Mittwoch, 4. November 2009

Ein Selbstversuch (lose mit dem Thema Frauen verbandelt)

Ich habe es getan. Ich habe Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen gesehen und ich habe es überlebt (nette Idee für einen T-Shirt-Aufdruck eigentlich).
Dieser letzte Satz diente rein dem Zweck einer schamlosen Überdramatisierung. Nüchtern betrachtet tat Twilight nämlich gar nicht weh. Genauer gesagt, bin ich nach etwa vier Fünfteln eingeschlafen, was allerdings nicht meiner Langeweile, sondern der fortgeschrittenen Stunde geschuldet war.

Ich liste zunächst einige Dinge auf, die mir nicht so gefallen haben:
- Die Maske. Da hat man es mit der Blässe des gediegenen Blutsaugers etwas übertrieben. Edwards Ersterscheinen in der Schul-Cafeteria sei als wichtigstes Beispiel herangezogen. Man mag über Robert Pattinson denken, was man will, aber neben tollem Haar ist er zudem mit männlich-markanten Augenbrauen ausgestattet. Leider hat ihm die Maske in besagter Szene offenbar mit der doppelläufigen Puderflinte ins Gesicht geschossen, was nun dazu führt, dass seine Augenbrauen (die sauber freigeföhnt wurden) erschreckende Ähnlichkeiten mit pelzigen, schwarzen Raupen aufwiesen. Es hat lange gedauert, bis mir klar wurde, an wen er mich daher erinnerte, doch inzwischen weiß ich es: Bert aus der Sesamstraße (und da ich als Kind immer auf Ernies Seite war, verlor Edward dadurch einige Sympathiepunkte bei mir).
- Der plumpe Cameo-Auftritt von Stephenie Meyer. Natürlich sei es jedem Autor unbenommen, bei der Verfilmung eines seiner Werke in der Kulisse herumzusitzen. Was Fans dann ja irre spannend finden, ist es, den heimlichen Star zu erspähen. Leider ist das im Fall von Frau Meyer ungefähr so schwer, wie einen wilden Kerl zu finden, der sich unauffällig durch Schlumpfhausen bewegen möchte. Weniger wäre hier – meiner bescheidenen Meinung – nach mehr gewesen.
- Der Glitzereffekt. Bekanntlich meiden Vampire im Bis(s)-Universum vor allem deshalb das Sonnenlicht, weil sie gülden zu glitzern beginnen, sobald ein Sonnenstrahl auf sie fällt. Dieser Effekt ist nun nicht gerade dezent, und die unfreiwillige Komik dahinter erwächst nun daher, dass Edward dieses Phänomen mit dem Satz „It’s the skin of a killer.“ bedenkt. Was bedeutet, dass ich mich in Zukunft besser vor Frauen hüte, die Glitter auf dem Dekolleté tragen (weil sie in Wahrheit nämlich gar nicht darauf aus sind, ein zwangloses Gespräch mit mir zu führen – „Du auch hier?“ bzw. „Bist du nicht der Typ, der in seinem Blog gerade diesen komischen Quatsch über Frauen schreibt?“ oder auch „Wo ist der Cordanzug von deinem Autorenfoto geblieben?“ –, sondern nur auf mein Blut scharf sind).

