Freitag, 27. November 2009

Fantasy abgefrühstückt

Hier findet man das Video zu einem TV-Ereignis der ganz besonderen Art: In der ZDF-Sendung Volle Kanne saßen Tanja Heitmann, Kai Meyer und Markus Heitz mit Moderator Ingo Nommsen beisammen und plauschten bunt zum Thema Fantasy.

Auffällig ist zunächst, dass ausgerechnet ein Sender mit einer überwiegend doch eher gealterten Zuschauerschaft eine erstaunlich faire und informative Nummer zustande gebracht hat, die sich allerdings eher an Fantasy-Unkundige richtete. Andererseits wäre man relativ blauäugig, idealistisch oder hoffnungsloser Träumer, wenn man sich in Sachen Genrespezifik hochrelevante Partikularerkenntnisse erwartet hätte, denn der eingefleischte Geek ist halt nun mal nicht Zielpublikum gewesen. Seien wir doch lieber froh, dass auch in den Einspielern mit Frank Weinreich und Sigmar Renn zwei präsentable Figuren zu Wort kamen (wenn auch nur in der üblichen Weise, wie Äußerungen für die Zwecke einer solchen Präsentationsform verhackstückt werden). Die alte Angst des Fernsehmachers, der geneigte Zuschauer könne bei einer Argumentation, die länger als 30 Sekunden in Anspruch nimmt, umgehend einnicken oder – schlimmer noch – Reißaus zum Nachbarsender nehmen, treibt in absehbarer Zeit so schnell wahrscheinlich niemand aus.

Natürlich werden die üblichen Fragen an die Autoren abgehakt: Wie wird man Autor? Was war dein erstes Fantasybuch? Warum schreibt ihr so dicke Bücher? (Letztere ist angesichts der eben erläuterten Angst des TV-Schaffenden quasi unumgänglich).

Insgesamt ist dieser Beitrag meiner bescheidenen Meinung nach indes hocherfreulich. Warum? Nun, weil zum Beispiel das völlig überstrapazierte und blödsinnige Wort ‚Eskapismus‘ nicht fällt. Ich habe mich ja bereits mehrfach darüber ausgelassen, weshalb dieser Vorwurf so gar nicht greifen will, und erspare mir deshalb lange Tiraden. Gut, es ist zwar ab und an die Rede von ‚Abtauchen‘ und einmal fällt dem mit drei Gesprächspartnern etwas überforderten Nommsen ein ‚Abdriften‘ aus dem Mund, aber ich will mal nicht so sein. (Apropos Nommsen. Eine meiner absoluten Lieblingsstellen ist die, in der er erzählt, was er an Fantasy-Welten gut findet, nämlich dass da alle Frauen immer so hübsch sind. Ich vermute mal stark, dass er früher Baywatch auch nicht wegen der packend-dramatischen Rettungsszenen gesehen hat. An Platz Zwei meiner Bestenliste steht der Moment, in dem er so lange herumnörgelt, um in Erfahrung zu bringen, wie viele Millionen verkaufte Bücher den nun mit ihm am Tisch sitzen, bis sich Markus Heitz endlich erbarmt und sich als waschechter Bestsellerautor outet – tja, wer lang hat, lässt eben lang hängen. Gut so! Weil eine einzige blöde Zahl hervorragend geeignet ist, um zu zeigen, dass Fantasy mittlerweile kein randständiges Freak-Ding mehr ist.)

Was sich dank eines obligatorischen „Gehen wir mal raus auf die Straße und fragen den deutschen Michel“-Schnipsels ebenfalls sehr gut beobachten ließ, war der Umstand, dass Fantasy-Affinität auch eine Generationenfrage ist. Entgegen der irgendwann im Verlauf des Gesprächs fallenden und für Menschen unter 40 wahrscheinlich weitgehend zutreffenden Behauptung, inzwischen wüsste jeder, was ein Ork ist (das hat Peter Jackson sauber hingekriegt), wundern sich Oma und Opa anscheinend weiterhin, was die jungen Leuten da wieder für Flausen im Kopf haben. Ork? Kenn ich nich, ham wa nich, kriegen wir auch nich wieder rein ... Das Stichwort lautet auch hier wieder: Zielpublikum.

