Sonntag, 4. Oktober 2009

Auch Elfen feiern Weihnachten

Zumindest tun sie das in der Anthologie Das Fest der Elfen, in der ich neben zehn geschätzten Kollegen mit einer Kurzgeschichte namens „Zwei müssen zurück“ vertreten bin und die jetzt bereits im Handel erhältlich ist (ebenso wie Lebkuchenherzen mit Marmeladenfüllung, Christstollen und diversen anderen Leckereien für all jene, denen Weihnachten gar nicht früh genug kommen kann). Es ist keine sonderlich männerfreundliche Erzählung geworden, die aber einer ersten Rezension zufolge trotzdem „lesbar“ ist. Na immerhin.

Was ich versucht habe, war das Verbinden von alten Mythen über "Alben" mit moderneren Vorstellungen über den Weihnachtsmann. In Anbetracht der Tatsache, dass ich parallel an „Lilie“ arbeitete, empfand ich selbstredend eine klammheimliche Freude darüber, dass die Alben in der nordischen Mythologie Fleischopfern nicht gänzlich abgeneigt waren, und als Pfälzer Patriot sah ich mich gemüßigt, im Zuge der Geschichte unterzubringen, dass unser roter Weihnachtsmann, wie wir ihn alle kennen, in den USA angeblich zuerst durch den ursprünglich aus Landau stammenden Karikaturist Thomas Nast populär gemacht wurde. Allen Zweiflern an dieser These antworte ich mit den goldenen Worten einer meiner zahlreichen Großmütter: „Lasst mir doch den Gedanken! Er ist so schön.“

Ob mein Versuch des Mythenverbindens nun gelungen oder gescheitert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Spaß beim Recherchieren und Schreiben hatte ich allemal, auch wenn ich mich dem in Deutschland derzeit beobachtbaren Trend verweigert habe, die Kurzgeschichte als Auswuchs von Poetry-Slam-Exzessen zu missbrauchen und mich in Sachen Ironie und Satire auszutoben. Dafür war Weihnachten für mich persönlich immer ein viel zu ernstes Thema: So existieren von jedem Weihnachtsfest zwischen meinem sechsten und elften Lebensjahr Lichtbilder, die meine alljährlichen, tränenreichen Wutausbrüche anlässlich des Fests der Liebe belegen. Ich würde gern sagen, es handle sich dabei um frühe Zeugnisse einer tiefverwurzelten, konsumkritischen Ideologie meinerseits, befürchte indes aber, besagte Aufnahmen entstanden aus einer nicht minder tiefen Enttäuschung über „falsche“ Geschenke. Zur Beruhigung meiner nächsten Angehörigen: Nein, ihr tragt keine Schuld; Wechselbälgern wie mir kann man es nie recht machen, weil in meiner wahren Heimat, dem Feenreich, die eierlegende Wollmilchsau das gewöhnliche Nutzvieh darstellt.

(Moops-P.S. Allerbeste Grüße an dieser Stelle an unseren Karl-Heinz "Karli" Witzko.)

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