Mittwoch, 28. Oktober 2009

Ungerechtigkeiten

Im dritten Teil meiner kleinen Reihe zu Frauenthemen, möchte ich etwas ansprechen, worauf mich meine gute Fee aufmerksam gemacht. Eine Ungerechtigkeit im Ringen um Paarungsmöglichkeiten, um genau zu sein.

Meine gute Fee ist die Vertreterin einer seltenen Spezies: Sie ist ein Gamerweibchen. Wo andere Angehörige ihrer Art über eine Begeisterung für Mangas und Animes an die Konsole gelangen, um in die bunten Welten von Japano-RPGs abzutauchen, stand meine Fee von Anfang ihrer Daddelkarriere an auf wesentlich härtere Kost. Sie hat Reflexe wie eine Raubkatze, weshalb ihr Shooter immer helle Freude bereiten.

Sie hat nun unlängst eine äußerst interessante Beobachtung gemacht. Wann immer sie ein T-Shirt trägt, auf dem der Name eines Spiels prangt, bei dem es ordentlich derbe zur Sache geht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ihr junge Männer nähern, um mit ihr ins Gespräch zu kommen, immens. (Ich vermeide den Ausdruck „um mit ihr flirten zu wollen“ absichtlich, da die Annäherungsversuche in der Regel zu plump ausfallen, um den Begriff „Flirt“ verdient zu haben. Andererseits ist sie da Kummer gewöhnt, weil sie sich jahrelang in der guten alten Tischrollenspielszene herumgetrieben hat.) Allem Anschein nach senkt das Tragen eines der erwähnten T-Shirts die Hemmschwelle, auf sie zuzugehen – wahrscheinlich deshalb, weil der Angelockte sich das Hirn nicht verrenken muss, um auf ein Gesprächsthema zu kommen, von dem er (meist fälschlicherweise) ausgeht, es wirke auf eine Frau nicht verstörend, dröge oder abschreckend.

Nun ist meine gute Fee eine Gerechtigkeitsfanatikerin und wird nicht müde zu betonen, wie unfair sie diesen Umstand findet. Nicht den, dass sie angesprochen wird – Gott bewahre, es wird doch im Grunde jeder gern begehrt –, sondern der Sachverhalt, dass diese Anlockoption nur Frauen zur Verfügung steht. Erst begriff ich nicht ganz, was sie meinte, doch dann schlug sie mir vor, ich solle mich mal in ein Barbie- respektive Sex and the City-Oberteil hüllen, um anschließend darin Damen in romantischer Absicht entgegenzutreten. Da traf mich die Erkenntnis, und ich nahm von einem entsprechenden Selbstversuch Abstand (wenngleich ich seitdem dennoch gegen die Versuchung kämpfe, mir ein Edward-Longsleeve zu kaufen, um ein gewagtes Zeichen zu setzen und den Geschlechterkampf auch an dieser Front aufzunehmen...).

Kommentare:

Falko hat gesagt…

Bitte auch "Bella's Engagement Ring (TM)" tragen!

http://www.twilightteez.com/rings/

Craze hat gesagt…

Ich weiß nicht, ob die Gamer-Message als Einladung verstanden wird, sich keine komplizierte Pickup-Line einfallen lassen zu müssen. Ich glaube eher, dass es ein "Jetzt oder nie"-Reflex seitens des Gamer-Männchen ist, wenn es ein Weibchen erspäht, dass die Flagge (rot oder blau such's Dir aus) offen trägt. Zwar glaube ich, dass es gar nicht so wenig Gamerinnen gibt, aber nur wenige denen man das auf Anhieb ansieht. ;) Und sein wir ehrlich: Eigentlich sucht der Gamer ja einen Spielkameraden, der diese Begeisterung teilt, wohingegen Ms. Barbie Girl auf keinem Fall jemanden sucht, der ihre Interessen wirklich teilt – insofern stimmt das wohl. Aber das muss man nicht auf Gamer begrenzen – Männchen sind im allgemeinen glücklich, wenn sie leicht verständliche Signale bekommen. Ich wette einen ähnlichen Effekt erreicht Sie, wenn sie ein HSV- oder NIN-T-Shirt in der entsprechenden Gesellschaft trägt.

Andrea hat gesagt…

Also, ich denke, ein Edward (bzw. Bella)-Longsleeve könnte funktionieren. Frauen sind genau wie Männer glücklich, wenn sie einen Partner finden, der ihre Interessen teilt.
Die Frage wäre nur, ob Twilight-Fans nicht eher dazu neigen, zu erwarten, dass Mann sie anspricht, anstatt umgekehrt.

Thomas Plischke hat gesagt…

Zur Frage, was eine Twilight-Leserin als dezente Form der Kontaktaufnahme erwartet, sollte nicht die Möglichkeit vergessen werden, dass sie insgeheim darauf hofft, vom potenziellen Partner vor einem tödlichen Unfall gerettet zu werden.
Danke für den Tipp mit dem Ring, Falko, aber in Sachen Fingerschmuck bin ich traumatisiert, nachdem mir vor Jahren eine Anekdote über einen recht grauenhaften Unfall - da wären wir schon wieder bei diesem Thema - zugetragen wurde. Die Geschichte spielte bei der Bundeswehr (in den Hauptrollen ein Ehering, die Kante der Ladefläche eines Pritschenwagens sowie ein abgerissener Finger, weil sich besagter Ring nicht von besagter Kante trennen wollte). Ich bin generell sehr empfänglich für jede Form von moderner Folklore (es gibt bei mir keine Yucca-Palmen, ich nehme keine Anhalter, meide in Begleitung von Hunden chinesische Restaurants, sammle bei Mexikobesuchen keine süßen Hündchen von der Straße auf und misstraue Menschen mit Haken statt Händen).
Aber im Ernst: Ich freue mich über das rege Interesse an meiner kleinen Frauen-Reihe.
Zur Zahl und Akzeptanz von Gamerinnen (oder Gamerettes?): Ich kenne eine Menge Zockerweibchen persönlich und musste bei der Sichtung alter Videospiele-Zeitschriften aus der Sammlung eines nicht näher genannten Hügeltrolls feststellen, dass die Diskussionsatmosphäre sich seit den frühen Neunzigern kaum geändert hat. Frauen werden in Gamerkreisen noch immer als etwas Exotisches wahrgenommen, sind aber natürlich insbesondere als Messebabes voll akzeptiert. Wie weit der Chauvinismus tatsächlich reicht, hat unlängst die kurzlebige play vanilla bewiesen - vollmundig als erstes Games-Magazin nur für Frauen angepriesen und dann erstaunlich rasch eingegangen. Könnte unter anderem daran gelegen haben, dass man - total clever und zielgruppengerecht - auf ein handtaschenkompatibles Format achtete. Vielleicht aber auch daran, dass man irgendwelche Sternchen ranzerrte, die einem erzählten, wie gern sie im Tourbus, im Green Room oder sonstwo, wo man sich so rumtreibt, voll gern auf ihrer PSP oder ihrem DS daddelten.
Zugegebenermaßen hatte mein absolutes Highlight in der play vanilla nichts mit Geschlechterinteressen, sondern journalistischem Feingefühl zu tun: im Titel einer Story über Assassin's Creed war geschmackssicher die Rede von einer Dolchstoßlegende. Aber ich schweife ab...