Freitag, 11. Dezember 2009

Peppt den Nobelpreis auf!

Die Aufregung um die Nobelpreise – und zwar jedweder Art – ist mir insgesamt ein wenig schleierhaft. Warum? Weil ich diese gesamte Veranstaltung für hoffnungslos veraltet halte. Ganz ehrlich: Sie riecht schon deshalb komisch, weil in einer Zeit der systemgeförderten Pseudo-Eigenverwirklichung zwecks Konsummaximierung für einen eigenmarketingbewussten Menschen wie – ähm, nehmen wir mal beispielsweise mich – nicht die Möglichkeit besteht, sich selbst als möglichen Preisträger vorzuschlagen (und zwar unverschämterweise auch völlig unabhängig von der Kategorie – obwohl es in Sachen Literatur oder gar Chemie noch hapert, rechne ich mir beispielsweise im Bereich Frieden doch einiges an Chancen aus, da man den schönen Preis ja auch dann kriegen kann, wenn man nebenher ein klein bisserl Krieg führt, und zwar am besten weit weg von daheim, wo’s Gott sei Dank nicht so wehtut).

Doch keine Angst, das wird kein Kommentar zur Weltpolitik (so weit reicht mein Größenwahn dann eben doch noch nicht). Mir geht es – und konstruktive Kritik muss erlaubt bleiben – um konkrete Verbesserungsvorschläge. Nein, nicht wie man elegant einen vom nassforschen Amtsinhaber begonnenen Krieg möglichst elegant abwickelt, ohne am Ende als Weichei auszusehen, sondern wie man den Nobelpreis insgesamt aufpeppen könnte.

Ich vermisse da nämlich so einiges. Oder habe ich das Massencasting in einem Hotel in meiner näheren Umgebung bloß verschlafen? Etwas mehr Transparenz und Offenheit bei der Auswahl der Preisträger könnte jedenfalls nicht schaden. Gut, die, die es auch durch den Recall, den Rerecall und den Rererecall geschafft haben (eiserne Regel: „Bitte rufen Sie uns nicht an; wir melden uns dann wieder bei Ihnen, falls unsererseits noch Interesse besteht.“) brauchen nicht unbedingt gleich gemeinsam in eine Villa ein- oder sich einem entwürdigen Tanzworkshop mit D! zu unterziehen (obwohl „Du bist so tight, dass es burnt, Herta“ ein Satz ist, den man sich eigentlich herbeisehnen sollte). Aber einmal vor einer Jury – deren Zusammensetzung ähnlich wie beim Wahlduell vor der letzten Bundestagswahl von den größten Medienimperien der Welt festgelegt werden könnte – und einem Millionenpublikum vor den Fernsehschirmen zeigen, dass man es auch unter totalem Stress und eventuell trotz entzündeter Mandeln absolut drauf hat, das ist doch von einem Nobelpreisträger nicht zu viel verlangt, oder?

Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir die Idee, da hier zwei Dinge zusammenwüchsen, die zusammengehören – der Ruf nach anspruchsvollerer Unterhaltung in den Massenmedien und das vielgescholtene Vorführformat à la DSDS, Das Supertalent und wie die menschenfreundlichen Produktionen noch so alle heißen.

Wichtig ist natürlich, uns einfachen Menschen eine Abstimmmöglichkeit einzuräumen. Ob die einen Einfluss darauf hat, wie die Entscheidung letztlich ausfällt, ist lattensack, weil sich generell die Auffassung durchgesetzt zu haben scheint, dass gefühlte Demokratie ehrlicher und besser ist als eine tatsächlich vom Volk ausgehende Herrschaft – unter der sich übrigens auch nur diejenigen wohlfühlen könnten, die die Aufklärung für einen auf breiter Basis stattgefunden habenden Prozess erachten. Zu denen gehöre ich jedenfalls nicht, weshalb ich mich für diese schmutzige, schmutzige Gedankenspielerei auch kein Stück schäme. Im Gegenteil: Das Prinzip „Castet uns bitte alle kräftig durch!“ ließe sich wahrscheinlich mit viel Gewinn auch auf Bundespräsidentenwahlen, die Suche nach dem nächsten Dalai Lama und Vergleichbares anwenden.

Beim ZDF ist das ja nun erst vor ein paar Tagen mit Der Sternstunde der Deutschen geschehen, einer Sendung, die sich nach Angaben der Macher an Menschen mit anderweitig gering ausgeprägtem Interesse an geschichtlichen Dingen richtete – und nun die gute Nachricht: Gewonnen hat die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen metallenen Lettern in Europa durch einen gewissen Herrn Gensfleisch. Da sage noch mal einer, es gäbe in der Masse kein Kulturbewusstsein mehr ...

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