Ein anderer Sachverhalt, den diese Sendung belegt, ist der, dass die Paranormal Romance (vulgo: der Vampirschlampenroman) in der Meinung der breiten Öffentlichkeit – ‚Schuld‘ daran ist der Meyers ihr Stephenie – nun untrennbar mit der Fantasy im Allgemeinen verbunden ist. Da kann man sich auf den Kopf stellen und mit dem Arsch Mücken fangen – der Zug ist abgefahren. Es gibt wahrlich Schlimmeres auf der Welt ...

Also: Alles in allem sehenswert, auch wenn man das Video vielleicht nur kurz anklickt, um den Leuten vom ZDF so zu zeigen, dass sie ruhig mal mehr über Fantasy berichten können.

Kommentare:

Andrea hat gesagt…

Paranormal Romance heißt inzwischen ja auch Romantasy, hab ich im Börsenblatt gelesen ... Was das Genre natürlich gleich näher in Richtung Fantasy rückt, weil man das Wort eben aus Romantic Fantasy zusammenstückelt.
http://www.boersenblatt.net/336608/

Wächter hat gesagt…

Eine gute Sendung. Und wie du schon geschrieben hast, sie wurde fair ausgetragen. Auch wenn mich ein paar Sachen doch erheblich gestört haben. Aber zuerst zu den wirklich positiven Aspekten dieses Frühstücksgespräch.
Ich bin der Meinung, da wurden genau die Richtigen eingeladen: Der sehr seriöse und souveräne auftretende Kai Meyer, der dezent vom Aussehende abgedrehte Markus Heitz und die überaus sympathische mit leichten klischeehafte behaftete Schriftstellerin Tanja Heitmann. Also genau entgegen dem, was sich das allgemeine Volk so unter Fantasyautoren vorstellt. Der faule Zahn konnte nun endlich mal gezogen werden.
Zweiter guter Ansatz waren die Arbeitszeiten. Ja ja ein Buch schreibt sich nicht von alleine und in der Badewanne. 7 Monate und länger und dann auch nicht Morgens ausschlafen und sich noch lange am Esstisch rumlümmel, auch wenn Frau Heitmann tatsächlich dort sitzt. Frau Heitmann und ihre beiden Schriftstellerkollegen fangen früh morgens an. 6 Uhr springt Herr Meyer aus den Federn und fängt gleich um 8 Uhr mit der Schreibarbeit oder Recherche an.
Dritter und letzter Punkt um diesen Blogeintrag nicht unnötig in die Länge zu ziehen und weil ich selbst kein Blog habe, wo ich es verlinken könnte :) Auch Fantasyschriftsteller sind gebildet. Sie haben meistens studiert und sind der deutschen Sprache in Schrift und Wort fähig. Nix mit Hauptschule abgebrochen, kein Job bekommen nun werde ich Schriftsteller. Das ist ein Wunschdenken, der sich nur dann erfüllt, wenn man eine unglaubliche Begabung in die Wiege gelegt bekommt und man gute Lektoren hat.

Zu den negativen Punkten, wenigstens die wenigen die es wert sind für mich aufzuzeigen.
Schwarzlicht ein Hit für jeden jugendlichen. "Schreiben sie auch bei diesem Licht am besten?" So habe ich es in Erinnerung. Was soll das? Da sitzen drei erwachsene Schriftsteller und kein abgedrehten pupertirende Rollenspieler mit schwarzen Kutten, Herr Nommsen
Und dann noch diese leicht versteckte Beleidigung. So etwas macht man nicht und erst recht nicht mit einer Frau. Stichwort Zähne
Und natürlich der Vergleich zu Fantasy und Biss zum Morgengrauen. Da graut es doch einen vor, dass dies bezeichnend sein soll für Fantasy. Das wäre ja, wenn man sagen würde. Herr der Ringe ist das Fantasybuch schlecht hin und alles andere sind billige Kopien. Besser hätte vielleicht gepasst wenn man diesen Hipe der Vampir Verfilmung zusammen mit HDR und HP zusammengesteckt hätte und nur deshalb weil sich das Marketingtechnisch zur Zeit so gut verkauft.