Freitag, 30. Oktober 2009

Wir mögen keine Frauen von Männern

Und weiter geht’s mit meiner kleinen Reihe zum Thema Frauen, diesmal mit einer eher persönlichen Ausrichtung und einem kurzen Gedankenfetzen. Vor Kurzem wurde mir aus berufenem Munde versichert, Frauen würden Bücher von Männern nicht mögen, in denen die Autoren die Perspektive von weiblichen Figuren schildern. (Ich kam leider nicht dazu, mich zu erkundigen, ob Männer keine Bücher von Frauen mögen, in denen die Autorinnen die Perspektive von männlichen Figuren schildern.)

Diese Aussage treibt mich um. Zum einen da ich mich an diese vermeintliche Regel nun mal partout nicht halten will, zum anderen weil sie mir merkwürdig erscheint.

Gehen wir für einen Moment allerdings davon aus, dass sie zutrifft. Das würde bedeuten, dass im Kopf von Leserinnen eine Art Graben verläuft, der mit Schildern gesichert ist, auf denen steht: „Nicht weitergehen! Hier schreibt gleich jemand über etwas, mit dem er sich nicht auskennt, nicht auskennen kann und niemals auskennen wird!“
Im Ernst: Woher rührt dieses Misstrauen? Kennt irgendjemand eine Erklärung, die über „Frauen sind halt komisch“ hinausgeht?

Und weiterführend schließen sich diese Fragen an: Wie ist das, wenn ich keinen personalen Erzähler wähle (der ja quasi durch die Augen einer Figur blickt), sondern einen allwissenden? Schafft dieses Mehr an Distanz dann auf wundersame Weise auch ein Mehr an Glaubwürdigkeit? Rätsel über Rätsel...

Mysterium, dein Name ist Weib!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Also... ich habe kein Problem mit Männern, die in ihren Büchern Frauen beschreiben, solange sie diese Figuren nicht als billige Projektionsfläche für pubertäre Phantasien gebrauchen. Letzteres fände ich allerdings im umgekehrten Fall (Frau beschreibt Mann) ebenso unpassend.

LG, Lisa

Ursula hat gesagt…

Ich kann diese Abneigung überhaupt nicht nachvollziehen und halte dagegen mit:
Fräulein Smillas Gespür für Schnee.
Männlicher Autor, weibliche Ich-Perspektive, durchgängig szenisches Präsens und von A bis Z ein großartiges Buch.

Alles Liebe
Ursula

Worträuber hat gesagt…

Hm, hallo ihr beiden Mitstreiter um die Fantastik,
ich habe leider auch keine wirkliche Antwort zu dem Thema, habe aber auch schon davon gehört.
Ich glaube aber nicht, dass es so komplett richtig und wahr ist, denn was ist mit so jemandem wie Henry James - ist Isabell Archer weniger glaubwürdig, nur weil ein Mann ihre Psychologie entwickelt hat? Und wird James deswegen wirklich nicht von Frauen gemocht?
Noch interessanter wird es bei Autoren mit Pseudonym - ich verweise hier nur als alter SF-Haudegen auf James Triptree Jr. - ist der jetzt unweiblich? Und hat das Ganze vielleicht eher was mit feministischer Prinzipienreiterei zu tun - wie du sagtest, der kann und DARF vielleicht nicht verstehen, was in IHR so vorgeht ... nur ein paar Gedanken aus dem fernen Kanada. der Worträuber

Craze hat gesagt…

Hmm. Mir fallen einige Beispiele von männlichen Protagonisten von weiblichen Autoren ein, die mir komplett plausibel erschienen. Ebenso weiß ich von weiblichen Hauptfiguren von männlichen Autoren, die ebenfalls nicht fremdartig oder komplett ab vom Schuss rüberkamen.

Wenn, dann traf das auf *alle* Figuren des Romans zu und insofern glaube ich, das ist mehr vom Können des Schriftstellers als von der Geschlechterrolle abhängig. Vielleicht ist es nur eine seltsame Form von Höflichkeit zu sagen, du konntest deine weibliche Figur ja nicht richtig beschreiben, da du keine Frau bist, anstatt zu sagen, dein Roman saugt. ;)

Ole hat gesagt…

Schon mal einen kurzen Dank für die ersten Kommentare!

