupten, Frau Pantos wusste hier schlicht und ergreifend nicht so recht, dass bei Meyer der Vampir – wenn nicht eher sogar das junge Mädchen – die zentrale Gestalt darstellt (ein Blick aufs Cover und/oder den Klappentext hätte sich immens gelohnt).
Beenden wir lieber den Exkurs zum Thema Regina Pantos und kehren zu Weinharts Artikel zurück. Wieder schleicht sich der Verdacht ein, Frau Weinhart meine es letztlich gut mit der Fantasy, da sie beinahe als Antwort auf das Pantos-Zitat etwas davon zu berichten weiß, wie tief die Phantastik im Leserbewusstsein verankert sei. Geschenkt, dass sie bei der Nennung von Namen munter durch die Jahrhunderte springt – von Michael Ende und Astrid Lindgren erst zu den Gebrüdern Grimm und anschließend zurück zu Tolkien. Ebenfalls geschenkt, dass sich bei Ronja Räubertochter Druiden anstelle von Druden im Wald tummeln.
Als Frau Weinhart den Einfluss der Phantasik auf andere Genres ins Spiel bringt – da ist etwas erotisch aufgeladen sogar von einer Durchdringung die Rede –, wird es jedoch wieder sofort unscharf respektive überraschend naiv, was die Argumentation anbelangt. In Tannöd wird sich angeblich der Mittel des phantastischen Schauerromans im Stile eines Poe bedient. Mag sein, aber ist es nicht wahrscheinlicher, dass Andrea Schenkel als Krimiautorin ihre Hausaufgaben gemacht und sich eher an Poes hervorragenden Detektivgeschichten um Dupin orientiert hat? Und wie man zu dieser Einschätzung gelangt – „[…] nur wenig Grundsätzliches unterscheidet die mittelalterliche Szenerie des Wanderhuren-Zyklus der Bestsellerautorin Iny Lorentz von der phantastischen Narniawelt des C.S. Lewis“ –, ist mir schlichterdings ein Rätsel (es sei denn, ich habe bei der Lektüre der Wanderhure die sprechenden Messias-Löwen, den magische Waffen verteilenden Weihnachtsmann u. ä. überlesen).
Kommen wir zu einer der Hauptthesen Weinharts, wonach die „drückende Dominanz der Fantasy-Literatur […] in einer geradezu symbiotischen Verbindung mit dem Siegeszug von Computerspielen“ steht. Was hier gleich forsch als symbiotische Verbindung ausgegeben wird, meint eigentlich den nur bedingt aufsehenerregenden Umstand, dass viele Computerspiele sich bei Motiven der Phantastik jedweder Couleur bedienen. Dramaturgisch geschickt versucht Weinhart, die Frage nach der Henne und dem Ei zu umschiffen, indem sie postuliert, Jugendliche würden heutzutage einen leichteren Zugang zu Fantasy-Literatur finden (verglichen mit ihrer sonstigen Lesefaulheit), da diese Werke in ihrer Handlung den gleichen Strukturen folgen wie Computerspiele mit einem phantastischen Setting. Bravo! Obwohl demzufolge die Fantasy (und die Science-Fiction und der Horror) schon seit mehreren Jahrzehnten – ja, so lange gibt es diese neumodischen Spiele für den heimischen Bildschirm schon – kontinuierlich Zuwächse auf dem Buchmarkt verzeichnen müssten. Tun sie aber nicht (der als solcher kolportierte Fantasy-Boom in Deutschland etwa lässt sich viel eher mit der Verfilmung des Herrn der Ringe von Jackson in einen immer noch gewagten Zusammenhang setzen).
Ich erspare mir weitere Kommentare zu Weinharts Artikel (wennschon es zu „Unisex“, „All-Age“, den angeblich jugendlichen Autoren und „Questen“ noch einiges zu sagen gäbe) und verweise lieber auf Dirk KnipphalsArtikel in der taz. So geht’s doch auch.

Sonntag, 15. März 2009

Abgetaucht

Moops-Update:

Wir stecken aktuell ganz tief drin in einer düsteren und verdammt gruseligen Welt. Ja, es geht um die "Lilie". Noch dazu kommt, dass ich immer mehr von meiner Weisheit verliere und jetzt nur noch mit meinem letzten Viertel auskommen muss - und auch dessen Tage scheinen gezählt.

Aber ein Gutes hatte der Besuch beim Zahnarzt: Ich konnte mich von ausgewiesenen Experten über die Ausbildung zum Zahnarzt insbesondere im Kontrast zum Arzt beraten lassen und schon mal das Thema "Zahnverstümmelung"ansprechen. Was tut man nicht alles für das Schreiben?!

Am Rande sei erwähnt, dass Thomas lang gehegter Wunsch sich endlich als Mutant zu entpuppen und umgehend von Professor X kontaktiert zu werden, nach diesem Besuch des Zahnarztes noch weiter in die Ferne gerückt zu sein scheint. Er verfügt zwar über einen Tuberculum carabelli, aber das ist wohl noch keine echte Mutation. An Syphilis leidet er auch nicht, den Aberglauben kann ich aber durchaus bestätigen.

