Freitag, 6. November 2009

Fantasyschaffende an unerwarteten Orten

Wir haben neulich einen Sonntagmorgen (sowie einen Kurzaufenthalt von Natalja Schmidt, Christoph Hardebusch und Bernhard Hennen in der Hansestadt) genutzt, um gemeinsam mit ihnen an einem unerwarteten Ort einzufallen: der Turnhalle in der Langen Reihe. Dort wird seit Längerem nicht mehr geturnt, obwohl nach wie vor Ringe und Seile von der Decke hängen, sondern hip gespeist.
Zunächst zu den Dingen, die mir unangenehm aufgefallen sind:
- Der Maitre d‘. Hauptberufliche Platzanweiser im gastronomischen Gewerbe sind mir prinzipiell suspekt (ungeachtet dessen, wie schniek ihre Hornbrille oder ihr gestreiftes Leibchen auch sein mögen).
- Unser Tisch, der uns zugewiesen wurde. Man braucht eine Menge Humor, um sechs Personen zwecks brunchiger Nahrungsaufnahme um einen Couchtisch mit einer Grundfläche von etwa einem Quadratmeter zu platzieren.
- Der Teppich in der Couchecke. Stahlgraues Kunstbobtailfell, das bestimmt inneneinrichtungstechnisch total angesagt ist, aber nichtsdestoweniger den Charme eines Fußabstreifers versprüht.

Dann zu den Dingen, die positiv ins Gewicht fielen:
- Das Essen.
- Und vor allem: die Gesellschaft. In rundum gelungenen zwei Stunden ging es im Schweinsgalopp durch neue Trends im Genre, die alte Trennung zwischen E und U, die Funktion und Nützlichkeit des Bloggens, präferierte Arbeitstechniken und private Geschmacksbekenntnisse.

Auch wenn ich oft – in typisch deutscher Lamentierhaltung – über die Schattenseiten des Autorendaseins jammere, muss ich eines an dieser Stelle dringend loswerden: Treffen mit Kollegen sind mir stets ein Fest, da ich mir einen derart höflich-zivilisierten und durchweg vergnüglichen Umgang, wie er bei diesen Anlässen in der Regel herrscht, ehrlich gesagt für breitere Teile unserer Gesellschaft wünsche. Dann käme man am Ende vielleicht gar ohne Maitre d‘ aus...

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