@Craze: Das war ja nicht auf einen unserer Romane bezogen, sondern eine allgemeine Feststellung (noch dazu von jemandem, der noch nie etwas von uns gelesen hatte).

Rebekka hat gesagt…

Hm, ich kann auch nur mutmaßen; ich habe zwar auch schon davon gehört, dass es Leute gibt, die ein Problem mit von Männern entworfenen Frauenfiguren haben, aber ich selber gehöre nicht zu diesen Leuten. Ich nehme aber an, bei der Auffassung gehen nicht nur in Bezug auf Geschlecht sondern auch in Bezug auf Literatur Sachen durcheinander.

Das heißt, dahinter scheint mir die Vorstellung zu stehen, AutorInnen würden hauptsächlich eigene Erfahrungen eins zu eins in Texte umsetzen & die Phantasie nur benutzen um daraus dann eine kohärente Geschichte zu basteln. Besonders wenn der Erzähler sehr nah an einer bestimmten Figur ist oder selbst eine Figur ist. (Beim auktorialen Erzähler kommt der Eindruck vermutlich am wenigsten auf.) Ich glaube im Deutschunterricht bekommt man dieses romantische Bild von Literatur als Selbstoffenbarung auch immer noch vermittelt.

In dem Fall wäre, wenn man die Auffassung mal zuendedenkt, die Voraussetzung fürs Schreiben dann allerdings mehrfache Wiedergeburt MIT Erinnerung an die früheren Leben, sonst würde es ziemlich schnell langweilig. Und jeder Krimiautor müsste Mörder oder Polizist (gewesen) sein.

Aber bezogen auf Geschlecht hält sich die Vorstellung von nicht überbrückbaren Unterschieden, die es einem männlichen Autor dann unmöglich machen müssten sich in eine weibliche Figur hineinzuversetzen, offenbar nochmal ganz besonders hartnäckig & ist, würde ich sagen, ganz besonders bedenklich. Ich würde behaupten das ist keine hauptsächlich feministische Position sondern mehr eine Abart von "die Frau, das unbekannte Wesen"-Auffassungen, die das Bild von zwei klar und eindeutig voneinander abgrenzbaren Geschlechtern vertreten, die vermeintlich in zwei verschiedenen Welten leben, ihre Gehirnhälften verschieden benutzen und mehr Unterschiede zum anderen Geschlecht aufweisen als jeweils untereinander. - Don't get me started on that, sonst rege ich mich direkt zwei Seiten lang auf.

Liebe Grüße
Rebekka

Thomas Plischke hat gesagt…

Vielen lieben Dank für die ganzen Kommentare.
Ich präzisiere mal eben kurz, dass der Mensch, von dem ich die ursprüngliche Aussage habe, von Unterhaltungsliteratur redete (das Fass von wegen E und U machen wir aber lieber an anderer Stelle auf).
Andererseits hätte ich schon Lust zu sehen, wie Du, Rebekka, dich mal zwei Seiten lang aufregst. Sei mein Gast, bitte. Vor allem, weil ich den Kolle-Verweis mit der Mär vom unbekannten Wesen äußerst interessant finde.
Das Zusammentragen von Gegenbeispielen für die These im Allgemeinen wurde mir ja auch dankenswerterweise bereits abgenommen.
Nun frage ich mich allerdings, ob etwas an der Idee dran sein könnte, dass Männer tendenziell eher Sachen von Männern und Frauen eher Sachen von Frauen lesen. Ich mache mal den Anfang und stelle bei einem Blick in meine Bücherregale fest, dass die vermeintlichen Herren der Schöpfung da doch massiv in der Überzahl sind. Interessant...

Elleth hat gesagt…

The dictum in writing classes used to be "write what you know." Which sounds good, but what if you want to write about starships exploring other planets or a man who murders his wife and then tries to dispose of the body with a wood-chipper? (Der King, On Writing)

Oder über das unbekannte Wesen anderen Geschlechts, God forbid, wahrscheinlich noch als pov oder focal character?

Kommt meiner Meinung nach auf den Schreiberling an, und wie menschlich er/sie seine/ihre Figuren darstellen kann (wenn er/sie das nicht kann, ist das Buch ganz unabhängig von sonstigen Kriterien oder Figuren sowieso nur für die Tonne geeignet). Andererseits spielen die Leser-Erwartungen und die Suche nach Stereotypen sicher auch eine Rolle. Liebhaber von Chick-Lit würden bestimmt Probleme mit Jasper Ffordes großartiger Thursday Next haben.

