Montag, 30. November 2009

Die Agenda Plischke

Wie versprochen hier nun also meine Agenda. Ich habe sie nach dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip erarbeitet (wir erinnern uns: „Wir machen uns die Welt, widde-widde-wie sie uns gefällt“). Damit stehe ich offenkundig nicht allein da, weil das Handeln weiter Teile der Gesellschaft nach genau diesem Prinzip zu funktionieren scheint.

Ich möchte also schleunigst eine Welt:
- In der sich alle bewusst machen, dass wir in ebendiese Welt hineingeworfen wurden, um dort im Schnitt (sofern man in einer westlichen Industriegesellschaft lebt) sieben bis acht Jahrzehnte zu verweilen, bevor der Abpfiff erklingt, und dass uns dieses Schicksal, so grausam es wirken mag, auf wundersame Weise eint. Wäre es unter diesen Umständen nicht schöner, brächten wir unsere Spielzeit damit zu, uns einander den Aufenthalt auf dieser Daseinsebene so angenehm wie nur irgend möglich zu gestalten, anstatt uns einander andauernd allerlei Übles anzutun?

- In der wir zähneknirschend akzeptieren, dass Menschen keine leicht zu normierenden Wesen mit identischen Befähigungen und Leistungspotenzialen sind.

- In der ich nicht länger mit realsatirischen Wortneuschöpfungen oder quasi-orwellschen Sinnentstellungen wie Wachstumsbeschleunigungsgesetz, Umweltprämie oder Friedensmission belästigt werde.

- In der weniger Menschen ihr persönliches Geschmacksurteil über dies oder jenes, das ihnen selbstverständlich unbenommen bleibt, als allumfassende Wahrheit begreifen, behaupten und verbreiten.

- In der wir uns der Einsicht stellen, dass wir samt und sonders selten wertekonsistent, sondern in der Regel eher widersprüchlich handeln.

- In der Modern Warfare 2 (sic!) nicht so scheißerfolgreich ist.

- In der im Internet bei Diskussionen grundsätzlich ein zivilisierter Umgangston herrscht.

- In der die Arbeit der Lobbygruppen, die es geschafft haben, die Begriffe ‚Wirtschaft‘ und ‚Gesellschaft‘ je nach Belieben und Bedarf entweder in unserem Denken völlig voneinander zu entkoppeln oder als absolut deckungsgleich zu behandeln, rückgängig gemacht wird.

- In der wir von der Vorstellung Abstand nehmen, die sogenannten Leistungsträger unserer Gesellschaft würden grundsätzlich vernünftiger, moralisch sauberer oder auch nur ansatzweise vertretbarer agieren als der Rest von uns.

- In der wir uns Gedanken darüber machen, ob ‚der Markt‘ naturgesetzartig gegeben und schicksalsgleich über uns gekommen ist oder am Ende womöglich doch eher so etwas Niederes wie eine kulturelle Errungenschaft des Menschen darstellt.

- In der die öffentlich-rechtlichen Sender nicht Gefahr laufen, endgültig zu Staatsfernsehen zu verkommen, und ganz nebenbei vielleicht noch die eine oder andere Sendung mit fiktionalem Inhalt produzieren, die mich als Zielpublikum einschließt.

- In der nicht gefühlt alle zwei Wochen die nächste Weltuntergangssau durchs Dorf getrieben wird, um ein permanentes Klima der Angst und der allgegenwärtigen Bedrohung zu erzeugen.

- In der Bildung in Deutschland nicht als billiges Wahlkampfthema missbraucht wird, wie es seit nunmehr 40 Jahren der Fall ist.

Das ist also in Ausschnitten die Welt, die ich mir gemacht habe. Zieht jemand bei mir ein?

1 Kommentar:

PhipsB hat gesagt…

Ja, klar ziehe ich bei dir ein. Ich bin zwar bei solchen "Rundumschlägen" immer zuerst etwas skeptisch, deiner ist dir aber hervorragend gelungen und macht mir deine Welt sehr sympathisch.