Freitag, 23. Oktober 2009

Der Preis einer Gebärmutter

Ich eröffne mal unbedarft eine Reihe von Posts, die sich mit den faszinierendsten, verwirrendsten und furchteinflößendsten Geschöpfen befassen, mit der sich Männer die Erde teilen: Richtig, es geht um Frauen.

Mehr als 35 Jahre, nachdem Yoko Ono und John Lennon auf bestialisch provokante Weise feststellten, dass die Frau der „nigger of the world“ ist, erfahren Frauen vielfach eine Behandlung, die einem die Zehnägel explodieren lässt.

Drei Dinge vorweg: Erstens bin ich nicht einfältig genug, um zu behaupten, dass Frauen die besseren Menschen wären. Maggie Thatcher ist einer der besten Gegenbeweise gegen eine solche These. Zweitens war ich als Zivi in einer Sozialstation für mobile Altenpflege mehr als ein Jahr mehr oder minder allein unter Frauen – eine Zeit, in der ich ausgezeichnet beobachten konnte, wie eine Welt, in der die Rollen zwischen Mann und vertauscht sind, wahrscheinlich aussehen würde. Nur soviel: Ich habe diese quasi-feministische Utopie gesehen, und sie hat mir nicht gefallen, unter anderem deshalb, da Frauen untereinander in Sachen wechselseitige Zerfleischungsversuche Männern in nichts nachstehen. Drittens verwehre ich mich gegen die naive Annahme, Männer und Frauen wären gleich. Frauen sollten allerdings in einer Gesellschaft unbedingt die gleichen Rechte besitzen wie Männer.
Klingt logisch, modern und umgesetzt, ist es aber eben beileibe nicht.

Ich bemühe mal rasch das Mantra, dass sich Leistung wieder lohnen muss. Misst man die, die es beständig vor sich hinmurmeln, an ihrem eigenen Kredo, ist das wichtigste Schlachtfeld für sie rasch ausgemacht: die Angleichung der Gehälter für XX- und XY-Chromosomenträger.

Der Einfachheit halber bediene ich mich bei Zahlen, die das Statistische Landesamt Baden-Württemberg in diesem Jahr veröffentlicht hat. Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst für Vollzeittätige lag im Ländle bei 19,81 €. Splittet man nun nach Männern und Frauen, wird ersichtlich, dass die Herren 21,30 € und die Damen lediglich 15,92 € beziehen. „Na gut“, sagen jetzt vielleicht manche, „das mag damit zu tun haben, dass Frauen eben weniger häufig in leitenden Positionen tätig sind als Männer.“

Auch wenn es sich dabei allein schon um eine himmelschreiende Ungerechtigkeit oder wenigstens einen dringend zu behebenden Missstand handelt, ist dieser scheinbare Grund für das Ungleichgewicht entkräftet, wenn man die Vollzeittätigen nach ihren Positionen im Berufsleben sortiert. Und siehe da, bei ungelernten Vollzeittätigen – weniger euphemistisch könnte man auch von den ärmeren Anteilen der arbeitenden Bevölkerung sprechen – fällt die Differenz denn auch ein wenig kleiner aus. Hier trägt das Team Wurst und Bohnen mit 13,28 zu 11,69 einen etwas knapperen, aber immer noch klaren Sieg davon (Vorsicht, Sportreporterdeutsch!).

Doch wie sieht es oben aus, dort wo Frauen ohnehin viel seltener landen, also in den sogenannten leitenden Positionen? Hier wiegt die Leistung dessen, der seine Eier (2) bequem und potenziell jederzeit vorzeigbar in der Hose trägt, noch schwerer als die derjenigen, die ihre Eier (zwischen 300.000 und 500.000) innenliegend verwahren. Wo die Leistungsträger ihrem Tragen von Leistung nachgehen, steht es nämlich 36,63 zu 29,48 – ein Unterschied von bescheidenen 24 Prozent.

Des Teufels Advokat würde nun einer Frau empfehlen, auf berufliche Qualifikationen großzügig zu verzichten, weil man sich im Bereich der niedrigen Löhne immerhin einen Tick gerechter ungerecht behandelt fühlen kann.

Um dieser Empfehlung sogleich entgegenzuwirken, berechne ich lieber den Preis einer Gebärmutter (um genau zu sein, den Lohn, der einem bei Besitz selbiger durch die herrschenden Umstände vorenthalten wird). Mathematisch ist das Ganze vielleicht mittelsauber, weil es zukünftige Entwicklungen nicht angemessen berücksichtigt, aber momentan wird meine Kristallkugel gerade aufpoliert (kostet mich zum Glück ja bei der ungelernten badischen Kristallkugelpoliererin meines Vertrauens nur 11,69 € brutto die Stunde). Außerdem interessieren mich Phänomene wie der spätere Einstieg in den Beruf bei vorhergehendem Erwerb besserer Qualifikationen aus Gründen profaner Provokation im Moment die Bohne.

Wohlan: Ausgehend von einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41,2 Stunden (laut einer recht aktuellen EU-Studie) und äußerst großzügigen 30 Urlaubstagen im Jahr setze ich eine Jahresarbeitszeit von 1895,2 Stunden an. Der deutsche Arbeiter ist wiederum gemäß Statistischem Bundesamt 37,5 Jahre seines irdischen Daseins fleißig. Ergibt also 71070 Stunden, die er bis zu seinem hoffentlich sozialverträglichen Frühableben mit Buckelei beliebiger Art zubringt (in der gleichen Zeit könnte er übrigens 47380 Folgen Tatort sehen).

Bezogen auf die oben genannten Bruttostundenlöhne erhält der ungelernte Vollzeittätige 943.809,60 €, seine Kollegin hingegen 830.808,30 €.
Der leitende Angestellte bezieht 2 603 294,10 €, während die typische leitende Angestellte mit 2 095 143,60 € Vorlieb nehmen muss.

Der Preis der Gebärmutter einer ungelernten Arbeiterin beträgt folglich 113.001,30 €. Das Vorzugsmodell der leitenden Angestellten schlägt mit 508.150,50 € zu Buche.

Wer’s lieber umgekehrt hören möchte, weil er dann besser schläft: Einmal „Schnippi mit Klickern haben“ bringt einem aufs Leben gerechnet den Gegenwert eines schicken Sportwagens oder eines komfortablen Einfamilienhauses (sofern man die Steuer außen vor lässt, aber an der kommt man mit etwas Geschick auch noch vorbei). Ich gehe mal kurz brechen oder mein Gemächt feiern – je nachdem, welcher Impuls sich durchsetzt – und bin in Bälde wieder zurück...

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