Übrigens finden sich in meiner Bibliothek weitaus mehr Herren als Damen, was mich selbst auch ein wenig überrascht...

Susanne hat gesagt…

Was denn? So ein Quatsch! Wenn ein Autor oder eine Autorin eine glaubwürdige Figur entwirft, dann ist es doch so was von sch***egal, ob da gendermäßig was über Kreuz geht! Und bitte, was ist dann mit Tieren? Oder Aliens? Nur Katzenromane aus der Pfote von Katzen und kleine grüne Männchen für den Rest? Ich lach mich tot!

Andrea hat gesagt…

Die Idee, dass Autoren Charaktere nicht richtig schreiben könnten, die nicht ihr Geschlecht haben, scheint es auch unter Autoren zu geben. Ich habe mal die Aussage einer Autorin gelesen, die meinte, wenn sie aus der Perspektive eines Mannes schreibt, würde sie sich stets einen Mann zu Hilfe holen, um den Charakter richtig hinzubekommen.

Wahrscheinlich ist in den Köpfen einiger Leute einfach noch immer die Idee sehr tief verwurzelt, dass es zwischen Männern und Frauen irgendeinen vollkommen unüberbrückbaren Unterschied gäbe, der es schlicht unmöglich macht, einander jemals wirklich zu verstehen.

In meinem Bücherregal ist das Männer - Frauen Verhältnis übrigens recht ausgeglichen. Wobei ich bei dem ein oder anderen Namen aber auch nicht ganz sicher bin was das Geschlecht das Autors angeht.

Thomas Plischke hat gesagt…

Wie schön, die Diskussion geht weiter.
Sich gelegentlich Tipps zu holen, wenn man gerade unsicher ist, finde ich legitim. Beispielsweise würde ich entsprechende Erkundigungen einziehen, falls ich jemals einen zügigen Tamponwechsel perspektivisch gebunden schildern wollen würde.
Andererseits finde ich gerade die Sache mit dem vermeintlich unüberbrückbaren Unterschied unglaublich faszinierend. Das hat zwei Gründe: Zum einen sind den Möglichkeiten, sich voll und ganz in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, unabhängig von dessen jeweiligem Geschlecht von Natur aus feste Grenzen gesetzt. Zum anderen habe ich es ja bei einer Figur in einem Roman ohnehin nicht mit einem echten Menschen zu tun, sondern immer eben nur mit einer Figur - einem Konstrukt, dem ich mal mehr, mal weniger Leben einhauche.
Im Übrigen: Die Vorstellung von einer Katze, die als Autor fungiert, eignet sich hervorragend als grandiose Figur für einen Roman im Urban Fantasy-Umfeld.

Susanne hat gesagt…

Aber sicher, Recherche braucht man hin und wieder. Und da ist es allemale einfacher den Mann/die Frau von nebenan zu spezifischen Themen zu befragen als z.B. einen Höhlenmenschen oder einen Teilnehmer der ersten Völkerwanderung. Das sollte also kein Hinderungsgrund sein, das Geschlecht seines Protags frei zu wählen. IMHO.

Und was ist überhaupt mit der "dichterischen Freiheit"? (Gibt es da eigentlich einen zeitgemäßeren Ausdruck, btw?)

Wer schreibt das Ding mit der Katze? Ich oder ihr? ;-)))))

Craze hat gesagt…

Es gibt einen Katzenroman: Felidae, von Akif Pirincci. ;) Sogar mit Fortsetzung (die aber um längen nicht so gut war). Die Geschichte wird aus der ausschließlichen Sicht der Katze erzählt.

@Ole: Ich hatte das auch nicht als eine Kritik an einem Eurer Werke bezogen. Ich sehe das als eine allgemeines Statement.

In meinem Bücherregal haben die Herren der Wortschöpfung auch den zahlenmäßigen Vorsprung. Mag vielleicht ein Genre-Thema sein.

Susanne hat gesagt…

@Craze: Nicht zu vergessen Rita Mae Brown mit Sneaky Pie Brown und wer weiß was noch alles. Katzenromane aus der Sicht von Katzen waren ja mal fast so beliebt wie Vampirschlampenschmonzetten ;-)
Worauf ich halt noch warte, ist die Katze, die wirklich selbst schreibt. Meine Lotte versucht es täglich mehrmals, aber die Ergebnisse sind dramaturgisch und stilistisch bislang unbefriedigend.