Moops Over and Out

Samstag, 7. März 2009

Kurze Selbstentblößung

In jüngster Zeit habe ich mir verstärkt Gedanken um gewisse Neigungen bei meiner Schreiberei gemacht. Dabei bin ich zu folgenden Erkenntnissen gelangt:
1. Aus mir wird zumindest in absehbarer Zeit kein Kinder- und Jugendbuchautor. Um Missverständnissen vorzubeugen: Kinder- und Jugendbücher sind sackschwer zu schreiben, und ich habe nichts als höchste Achtung für meine geschätzten Kollegen, die auf diesem Sektor Glanzleistungen abliefern (wie etwa Tom Finn, den man gar nicht genug loben kann). Allerdings eignen sich weder medizinische Experimente oder bizarre Bestattungsriten noch Verstümmelungen an Seele und Leib, um daraus ein Büchlein zu zimmern, das ich gerne in Kinderhänden sähe – zumindest nicht unter Berücksichtigung meines Hangs zu verhältnismäßig drastischen Bildern oder harten Situationen, in die ich meine ohnmächtigen Figuren hineinmanövriere.
2. Ich habe ein erstaunlich festes Menschenbild. Wir sind allesamt ebenso schöne und mitfühlende wie hässliche und grausame Geschöpfe. Welche unserer beiden Seiten überwiegt, kann sich vom einen auf den anderen Augenblick ändern. Wir geben gerne vor, das Gute zu wollen, wobei unsere Vorstellung vom Guten letztlich nichts anderes als ein durch kulturelle Prägungen vorgegebenes Ideal ist, dem wir nie vollständig entsprechen können. Trotzdem wäre es schön, wenn es anders wäre.
3. Ich liebe Schachtelsätze, gelobe allerdings hiermit Besserung, wenngleich ein Beweis meines Bemühens – unermüdlich, standhaft und energisch – unter Umständen, welche keiner näheren Erläuterung abgesehen von Verweisen auf meine Kindheit bedürfen, noch ein wenig ausbleiben könnten, sofern nicht ein Wunder im Sinne eines unerklärlichen Vorfalls, der meinen so löblichen Entschluss beschleunigt, eintritt, um es mir fürderhin zu erlauben, mich derart kurz zu fassen, dass meine Lektoren und Leser sich nicht Gabeln in die Augen rammen wollen, sobald ich ihnen einen Text vorlege.

Donnerstag, 5. März 2009

Cloak and Dagger

Moops-Update:

Anscheinend ist es ja schick geworden mit Arbeitstiteln herumzuhantieren, die dann eher Codenamen als "vorläufige Titel" (wie wir den Begriff bisher verstanden haben) sind. Bei uns hingegen sind eigentlich fast alle Titel entsprechend unserer Vorschläge erhalten geblieben. Nach gemeinsamer Reflektion sind wir aber dann doch zum Schluss gekommen, dass ein solches Vorgehen in der Tat ganz praktisch sein kann.

Wir haben uns daher auch Codenamen für die kommende Projekte überlegt:
ad 1) "Lilie" ist der Roman, an dem wir gerade für Piper sitzen: Alles ganz schrecklich geheim und das Buch muss auch noch so schnell wie möglich fertig werden.
ad 2) "Reiche 3: Stahl" ist (wie man leicht erraten kann) der dritte Teil der Zerrissenen Reiche und wird von uns gerade parallel unterfüttert.
ad 3) "Zardoz" ist der Auftaktband unserer zweiten Fantasy-Reihe bei Piper, die wohl 2010 das Licht der Welt erblicken wird. Dazu gibt es aktuell erstmal reihenweise Vorplanungen, aber tatsächlich in den Text und die detailierte Plotplanung steigen wir erst im Sommer ein.

Daneben sitzen wir noch an einem feinen, kleinen Übersetzungsauftrag und einem noch viel feineren Artikel für einen Aufsatzband unserer hochgeschätzten Frau Professor Dr. Rohr. weirdoz* hat übrigens auch mal wieder ein paar ganz heiße Eisen im Feuer, da wir aber von NDAs umzingelt sind, dürfen wir dazu erst recht nichts verraten.

In den nächsten Tagen wird es aber wohl ein paar Updates zu einigen der kommenden Projekte geben und dafür brauchen wir dann die schicken Codenamen.

Moops Over and Out

Montag, 2. März 2009

Alles Neu macht der M... März

Moops-Update:

Da haben wir schon Besserung gelobt, trotzdem kehrt kurz darauf wieder Funkstille ein. Das liegt aber nicht daran, dass wir treulose Tomaten oder ähnliche Gemüse sind (an dieser Stelle bitte keinen Streit über Obst und/oder Gemüse), vielmehr lacht uns die Arbeit aktuell bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins überraschte Gesicht.

Wir freuen uns bekannt geben zu dürfen, dass wir am heutigen morgen die schriftliche Zusage vom Piper-Verlag zu einem weiteren Romanprojekt bekommen haben. Für eben dieses mal wieder streng vertrauliche Projekt haben wir am Wochenende geplottet und geplant "bis uns das Blut unter den Fingernägeln hervorspritzte" (wie mein verehrter Herr Vater sagen würde).

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal herzlich beim Verlag und insbesondere bei Carsten und Michelle für ihr Vertrauen und ihren Glauben an uns bedanken: Wir wissen es wirklich zu schätzen.

Moops Over and Out

(P.S. Gewisse Reitersmänner können schon mal Sauerstoffgerät und Schneeschaufel bereit halten, damit sie sich aus der Papierlawine, die auf sie zurollt, auch befreien können.)