Montag, 21. Dezember 2009

Zwischenmeldungen, Meinungen und Fundstücke

Da ich derzeit damit beschäftigt bin, das Figurenensemble der Zerrissenen Reiche zurechtzustutzen, gibt es heute mal einige Kurzmeldungen im Stile der allseits beliebten Rubrik Vermischtes.

Aus Gründen reiner Selbstverliebtheit verweise ich zunächst auf die beiden Rezensionen auf G wie Gorilla, Legimus und dem Zauberspiegel zu „Kalte Krieger“, die mein kleines, schwaches Herz sehr zu erfreuen wussten. Jochen Adam vom Zauberspiegel war darüber hinaus so freundlich, mich mit einigen klugen Fragen zu löchern, auf die ich hier versuche, einigermaßen brauchbare Antworten zu finden.

Weg von mir, hin zur Welt. Genauer: zum deutschen Bundestag. Vor ein paar Tagen sah ich Auszüge aus der Erklärung der Kanzlerin, was sie sich von der Klimakonferenz in Kopenhagen alles erhofft (der Realitätscheck für Frau Merkel kam dann am Samstag). Keine Angst, ich will mich nicht lang und breit über etwaig bevorstehende Katastrophen, sondern kurz und bündig über ein interessantes sprachliches Phänomen auslassen – nämlich über die Vermengung von Höflichkeitsform und vertrauter Anrede. Besagtes Phänomen ist offenkundig nicht nur, wie der Klischeefreund vermuten könnte, in Supermärkten verbreitet. In der Aussprache nach dem Auftritt der Kanzlerin wendete sich Gregor Gysi in Folge eines Zwischenrufs von Renate Künast ungefähr folgendermaßen an die gewohnt streitbare Grüne (ich zitiere aus dem Gedächtnis): „Sei doch mal ruhig, Frau Künast, du wirst das auch noch verstehen.“ Ob unser blaublütiger (Noch?)-Verteidigungsminister „Gutze“ sich im Untersuchungsausschuss derartige Affronts von Leibeigenen – pardon, Mitparlamentariern – gefallen lassen oder zur Knute greifen wird, um dem Pack gute Manieren einzupeitschen, wird sich weisen ...

Fleischgeile Killermöpse aus Nevada. Leider nicht der Titel eines verschollenen und nun aus einem verstaubten Archiv geborgenen Russ-Meyer-Streifens. Eher die angemessen Aufmerksamkeit heischende Schlagzeile, die ich für einen grausigen Vorfall in – man ahnt es schon – Nevada gewählt hätte. Dort haben zwei Möpse – die Rede ist von der Hunderrasse – ihr totes Herrchen angeknabbert, nachdem dieses überraschend das Zeitliche segnete und die beiden niedlichen Geschöpfe mehrere Tage mit der Leiche allein waren. Es handelt sich also wohlgemerkt um eine Art Mundraub und nicht um ein geplantes Verbrechen. Besonders tragisch ist, dass der Besitzer mit Harry und Sally zwei hübsch postmodern-ironische Namen für die drolligen Viecher fand, die seine sterblichen Überreste aus ihrer Sicht einer ausgesprochen klugen Zweitverwertung zuführten.

Dann entdeckte ich noch einen amüsanten Tippfehler bei Spon, den ich mal besser per Screenshot hätte sichern sollen: In einem Bericht über den Dreamliner wurde aus dem Herstellernamen Boeing possierlicherweise ein Boing, und es wurde einem verkündet, dass diese besondere Boing nun doch fliegt. Korrekt sollte es meiner Meinung nach übrigens das Boing heißen, weil ich mir darunter ein Fluggerät vorstelle, das ziemlich genau wie einer jener Gesundheitssitzbälle aussieht, welche angeblich den Rücken beim Arbeiten am Schreibtisch schonen. Boing ist des Weiteren ein lautmalerischer Name, der sich aus dem Geräusch der Maschine bei Landungen ableitet. Übrigens belegt ein kleiner Blick ins Archiv, dass Boeing bei Spon recht häufig zum Boing wird, und abschließend fordere ich nun meine geneigten Leser dazu auf, sich mit dem Bild vom Gesundheitssitzballflugapparat folgende Sätze zwischen den Synapsen zergehen zu lassen:
„Ein Techniker winkt eine Boing 747 der British Airways in ihre Parkposition.“ (vermutlich vor einen titanischen Schreibtisch);
„Damit könnte ein bedeutendes Gegengewicht zu Airbus und Boing entstehen.“ (das ist nicht schwer, weil ein Boing natürlich wesentlich leichter gebaut ist als herkömmliche Flugmaschinen);
„Der vermeintliche Entführer einer Boing 737, der am Montag auf den Malediven verhaftet worden war, entpuppte sich als ein betrunkener Inder, der die Stewardess belästigt hatte.“ (eine Schutzbehauptung, da der fiese Möpp wahrscheinlich die hochgeheime Boingtechnologie für den Subkontinent ausspionieren sollte);
„Nach dem Ausfall der Bordelektronik gefährdete eine US-Boing den Flugbetrieb über Deutschland.“ (vermutlich weil das Ding so Hulk-artig unkontrolliert durch die blühenden Landschaften hüpfte).

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Womöglich frequentieren die Sponer auch einfach nur häufiger BoingBoing... ;)