Susanne hat gesagt…

Kleiner Nachtrag

Tina hat gesagt…

Sehr wichtig deine Präzisierung, Thomas, daß sich diese Aussage auf Unterhaltungsliteratur bezog.
(Denn natürlich kommen bei solchen Diskussionen prompt immer die klassischen Beispiele "Effie Briest" etc)

Trotzdem ist die Frage etwas falsch gestellt, denn es geht nicht generell um Frauen, sondern um die Leserinnen einer bestimmten Art von Unterhaltungsromanen, nämlich historische, right?

Vorweg: bitte nicht negativ verstehen!
Die Autorinnen hören es zwar nicht gern, aber die derzeitigen historischen Romane sind aufgeblasene Groschenromane, die mit den Mustern, der Mechanik und dem Personal dieses Genres arbeiten, ganz bewußt, und damit man freiere Hand hat und "bunter" schreiben kann, wird alles (meist) in ein geschöntes Mittelalter verlegt.

Und die Leserinnen entsprechen denen der Groschenromane.

Da weiß man seit Jahrzehnten (und sagt es auch offen), daß ein männlicher Autorenname ein absolutes Tabu ist, weil die Leserinnen einem Mann eine solche Liebesgeschichte nicht abkaufen.

Tina (übrigens selbst Heftromanautorin) :))

Anonym hat gesagt…

Hallo zusammen.

Beruflich bedingt habe ich mich eine Weile mit dem Thema Marketing in fast all seinen Formen beschäftigen müssen. Müssen deswegen, weil neue Ideen und Ansätze in vielen Unternehmen nicht gerne gesehen werden, bergen sie viel zu viel Risiko*zwinker, dazu später mehr*
Bisher sehe ich fast alle Kommentare zu diesem Thema aus der Sicht der schreibenden Zunft geschrieben. Und in diesem Sinne habt ihr natürlich alle Recht:
Die Geschichte / die tiefe der jeweiligen Figur zählt, nicht der Erzähler.
Aber das ist eben die Ansicht von "unserer" Seite des Schreibtisches aus gesehen.
Wie sieht es aber jenseits der Grenze aus, die durch Berge von Recherchenotizen, einem Bildschirm und etlichen Tassen mit eingetrockneten Kaffee gebildet wird? ;-)
Wie sieht es also in den Buchhandlungen bzw. in den Köpfen der Leser und Leserinnen aus?
Ist alles spekulieren hierüber, nicht ein wenig wie Dart im Dunkeln spielen?

Meine ganz persönlichen (und subjektiv eingefärbten) Erfahrungen:
Wer für z.B. für Cora erfolgreich schreiben will, sollte sich als Mann ein weibliches Pseudonym ausdenken, da (man) Frau eben in diesem Genre eine Frau erwartet, die sie für eine kurze Weile in eine Traumwelt entführt.
Bei HR´s erlebe ich es während meiner Streifzüge durch die Buchhandlungen auch so, dass ich bei einer HR-Autorin eher eine starke Frau im Vordergrund erwarte, die sich im Rahmen der gewählten Zeit durchsetzt und ihr ganz persönliches Glück findet.
Bei einem Mann erwarte ich als Leser (unbewusst) eher einen starken Typen, vielleicht eine Art Robin Hood, der sich gegen die zeitlich oder handlungsbedingten Widerstände durchsetzt, um am Ende der strahlende Held zu sein.
Alleine diese (oftmals erfüllte) Erwartungshaltung in der Buchhandlung macht schon sehr viel bei der Kaufentscheidung aus. Und ich bin nur ein einzelner Käufer, sehe aber ähnliche Gedankengänge immer wieder in den Gesichtern der anderen Kunden.