Kommen wir zu den Dingen, die ich gut fand:
- Die Teeniefilm-Atmosphäre. Mit einigen wenigen Änderungen ließe sich Twilight mehr oder minder ent-übernaturalisieren und zu einem typischen High School-Streifen ummodeln, bei dem die Sympathien des Zuschauers klar bei den Außenseiterfiguren liegen.
- Das Baseballspiel der Vampirfamilie Cullen. Eine im Grunde völlig bekloppte Idee, die aber hübsch in Szene gesetzt ist und aus den Blutsaugern endgültig eine Art Superhelden mit speziellen Ernährungsgewohnheiten macht (und ich liebe Superhelden, denn sonst hätte ich ja Kalte Krieger nicht geschrieben). In einem Beispiel für gelungene innere Konsistenz beim Ablauf von Superheldenerzählungen treten dann bei ebendiesem Baseballspiel auch die Superschurken erstmals für die Helden sichtbar auf den Plan (und der fieseste von ihnen hat furchtbar langes, ungepflegt wirkendes Haar, das er zu einem Pferdeschwanz zusammenbindet, und ist somit also exakt der Typ Mann bzw. Junge, den man sich nun so gar nicht als Schwiegersohn wünscht – habe ich Edwards tolles Haar bereits erwähnt? Doch Vorsicht: Meine Fee warnt mich gerade mit einem beunruhigenden „It’s the hair of a killer!“).
- Surfen bei echtem Scheißwetter an der amerikanischen Nordwestküste. Noch so ein Einfall, der durch seine Skurrilität besticht, und für mich seinen ganz eigenen Grusel entfaltete, da ich lebende Gewässer nicht leiden kann. Es folgte ein schöner Strandspaziergang mit dem schnuckeligen Werwolf-Indianer, der sich – und auch das nenne ich konsequent – erst einmal für New Moon, den zweiten Teil der Serie, die Haare schneiden muss, um als potenzieller fester Freund für Bella in Frage zu kommen.

Wie fällt nun mein Fazit aus?
1. Ich kann verstehen, weshalb die weibliche Zuschauerschaft (und vor allem die junge) von Twilight sehr, sehr angetan war. Natürlich ist es eine angenehme Vorstellung, bei der familienbedingten Verbannung in ein Kuhkaff-Exil mit schlechtem Wetter zum Objekt der Begierde eines Jungen mit echt tollem Haar zu werden (noch besser ist, dass der Typ mehr oder minder fliegen kann, in Sachen klassischer Musik und Kunst recht bewandert ist, ein Auto hat, von einem angesehenen Arzt adoptiert wurde und einem erst das Leben auf dem Schulhofparkplatz rettet, um anschließend dafür zu sorgen, dass keine Horde rolliger, angetrunkener, unterschichtsverdächtiger Stadtjugend über einen herfällt). Da sieht man großzügig darüber hinweg, dass seinesgleichen eigentlich traditionell einen schlechten Ruf hat, was den Umgang mit Jungfrauen angeht. (Die Fee nannte Twilight mindestens übrigens ebenso großzügig „Der kleine Vampir mit Knutschen“ – und sie stand nach eigenen Angaben total auf Rüdiger).
2. Ich kann verstehen, weshalb die männliche Zuschauerschaft von Twilight weniger angetan war. Bella ist nicht stereotyp schlampig-schön genug (zum Vergleich siehe etwa Megan Fox), um ihrerseits problemlos als Projektionsfläche für eigene erotische Eskapaden zu dienen. Schlimmer noch: Man konkurriert in der eigenen Vorstellung mit einem Jungen mit echt tollem Haar (noch fieser ist, dass der Typ mehr oder minder fliegen kann usw. usf.)

Bis zu meinem sanften Dahindämmern fühlte ich mich jedenfalls nicht schlechter unterhalten als – sagen wir mal – bei einer Folge Gilmore Girls, und ich habe die feste Absicht, mir New Moon auch anzutun (allein schon der Werwölfe wegen). Und das ist doch immerhin mehr, als ich von so manchem anderen Franchise dieser Tage behaupten kann...

1 Kommentar:

_mathilda_ hat gesagt…

Und dazu hat noch keiner gepostet? Ich hab mich köstlich amüsiert, auch wenn ich auf der Suche nach etwas ganz anderem hier gelandet bin. Witzigerweise ist die Person, die mich auf die Suche geschickt hat, auch jemand, der sehr auf diese Vampirsaga steht. Ich neige eher zur pragmatisch-augenzwinkernden Sicht, die ich hier ebenfalls festzustellen vermeine, und finds erfrischend, dass es zwischen kreischendem Hype und absoluter Verachtung auch noch andere Wege gibt, mit der Thematik umzugehen.

Und ganz abgesehen davon scheine ich auch noch einen Autor entdeckt zu haben, dessen Werk mich interessieren könnte. Der Amazon-Einkaufswagen hat mal Zuwachs erhalten, die Schilderungen im Blog haben mich neugierig gemacht.