Montag, 12. Oktober 2009

Unsortierte Gedanken zu sortierten Finanzen

Vor einigen Tagen haben der Moops und ich uns der grauenerregenden Aufgabe gestellt, unsere Steuer zu machen. Keine Sorge, es geht uns gut (zumindest noch...). Um unsere immensen angesammelten Reichtümer loszuwerden, fiel daraufhin die Entscheidung, etwas für unsere Altersvorsorge zu tun. Falls meine schlimmsten Befürchtungen im Zusammenhang mit der weiteren Gesellschaftsentwicklung sich bewahrheiten, hätten wir den Zaster wahrscheinlich auch gleich verbrennen oder als exquisite Wandtapete verwenden können. Ich sehe mich im Jahr 2044 nämlich eher mit zittriger Hand gegen eine kleine Spende unsinnige Zweizeiler verfassen, als dass ich mir glaubhaft ausmalen kann, eine ausreichende Rente zu beziehen. Sei’s drum.

Jedenfalls schlugen wir bei einer freundlichen Finanzberaterin auf, die sehr zu meinem Entsetzen erst 21 Lenze zählte, wie sich auf eine wenig charmante, um nicht zu sagen rüpelhafte Anfrage unsererseits herausfinden ließ. Mein Grauen liegt darin begründet, dass ich mich beim Betreten des Büros noch der wohligen Illusion hingab, nun würden gleich drei junge Leute untereinander nett und informiert Anlagepläne schmieden. Die nackte schonungslose Wahrheit war leider, dass zwei nicht mehr ganz junge Leute, die sich aber nach wie vor oft für ganz junge Leute halten, auf einen waschechten jungen Menschen trafen. Die Frage, die sich stellt, lautet: Ist dieses Selbstbelügen die Wurzel so hässlicher Phänomene wie dem verstörenden Versuch von Männern um die Fünfzig, sich in Anwesenheit jüngerer Damen umgehend (und vermeintlich) besonders kumpelhaft und locker zu geben? Ein Versuch, der von außen betrachtet häufig etwas Schmieriges hat und aus dem überdies ein unbewusst-verzweifeltes Aufbegehren gegen die eigene Endlichkeit spricht?

Wo wir gerade beim Thema Schmieriges und Verzweiflung sind: Sehr angetan zeigte ich mich von den Namen der mir angebotenen Finanzprodukte. In diesem Bereich ist es offenkundig gestattet, allen Ernstes das Kürzel „maXX“ in eben genau jener Schreibweise an Hauptwörter zu klatschen, ohne umgehend erschossen oder zumindest kräftig ausgepeitscht zu werden. Gleichermaßen ist sich die Branche, die momentan mit einem ähnlichen Glaubwürdigkeitsproblem zu kämpfen hat wie eine bei der Bundestagswahl nicht gänzlich zu Unrecht abgestrafte Partei, nicht zu schade oder immer noch dreist genug (die Einschätzung hängt wohl von der Weltanschauung ab), einen Begriff wie Fonds mit Fidelity zu verbinden. Klar, es kommt eines der meistgeschätzten und verführerischsten sprachlichen Stilmittel dabei herum: der heißgeliebte Stabreim (und wer erinnert sich nicht gern an die Schlagzeile Bomben auf Bagdad und die von einem Satiremagazin unter anderem angegebene Verballhornung H-Milch auf Hanau?).

Trotz allem scheinen mir die wahren Möglichkeiten der Benennung von Finanzprodukten noch nicht einmal annähernd ausgereizt. Großzügig gebe ich hiermit ein paar Anregungen: Risiko total, Casino Esplanade Chance plus, Absahnung eXXXtrem (das ließe sich gern auch anderweitig verwenden), Rendite radikal, Immo immens, Crise courage, usw. usf.

Kommentare:

TeichDragon hat gesagt…

Absahnung eXXXtrem...

Ähhh.... Örrr.....

Und ihr seid euch sicher, dass ihr bei einem Finanzberater wart?

;)

Gruß,
Teich

TeichDragon hat gesagt…

PS: Weia...
Die Schlechtschreibung möge man mir wg. akuter Müdigkeit verzeihen.
Wie auch den Tankward...