Um so überraschender sind dann die "Einspielergebnisse" jener Romane, die zum Beispiel von einer Frau geschrieben wurden, aber einen männlichen Helden haben.
Hier ist es die Neugier der (meist weiblichen) Käuferinnen, was denn da auf sie zukommt, wobei es sich aber nur um sehr wenige HR´s, eher aber um Krimis und Thriller handelt, die in entsprechender Konstellation verfasst wurden. Diese Romane haben nach meinem Gefühl durch den "Geschlechtertausch" beim Schreiben schon ihr Alleinstellungsmerkmal erreicht, welches sie aus der Masse abhebt und mit dem sie eine vollkommen andere, vielleicht sogar erweiterte Zielgruppe erreichen können.
Gleichzeitig haben diese Romane es aber bereits in der Vorauswahl in den Posteingangsstellen der Verlage ungleich schwerer, überhaupt ein geneigtes Auge zu bekommen, dass sich kritisch mit ihnen auseinandersetzt.

to be continued ...

Anonym hat gesagt…

Fortführung des Posts (in der Hoffnung das auch alles in der richtigen reihenfolge erscheeint *lach*)

...
In den Verlagen, und im erweiterten Abschluss dieser gedachten Produktionskette auch dadurch bedingt und untermauert, was die Verlage letztendlich in den Buchhandel bringen, herrscht folgendes Denken oftmals vor:
- Ein Thriller von Ludlum ist einfach sehr maskulin. Den wird eine Frau eher verschmähen, es sei denn, sie sieht in dem Buch die Möglichkeit sich vielleicht nochmal intensiv an die Seite von Matt Damon oder Leonardo Di Caprio zu lesen ;-)
- Der neue (und erst im August bei Piper erscheinende) Roman "Der Augensammler" ist hingegen von einer Frau geschrieben worden und spätestens nach den ersten Rezensionen, wenn klar geworden ist, wie sich diese Kollegin diesem Roman genähert hat, wird sie in erster Linie Frauen ansprechen, die bisher um Thomas Harris eine Bogen geschlagen haben, weil man(n) eben eine ganz andere Herangehensweise an diese Geschichte erwartet.

Es ist also weniger eine bewusste Schranke in den Köpfen der Käufer, als vielmehr eine wirtschaftliche, die sich leider wie eine selbst erfüllende Prophezeiung immer wieder wiederholt:
- Frau schreibt HR, Lektor / LeserIn erwartet starke Frau und evtl. etwas Liebesschmalz.
- Mann schreibt HR, Lektor / LeserIn erwartet starken Helden, der Prinzessin rettet. ;-)
- Mann schreibt Thriller mit Frau als Heldin, Lektor erwartet möglichst blutrünstigen Killer, damit man(n) den Roman auch liest.
- Frau schreibt Thriller mit Mann als Held, Lektor ist fassungslos sieht aber die "Marktlücke" weil Frauen nach den neuesten Erhebungen kaum Thriller lesen. Und wenn man hier ein wenig dreht, dort ein wenig umstellt ...

Die Verlage sind Wirtschaftsunternehmen mit dem klaren Ziel der Gewinnmaximierung, zumindest aber der Gewinnerzielung. Warum also einen Schienenstrang verlassen, der bisher etliche tausende Kilometer den Zug „Verlag“ sicher weitergebracht hat? Einzelne Lektoren werden es immer wieder versuchen „ihre Weiche“ einzubauen und einige werden damit sogar Erfolg haben.
Aber im Großen und Ganzen haben die Verlage in der Vergangenheit ihren Markt bzw. die Erwartungshaltung ihrer Käufer selber erschaffen.
Warum also das sichere Terrain der „geschlechtsspezifischen“ Schreibe öfter verlassen als notwendig ist, um für einen Überraschungserfolg zu sorgen, der den Namen des Verlags in alle Munde bringt? Das ist aber etwas, was sich oft nur die ganz jungen oder die ganz alten in den Lektorenbüros der Verlage trauen.
Schlimmstenfalls wird es dann ein Flopp durch ein Zuviel an Lektorat, der mit den Verkäufen der Backlist aufgefangen werden muss. Der oder die entsprechende Verantwortliche wird dann die längste Zeit in diesem Verlag einen Vertrauensvorschuss genossen haben ;-)
Günstigstenfalls lüftet die Marketingabteilung werbewirksam das Geheimnis um die Anfangsbuchstaben des / der ErfolgsautorIn und bekommt die Filmrechte für gutes Geld verkauft, eine Riesenpresse, Spendengalas … ;-)

Soweit meine "erfühlte" Meinung zu diesem Thema, die mich aber nicht davon abhält Bücher rein nach Thema zu kaufen, ohne bewusst auf den oder die Verfasser(in) zu schielen.

LG

Dirk